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Möglichkeitsräume für eine positiv gestaltbare Zukunft

Am 29.04.2022 hatte die interdisziplinäre Stückentwicklung „The Future“ unter der Regie von Annette Müller seine Premiere im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) für Publikum ab 16 Jahren. Es handelt sich hierbei um eine Kooperation mit der hiesigen Akademie für Digitalität im europäischen Projektrahmen von PlayOn.

Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft – vor allem der jungen Menschen. Deren Gegenwart ist einerseits von beängstigenden Themen wie Pandemie, Klimakatastrophe oder aktuell Kriegsangst geprägt, andererseits werden sie im digitalen Zeitalter von einer ungeheuren Datenflut im Netz bombardiert. Wie können sie da die den Kontakt zur „realen Welt“ behalten? Auch eine rasante Entwicklung der sogenannten Künstlichen Intelligenz (KI) stellt uns vor neue Fragen. Wie kommunizieren und gestalten wir unsere Welt?

Thomas Ehrlichmann, Ann-Kathrin Hinz und Rainer Kleinespel in “The Future” (Foto: © Birgit Hupfeld)
Thomas Ehrlichmann, Ann-Kathrin Hinz und Rainer Kleinespel in “The Future” (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die forschende Stückentwicklung beschäftigt sich mit Hingabe den Möglichkeitsräumen und Visionen einer positiv gestalteten Zukunft. Wie wir sie gestalten, hat vor allem die junge Generation in der Hand. Das Internet mit seinen diversen Videos, Literatur, Bildern und Klängen wurde dabei als Archiv genutzt. Die Regisseurin collagierte gemeinsam mit ihrem Team (Technik und Programmierung, Dramaturgie, Musik Sound) zeitgenössische Denkmodelle mit Konzepten der Identitätspolitik oder auch moderner Science-Fiction. Unterstützung gab es dabei auch von der Europaschule und der Geschwister- Scholl-Gesamschule.

Auf der Bühne standen vom KJT-Esemble (zunächst alle versteinert auf ihren weißen Podesten) als „Roboter-Frau“ Ann-Kathrin Hinz, als nachdenklicher junger Mensch Thomas Ehrlichmann mit all seinen Fragen sowie Rainer Kleinespel als älterer Mann mit dem Erfahrungsschatz aus einer vergangenen Zeit.

Doch bevor es so richtig losgehen konnte, bekam jede Person im Publikum einen Kopfhörer am Eingang und anschließen eine Einweisung.

Die „Roboter-Frau“ sprach passend mit heller schriller Stimme in der „hippen“ internationalen Sprache Englisch von einer hoffentlich „glücklichen Zukunft voller Liebe, Hoffnung und schönen Überraschungen“.

Die KI sprach mit einer Aneinanderreihung von bekannten Songs wie etwa „I am what I am“. Das zeigt deutlich ihre Abhängigkeit vom menschlichen Input bei einem schnellen Lerntempo.

Projektionen im Hintergrund ermöglichten neben Texten, Logarithmen-Fluten auch ein Interview mit einer Pflanze.

Der ältere Mann bot einen fast schon poetischen Rückblick in sein Leben in den 1970er Jahren, mit all seinen Begegnungen, Naturerlebnissen und Gerüchen.

Ein Plädoyer für den besonderen Wert der realen Welt und die Schönheit der Erde.

Schön zu sehen war am Ende die langsame Annäherung von Roboter und Mensch auf der Bühne. Die drei Schauspieler*innen hatte auch einige körperliche Herausforderungen zu meistern. Schwierige Choreografien meisterten sie gekonnt.

Es war ein spannendes interdisziplinäres Projekt und ein Beispiel für modernes Theater.

Informationen zu weiteren Vorstellungsterminen erhalten sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231750 27 222.

Wenn eine Gans aus der Reihe tanzt

Am 31.03.2022 konnte „Die kleine Gans, die aus der Reihe tanzt“, eine Kooperation des Dortmunder Kinder und Jugendtheaters mit der hiesigen Jungen Oper endlich seine Premiere im KJT feiern.

Das Musiktheaterstück (ab 4 Jahren) nach dem Bilderbuch von Jean-Franҫois Dumont wurde mit der Spielfassung von Johannes Gaudet und Musik von Michael Kessler für das KJT bearbeitet. Die Regie übernahmen der Leiter des Theaters, Andreas Gruhn, zusammen mit Johannes Gaudet.

Mit Johannes Büker (Klarinette), Maik Hester (Akkordeon) und Norbert Gögh (Fagott) zeigten drei Musiker nicht nur ihr Können an den jeweiligen Instrumenten, sondern auch viel Spielspaß in ihren Tierkostümen (Schein, Schaf).

