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Clavierfeuerwerke mit Felix Mendelssohn Bartholdy und mozartesque Sinfonie von Schubert

Wiener Klassik Schmankerl mit der Dortmunder Philharmonie

Zwei Konzert Feuerwerke für Klavier und Orchester, Nr.1 g-Moll op. 25 und Nr. 2 d-Moll op. 40 von Bartholdy unter dem Dirigat von Antoni Wit und Klaviersolistin Jasminka Stancul.

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Musikalische Funken beim Wiener Klassik Konzert

Das 1. Konzert Wiener Klassik „Olympie“ am 13.12.2021 der Dortmunder Philharmoniker unter der dynamischen Leitung von Johannes Klumpp (künstlerischer Leiter der Heidelberger Sinfoniker) versprühte den Konventionen brechenden musikalischen Wind der Aufklärung. Historische Stoffe mit oft exotischen Sujets waren damals sehr beliebt.

Zu Beginn standen im Dortmunder Konzerthaus zunächst die Ouvertüre aus der Schauspielmusik zu „Olympie“ ( eine Tochter von Alexander des Großen) vom „schwedischen Mozart“ Joseph Martin Kraus (1756 – 1792) auf dem Programm. Bei dem Stoff (Vorlage Voltaire) geht um eine Frau zwischen zwei Männern mit tragischem Ende. Dramatisch ist auch die Musik.

Von Hadyn bis Richard Strauß – das 1. Konzert Wiener Klassik besaß eine große Bandbreite.
Von Hadyn bis Richard Strauß – das 1. Konzert Wiener Klassik besaß eine große Bandbreite.

Die Ouvertüre gibt sich zunächst düster und feierlich, beim folgenden Allegro stark emotional, ehe es zum Ende wieder feierlich wird und leise verklingt.

Es folgte das Konzert für Waldhorn und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 11 von Richard Strauss (1864 – 1949).

Hier konnte der renommierte Hornist Christoph Eß sein Können und Feingefühl an diesem Instrument beweisen. Das Konzert für Waldhorn ist nicht nur kompliziert und anspruchsvoll, es besticht auch durch seine Vielseitigkeit. Mal kommt es romantisch daher, dann wieder kraftvoll mit starken Klängen. Beim Andante (2. Satz) überzeugend mit einem schönen Zusammenspiel von Horn und Streichern. Das Finale mit einem virtuosen Rondo „Jagdstück“ setzten die beiden das Horn begleitenden Flöten glanzvolle Akzente.

Nach der Pause folgte die Schauspielmusik zu „Thamos, König von Ägypten“ KV 345 (366a) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 -1791). Die Musik von Mozart diente als Spiegel der Handlung des „Heroischen Dramas“ Thamos. Zu Anfang ist der Klang noch feierlich (Krönung von Thamos). Schnell wechselt das Ganze vom gediegenen Maestoso zum lebendigen Allegro und hält die Spannung aufrecht. Dann sprengt der Komponist später die Grenzen seiner üblich bekannt gefälligen Musik. Es wird dramatisch und er changiert wunderbar zwischen Dur und Moll.

Unerwartetes und unkonventionelles bietet die Sinfonie Nr. 94 G-Dur „mit dem Paukenschlag“. Der Beiname „mit dem Paukenschlag“ aus dem 2. Satz ist nicht ganz präzise. Das ganze Orchester schreckt das Publikum mit einem überraschenden Fortissimo-Akkord auf. Die langsame Einleitung des 1. Satzes folgt schon ein bewegendes tänzerisches „Viivace assai“ im Funken schlagenden Sechsachteltakt.

Das bewusst „einfältig-langweilig“ gehaltene Andante versetzt vor dem „Paukenschlag“ in eine trügerische Ruhe. Es folgt eine variationsreich auftrumpfende Phase durch Dur und Moll, wird von den Streichern musikalisch umflutet.

Das Menuett erinnert an volkstümliche Tanzmusik und beschleunigt zum Allegro molto. Das Finale überrascht mit dem ständig wiederkehrenden Rondo-Thema im Piano. Es steigert sich dynamisch und das gesamte Orchester setzt schließlich im Forte ein.

Der Übermut ist durch den Paukenwirbel am Ende nicht zu stoppen, das Publikum auch nicht und belohnt die Leistung der Beteiligten mit viel Applaus.

