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Ein Abend für die Sonate

Das 4. Kammerkonzert am 02. Mai 2022 stellte die Sonate in den Mittelpunkt. Mit Vera Plum (Violine), Birgit Welpmann (Oboe), Minori Tauchiyama (Fagott), Frank Kistner (Kontrabass) und Ursula Hobbing (Cembalo) an den Instrumenten erklangen Werke von der Spätromantik bis zum Barock.

Stellten die Sonate in den Mittelpunkt des Kammerkonzertes: (v.l.n.r.) Minori Tauchiyama, Birgit Welpmann, Frank Kistner, auf der Bank sitzen Vera Plum und Ursula Hobbing
Stellten die Sonate in den Mittelpunkt des Kammerkonzertes: (v.l.n.r.) Minori Tauchiyama, Birgit Welpmann, Frank Kistner, auf der Bank sitzen Vera Plum und Ursula Hobbing

Dabei konnten die Zuhörer einige Kostbarkeiten entdecken wie Musik von Dario Castello, der zur damaligen Zeit (erste Hälfte des 17. Jahrhunderts) sehr avantgardistisch waren. Danach wurde es schwäbisch, denn Guiseppe Antonio Brescianello und Jośe Pla waren beide am Stuttgarter Hof beschäftigt. Brescianellos Sonaten sind sogenannte Triosonaten, zwei Solostimmen und ein Generalbass. Triosonaten waren in der Barockzeit sehr beliebt, es gibt tausende Werke für unterschiedliche Instrumente.

Ob das „Concerto a quattro in d-moll“ tatsächlich von Telemann oder doch von Händel stammt, ist umstritten, dennoch spürt man die Hochzeit des Barocks aus jeder Note.

Nach der Pause ging es mit Gottfried Heinrich Stölzel weiter. Ebenso wie sein Zeitgenosse Johann Sebastian Bach war Stölzel sehr produktiv, was das Komponieren angeht. Auch wie Bach war er im geistlichen Vokalwerk aktiv. Das Fagott stellte Jan Dismas Zelenka in den Mittelpunkt seiner – klar – Triosonate.

Der Tod, das Mädchen und die böhmische Volksseele

Kammerkonzert mit Werken von Franz Schubert und Antonín Dvořák

„Der Tod und das Mädchen“ ist ein Sujet der bildenden Kunst seit der Renaissance. Die Kombination zwischen dem unausweichlichen Tod auf der einen und dem jungen Leben im Bild des Mädchens entwickelt schnell eine erotische Komponente. Einige Jahrhunderte später griff der Dichter Matthias Claudius (1740-1815) das Thema auf und schrieb ein zweistrophiges Gedicht, ein Frage- und Antwortspiel, bei dem der Tod versucht, dem Mädchen die Angst zu nehmen.

Dieses kleine Gedicht vertonte Franz Schubert 1817 in seinem Kunstlied „Der Tod und das Mädchen“ und Teile davon in den zweiten Satz seines Streichquartetts in d-Moll zu verwenden sodass das Streichquartett den gleichen Titel bekam.

Musik von Franz Schubert und Antonín Dvořák erklang beim 3. Kammerkonzert. (Foto: © ApfelEva /pixabay)
Musik von Franz Schubert und Antonín Dvořák erklang beim 3. Kammerkonzert. (Foto: © ApfelEva /pixabay)

Beim dritten Kammerkonzert wurde das Stück am 07.02.2022 im Orchesterzentrum von Lisa Trautmann, Iris Plettner (beide Violine), MinGwan Kim (Viola) und Markus Beul (Cello) zu Beginn gespielt. Die Musiker, Mitglieder der Dortmunder Philharmoniker, präsentierten das Werk in einfühlsamer Weise.

Alle vier Sätze des Streichquartetts sind in Moll gehalten, eine Schwermut durchdringt die vier Sätze, dennoch zeigt sich Schubert in seiner Musik vollkommen auf der Höhe. Besonders berührend ist der vierte Satz, bei dem der Komponist sein Lied „Der Erlkönig“ zitiert, bei dem es auch um den Tod eines jungen Menschen geht.