Sängerin, Schauspieler und Musiker von "Die kleine Gans": Anna Lucia Struck, Jonathan Büker, Rainer Kleinespel, Norbert Gögh und Maik Hester (Foto: © Birgit Hupfeld)
Sängerin, Schauspieler und Musiker von „Die kleine Gans“: Anna Lucia Struck, Jonathan Büker, Rainer Kleinespel, Norbert Gögh und Maik Hester (Foto: © Birgit Hupfeld)

Anna Lucia Struck (bekannt aus Produktionen der Jungen Oper Dortmund) als kleine Gans Zita mit starker Stimme und Rainer Kleinespel vom KJT-Ensemble als strenger Marsch-freudiger (Ganter) Igor standen ihnen in nichts nach.

Das Publikum wurde schon vor Anfang in der Eingangshalle rhythmisch musikalisch von Zita und der nun neuen Swinging-Animal-Band empfangen. Da dieses Stück auf einem Bauernhof spielt, gibt es dort verschiedene Tiere. Für die Vorstellung wurden die Anwesenden (ob klein oder groß) auf ihre Unterstützung mit diversen Tiergeräuschen und Tanzbewegungen vorbereitet.

Dann ging es in den Vorstellungsraum. Die Story spielt auf einem Bauernhof, wunderbar ausgestaltet mit Wäscheleine, Wegweisern, Töpfen und vieles mehr.

Der Ganter Igor führt alle Tiere morgens mit Marschrhythmus (Eins und zwei) hinaus. Die kleine Gans Zita hat jedoch Schwierigkeiten damit kann nur ihrer „eigenen Melodie“ folgen. Igor verdonnert sie dazu, alleine zu laufen. Zunächst traurig, merkt Zita, dass die anderen Tiere ihre Melodie gut gefällt und nach und nach entwickelt sich ein gemeinsamer Rhythmus. Auch Igor wird letztendlich mit in die „Jamsession“ hineingezogen.

Eine schöne musikalische Geschichte über das Anderssein, Gemeinschaft und Selbstbewusstsein. Nebenbei erleben auch die jüngeren Kinder die drei Instrumente einmal ganz aus der Nähe.

Karten und Informationen zu weiteren Vorstellungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel. 0231/ 50 27 222

Witzig-ironischer Insektenkrimi im Kinder- und Jugendtheater

Im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) hatte am Donnerstag, den 29.11.2018 der Insektenkrimi „Die Wanze“ (ab 8 Jahren) von Paul Shipton unter der Regie von Peter Kirschke seine Premiere.

Im Mittelpunkt steht die Welt der Insekten in einem Garten. Der Privatdetektiv Muldoon, ein Käfer, der ironisch zweideutig „Wanze“ genannt wird. Der Schauspieler Rainer Kleinespel erzählt und spielt in humorvoll lockerem Stil und legerer Kleidung mit „Sonnenbrille“ lebendig die spezielle Kriminalgeschichte des „Käfer-Detektiven“. Erstellt ihn als seine schwersten Fall vor. Natürlich ist er der beste und der einzige. Anlehnungen an den Privatdetektiven Philipp Marlowe (Raymond Chandler) sind nicht zufällig.

Im hinteren Bühnenbereich befand sich eine Theke, die als „Dixies Bar“ fungierte, wo sich die vielen Insekten zu einem „Drink“ treffen.

Als immer mehr Insekten verschwinden, wird „Wanze“ direkt zur Ameisenkönigin gerufen. Sie erteilt ihm zusammen mit dem Kommandanten Krag den Auftrag, nach einer Ameise mit einem weißen Fleck auf dem Kopf zu suchen. Zusammen mit seinem treuen Kumpel Jake, einer Stubenfliege, kommt er langsam einer politischen Verschwörung auf die Spur…

Kleinespel spielte alle Rollen und hatte sichtbar viel Spaß, in die verschiedene Charaktere zu schlüpfen und sie humorvoll lebendig werden zu lassen.

Nebenbei konnte man auch etwas über Insekten lernen. Rainer Kleinespel als Prof. Grzimek-Imitator. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Nebenbei konnte man auch etwas über Insekten lernen. Rainer Kleinespel als Prof. Grzimek-Imitator. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Gerade für die Kinder war es schön zu sehen, wie man mit den kleinen Dingen des Alltags Geschichten erzählen und die verschiedenen Typen vor Augen führen kann. So fungierten Wäscheklammern als Insekten, ein verzweigter Ast als Kakerlak und ein alter Handschuh als böser Krag. Die Theke ließ sich problemlos auch als Ameisenbau umfunktionieren.

Der Schauspieler verwandelte sich auch mit seiner Stimme glaubhaft in eine zittrig-summende Stubenfliege, als Krag mit tiefer ätzender Diktator-Stimme, als Ameisenkönigin in einer englische Queen, und in einiges mehr.

Naturgeräusche oder Musik wurden atmosphärisch zur Situation passend eingesetzt. Soul und Jazz etwa in der Bar. Eine witzige Idee war es, dass „Biene Maja Lied“ live gesungen von „Wanze“ als kleines„Folter-Druckmittel“ zur Erlangung von Informationen von einer gefangenen Wespe zu nutzen.