Konzert Wiener Klassik mit Werken dreier Großmeister

Die Dortmunder Philharmoniker lud am 24.02.2020 unter dem Titel „Im Puls von Kolja Blacher“ im Rahmen der Wiener Klassik Reihe in das hiesige Konzerthaus. Für dieses Konzert wirkte der renommierte Violinist Kolja Blacher als „Pulsgeber“ sowohl in einer Doppelfunktion als Musiker und Dirigent. Auf dem Programm standen die Werke dreier berühmter Komponisten, die in einem eigenen Bezug zu Wien standen.

Die Sinfonie D-Dur KV 385 „Haffner“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) entstand zu einer arbeitsintensiven Zeit für den Komponisten. Auch privat war es eine aufregende Zeit für Mozart. Er lebte 1782 bei seinen künftigen Schwiegereltern Weber und die Hochzeit mit deren Tochter Constanze war im vollen Gange.

Die Auftragsarbeit der reichen und einflussreichen Familie Haffner aus Salzburg zur Feier der Erhebung des Sohnes in den Adelstand. Im Jahr 1777 hatte Mozart schon eine sechssitzige Serenade für den Vater (Sigmund Haffner) komponiert. Diese wurde für die „Haffner“ Sinfonie auf vier Sätze gekürzt, Mozart tilgte Wiederholungen und fügte Flöten sowie Klarinetten hinzu. Das Werk zeugt von der großen musikalisch-dramatischen Kunst des Komponisten. Im zweiten Satz sind die Anklänge an die Serenade zu erkennen. Die typische „Verspieltheit“ des Komponisten durfte natürlich in der Sinfonie auch nicht fehlen. Blacher führte sich mit seiner Violine als gleichwertiger Teil der Philharmoniker gut in das Orchester ein.

Kolja Blacher glänzte nicht nur als Musiker an der Violine, sondern auch als Dirigent. (Foto: © Anna Marenčáková auf Pixabay)
Kolja Blacher glänzte nicht nur als Musiker an der Violine, sondern auch als Dirigent. (Foto: © Anna Marenčáková auf Pixabay)

Das folgende Violinkonzert D-Dur op. 61 von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) für einen befreundeten Geiger (Franz Clement) wurde 1806 in Wien präsentiert und setzte Maßstäbe für die Ewigkeit. Es gibt weniger dynamische Zuspitzungen, dafür passiert motivisch und thematisch so einiges. Allein das außergewöhnliche pochende Motiv der Pauken wird in verschiedenster Weise variiert. Mal steht die Solo-Geige, mal das Orchester im Vordergrund. Kolja Blacher konnte sein Können und Einfühlungsvermögen in dieser „gleichberechtigten“ Beziehung voll zur Geltung bringen. Außerdem fungierte er zwischendurch immer wieder als Dirigent und hatte das ganze Orchesterkonzept im Blick.

Nach der Pause folgte die 104. Sinfonie D-Dur von Joseph Haydn (1732 – 1806). Der Komponist weite nach dem Tod seines Mäzens Prinz Nikolaus Esterházy in Wien. Von dort aus lockte ihn der Ruf (1791 – 1792) nach London. Der Geiger und Impresario Johann Peter Salomon machte ihm ein Vertragsangebot für eigentlich sechs Sinfonien. Es war der Beginn einer großen Begeisterung der Londoner (Briten) für die Musik Haydns.  Diese Sinfonie ist ein gutes Beispiel für die Fähigkeit des Komponisten, raffinierten Kontrapunkt mit volkstümlich-gängigen musikalischen Themen variationsreich zu verbinden. Auch bei dieser Sinfonie wurde Kolja Blacher mit seiner Violine wieder zu einem bereichernden Bestandteil der Dortmunder Philharmoniker.

Wiener Klassik im Puls von Wolfgang Emanuel Schmidt

Der Generalmusikdirektor Gabriel Feltz und die Dortmunder Philharmoniker überraschen uns wieder einmal in der neuen Spielzeit. Im Rahmen der Wiener Klassik-Konzerte werden jeweils drei herausragende Solisten eingeladen, damit sie als Solisten und Dirigenten mit dem hiesigen Orchester auf Augenhöhe musizieren können.

