Wiener Klassik mit viel Berlin-Bezug

Die Dortmunder Philharmoniker unter Leitung des jungen Dirigenten Justus Thorau (seit Herbst 2018 1. Kapellmeister am saarländischen Staatstheater), lud Musikfreunde am 27.05.2019 zum 3. Konzert Wiener Klassik unter dem Motto Berlin in das hiesige Konzerthaus.

Auf dem Programm standen Werke von drei Komponisten des 19. Jahrhunderts, die eine besondere Beziehung zur Musikmetropole Berlin. Diese Stadt zählte um 1800 schon über 150.000 Einwohner und hatte eine wachsende Anziehungskraft und Einfluss für vielen Kulturschaffende.

Da wäre zunächst E.T.A Hoffmann (1776 – 1822) mit seiner Sinfonie Es-Dur. Auch wenn ihn im Laufe seines Lebens zuweilen in andere Städte trieb, blieb Berlin doch immer ein Zentrum seines Wirkens. Vielen ist Hoffmann eher als Vater der fantastischen romantischen Literatur bekannt.

Bei ihm mischten sich jedoch Musik und Literatur und als Komponist war er vor allem ein Verehrer von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Jahr 1805 machte er sogar aus „Theodor Wilhelm“ „Theodor Amadeus“.

Kirill Troussov spielte das Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. (Foto: © Marco Borggreve)
Kirill Troussov spielte das Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. (Foto: © Marco Borggreve)

Seine Sinfonie Es-Dur ist durchaus (wie damals üblich) an die von Mozart (KV 543) angelehnt. Das merkt man vor allem beim ersten Satz mit seiner feierlichen Einleitung. Die verarbeiteten Themen sind aber von ganz anderer Natur. Es strebt zunächst ausgestattet mit Trillern in die Höhe, um nach einem kurzen Verarbeitungsteil in einer musikalischen Rekapitulation zu enden.

Der zweite Satz Andante con moto (gleiche Satzbezeichnung wie bei Mozart) ist wieder ähnlich verspielt wie wir es von Mozart kennen. Das Menuett hat dann etwas Fantastisches und skurriles, wie es nur von E.T.A. Hoffmann kommen kann. Es folgt ein furioses Finale, das wieder an Mozart erinnert.

Vor der Pause wurde dem Publikum noch die Ouvertüre G-Dur des italienischen Komponisten Luigi Maria Cherubini (1760 – 1842). Er zählt ebenfalls zu der zu Unrecht vernachlässigten Kategorie von Komponisten. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs waren seine Handschriften und Partituren für lange Zeit in der Berliner Staatsbibliothek zu finden. Nachdem sie danach in Krakau verbracht wurden, sind sie nun in einer Werksausgabe seit vier Jahrzehnten der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Ouvertüre G-Dur, eine Sammelbestellung der Londoner Philharmonic Society, entfacht nach einer eher langsamen Einleitung bis zu seinem an Tempo reichen effektvollen Schluss viel dramatisches musikalisches Feuer. Das wurde auch vom Meister Ludwig van Beethoven sehr geschätzt.

Nach der Pause erfreute die Philharmoniker unter schwungvoller Regie von Justus Thorau und den in St. Petersburg geborenen und in München wohnenden Violinisten Kirill Troussov mit dem Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847). Dieser hatte einen Großteil seiner Kindheit und Jugend in Berlin verbracht, litt aber immer unter den unterschwelligen nationalistisch-antisemitischen Ressentiments der Umgebung.

Sein Violinkonzert ist nicht nur wie aus einem Guss, sondern bietet auch kleine Überraschungen. So wurden etwa die musikalischen Themen am Anfang nicht vom Orchester vorgestellt, sondern gleich im zweiten Takt von der Violine. Der technisch brillante Violinist hatte schnell Gelegenheit, sein Können und spielerische Sensibilität zu zeigen. Schwelgerisch, leichtfüßig und filigran begeistert das Konzert. Das Allegro molto vivace liefert zum Ende einen prickelnden aufgeräumten Abschluss.

Als Zugabe für das begeisterte Publikum gab in diversen Variationen (mit Orchester-Unterstützung) das alte neapolitanische Lied „Carnevale di venezia“ (Niccolo Paganini), vielen besser bekannt als „Mein Hut der hat drei Ecken“.

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