Neben dem offensichtlichen Spaß am war für das (etwas ältere) Publikum eine feine politische Fabel zu erkennen.

Die nach Unabhängigkeit strebenden Ameisen, politische Intrigen und Umsturzversuche durch den „Diktator-Führer“ und seine Sympathisanten, wurden symbolhaft durch die mit den Tieren assoziierten „Eigenschaft“ dargestellt.

Kleine Seitenhiebe für die heute üblichen Selbstdarstellungs-Formate im Free-TV zur Darstellung der „Individualität“ wurden subtil humorvoll eingesetzt.

 Eine besondere Herausforderung für Kleinespel und ein lustiger Höhepunkte war sicherlich die „Tina Bausch“- Tanzparodie.

Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.0231/ 50 27 222

Insektenkrimi „Die Wanze“ als Bühnenstück im KJT Dortmund

Am Donnerstag, den 29.11.2018 um 19:00 Uhr findet im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) die Premiere von „Die Wanze“ (ab 8 Jahren) statt. Das Stück von Paul Shipton wurde für die Bühne bearbeitet von Karin Eppler, Gerd Ritter und Daniela Merz und wird unter der Regie von Peter Kirschke aufgeführt. Das Multitalent arbeitet schon seit 2009 als freier Regisseur und Komponist. Beim KJT festangestellt als Regieassistent und Inspizient ist er seit 2012.

Ort und Mittelpunkt der Handlung ist ein Garten. Der Käfer Muldoon, der seltsamerweise„Wanze“ genannt wird, ist der beste Privatdetektiv. Gerade ist er dem dem Fall eines vermissten Ohrwurms beschäftigt. Warum verschwinden immer mehr Insekten spurlos? Dann wird er plötzlich zur Ameisenkönigin berufen. Sie beauftragt ihn und den Kommandanten Krag, eine Ameise mit einem weißen Fleck auf dem Kopf zu suchen. Die Geschichte entpuppt sich als als eine politische Verschwörung und wird extrem gefährlich. Sein Kumpel Jake, eine Stubenfliege, steht ihm hilfreich zur Seite. Reicht das gegen die mörderische Riesenspinne und das Wespen-Killer-Kommando? Chandler lässt grüßen.

Schauspieler Rainer Kleinespel vom KJT-Ensemble hat die schwierige Aufgabe übernommen, gleich in alle „tierischen“ Rollen zu schlüpfen und allein durch Vorstellung Welten entstehen zu lassen.

Ein Solo-Stück für Rainer Kleinespel in "Die Wanze". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Ein Solo-Stück für Rainer Kleinespel in „Die Wanze“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Vorstellung soll neben Spannung und Spaß und als Objekttheater eine Einladung zum Spiel bieten. Es ist aber auch eine Fabel auf (aktuelle) politische Mechanismen. So wird zur Ablenkung ein Sündenbock gesucht, um die eigentlichen (Macht)-Interessen durchzusetzen.

Atmosphärisch begleitet wird das Stück durch passende Geräusche und Musik aus dem Jazz- und Blues Genre.

Man darf auf die Umsetzung auf der Bühne gespannt sein.

Übrigens: Am Dienstag, den 27.11.2018 um 17:30 Uhr wird auch wieder ein pädagogischer Themenabend angeboten.

Interessierte Pädagoginnen und Pädagogen können sich unter eschmidt@theaterdo.deoder Tel: 0231/ 50 28771 anmelden.

Die Premiere am 29. November 2018 ist bereits ausverkauft.

Weitere Vorstellung in näherer Zeit:

Freitag: 07.12.2018 10:00 Uhr, 14.12.2018 10:00 Uhr

Sonntag: 23.12.2018 16:00 Uhr. 29.01.2019 11:00 Uhr, 27.01.2019 11:00 Uhr

Dienstag: 26.02.2019 10:00 Uhr

Muss Einer immer der Erste sein?

[fruitful_alert type=“alert-success“]Einer (Andreas Ksienzyk) und Zweier (Bianka Lammert) möchten gerne Vögel sein. Da diese angeblich nicht zählen können. Dreier (Rainer Kleinespel) auf der Stange schaut belustigt zu. (Foto: © Birgit Hupfeld)[/fruitful_alert]

Carsten Brandau hat mit seinem Theaterstück für ALLE (ab 4 Jahre) „Dreier steht Kopf“ ein einfach verdichtetes, aber auch philosophisch komplexen Theaterstück für ALLE (ab 4 Jahre) entwickelt.

Unter der Regie von Regisseurin Johanna Weißert hatte das Stück am Freitag, den 05.05.2017 Premiere im Kinder-und Jugendtheater Dortmund. Die drei handelnden Personen Einer (Andreas Ksienzyk), Zweier (Bianka Lammert) und Dreier (Rainer Kleinespel) werden von der Regisseurin in das Obdachlosen-Milieu platziert.