Den Anfang verbindet diese beiden Passionen der renommierte Cellist Wolfgang Emanuel Schmidt (*197 im Zusammenspiel mit der Philharmoniker. Auf dem Programm standen Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 – 1791) Sinfonie A-Dur KV 201, die Variationen über ein Rokoko-Thema A-Dur op. 33 von Peter Tschaikowsky (1840 – 1893) und die 98. Sinfonie B-Dur von Joseph Haydn (1732 – 1809).

Obwohl Tschaikowsky eigentlich zeitlich aus dem Rahmen der „Wiener Klassik“ fällt, war er doch ein großer Bewunderer von Mozart. Seine Variationen über ein Rokoko-Thema ist ein Beleg dafür.

Mozarts Sinfonie A-Dur beginnt zunächst leise, in den insgesamt vier Sätzen entwickelt sich aber eine überraschende Dynamik mit Tempowechsel. Der zweite Satz besticht durch eine emotionale Tiefe, und als dritten Satz hat der Komponist noch ein forsches Menuett eingefügt. Das quirlige Finale im vierten Satz ist voller Bewegungsenergie, selbst im zweiten leiseren Thema, und die Sinfonie endet ebenso furios. Auch in diese ersten „reifen Sinfonie“ ist die Vorliebe des Komponisten für das musikalisch Verspielte zwischendurch erkennbar.

Wolfgang E. Schmidt zeigte sein Können am Cello. (Foto: © Andreas Malkmus)
Wolfgang E. Schmidt zeigte sein Können am Cello. (Foto: © Andreas Malkmus)

Bei den folgenden sieben Variationen über ein Rokoko-Thema von Tschaikowsky konnte Wolfgang Emanuel Schmidt nicht nur sein Können und Feingefühl im Umgang mit seinem Violoncello zeigen, sondern das Zusammenspiel mit der Dortmunder Philharmoniker war sehr gut. Die starke Emotionalität und Variationsvielfalt dieses Werkes kam in all seinen Facetten zur Geltung. Als Zugabe für das begeisterte Publikum gab es noch ein Haydn-Menuett im Zusammenspiel des Cellisten mit seiner damaligen ersten Studentin Franziska Batzdorf (Violoncello) von den hiesigen Philharmonikern.

Nach der Pause folgte noch die in seiner Londoner Zeit entstandene 98. Sinfonie B-Dur von Joseph Hadyn.

Die Einleitung im ersten Satz ist eher langsam barock und im traurigen Moll angelegt, um das Thema dann später in einem schnellen Allegro-Hauptteil doppelt so schnell zu spielen. Immer wieder weicht der Komponist von gewohnten klassischen Formen formal und harmonisch ab und irritiert so das Hörverhalten des Publikums. Das emotionale zweite Satz mit einem kräftigen Mittelteil scheint wie ein Requiem für den im Jahr 1791 verstorbenen Mozart zu sein.

Der dritte Satz ist ein temporeiches Menuett, bei dem im intimen Mittelteil eine Drehfigur dominiert, die von Fagotte und Streicher etabliert wird und sich durch die gesamte Passage zieht. Dann wird der Rahmenteil mit Pauken und trompeten wiederholt.

Wie ein klassisches Jagd-Finale beginnt danach der vierte Satz Haydn bricht das Ganze aber durch einen plötzlichen Wechsel in ungewohnte Harmonien.

Für die allerletzten Takte hat sich der Komponist mit scherzhafter Ironie etwas besonderes auf. Ein Cembalo-Solo. Für die damalige Zeit ungewöhnlich.

Hat dieses Instrument als Generalbass-Instrument in der Sinfonie doch eigentlich nur eine begleitende Funktion. Damit stiehlt der Cembalist am Ende allen anderen die Show.

Wiener Klassik mit viel Berlin-Bezug

Die Dortmunder Philharmoniker unter Leitung des jungen Dirigenten Justus Thorau (seit Herbst 2018 1. Kapellmeister am saarländischen Staatstheater), lud Musikfreunde am 27.05.2019 zum 3. Konzert Wiener Klassik unter dem Motto Berlin in das hiesige Konzerthaus.

Auf dem Programm standen Werke von drei Komponisten des 19. Jahrhunderts, die eine besondere Beziehung zur Musikmetropole Berlin. Diese Stadt zählte um 1800 schon über 150.000 Einwohner und hatte eine wachsende Anziehungskraft und Einfluss für vielen Kulturschaffende.

