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Evelyn Glennies Kampf für ihren Traum

Nach längerer Corona bedingter Pause freuten sich am Freitag, dem 24.09.2021 alle Beteiligten im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) mit „Playing from the heart“ von Charles Way unter der Regie von Antje Siebers eine Premiere vor Publikum in ihrem Haus feiern zu können. Das Stück basiert auf einer wahren Geschichte und ist für Kinder ab 10 Jahren.

Evelyn Glennie wächst bei ihrer Familie auf einen Bauernhof in Schottland auf. Durch eine Nervenkrankheit verliert sie nicht nur ihr Gehör, sondern scheinbar auch ihren Wunsch, Profimusikerin zu werden. Schon mit 12 Jahren begann sie, Perkussionsinstrumente (Pauken, Trommel, Becken, Xylofone) zu spielen.

Maria Portugal an den Percussion-Instrumenten und das Ensemble von "Playing from your heart". (Foto: © Florian Dürkopp)
Maria Portugal an den Percussion-Instrumenten und das Ensemble von „Playing from your heart“. (Foto: © Florian Dürkopp)

Mit Mut und Willenskraft verfolgte sie trotz ihrer Taubheit ihren großen Traum. Heute ist sie eine weltberühmte Komponistin und Perkussionistin.

Siebers arbeite bei ihrer Inszenierung geschickt mit verschiebbaren Wänden mit halbdurchlässiger Gaze. Diese ermöglichten sowohl Rückblicke, standen aber auch symbolisch für die „unsichtbare Trennung“ der Welten von „normal Hörenden“ und der tauben Evelyn.

Auf der Bühne war ein großes Klettergerüst und einem Drehrad mit Neon-Leuchtfarben an den Rändern und stilisierten Wolken. Schauspielerin Ann-Kathrin Hinz thronte als Evelyn am Anfang oben auf dem Gerüst und führte in deren Geschichte ein.

Das Gerüst stellt den Kornspeicher des Bauernhofs dar, wo sie als Kind kletterte und Königin in ihrer Welt war. Sie muss sich gegen ihre großen Brüder Colin (Max Ranft) und Roger (Thomas Ehrlichmann) und zankt wie in Familien üblich ab und zu mit ihnen. Ranft und Ehrlichmann schlüpften auch noch mit viel Lust an der Verwandlung in diverse andere Rollen.

Bettina Zobel zeigte ihre Vielseitigkeit sowohl als besorgt-liebende Mutter wie auch in verschiedene andere Rollen.

Ann-Kathrin Hinz verkörperte die Evelyn nicht nur mit viel Engagement, sondern auch mit viel Empathie für deren Situation als nicht mehr normal die Welt Hörende. Ob sie versucht, ihren Hörverlust durch Lippenlesen zu verheimlichen, bei der Verkörperung all ihrer Emotionen, und wie sie langsam lernt und erfährt, mit anderen Sinnen, Herz und Körper sowohl zu hören als auch zuzuhören.

Für die Inszenierung hat sich Hinz extra fünf Wochen als Perkussionistin ausprobiert.

Ein bedeutender Faktor war die von Maria Portugal extra für dieses Stück entwickelte sensible auf die Stimmungen angepasste und live dargebrachte Musik auf ihren Perkussionsinstrumenten. Zudem bildeten sie und Hinz beim Zusammenspiel gegen Ende ein gut eingespieltes Team.

Eines wurde deutlich: Wie schwer es für einen nicht betroffenen ist, sich in die Welt der Gehörlosen hineinzuversetzen.

Der gesprochene Text wurde zusätzlich auf eine kleine Leinwand für taube Besucher*innen der Veranstaltung projiziert. Aufführungen in Gebärdensprache sind übrigens für das nächste Jahr geplant.