Worum geht es: Einer ist bei allem was passiert, immer der Erste. Das ist so , war so, und wird so bleiben. Wer zählen kann, weiß doch – Eins kommt vor Zwei und so weiter. An dieser Ordnung hält Einer pedantisch fest. Als Zweier, eher ängstlich und unterwürfig, einmal Erster ist, scheint das fast ungeheuerlich und peinlich. Heimlich träumen beide aber davon, aus dem festgefahrenen Schema auszubrechen und wie die Vögel scheinbar frei von einer festen, reglementierenden Ordnung zu leben. Die können ja nicht zählen. Erst als als der rebellische Dreier zu ihnen stößt und sich den Regeln widersetzt, kommt etwas in Bewegung und die Welt steht auf den Kopf. Was nun….

Mit seiner humorvollen, reduzierten Kunstsprache lässt Brandau in seinem Text viel Raum für neue Gedankenspiele. Widersprüche werden deutlich. Es ist amüsant zu erleben, wie sich Einer und Zweier oft krampfhaft bemühen, ihre feste Ordnung aufrecht zu erhalten.

Auf der Bühne waren neben einem Mülleimer an der Seite , einigen Gegenständen auf dem Boden, einem großen rotem Klettergerüst mit drei weißen großen Wolken darüber, einem Fahrrad auch ein umgedrehter kleiner Baumstrauch an einem Band zu sehen. Der Regisseurin gelang es mit Hilfe von an den Seiten befestigten bunten Kabel, die Welt per Flaschenzug auch sichtbar auf den Kopf zu stellen.

Dieses quasi philosophische Stück legt subtil die Mechanismen von festgefügten Ordnungen offen. Diese machen unfrei, grenzen aus und bevormunden die Menschen. Außerdem sind sie hinderlich für die menschliche Weiterentwicklung und wecken zumeist Widerstand. Weiter werden hier auch Fragen der Identität aufgeworfen. Wer bin ich und wer will ich sein?

Die drei SchauspielerInnen mit ihrem lebendigen spiel, die eingespielte Musik und Geräusche und das schöne Ende mit dem extra konzipierten Video sorgten für ein unterhaltsamen und zum nachdenken anregenden Theaterabend im KJT.

Weitere Informationen und Vorstellungstermine erhalten Sie unter www.theaterdo.de

Hamlet im Gedankengefängnis

Kinder-und Jugendtheater und Junge Oper, geht diese Kooperation? Mit „Hamlet – Sein oder Nichtsein“ ging das Dortmunder Kuinder-und Jugendtheater mit der Premiere des Projekts mit dem klassischen Stoff von William Shakespeare als Grundlage zum vierten Mal das Abenteuer ein. Die Kammer-Jugendoper unter der Regie des Junge Oper erprobten Regisseur Ronny Jakubaschk wird von André Meyer aus der Perspektive des jungen Hamlet erzählt, der seinen Vater auf tragische Weise verloren hat. Er soll durch einen Schlangenbiss gestorben sein. Nach der erneuten Heirat seiner Mutter mit seinem Onkel kurz nach dem Tod des Vaters fühlt er sich verraten und verlassen. Die Liebe zu Ophelia, Tochter des Ratgebers Polonius, steigert sein Gefühlschaos und überfordert ihn. Er fühlt sich immer mehr gedrängt, Rache zu nehmen. Es scheint nur einen Ausweg zu geben…

Hamlet ( Fabio Lesuisse) ist gefangen in seinem Gedanken-Wahn (symbolisiert von acht Mitgliedern des Dortmunder Opernchors). (Foto: © KJT Dortmund)

Der Abstand der Welten der Erwachsenen und der beiden jungen Leute wird dadurch klar vor Augen geführt, dass die Ausdrucksform der Erwachsenen die Sprache ist, während sich Hamlet und Ophelia fast nur musikalisch äußern.

Die Erwachsenen mit einer klaren und „vernünftigen“ Sprache wurde von drei Schauspielern des KJT, Bettina Zobel als Hamlets Mutter Gertrud, Andreas Ksienzyk als ihr neuer Ehemann Claudius und Rainer Kleinespel als Berater Polonius spielten die Rolle der Erwachsenen, die nicht mehr mit der starken Trauer und Ablehnung durch Hamlet klar kommen überzeugend. Als letzten Ausweg wollen sie Hamlet in ein Londoner Internat schicken. Die Musikhochschulabsolventen und Sänger Anna Lucia Struck Ophelia) und Fabio Lesuisse (Hamlet) bewiesen ihren starken Stimmen auch sensibles schauspielerisches Können.

In der Mitte der Bühne war ein bunt-leuchtendes Kastengeflecht als Konstrukt für die gefangene Gedankenwelt des jungen Hamlet. Der Kasten konnte je nach Situation geöffnet oder geschlossen werden. Hinter der Bühne saß eine Abordnung der Dortmunder Philharmoniker und sorgte unter der Leitung von Ingo Martin Stadtmüller für die dramatische musikalische Begleitung des Geschehens.