Da wäre zunächst E.T.A Hoffmann (1776 – 1822) mit seiner Sinfonie Es-Dur. Auch wenn ihn im Laufe seines Lebens zuweilen in andere Städte trieb, blieb Berlin doch immer ein Zentrum seines Wirkens. Vielen ist Hoffmann eher als Vater der fantastischen romantischen Literatur bekannt.

Bei ihm mischten sich jedoch Musik und Literatur und als Komponist war er vor allem ein Verehrer von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Jahr 1805 machte er sogar aus „Theodor Wilhelm“ „Theodor Amadeus“.

Kirill Troussov spielte das Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. (Foto: © Marco Borggreve)
Kirill Troussov spielte das Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. (Foto: © Marco Borggreve)

Seine Sinfonie Es-Dur ist durchaus (wie damals üblich) an die von Mozart (KV 543) angelehnt. Das merkt man vor allem beim ersten Satz mit seiner feierlichen Einleitung. Die verarbeiteten Themen sind aber von ganz anderer Natur. Es strebt zunächst ausgestattet mit Trillern in die Höhe, um nach einem kurzen Verarbeitungsteil in einer musikalischen Rekapitulation zu enden.

Der zweite Satz Andante con moto (gleiche Satzbezeichnung wie bei Mozart) ist wieder ähnlich verspielt wie wir es von Mozart kennen. Das Menuett hat dann etwas Fantastisches und skurriles, wie es nur von E.T.A. Hoffmann kommen kann. Es folgt ein furioses Finale, das wieder an Mozart erinnert.

Vor der Pause wurde dem Publikum noch die Ouvertüre G-Dur des italienischen Komponisten Luigi Maria Cherubini (1760 – 1842). Er zählt ebenfalls zu der zu Unrecht vernachlässigten Kategorie von Komponisten. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs waren seine Handschriften und Partituren für lange Zeit in der Berliner Staatsbibliothek zu finden. Nachdem sie danach in Krakau verbracht wurden, sind sie nun in einer Werksausgabe seit vier Jahrzehnten der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Ouvertüre G-Dur, eine Sammelbestellung der Londoner Philharmonic Society, entfacht nach einer eher langsamen Einleitung bis zu seinem an Tempo reichen effektvollen Schluss viel dramatisches musikalisches Feuer. Das wurde auch vom Meister Ludwig van Beethoven sehr geschätzt.

Nach der Pause erfreute die Philharmoniker unter schwungvoller Regie von Justus Thorau und den in St. Petersburg geborenen und in München wohnenden Violinisten Kirill Troussov mit dem Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847). Dieser hatte einen Großteil seiner Kindheit und Jugend in Berlin verbracht, litt aber immer unter den unterschwelligen nationalistisch-antisemitischen Ressentiments der Umgebung.

Sein Violinkonzert ist nicht nur wie aus einem Guss, sondern bietet auch kleine Überraschungen. So wurden etwa die musikalischen Themen am Anfang nicht vom Orchester vorgestellt, sondern gleich im zweiten Takt von der Violine. Der technisch brillante Violinist hatte schnell Gelegenheit, sein Können und spielerische Sensibilität zu zeigen. Schwelgerisch, leichtfüßig und filigran begeistert das Konzert. Das Allegro molto vivace liefert zum Ende einen prickelnden aufgeräumten Abschluss.

Als Zugabe für das begeisterte Publikum gab in diversen Variationen (mit Orchester-Unterstützung) das alte neapolitanische Lied „Carnevale di venezia“ (Niccolo Paganini), vielen besser bekannt als „Mein Hut der hat drei Ecken“.

Wiener Klassik und musikalischer Sturm der Revolution

Die unruhigen Zeiten zum Ende des 18. Jahrhunderts, die besonders in der Französischen Revolution seinen explosiven Ausbruch fand, hatte auch auf die zeitgenössische Musik seinen maßgeblichen Einfluss. Paris, als Hauptstadt der politischen Umwälzungen, stand am Beispiel der Werke von vier bedeutenden Komponisten im Mittelpunkt des 2. Konzertes Wiener Klassik. Die Dortmunder Philharmoniker spielten unter der schwungvollen Leitung vom 1. Kapellmeister und stellvertretenden Generalmusikdirektor Motonori Kobayashi.