Nach der Pause ging es etwas fröhlicher zu, denn Antonin Dvořák entführte uns mit seinem Streichquintett in G-Dur op. 77 in seine tschechische Heimat. Dabei unterstützte Tomoko Tadokoro am Kontrabass ihre vier MitstreiterInnen. Bereits im zweiten Satz, dem Scherzo ist die tschechische Volkseele in ihrem Element. Tanzmelodien und lyrische Elemente wechseln sich ab, sodass die melancholische Stimmung schnell verflog.

Ein schöner Kammermusikabend, der durchaus mehr ZuhörerInnen verdient hätte, denn live gespielte Musik ist immer ein besonderes Erlebnis.

Meisterwerk-Miniaturen für das Streichquintett

Im Blickpunkt des 2. Kammerkonzert „Meisterwerk-Miniaturen“ der Dortmunder Philharmoniker im hiesigen Orchesterzentrum stand am 29.11.2021 das Streichquintett.

Das Programm bot mit dem Streichquintett Nr. 3 C-Dur KV 515 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1790) und dem Streichquintett F-Dur von Anton Bruckner (1821 – 1896) meisterliche Sinfonik zu fünft für das Publikum.

Die Streicher standen im Mittelpunkt des 2. Kammerkonzertes mit Musik von Mozart und Bruckner. (Foto: © Ri_ya / pixabay)
Die Streicher standen im Mittelpunkt des 2. Kammerkonzertes mit Musik von Mozart und Bruckner. (Foto: © Ri_ya / pixabay)

An der Geige (Violine) waren Oleguer Beltran Pallarée und Joowon Park, den Bratschen (Viola) Hindenburg Leka und Juan Ureña Hevia und am Violoncello Emanuel Matz zu hören. Die beiden Bratschen ermöglichen zusätzliche klangliche Möglichkeiten.

Der erste Satz (Allegro) in Mozarts Streichquintett Nr. 3 C-Dur ist zwar in Form eines Sonatensatzes komponiert, ist dabei aber ungewöhnlich strukturiert und vielschichtig mit überraschenden harmonischen Wegrichtungen.

Das tänzerische verspielt anmutende Menuett im zweiten Satz hat seine Gewichtung im Mittelteil. Der dritte Satz Andante bietet ein spannendes Duett zwischen erster Geige und erster Bratsche.

Beim Finale im letzten Satz (Allegro) ist fantasievoll und das heitere Rondo-Motiv wurde vom Komponisten kunstvoll ausgeschlachtet.

Das folgende Streichquintett F-Dur von Bruckner zeigt die Entwicklung um Jahrzehnte später. Kontrapunktisch abenteuerlich hat es im ersten Satz noch am ehesten Kammermusikcharakter. Deutlich sind die Elemente der „Miniatur-Sinfonik“. An – und Abschwellen der Lautstärke, Motiv-Wiederholungen, Steigerungen oder Pausen. Das Violoncello wird öfter als Zupfinstrument benutzt. Das Scherzo ist skurril, mal flott und tänzerische , dann wieder lyrisch und langsamer.

Besonders bewegend der dritte Satz (Adagio). Der vierte Satz entspricht nicht den üblichen Erwartungen an eine Rondo-Heiterkeit. Es kommt abenteuerlich, gelöst und spielerisch-luftig daher. Zum Ende hin wird es aber, wie bei einem wahren Sinfoniker erwartet hymnisch.

Es ist immer wieder interessant, bei einem Kammerkonzert (intimeren ) die Instrumentengruppen und die hervorragenden Solisten der Dortmunder Philharmoniker genauer kennenzulernen.

Lieder der Tröstung voll Schmerz und Zuversicht

Am 18.10.2021 standen beim 1. Kammerkonzert der Dortmunder Philharmoniker im hiesigen Orchesterzentrum die Streichinstrumente im Mittelpunkt.