Die Musik, komponiert von war dem Text geschuldet zumeist atonal. Ein Musikstück zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. In den Lied geht es darum , dass Hamlets Vater „nimmer wieder kommen“ wird. Eine schöne Liebesarie zwischen Ophelia und Hamlet durchbricht das Geschehen mit musikalischer Harmonie. Ophelia versucht verzweifelt, zunächst von ihrem Vater vorgeschickt, immer wieder Zugang zu Hamlet zu finden. Dramaturgisch geschickt und beeindruckend war der Einsatz von acht Personen (vier Frauen und vier Männer) des Dortmunder Opernchors unter der Leitung von Manuel Pujol. Der Chor trieb als „Stimme von Hamlets Vater“ immer stärker gezielt in den Rache-Wahnsinn. Das Zusammenspiel von Musik, Sprache, Gesang und Gestik sorgte für eine emotional starke Aufführung.

Shakespeare-Fans aufgepasst: Das Ende hat nicht viel mit dem Original zu tun. Könnte man den dramatischen Höhepunkt von Hamlets Depression – er spielt einen Amoklauf in seinen Gedanken durch – noch als schönen dramaturgischen Kniff durchgehen lassen, wirkt das romantische Ende (Hamlet und Ophelia gehen zusammen in eine glückliche Zukunft) aufgesetzt. Zumal Hamlets Heilungsprozess dann doch ziemlich schnell ging.

Mehr Infos und weitere Termine unter www.theaterdo.de

Anders sein als Bereicherung

Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)

Am 30. September 2016 war Premiere für „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ ( ab 10 Jahre) nach dem Preisgekrönten Jugendroman von Andreas Steinhöfel in der Bühnenfassung von Felicitas Loewe im Kinder-und Jugendtheater Dortmund. Regisseurin Antje Siebers und das Schauspiel-Ensemble des KJT gelang es mit Sensibilität und Humor, die von Steinhöfel liebevoll und ohne erhobenen Zeigefinger gezeichneten verschiedenen Figuren auf die Bühne zu bringen.

Einzelne Zimmer verschiedener Etagen eines Wohnhauses in Berlin-Kreuzberg wurden auf der Bühne für das Publikum offen einsehbar. So konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer auch das parallele Geschehen beobachten. Der 11-jährige Rico Doretti (Thorsten Schmidt) lebt mit seiner allein erziehenden Mutter Tanja (Bianca Lammert), einer Geschäftsführerin in einem Nachtclub in einem Haus in Berlin-Kreuzberg. Rico ist anders als die meisten Kinder. Er hat ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom), kann sich schlechter konzentrieren, ist hibbelig und im Denken etwas langsamer. Dabei geht er offen auf die Menschen zu, und kommt zu besonderen Überlegungen, wenn er in seinem Lexikon nach Begriffserklärungen sucht.
Heute würde man sagen, er lebt in prekären Verhältnissen. Aber seine Mutter wird als sehr liebevoll dargestellt. Die ebenfalls im Haus wohnende Frau Dahling (Fleischverkäuferin) besucht Rico oft. Sie gucken zusammen Liebesfilme oder Krimis und essen Leberwurstbrote. Ab und zu zeigt sich aber doch, das Rico sich alleine fühlt.Bettina Zobel spielt Frau Dahling als Berliner Schnauze mit viel Herz fast wie aus einer vergangenen Zeit. Im Haus wohnt auch der Nachbar Fitzke. Er ist Rentner, oft am motzen und ein Fiesling. Wunderbar gespielt von Andreas Ksienzyk. Dann ist da noch der smarte Kommissar Simon Westbühl (Philip Pelzer). Er zieht neu als Nachbar der Dorettis ein. Welche Rolle spielt der der humorvoll-skurrile Marrak (Rainer Kleinespel), Inhaber einer Sicherheitsfirma?

Die Geschichte: Ein Kindesentführer, Mister 2000, macht die Gegend unsicher. Sein Name rührt daher, weil er von den Eltern nur 2.000 € für die Freilassung ihrer Kinder verlangt. Inzwischen lernt der „tiefbegabte“ Rico den „hochbegabten“ Oskar (Talisa Lara) kennen. Der ist übervorsichtig, und hat immer einen Helm zum Schutz vor eventuellen Unfällen auf. Wie sich die beiden unterschiedlichen Jungen nach anfänglichen Vorurteilen und Schwierigkeiten annähern, gegenseitig voneinander lernen und profitieren, wird in seiner Entwicklung behutsam dargestellt. Als auch Oskar entführt wird, ist Rico gefordert und schließlich wird auch das Geheimnis der „Tieferschatten“ gelüftet und am Ende auch die Geschichte des Todes von Ricos Vater.

Die eigens für das Stück komponierte Musik von Michael Kessler und passende Geräusche wurden atmosphärisch gut eingesetzt.