Direkt oder indirekt hatte die Revolution in Frankreich Einfluss auf die Komponisten in der Zeit. Zu Beginn stand die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 op. 72 von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) auf dem Programm. Diese Ouvertüre ist quasi ein musikalische Mini-Drama, das dem Publikum die Handlung der „Leonore“ eindringlich mit seinem langsamen und harmonischen Anfang, seinen Dissonanzen und Steigerung sowie magischen Momenten näher. Die Geschichte um den in einem Kerker gefangenen Freiheitshelden Florestan, der von seiner Frau und Protagonistin Leonore mit Hilfe einer Verkleidung als männlicher Kerkerknecht aus seiner misslichen Lage gerettet wird.

Annika Treutler spielte das 4. Klavierkonzert in G-Dur von Joseph Haydn. (Foto: © Neda Navae)

Eine schöne Melodie deutet das Happy End an, und Trompetenfanfaren von außerhalb des Orchesters sorgen für einen besonders magischen Moment. Symbolisch stehen sie für den Minister, der Florestans Rettung ankündigt.

Das folgende 4. Klavierkonzert G-Dur von Joseph Haydn (1732 -1809) entstand in den 1780er Jahren, als ein Kompositionsauftrag aus Paris den Meister erreichte. Obwohl als kein ausgesprochen virtuoses Werk, ist es doch höchst anspruchsvoll und einfallsreich komponiert.

Die junge Pianistin Annika Treutler bewies am Klavier durchaus ihr virtuoses und Feingefühl an ihrem Instrument. Begleitet wurde sie für das Klavierkonzert nur von den Streichern. Schon beim kraftvollen ersten Satz wurde ihr Können herausgefordert. Im verträumten Adagio (2. Satz) begleiteten sie die Streicher mit Dämpfer. Der letzte Satz war ein temperamentvolles Rondo mit witzigen Akzenten. Als Zugabe gab es für das begeisterte Publikum die „Fantasia C-Dur“ von Joseph Haydn.

Étienne-Nicolas Méhul (1763 – 1817), heutzutage eher selten gespielt, ist als französischer Komponist ein Kind der Revolutionszeit. Er komponierte im Auftrag des Staates Soldatenlieder oder Hymnen. Gespielt wurde nach der Pause mit der temperamentvollen Ouvertüre F-Dur sein einziges Stück mit umfangreicher Bläserbesetzung. Eine Huldigung an Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Feierlich majestätisch beginnt die Sinfonie D-Dur KV 297 „Pariser“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) mit aufsteigenden Streicher Einsätze. Eine verspielte musikalische Wendung durch die Violinen bildet einen Kontrast hierzu. Der ruhige und heiter-tänzerische zweite Satz glättet die Wogen. Das Hauptthema erinnert beim genauen Hinhören etwas an „Kuckuck, Kuckuck, ruft‘s aus dem Wald“. Einem barocken Concerto grosso ähnlich, wechseln sich zum Finale konzertierende Instrumente mit dem Orchester ab.

Diese Sinfonie changiert musikalisch zwischen glänzendem Tumult und ernster, feiner Grazie.

Konzert Wiener Klassik – Große Musikmetropolen im Blickpunkt

In der Spielzeit 2018/2019 wollen die Dortmunder Philharmoniker das Publikum in ihren „Wiener Klassik“- Konzerten in die großen Musikmetropolen führen und das musikalische Schaffen der genialen Komponisten dieser speziellen Zentren näher bringen.

Beim 1. Konzert Wiener Klassik am 03.12.2018 im hiesigen Konzerthaus stand die Stadt Wien mit den Komponisten Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) und Joseph Wölfl (1773 – 1812) auf dem Programm.

Unter der engagierten Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz ging es mit Beethovens „Wellingtons Sieg“ oder „Die Schlacht beiVittoria“ op. 91 los. Ein Auftragswerk vor dem Hintergrund des Sieges der Engländer (zusammen mit portugiesischen und spanischen Truppen) über das napoleonische französische Heer am 21. Juni 1813 bei Vitoria (südlich von Bilbao) unter dem Oberbefehl Wellingtons. Die Anregung für die Komposition kam von Johann Nepomuk Mälzel, der ein wirkungsvolles Musikstück für sein mechanisches Panharmonikum suchte. Das merkt man der insgesamt etwas groben Arbeit an.