Onyou Kim und Natalie Breuninger (Violine), Juan Ureňa Hevia und Seulki Ha (Viola) sowie Emanuel Matz und Florian Sebald (Violoncello) konnten nicht nur ihr technisches Können, sondern auch die vielfältige Ausdruckskraft ihrer Instrumenten deutlich machen.

Vor 80 Jahren fanden die ersten systematischen Deportationen der Juden in die Todeslager der Nationalsozialisten statt.

So passte es sehr gut, dass neben dem romantischen und zudem expressiven Streichsextett B-Dur op. 18 von Johannes Brahms (1823 -1897) zuvor auch Werke von drei Komponisten jüdischer Herkunft auf dem Programm standen.

Alexander Zemlinsky (1871 – 1941), Gideon Klein (1919 – 1945) und Viktor Ullmann (1898 – 1944) sind entweder an den Folgen der Nazi-Verfolgung oder im Konzentrationslager ermordet worden. Klein und Ullmann wurden von den Nationalsozialisten im Ghetto Theresienstadt genötigt bei ihrer Inszenierung eines „besonders lebendigen Kulturlebens“ als Musiker ihren Beitrag zu leisten. Sie versuchten, Energie und Kraft aus ihrer Situation zu schöpfen und den Lagerinsassen in ihren Leiden und Schmerzen auch etwas Hoffnung zu vermitteln.

Kompositionen von Künstlern, die in Konzentrationslagern ermordet wurden, standen im Mittelpunkt des Kammerkonzerts.
Kompositionen von Künstlern, die in Konzentrationslagern ermordet wurden, standen im Mittelpunkt des Kammerkonzerts.

Mit der Sopranistin Anna Sohn vom Dortmunder Opernensemble sorgte eine starke und kraftvolle Stimme für eine sensible Interpretation der Liedtexte. Dabei hatten Musik und Gesang den gleichen Stellenwert.

Alexander Zemlinskys Komposition „Maiblümchen blühten überall“ (1902/1903) für Sopran und Streichsextett, erzählt nach einem Gedicht von Richard Dehmels die tragische Geschichte zweier Liebender mit floraler Symbolik und Melancholie.

Gideon Kleins folgende musikalisch höchst expressive und trauer-volle „Fantasie und Fuge für Streichquartett“ ist 1942 entstanden. Seine Paarung von musikalischen Formen hat ihre Vorbilder im Barock.

Viktor Ullmanns „Herbst“ (für Singstimme und Streichtrio nach Georg Trakl) und „Lieder der Tröstung“ (für Singstimme und Streichtrio nach dem Anthroposophen Albert Steffen) sind beeinflusst von der christlichen Mystik. Sie berichte von Verbitterung und Zuversicht.

Alle gespielten Werke der drei Komponisten sind von der atonalen Musik ihres Lehrmeisters Arnold Schönberg beeinflusst.

Als Zugabe für das Publikum gab das tröstende „Abends, wenn ich schlafen geh“ aus „Hänsel und Gretel“ wunderbar instrumentalisiert.

Streichergruppe im Mittelpunkt des 3. Kammerkonzerts

Eine Gruppe von sechs Streicher*innen der Dortmunder Philharmoniker lud am 27.01.2020 unter dem Motto „Wiener Nächte“ zum 3. Kammerkonzert in das Orchesterzentrum NRW.

Mit dabei waren Joowon Park und Oleguer Beltran Pallarés an der Violine, Hindenburg Leka und Mingwan Kim an der Viola sowie Franziska Batzdorf und Andrei Simion am Violoncello.

Die auf dem Programm stehenden „Verklärte Nacht“ op. 4 von Arnold Schönberg (1874 – 1951) und nach der Pause das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert (1797 – 1928) boten den Musiker*innen viel Gelegenheit, dem Publikum ihr virtuoses Können und das Facettenreichtum ihrer Streichinstrumente zu Gehör zu bringen.