Die Aufführung des engagierten Ensembles mit viel Humor wurde vom Publikum mit viel Applaus bedacht.

Road-Movie in die Walachei

Am 20.05.2016 war im Kinder-und Jugendtheater Premiere für „Tschick“ nach dem Jugendbuch von Wolfgang Herrndorf unter der Regie von Andreas Gruhn. Der Direktor des KJT inszenierte das Stück mit Einsatz von modernen Medien. So wurden Filmsets und Miniaturkulissen auf drei verschiebbare Leinwände projiziert. Die Protagonisten Maik und Tschick machen schließlich einen Video-Blog über ihre „Ferien-Tour“. Auf der Bühne stehen nur wenige Requisiten, wie etwa eine Zinn-Badewanne.

Maik Klingenberg, 14-jähriger Sohn eines Immobilienmaklers und einer alkoholkranken Mutter aus Berlin-Marzahn erzählt im Rückblick von seinem bisherigen Leben als „Langweiler“ oder wahlweise „Psycho“. Oberflächlich wird die Fassade durch den zu Gewaltausbrüchen neigenden Vater aufrecht erhalten. Die Mutter wird offiziell ab und zu auf Urlaub in eine „Beauty-Farm“ zum Entzug geschickt, während der Vater sich mit seiner „Assistentin“ vergnügt.

So auch wieder zu Ferienanfang. Maik bekommt Geld in die Hand gedrückt und wird alleine gelassen. Gerade jetzt, wo er verzweifelt ist, weil Klassenschönheit Tatjana ihn, wie auch den neuen Mitschüler Tschick, einen schon öfter als Kleinkriminellen aufgefallenen „Assi-Russen“ (sowie nur noch den „Nazi“) nicht zu ihrer Geburtstagsfete eingeladen hat.

Plötzlich steht Tschick, mit einem „geborgten“ Lada vor der Tür und überredet Maik zu einer Ferientour in die Walachei, wo sein Großvater wohnt. Es beginnt eine wild-romantische , interessante Reise durch die brandenburgische Landschaft. Sie treffen einige skurrile Menschen, und am Ende bekommen die beiden Jugendlichen ein anderes Verhältnis zur Natur und Maik lernt durch die „Streunerin“ Isa die Liebe kennen…

Es ist eine typische „Coming of Age“ Geschichte vom Erwachsen werden, sexueller Identitätsfindung, Wunsch nach Abenteuer sowie Freiheit und Selbstbestimmung. Lockere Sprüche verdecken Einsamkeit und Unsicherheit.

Die Wandlung von Maik vom unsicheren „Langweiler“ bringt Philip Pelzer humorvoll-ironisch auf die Bühne. Thorsten Schmidt überzeugt als vordergründigen „Macho-Typen“ mit coolen Sprüchen und „weichem Kern“, Talisa Lara als lebenskluges starkes junges Mädchen.

Lara hatte genau wie Bettina Zobel (Mutter) und Rainer Kleinespel (Vater) die große Herausforderung, mehre Rollen und verschiedene Charaktere zu spielen. Es war schon erstaunlich, wie schnell sie sich nicht nur umziehen konnten, sondern auch wie auf „Knopfdruck“ in die andere Personen verwandeln konnten. Die Gewaltneigung des Vaters und die Alkoholkrankheit der Mutter wurden eindringlich dargestellt.

Die Musik spielte eine untergeordnete Rolle. Neben rockigen Klängen, wie z.B. von den „White Stripes“ begleitete die Reisenden die romantischen Klänge auf einer im Auto gefundenen Kassette von Richard Claydermann.

Der Aufführung gelang eine gute Balance zwischen Humor, Ironie auf der einen Seite, und leise Sensibilität vor allem bei Entwicklung der Freundschaft der beiden Protagonisten und der zarten Liebesgeschichte zwischen Maik und Isa und dessen Beziehung zu seiner Mutter.

Die starke Leistung des Ensembles wurde am Ende mit Standing Ovations belohnt.

Nähere Informationen zu weiteren Terminen dieser Aufführung unter : www.theaterdo.de

Die Tragik des Wilhelm Tell

Zum Rütlischwur vereint: (v.l.n.r.) Thorsten Schmidt, Talisa Lara, Philip Pelzer, Bettina Zobel und Andreas Ksienzyk. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Zum Rütlischwur vereint: (v.l.n.r.) Thorsten Schmidt, Talisa Lara, Philip Pelzer, Bettina Zobel und Andreas Ksienzyk. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ hatte ein umfangreiches historisches Schauspiel unter der Regie von Johanna Weißert am 26.02.2016 Premiere im Kinder und Jugendtheater in Dortmund.Sie nahm die Herausforderung an, dieses zeitlose Drama um den Freiheit und Selbstbestimmung auch für Jugendliche verständlich und unterhaltsam auf die Bühne zu bringen.