Mit Beethoven und Wölfl entführten die Dortmunder Philharmoniker das Publikum ins die Wiener Klassik. (Foto: © Anneliese Schürer)
Mit Beethoven und Wölfl entführten die Dortmunder Philharmoniker das Publikum ins die Wiener Klassik. (Foto: © Anneliese Schürer)

Es war für eine„Europa-Tour“ gedacht und könnte als eine Art frühes „Live-Aid“ Stück zugunsten der verwundeten bayerischen und österreichischen Soldaten bezeichnet werden. Wie in einem Video-Clip orientiert sich die Musik stark am direkten Geschehen. Die Musik wird zum Schlachtfeld mit Pauken und Trompeten und Kanonendonner. Gegenüber stehen sich zwei Abteilungen. Die eine tendiert zum Spielen in C-Dur, die andere musiziert als Konfrontation meistens in Es-Dur. Dann treten zwei Märsche, das das patriotisch den Sieger verherrlichende „Rule Britannia“ gegen das „Marlborough se vat‘en guerre“. Der Schlachtlärm wird durch knarrende Ratschen und gegen die Taktschwerpunkte eingesetzter Kanonendonner bildhaft vor Augen geführt.

Für einige Kunstfertigkeit sorgen die verschiedenen Variationen bis zu dem Abschlussfugato.

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Auch beim folgenden5. Klavierkonzert C-Dur op. 43 „Grand Concerto Militaire“ von Wölfl macht der Krieg vor der Musik nicht halt. Als hervorragender Pianist konnte der deutsch-chinese Julian Pflugmann gewonnen werden.Der kriegerische erste Satz beginnt schon mit marschartigen Klängen und Trompetenfanfare. Erst spät setzt das Klavier ein. Kennzeichnet sind hier viele Variationen und nach oben strebende Läufe. Die Stimmung trübt sich durch den Wechsel von Dur nach Moll. Das Andante zeigt die auch für Mozart typischen Verzierungen. Überraschend läuft der Satz bei Wölfl plötzlich aus und es schließt sich schnell das Allegro Finale an.

Der musikalische Witz und die überraschenden harmonischen Abweichungen sowie starker Virtuosität und eine gewisse Unbeschwertheit, lassen den pompösen militärischen Ton am Anfang vergessen. Seine große Virtuosität konnte Pflugmann auch bei einer Zugabe für das begeisterte Publikum unter Beweis stellen.

Nach der Pause ging es dann mit Beethovens 8. Sinfonie F-Dur op. 93 weiter. Trotz privater und gesundheitlicher Probleme gelang dem Komponisten hiermit ein geradezu humoristisches Werk. Allerdings wird die Heiterkeit auch schon mal mit gegen den Strich der Taktschwerpunkte gebürsteten Schlägen des Orchesters „gestört“.

Kontrastreich und unkonventionell entstehen immer wieder stehende und zugleich bewegte langfelder. Bekannt ist das Allegro scherzando, das mit seinen wie ein„tickendes Uhrwerk“ mit musikalischen Nadelstichen durch die Begleitung als Parodie auf mechanische Instrumente wirkt.Überraschende Akkorde platzen da wie Sand im Getriebe hinein. Im dritten Satz, dem „Tempo di Minuetto“ geht dann beschwingt rustikal-bäuerlich zu.

Rasant, fast unmöglich zu spielen, geht der letzte Satz nervös-bizarr die letzten Takte zu, und es wirkt wie eine Parodie (mit viel Selbstironie) auf die nicht enden wollenden Schlüsse und das Pathos der eigenen Sinfonien des Komponisten.

Ein Beispiel für die Originalität des unkonventionellen Komponisten und der Genialität.

Musikalische Wunderwelten beim 2. Konzert Wiener Klassik

Das 2. Konzert Wiener Klassik der Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz im Konzerthaus unserer Stadt stand unter dem Motto „wunder_welten“. Drei Werke des schon früh als „Wunderkind“ bekannten Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) standen auf dem Programm.

Der Abend begann mit einem musikalischen Werk aus der jüngeren Schaffensperiode (1774) von Mozart. Die Ouvertüre zu der Oper „La finta giardiniera“ KV 196 (Die Gärtnerin aus Liebe) entstand in einer schwierigen Umbruchzeit (nach seiner Zeit als Kinderstar) für den Komponisten. Es war eine Auftragsarbeit für eine Oper zur Karnevalssaison im Jahr 1774. Die Ouvertüre nimmt schon den musikalischen Kosmos von Liebesverstrickungen der Oper vorweg.