Die Streicher standen beim 3. Kammerkonzert im Mittelpunkt. (Foto: © katermikesch auf Pixabay)
Die Streicher standen beim 3. Kammerkonzert im Mittelpunkt. (Foto: © katermikesch auf Pixabay)

Der eigentlich als „Erfinder“ der Zwölftontechnik bekannte Arnold Schönberg war jedoch auch von der Romantik, speziell von Richard Strauss und Gustav Mahler beeinflusst. Inspiriert von einem Gedicht von Richard Dehmel (1863 – 1920) entstand seine „Verklärte Nacht“ für Streichsextett. Es beschreibt einen Spaziergang eines paares im Mondschein. Die Frau ist von einem fremden Mann schwanger, ihr Partner steht jedoch zu ihr und dem Kind. Die ganze Dramatik und die Gefühlsschwankungen spiegeln sich in dem einsätzigen Musikwerk wieder. Es besteht aus fünf pausenlos ineinander übergehenden Teilen, die den wechselnden Stimmungen der Gedichtstrophen folgen. Mal dramatisch aufwühlend, dann wieder ruhiger und voll heiterer Hoffnung.

Das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert nach der Pause, bot in seinen fünf Sätzen ebenfalls einige dramatische Stimmungswechsel sowie abrupte Modulationen und Themen, die oft wie Überleitungen wirkten. Tonarten werden von Schubert in neue Zusammenhänge gestellt.

Ungewöhnlich der Einsatz eines zweiten Violoncello anstelle einer zweiten Bratsche (Viola). So wurde Schuberts Musikwerk ohne Mingwan Kim (Viola) gespielt.

Es ist immer wieder interessant und spannend, die Musiker*innen der Dortmunder Philharmoniker in kleineren Zusammenhängen mit ihrem speziellen Instrumenten erleben zu dürfen.

Abwechslungsreicher Hörnerklang beim 2. Kammerkonzert

Die Kammerkonzerte der Dortmunder Philharmoniker sind immer eine gelungene Möglichkeit, die verschiedenen Instrumentengruppen kennenzulernen. Am 02. Dezember 2019 standen die Hörner im Mittelpunkt des 2. Kammerkonzertes dieser Spielzeit. Das Instrument von sich im Laufe der Zeit entwickelt: Vom Jagdhorn über das Naturhorn bis hin zum modernen Ventilhorn mit seinen Varianten wie der Wagner-Tuba. Die acht Musikerinnen und Musiker präsentierten eine große Bandbreite des Instrumentes.

Zu Beginn hörten wir die „Sonate pian e forte“ des venezianischen Komponisten Giovanni Gabrieli (1557-1612). Er stand zwischen Renaissance und Barock und galt als avantgardistisch. Der Komponist verknüpft die Tradition der Vokalpolyphonie und die venezianische Mehrchörigkeit zu einem bewegenden Klangbild, das die Hornisten in zwei Vierergruppen eindrucksvoll wiedergeben.

Im 2. Kammerkonzert präsentierte die Horngruppe einen sehr abwechslungsreichen Klang ihres Instrumentes. Image by <a href="https://pixabay.com/users/AlLes-2597842/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=2878648">Alexander Lesnitsky</a> from <a href="https://pixabay.com/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=2878648">Pixabay</a>
Im 2. Kammerkonzert präsentierte die Horngruppe einen sehr abwechslungsreichen Klang ihres Instrumentes. (Foto: © Alexander Lesnitsky from Pixabay)

Der Sprung danach führte zu Paul Hindemith (1895-1963). Gespielt wurden zwei Sätze aus der „Sonate für vier Hörner“. Zu Beginn erklang ein ruhiges Fugato, gefolgt von einem lebhaften Satz mit häufigen Taktwechseln. Anspruchsvoll, aber souverän gespielt von der Horngruppe.

Zurück in die Zeit Mozarts brachte der „Grand Sextuor op. 10“ von Louis-François Dauprat (1781-1868), der auch Professor für Horn am Conservatoire de Paris war. Daher erforschte Dauprat neue Ausdrucksregister und Klangfacetten des Instrumentes. Einiges war davon im „Großen Sextett“ zu hören. Von leisen melancholischen Klängen im „Adagio“ bis zu wilden Klängen im „Finale“ – alles war dabei.