Informationen und Karten für weiter Vorstellungen unter Tel.: 0231/50 27 222 oder www.theaterdo.de

Geschichten über das Wasser auf der Kokerei Hansa

Ein spannendes Erlebnis bot die performative Führung des Kinder und Jugendtheaters Dortmund bei der Premiere von „Nachdem der Himmel glühte“ auf der Kokerei Hansa. Mit einem Spaziergang über das Gelände brachten die Schauspieler des KJT die Jugendlichen mit dem Thema Wasser in Kontakt . Auf dem Weg durch das Industriedenkmal erlebten die Jugendlichen die verschiedensten Szenarien und Geschichten rund um dieses aktuelle Thema.

Ausgerüstet mit Tablets und Kopfhörern folgte die Gruppe dem jungen Calvin, gespielt von Max Ranft. Er brachte die Gedanken ins Rollen, indem er von den industriellen Zeiten erzählte, wo Wasser zur Kühlung der Kokskohle tonnenweise verbraucht wurde und man sich wenig Gedanken über die wertvolle Ressource machte. Dennoch gab es auf dem Gelände eine Art Kreislaufsystem, durch Wasserbecken und Sickeranlagen konnten 40 % des Wassers wieder verwendet werden. Der Rest wurde, mehr oder weniger verschmutzt, in die Emscher geleitet. Einen Bogen zur heutigen Klimaproblematik schlägt der Erzähler mit Unterstützung liebevoll inszenierte Kurzvideos, die an verschiedenen Punkten der Führung gemeinsam abgerufen wurden. In kleinen Erzählstücken berichtete zum Beispiel der Opa von Calvin seine Geschichte als Lokführer auf der Kohlenbahn der Kokerei, das Wasser selbst erhält ebenfalls eine Stimme und klagt, dass es jetzt für immer verschwinden wolle, da es zu wenig Beachtung und Wertschätzung von den Menschen erhielte.

Max Ranft als Calvin in der Kokerei Hansa. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Max Ranft als Calvin in der Kokerei Hansa. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Calvin berichtete von einer Verbündeten die der Mensch im Kampf um das Wasser habe. Gemeinsam machten sich deshalb alle auf die Suche nach der Regentrude. Ein Fabelwesen mit besonderer mystischen Beziehung zum Wasser. Auf der Suche nach der Regentrude fing es tatsächlich an zu regnen. Während wir in einem der großen Türme bis in die oberste Etage kletterten kam auch noch ein kräftiges donnern dazu, irgendwie schien das Wetter zur Geschichte zu passen. Der Regen kommt, der Regen geht die Sonne strahlt, die Wolken ziehen vorbei und wieder donnert es. Die Regentrude wurde gefunden, allerdings kann auch sie nicht mehr helfen, da das Wasser aktiv beschlossen hat abzutauchen. Ab hier versuchen Calvin und die Jugendlichen Lösungen zu finden, um das Wasser zu behalten. Sie schrieben Demo-Plakate mit ihren eigenen Parolen und zogen als Demonstranten durch das Kokerei Gebäude. Dabei skandierten sie ihre Wünsche nach einer besseren Umwelt. .

Bei einer kleinen Erfrischung erfuhren die Jugendlichen, dass auch Kinder vor Gericht ziehen können um für eine bessere Klimapolitik zu kämpfen.

Zum Ende der eindrucksvollen Führung wurde ein kleiner Demonstrationszug vor einer aufwallenden Wasserkaskade gefilmt.

Die Führung war mit kleinen Zwischensprints auf der Suche nach der Regentrude und dem Aufstieg in den Turm durchaus sportlich angelegt. Der fließende Übergang zwischen spielerischer Begeisterung, Informationen und eigenen Aktionen begeisterte die ganze Gruppe.

Diese Uraufführung des KJTs entstand in Kooperation mit dem Künstlerkollektiv pulk fiktion und der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.

Weitere Termine mit jeweils vier Timeslots gibt es am 29. August, 8., 12. und 14. September.

Spielzeiteröffnung des KJT auf der Kokerei Hansa

„Nachdem der Himmel glühte“

Rund ums Wasser dreht sich alles bei einem performativen Spaziergang über das Gelände der Kokerei Hansa in Huckarde. In Kooperation mit dem Künstlerkollektiv pulk fiktion und der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur startet das Kinder-und Jugendtheater seine neue Spielzeit mit einer Uraufführung in aufregendem Ambiente.