Den Hintergrund dieses Stückes bildet der Unabhängigkeitskampf der Schweizer Urkantone Schwyz, Uri und Unterwalden, die unter der brutalen Besatzungsmacht der Habsburger zu leiden haben. Der Freiheit- und Naturliebende Wilhelm Tell hilft mutig Verfolgten, wo er kann. An einem Aufstand gegen die Besatzer will der zunächst auf Geduld setzende Tell sich nicht beteiligen. Der Eidesschwur der Vertreter der drei Kantone auf der Rütliwiese am Vierwaldstädter See findet so ohne ihn statt.

Als Tell sich weigert, sich zu erniedrigen und dem Hut des Reichsvogtes Gessler die Ehre zu erweisen, zwingt Gessler ihn, mit einem Armbrustschuss den Apfel auf dem Kopf seines eigenen Sohnes zu treffen, um beider Leben zu retten. Er schießt letztendlich und trifft. Jedoch muss er danach gestehen, das er mit einem zweiten Pfeil Gessler ins Herz geschossen hätte, wenn sein Sohn beim ersten Schuss gestorben wäre. Er kommt, entgegen dem Versprechen des Reichsvogtes, in Haft . Erst bei einer Fahrt über den See kann er fliehen. Er kann sich nicht mehr aus dem politischen Geschehen heraus halten.

Das Bühnenbild und die Kostüme von Ulrich Leitner waren zum großen Teil naturalistisch gehalten. Gewaltige Holzstämme bestimmten das Bühnenbild. Die Kleidung der Landbevölkerung war einfach, gleichförmig und volkstümlich gehalten. Reichsvogt Gessler trug eine Militäruniform, die Besatzer trugen Uniformen, die an den Ersten Weltkrieg erinnerten. Die beiden jungen Personen im Stück, Rudenz und Berta von Bruneck, trugen dagegen bunte und modernere Kleidung. So waren die unterschiedlichen Welten auch äußerlich klar voneinander zu unterscheiden.

Im Gegensatz zum naturalistischen Bühnenbild wirkten die aus dem Baumarkt zusammengestellten Alpenhörner mit Schlauchaufsatz wie ein ironischer Bruch.

Die Akustischen und Licht-Effekte bildeten einen gelungenen atmosphärischen Hintergrund. Sturm, Regen, Gewitter, alles wurde für das Publikum erlebbar. Der Einsatz von Kuhglocken passte in das naturalistische Bild.

Der Musikeinsatz von Peter Kirschke war hauptsächlich rhythmisch–akustischer Natur . Nur einmal war die Schweizer Nationalhymne als Symbol der nationalen Einheit zu vernehmen.

Außer Rainer Kleinespel als Wilhelm Tell hatten die fünf anderen Schauspieler/innen gleich mehrere Rollen, sogar als Schaf oder Kuh, zu bewältigen. Sie taten dies mit mit Humor und schau-spielerischem Einfühlungsvermögen.

Rainer Kleinespel überzeugte als freiheitsliebender Tell, dem seine Familie über alles geht. Man sieht ihm die Verzweiflung an, zu einer Gewalttat getrieben worden zu sein.

Andreas Ksienzyk spielte den Reichsvogt in all seiner Arroganz und Grausamkeit, dem es nur darauf ankommt, den freien Willen zu brechen. Bettina Zobel zeigte ebenso wie Philip Pelzer ihre Vielseitigkeit in den Unterschiedlichen Rollen.

Erfrischend in ihrem Spiel waren die jungen Darsteller Talisa Lara und Thorsten Schmidt als Liebespaar. Schmidt als der junge Rudenz mit Verachtung für das festgefahrene Leben auf dem Land und mit Sympathie für das „modernere“ Stadtleben. Erst die Liebe zu Berta von Bruneck bringt einen Sinneswandel bei ihm.

Als Quintessenz wird über dem Stück könnte J.J. Rousseaus Spruch stehen: Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

Weitere Termine und Informationen unter www.theaterdo.de

Tradition trifft Moderne

Noch ist das Gespenst Sir Simon (Rainer Kleinespel) guter Dinge. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Noch ist das Gespenst Sir Simon (Rainer Kleinespel) guter Dinge. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Wie jedes Jahr gastiert das Ensemble des Kinder-und Jugendtheaters auch 2015 mit einem Weihnachtsmärchen für die ganze Familie im Schauspiel Dortmund. Diesmal hat sich der Leiter des KJT, Andreas Gruhn, das „Gespenst von Canterville“ nach einer Erzählung von Oscar Wilde (1856 -1900) vorgenommen und bearbeitet. Am 26.11.2015 war die Premiere im Schauspielhaus.