Vor der Pause ging es nach Russland oder besser in die Sowjetunion. Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) schrieb mit dem „Walzer Nr.2“ ein Stück für die Ewigkeit. Den Walzer von Hörnern geblasen zu bekommen, war sicherlich eine neue Erfahrung für viele Besucher.

Nach der Pause kam die geballte Kraft der Romantik. Erst ein paar Tage vorher spielten die Hornisten zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen die Oper „Lohengrin“. Die „Lohengrin-Fantasie“ von Richard Wagner (1813-1883) brachte ein „Best-of“ der schönsten Melodien aus „Lohengrin“. Bei Wagner ist Anton Bruckner (1824-1896) nicht weit weg. Sein kurzes „Andante in Des-Dur“ gehört eigentlich zu einem von drei Chorälen. Sehr besinnlich war auch die Musik. Danach gab es wieder ein „Best of“, diesmal erklangen M+-elodien aus „Carmen“ von Georges Bizet (1828-1875).

Insgesamt war es ein schönes Konzert, das den Zuhörern die Horngruppe der Dortmunder Philharmoniker nahebrachte. An den Instrumenten wareN Monika Lorenzen, Shukuko Okamoto-Farges, Gregor Fas, Ferenc Pal, Arnd Schmitt, Florian Winkelmann, Yukako Golebiowski und Jan Golebiowski.

Emotionale Cello-Tour durch alle Epochen und Stilrichtungen

Die Cellisten der Dortmunder Philharmoniker luden am Montag, den 07.10.2019 zum 1. Kammerkonzert der neuen Spielzeit in das hiesige Orchesterzentrum. Insgesamt sieben Cellisten und zwei Cellistinnen waren mit von der Partie. Risto Rajakorpi, Emanuel Matz, Hauke Hack, Markus Beul, Florian Sebald, Andrei Simion, Franziska Batzdorf, Weimo Gao und Denis Krotov boten dem Publikum unter dem Titel „Plaisir d‘amour“ (Vergnügen der Liebe) ein großes Spektrum aus allen Epochen und Stilrichtungen. In verschiedenen Konstellationen kamen sie an diesem Abend zum Einsatz.

Das Violoncello als Instrument mit seiner Mittelposition zwischen Violinen bis zu den tiefen Kontrabässen bietet vielfältige emotionale Ausdrucksmöglichkeiten. Das zeigten die Musiker mit ihrem Programm, bei dem sie zudem noch von Emily Newton unterstützt wurden. Die Sopranistin ist vielen noch aus ihrem Zeit im Opernhaus Dortmund (z.B. als Anna Nicole) in bester Erinnerung.

Mit Henry Mancinis (1924 – 1994) „The Pink Panther“ ging es beschwingt los. Emily Newton konnte dann schon beim bewegenden „Bachianas Brasileiras Nr. 5“ (Heitor Villa-Lobos, 1887 – 1959) ihre Stimmgewalt und Einfühlungsvermögen unter Beweis stellen.

Nach einem kleinen Ausflug in die Welt der barocken Fugen und Suiten, folgte noch eine besondere Überraschung. Mit Hauke Hacks Arrangement ging es ganz praktisch um die Bedeutung der „Fugen“ beim Maurerhandwerk. Hier ließ es sich Emily Newton nicht nehmen, den gesanglichen Part mit dem speziellen Text aus einem Lehrbuch für Maurer zu übernehmen.

Ein Höhepunkt direkt vor der Pause war sicherlich das eindringliche „Nearer my God to thee“ (Lowell Mason, 1792 – 18729), dass auch auf der Titanic kurz vor ihrem Untergang gespielt worden war, so die Legende

Humor zeigten Hauke Hack und sein Kollege Florian Sebald nach der Pause beim Frühlingsstimmenwalzer op. 410 (Johann Strauß (Sohn), 1825 – 1899), arrangiert von Thomas Mifune. Beide spielte zusammen an einem Cello!