Die letzten Sommer waren warm, trocken, oft zu heiß, es gab Sonne satt. Doch wohin geht das Wasser, wenn es nicht regnet? Geht es verloren, sammelt es sich irgendwo? In diesem Jahr dann das krasse Gegenteil mit häufigen Starkregen bis zur Hochwasserkatastrophe in der Eifel. Ob Wasserknappheit oder Überschwemmungen, anhand des Beispiels Wasser lässt sich der Klimawandel anschaulich verdeutlichen. pulk fiktion nimmt die Zuschauenden mit ins Gelände der Kokerei. Sie erkunden den Ort, folgen dem Verlauf des Wassers, verlieren dessen Fährte, begegnen Regenmacher*innen, kämpfen sich durch eine Dürre und suchen nach Lösungen.

Beim Pressetermin am Donnerstag betonte Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung, wie wichtig Ihnen eine regelmäßige Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler*innen sei: „Wir laden gerne Menschen ein, um sich mit diesem Ort zu beschäftigen, damit er nicht als Industriedenkmal nur nackte Kulisse ist, sondern ein lebendiger Ort mit einer inhaltlichen Brücke von heute zur Geschichte.“ Über den spannenden Ort sagte KJT-Intendant Andreas Gruhn: „Was ich so an der Kokerei Hansa liebe, ist, dass man alles sieht, was hier in der Vergangenheit passiert ist, aber gleichzeitig auch, wie sich die Natur wieder alles zurückerobert.“ Diese Mischung sei auch für den Abend „Nachdem der Himmel glühte“ wichtig, die Wahrnehmung des Geländes mische sich mit der Geschichte, die reale Welt mit der virtuellen.


Unser Foto vor dem alten Löschturm zeigt v.li. Matthias Schlensker, Unterstützer des Projektes, Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Norman Grotegut von pulk fiktion, Milena Kowalski, Intendant KJT, Andreas Gruhn, Leiter KJT und Amelie Barth ebenfalls pulk fiktion. (Foto: © Anja Cord)

Unser Foto vor dem alten Löschturm zeigt v.li. Matthias Schlensker, Unterstützer des Projektes, Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Norman Grotegut von pulk fiktion, Milena Kowalski, Intendant KJT, Andreas Gruhn, Leiter KJT und Amelie Barth ebenfalls pulk fiktion. (Foto: © Anja Cord)

Die Zuschauenden spazieren, teilweise auch mit Tablets und Videosequenzen, zu verschiedenen Stationen auf dem Gelände, wo sie auf die Schauspieler*innen des KJT-Ensembles treffen. „Es ist eine Reise in eine phantastische Welt, die wieder zurückgeführt wird zur Realität, wo es dann auch sehr konkret wird. Der Bezug zum Kernthema „Wasser“ ist zum Beispiel durch den Opa eines Guides gegeben, der Löschwagenfahrer war“, erzählt Norman Grotegut von pulk fiktion. Das Publikum werde interaktiv eingebunden und sollte festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung tragen, denn gespielt wird auch bei Regen. Der anderthalbstündige Spaziergang sei durchaus körperlich aktiv und es gehe auch auf den Kühlturm rauf.

Wer neugierig geworden ist und gerne mit dabei sein möchte am 22. August gibt es vier Vorstellungen á 90 Minuten, die erste beginnt um 18h, die folgenden Uhrzeiten sind 18.45h, 19.45h, 20.30h.

Ein lebensbejahender Monolog um das ernste Thema Depression

Mit „All das Schöne“ (von Duncan Macmillan mit Jonny Donahoe ab 14 Jahren) unter der Regie von Peter Kirschke stand ein Theaterstück um ein brisantes und immer aktuelles Thema auf dem Spielplan. Die Premiere im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) war am 01.10.2020.