Hektische Verwirrung bis zur Liebeserfüllung finden ihre Ausdruck in den drei Sätzen. Der erste Satz ist eher unnachgiebig vorantreibend, der zweite eher getragen ruhiger. Der dritte Satz ist eine Art Symbiose aus den ersten beiden, die abschließend zu einem fröhlich-heiteren Finale durch die Streicher führt.

Nur ein Jahr später (1775) entstand eines von Mozart in kürzester Zeit komponierte Violinkonzert. Für das 5.Violinkonzert A-Dur KV 219 konnte als Solist der italienische Violinist Edoardo Zosi (1988 in Mailand geboren) gewonnen werden.

Er bewies seine große Virtuosität am Instrument sowie viel Sensibilität bei den innigen, ruhigen und emotionalen Passagen. Das 5. Violinkonzert endet langsam steigernd und gipfelt in einem großen Finale.

Edoardo Zosi spielte das 5. Violinkonzert von W.A. Mozart. (Foto: © Mino Boiocchi)
Edoardo Zosi spielte das 5. Violinkonzert von W.A. Mozart. (Foto: © Mino Boiocchi)

Nach der Pause wurde mit der Sinfonie C-Dur KV „Jupiter“ eines der bekanntesten Sinfonien aus den späten Krisenjahren Mozarts (1788, drei Jahre vor seinem Tod) gespielt. Der festliche Beginn mit feierlichen Paukenschlägen und mehreren C-Dur Akkorden lässt ahnen, wieso diese Sinfonie „Jupiter-Sinfonie“ genannt wird.

Es folgt ein musikalische Wechselbad. Der eher zurückgenommene zweite Satz (Adagio) mit den von Mozart bekannten „verspielten“, wechselt mit aufwühlenden rasanten Passagen. Mozart liebt das Spiel mit den verschiedenen Farben der Instrumente und im Mittelteil beschleunigt sich das Tempo zu einem flinken Tanz.

Zwischendurch sind aber durchaus auch melancholische Momente.

Den Höhepunkt bildet das grandiose Finale. Aus nur vier Anfangstönen der ersten geigen entwickelt Mozart eine durch die Kraft der Füge entfachtes kompositorisches Meisterwerk. Am Ende werden bis zu fünf Fugen gleichzeitig gespielt!

Musikalisches Doppel-Spiel im Konzerthaus

Das 3. Konzert Wiener Klassik stellte am 24.04.2017 in zwei Hälften die beiden Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756 -1791) und Franz Schubert (1797-1828) gegenüber. Obwohl Schubert Mozart nicht mehr kennenlernen durfte, war er doch tief beeindruckt von seinen Komponisten-Kollegen. Beiden war ein nur kurzes Leben vergönnt.

Die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten Leitung von GMD Gabriel Feltz verdeutlichte im Dortmunder Konzerthaus durch Gegenüberstellung je eines Rondo und einer Sinfonie der beiden Komponisten Anlehnungen und Unterschiede in den jeweiligen Werken.

Die erste Hälfte gehörte Wolfgang Amadeus Mozart mit seinem „Rondo für Violine und Orchester C-Dur KV 373 (1781) und der „Sinfonie C-Dur KV 200“(1774).

Unterstützt wurde das Orchester beim Rondo durch die ausgezeichnete Solo-Violinistin Mirjam Tschopp aus der Schweiz.

Das Rondo zeichnet sich durch eine Heiterkeit und vermeintlich spielerischen Leichtigkeit aus. Beschwingt eingeleitet durch die Solo-Violine und danach durch das Orchester aufgenommen und verstärkt, entspinnt sich ein lebendiges Wechselspiel- oder Zusammenspiel. Zum Orchesterteam gehörten nicht nur die Streicher, sondern auch 2 Oboen und Hörner.

Die nachfolgende Sinfonie ist in seinen vier Sätzen nach einer impulsiven Orchester-Eröffnung mal tänzerisch-verspielt, dann wieder elegisch-melancholisch getragen.

Die musikalische Verknüpfung des ersten und des vierten als Rahmensätze findet bei den späteren Sinfonien des Komponisten noch verstärkt.

Nach der Pause ging es in die zweite Hälfte mit Schuberts Rondo für Violine und Orchester A-Dur D 438. (1816).