Zur Geschichte: In den 60iger Jahren kauft der New Yorker Geschäftsmann Hiram Otis das englische Schloss Canterville. Als er dort mit seiner Frau Lucretia (Lucy) Otis, seinen jugendlichen Söhnen Washington und Buddy sowie der elfjährigen Virginia ankommt, erwartet sie die Verwalterin Mrs. Umney und warnt vor dem Geist von Sir Simon von Canterville, der dort nach seinem Tod vor 350 Jahren sein Unwesen treibt. Doch die rationalen, von der Fortschrittlichkeit ihrer Nation und materialistisch denkenden Amerikaner reagieren anders als erwartet. Ohne Angst bieten sie dem Geist die „Errungenschaften der neuen Zeit“ an, um zum Beispiel seine quietschenden Ketten mit einem speziellen Öl zu schmieren. Die Söhne attackieren ihn mit Wasserpistolen.

Mr. Otis plant, das alte Schloss und das Gespenst in einer Art „Disneyland“ zu verwandeln und zu vermarkten. Das Gespenst, versteht nicht, warum diese Menschen keine Angst vor ihm haben.

Nur die elfjährige Virginia begegnet ihm mit Empathie und kindlicher Offenheit. Ihr verrät er seinen sehnlichen Wunsch, nur zu „schlafen“ und in den „Garten des Todes“ hinüber zu gehen. Das kann er aber nur mit Hilfe des Mädchens…

Die Bühnenausstattung von Oliver Kostecka bot all das, wie sich viele Zuschauer/innen ein altes englisches Schloss vorstellen. Kronleuchter, dunkle Fassaden, alte Wendeltreppe, eine Ritterrüstung und einen ausgestopften Eisbären mit um Mitternacht rot funkelnden Augen. An der linken Seite eine schwarze Truhe. Nebel und Donnereffekte sorgten für eine schaurige Atmosphäre.

Mrs. Omney war bieder hochgeschlossen angezogen, während die Familie Otis in bunten Outfit der 60iger Jahre auftrat. Lustige Idee, dass alle in den gleichen leuchtend blauen Pyjama mit Aufdrucken auf die Bühne kamen.

Das Gespenst war weiß geschminkt und trug Halskrause und Pluderhosen aus der Renaissance-Zeit.

Es erinnerte ein wenig an den Poltergeist „Beetlejuice“ (Betelgeuse) aus dem gleichnamigen Film (1988) mit einer ähnlichen Thematik.

Wie bei einem Musical gab es eine Mischung aus Musik (Songs: unter anderem Swing, Rock und aus der Renaissance), Tanz und Schauspiel mit Slapstikelementen.

Im Stück prallen zwei Welten aufeinander. Die britisch-konservative, mit einer fast paranoiden Panik vor übernatürlichen Phänomene und dem materialistischen, rationalen Fortschrittsglaubens des amerikanischen Kapitalismus der 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts. Oscar Wilde hat beides in seiner Erzählung ironisch Charakterisiert.

Die Schauspieler brachten die verschiedenen Typen sehr plastisch und gelungen auf die Bühne.

Bettina Zobel als spröde Mrs. Umney, die bei der kleinsten Störung in Ohnmacht fällt, aber dann kurz „auftaut“ und ein flottes Tänzchen mit Mr. Otis und den anderen auf der Bühne wagt. Joeri Burger (bekannt aus einem früheren Weihnachtsmärchen als „Pinocchio“) steuerte für das Stück einige schöne Choreographien bei. Johanna Weißert und Andreas Ksienzyk als Mr. Und Mrs. Otis spielen die fortschrittsgläubigen, geschäftstüchtigen Amerikaner mit großer Lust und Engagement. Mit Akribie preisen sie die Produkte der neuen Welt wie Fleckenentferner,Tropfen gegen Verdauungsprobleme oder gar Coca-Cola bei Ohnmacht an.

Die beiden Söhne Washington (Thosten Schmidt) und Buddy (Philip Pelzer) sind typische „New Yorker Boys“ ihrer Zeit. Sie spielen gerne Rockabilly-Musik und lieben die Annehmlichkeiten ihrer Zeit. Talisa Lara spielte die die Tochter Virginia, die mit ihren elf Jahren noch ein Kind ist und als einzige sensibel, offen und ohne Vorbehalte auf das Gespenst zugeht und ihm hilft. In der Sorge um ihr Kind, überdenken die Eltern ihre Pläne schließlich noch einmal. Talisa Lara meisterte die schwierige Aufgabe, eine Elfjährige zu spielen mit viel Einfühlungsvermögen.

Rainer Kleinespel spielt das Gespenst von Canterville in all seinen komischen und tragischen Facetten.

Ob das Stück für kleine Kinder zu gruselig ist? Ich denke nicht, denn Kleinespel bringt trotz unheimlicher Montur immer ein gewisses Augenzwinkern mit, selbst beim fürchterlichsten Kettenrasseln. Wer hat eigentlich Angst vor wem? Schnell bekommen die Zuschauer Mitleid mit Sir Simon, denn er will eigentlich nur seine Ruhe.

Fazit: Ein Besuch auf Schloss Canterville lohnt sich auf jeden Fall.

Karten und weitere Infos  unter www.theaterdo.de