Nach einem flotten „Bossa nova“ von Wilhelm Kaiser-Lindemann (1940 – 20109) begeisterten die Cellogruppe gemeinsam mit Emily Newton mit einer sensiblen Interpretation von „Summertime“ (George Gershwin, 1898 – 1937). Auf einen flotten „Mambo for six“ (Wilhelm Kaiser-Lindemann) folgte ein weiterer emotionaler Höhepunkt. Für die Cellistin Franziska Batzdorf wurde vom Hauke Hack „Salut d‘amour“ (Edward Elgar, 1857 – 1934) speziell arrangiert.

Zum Ende hin ging es passend traditionell mit einer etwas jazzigen Version des bekannten „Nehmt Abschied Brüder“ (arrangiert von Stefan Reichertz und Hauke Hack). Mit „Voyage, Voyage“ von Dominique Dubois (*1951)/ Jean-Michel Rivat (*1939), bekannt geworden 1986 durch die Sängerin Desireless wurde das offizielle Programm beendet. Hier konnte Emily Newton und die MusikerInnen noch einmal ihr vielseitiges können zeigen.

Ein gelungener Abend, der dem Publikum viel Vergnügen bereitete und ihnen den besonderen Zauber des Violoncellos näher brachte. Es wurde nicht nur musikalisch berührt, sondern auch öfter durch den Humor und die Spielfreude der Akteure zum Schmunzeln gebracht.

Ensemble ArtCollage präsentiert Liebesreigen

Kurz vor dem kalendarischen Sommerbeginn luden die Musiker des Ensemble „ArtCollage“ am 17.06.2019 zum 5. Kammerkonzert unter dem Motto „Irrwege der Liebe“ in das Dortmunder Orchesterzentrum. Es ging um die Irrungen und Wirrungen dieser großen Emotion.

Die Mitglieder in diesem auserwählten „Musiker-Pool“ haben sich im Laufe der Jahre durch Kammer- und Orchestertätigkeit in NRW kennen und schätzen gelernt. Darunter sind auch Mitglieder der Dortmunder Philharmoniker. Dabei standen an diesem Abend die Blasinstrumente, unterstützt vom Kontrabass (Asako Tedoriya) im Mittelpunkt.

Auf der Bühne agierten neben Asako Tedoriya Bettina Geiger (Flöte), Anke Eilhardt und Christiane Dimigen (Oboe), Fabian Hauser und Alexander Schwlab (Klarinette), Minori Tsuchiyama und Bernhard Wesenick (Fagott) sowie Stefan Fellhauer und Ferenc Pal (Horn).

Harmoniemusik zu „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) und Sergej Prokofjew (1833 -1897) standen auf dem Programm. Beide in Bearbeitung von Andreas N. Tarkmann. Grundlage für beide musikalische Werke waren die Klassiker „Ein Sommernachtstraum“ und „Rome und Julia“ aus dem 16. Jahrhundert von William Shakespeare.

Das Ensemble ArtCollage verband in seinem Konzert Musik und Literatur (John Wesley Zielmann am Lesetisch). (Foto: © Anneliese Schürer)
Das Ensemble ArtCollage verband in seinem Konzert Musik und Literatur (John Wesley Zielmann am Lesetisch). (Foto: © Anneliese Schürer)

Als zusätzliche Ebene wurde der Schauspieler John Wesley Zielmann als Sprecher eingesetzt, der sehr lebendig und bildhaft die entsprechende Texte zu den Dramen vortrug.

Sprecher und Musiker wechselten sich jeweils. Nicht nur um sich zu ergänzen, sondern die Ausdruckskraft der Werke im Zusammenhang mit der expressiven und sensiblen Klangfarben der Instrumente noch zu verstärken.

Nebenbei konnte das Publikum die Instrumente einzeln und im Zusammenspiel in all seien Besonderheiten und allen Schattierungen erleben.