Dieses Rondo ist nur für Solo-Violine (Mirjam Tschopp) und Streicher konzipiert. Hier greift die Solo-Violine erst nach der großen Adagio-Einleitung das Einleitungsthema der Streich auf und führt es dann frei weiter. Das eigentliche Rondo zeichnet sich durch große Virtuosität, rhythmische Finessen aber auch durch Heiterkeit aus.

Die folgende 6. Sinfonie C-Dur D 589 (1817/1818) von Schubert zeichnet sich durch eine erstaunliche musikalische Vielfältigkeit, Kontrasten und Tempowechsel aus. it . Mal elegisch, dann wieder tänzerisch-spielerisch oder voll kraftvoller Energie. Mit seinem Scherzo als dritten Satz folgt der Komponist klar dem sinfonischen Vorbild Beethovens. Diese dominierte die Gattung Sinfonie für die folgender Zeit maßgeblich.

Vielfältige Klangfarben im Konzerthaus

Beim 2. Konzert Wiener Klassik am 30.01. 2017 im Konzerthaus verdeutlichte die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz das vielseitige Können des großen Komponisten Ludwig van Beethoven (1770-1827) anhand von drei Werken. Diese sind in ihrer Gegensätzlichkeit beispielhaft für die Vielschichtigkeit seines Gesamtwerkes. Die Ouvertüre für ein Ballett, Kammermusik und große Sinfonik standen auf dem Programm.

Die Ouvertüre für das Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ (1801) war Beethovens erste Bühnenmusik Basis für das allegorische Ballett war der Mythos von Prometheus. Ein erhabener Geist, der die ignoranten Menschen neu durch Kunst und Wissenschaft definierte und ihnen moralische Gesetze gab.

Der kraftvolle C-Dur Beginn wird bald durch Dissonanzen von Fagotten und Streichern gestört. Im weiteren Verlauf der fünf minütigen Ouvertüre steigert sich die Musik immer wieder wellenartig bis hin zu rasanten Höhepunkten. Stürmisch rasant eilen sowohl die Ouvertüre als auch Prometheus dem Finale entgegen.

Mit einer ganz anderen Klangfarbe erfreuten als zweiter Teil des Abends Generalmusikdirektor Gabriel Feltz höchstpersönlich am Klavier, Shinkyung Kim (Violine) und Franziska Batzdorf (Violoncello) mit Kammermusik von Ludwig van Beethoven das Publikum.

Das Klaviertrio D-Dur op. 70,1 ist auch mit dem populären Beinamen „Geistertrio“ bekannt. Das bezieht sich vor allem auf den düsteren und bizarren zweiten Satz. Ist der erste Satz von heiterer Gemütlichkeit geprägt, ändert sich das im folgenden Satz . Er ist von Kontrasten und gegensätzlichen Klangfarben gekennzeichnet.. Mal lyrisch-ernst und getragen, folgen schnell harsche Passagen als dynamischer Gegensatz. Interessant dabei ist der Tremolo-Effekt mit den zitternden Klängen der Instrumente. Das abschließenden Presto kommt als Sturmwind virtuos daher. Gesteigerte musikalische Dramatik wechselt mit lyrischen Passagen „nach dem Sturm“.

Nach der Pause stand die 2. Sinfonie D-Dur op.36 auf dem Programm. Sie entstand im Spätsommer 1802, als Beethoven langsam sein schwächer werdendes Hörvermögen bewusst wurde. Seine 2. Sinfonie ist von Gegensätzen geprägt. Nach einer feierlichen Einleitung kippt die Musik immer wieder mysteriös nach Moll. Die Themen wechseln vom spielerischen hin zum rhythmischen. Das Musik steigert sich mit schnellen Streicher-Tremoli . Der zweite Satz im 3/8 Takt wird vor allem von den Streichern getragen. Im dritten Satz überrascht Beethoven mit einem rasanten Scherzo anstelle eines üblichen gemächlichen Menuetts. Mit mächtigen Schlägen beginnt der rasante vierte Satz „Allegro molto“. Themen aus der gesamten Sinfonie werden wieder aufgegriffen und in ihrer Wirkung intensiviert und gesteigert. Das Finale bildet dann den absoluten Höhepunkt.

Der Wiener Klassik-Abend war nicht nur ein musikalischer Genuss, sondern zeigte auch klar die Vielschichtigkeit dieses großen Komponisten.