Egal ob als melancholischer Trauermarsch, verspielter Rüpel – oder Elfenmarsch, oder bei dem bekannten feierlichen Hochzeitsmarsch beim „Sommernachtstraum“ zeigten schon ihr Können.

Nach der Pause interpretierten sie die romantisch-dramatische Musik von Prokofjewmit viel Feingefühl und Temperament.

Ein „ganzheitliches“ besonderes Erlebnis für die Zuhörerinnen und Zuhörer an diesem warmen Frühsommer-Abend.

Ausdrucksvolles Kammerkonzert um „Gefahr und Frieden“

Im Dortmunder Orchesterzentrum stand am 13.05.2019 die Streicher der hiesigen Philharmoniker unter dem Motto „Gefahr und Frieden“ im Mittelpunkt.

Beteiligt waren neben Hauke Hack (Violoncello), der auch mit „pieces for peace – Bans İçin Eserler“ auch eigene Kompositionen aus den letzten Jahren beitrug, Branca Weller (Violine), Judith Schween (Violine), Hindenburg Leka (Viola), Saskia Simion (Viola) und Christiane Schröder (Violoncello). Frank Kistner am Kontrabass unterstützte die sechs KollegInnen bei den musikalischen Sätzen von Antal György Csermàks (1744-1822) „Die drohende Gefahr oder Die Vaterlandsliebe“.

Mit „pieces for peace“ hat Hauke Hack in jedem Satz wunderbare musikalische Porträts von Namen und Eigenschaften verschiedener Freunde, Verwandten oder Bekannten geschaffen. Gewidmet wurde die Stücke der englischen Politikerin Jo Cox sowie der deutschen Lehramtsstudentin Tuğçe Albayrak, die beide aus politischen Gründen ermordet wurden.

Das Publikum konnte sich davon überzeugen, das die Satzbezeichnungen sensibel durch die Musik transformiert wurden. Sogar bekannte Melodie wie „Happy Birthday“ oder „Lasst uns froh und munter sein“ waren für das geübte Ohr (heraus) zu hören.

Hauke Hack spielte mit seinen Streicherkolleginnen und -kollegen auch eigene Kompositionen beim Kammerkonzert . (Foto: © Anke Sundermeier)
Hauke Hack spielte mit seinen Streicherkolleginnen und -kollegen auch eigene Kompositionen beim Kammerkonzert . (Foto: © Anke Sundermeier)

Im Wechsel dazu erklangen jeweils einzelne Sätze von „Die drohende Gefahr oder Die Vaterlandsliebe“ des berühmtesten ungarischen Komponisten Antal Gyögy Csermàk. Seine Komposition zeichnet sich durch eindrucksvolle Schlachtengemälde (zur Zeit der Napoleonischen Kriege um 1809) unter Einbeziehung des damals zur Anwerbung von Soldaten gespielten Verbunkos-Tanzes und wechselt von temperamentvoll „kampfbereit“ bis melancholisch-traurig. Die Schrecken und Grausamkeit des Krieges im Hintergrund.

Nach der Pause ging es mit dem Streichsextett G-Dur op. 36 von Johannes Brahms (1833-1897) friedlicher weiter.

Tragischer Hintergrund dieses Werkes ist die unglückliche Liebe von Brahms zu Agathe von Siebold. Der Komponist wollte diese endgültig verarbeiten und sich von ihr losmachen. Das Seitenthema im Kopfsatz bezeugt, um wen es sich hier handelt. Es beinhaltet deutlich die Notenfolge a-g-ad-h-e. Ein kompositorisches Prinzip, das Hauke Hack in seinen musikalischen Porträts ja ebenfalls verwendet.

Die Musik ist durch klare Linien, melancholischen Adagio und einem bewegenden Final gekennzeichnet.

Als Zugabe wurde dem Publikum noch ein schmissiger ungarischer „Czardasz“ geboten.

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Ausdruckskraft der Musik und der Streichinstrumente.