Trotz vermehrter medialen Aufmerksamkeit etwa nach dem Suizid von Torwart Robert Enke wird die Problematik von den Betroffenen und ihren Angehörigen nicht offensiv in den Blickpunkt gerückt. Es ist ja nichts, was man in einer Gesellschaft, wo offiziell alle „erfolgreich, stark und selbstbewusst“ erscheinen möchten, gerne öffentlich macht. Sich früh Hilfe zu suchen, ist aber besonders wichtig.

Das Publikum bekam vor der Vorstellung eine Theatertasche mit Saft, etwas Schokolade, einem Taschenbuch und einige ein weißes Blatt mit nummeriert aufgeführten Dingen, die in dieser Welt schön sind. So wurden sie sofort in das Geschehen mit einbezogen. Die texte auf den Blättern wurden jeweils nach Aufruf vorgelesen.

Bianka Lammert überzeugte in den Solo-Stück "All das Schöne". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Bianka Lammert überzeugte in den Solo-Stück „All das Schöne“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Neben den Plätzen auf den Zuschauerbänken waren die beiden Seiten auf der Bühne mit Stühlen für die Zuschauer*innen bestückt. Personen aus dem Theaterumfeld wurden als „Vater“, „Schulpsychologin“ oder späterer Ehemann in das Geschehen eingebracht.

Schauspielerin Bianka Lammert erzählte die Geschichte einer Frau, die schon als siebenjähriges Kind mit der Depression und dem ersten Suizidversuch ihrer Mutter konfrontiert wird. Eindringlich und mit viel Empathie brachte die Schauspielerin die hoffnungsvollen, fast schon verzweifelten Versuche des Kindes, ihre Mutter mit ihrer nummerierten, stetig wachsenden Liste von den schönen Dingen des Lebens auf die Bühne. Auch die Rat und Hilflosigkeit des Vaters wird deutlich.

Die unterschiedlichen Stimmungen wurden jeweils mit eingespielten Musikausschnitten untermalt. Vorwiegend steht die von der Mutter geliebte Soul-Musik von Ray Charles im Mittelpunkt, aber bei Konflikten schräge (Free) Jazz-Klänge.

Auch Tanz und Humor sowie komische Momente spielten zwischendurch immer wieder ein wichtige Rolle.

Auf den zweiten Suizidversuch der Mutter zehn Jahre später reagiert die Erzählerin als Teenager mit Wut und setzt ihre Liste mit Vehemenz auch während des Studiums fort. Sie heiratet ihre Studium-Liebe, der sie drängt, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Klar ist, es geht nicht nur um ihre Mutter, sondern um den eigenen Kampf gegen die Traurigkeit und Depression. Außerdem geht es darum , mit dem Gefühl des Versagens auseinander zu setzen, als ihre Mutter sich letztendlich das Leben nimmt.

Erst Jahre nachdem ihr Mann sich getrennt hat , findet sie die Kraft, sich über eine Selbsthilfegruppe und ihrer früheren Schulpsychologin Unterstützung zu holen und ihr Ziel, die Nr. 1.000 000 auf der Liste zu erreichen.

Eine starke Schauspielleistung und wichtiger lebensbejahender Monolog zu diesem sehr ernsten Thema.

Informationen zu weiteren Vorstellungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222.

Umgang mit Isolation als aktuelles Thema im Kinder- und Jugendtheater

Die Stückentwicklung „miss you“ unter der Regie von Antje Siebers im Kinder und Jugendtheater Dortmund (ab 12 Jahren) beschäftigt sich besonders in der Zeit der Corona-Pandemie mit dem Thema des Umgangs mit Isolation und Suche nach Nähe. Wie gehen wir damit um, auf uns selbst zurückgeworfen zu sein?

Nicht nur in diesen Zeiten ein Thema, was uns alle betrifft und wo wir uns wiederfinden können.Die Premiere im KJT unter Corona-Bedingungen war am 18.09.2020,

Fünf Schauspieler*innen des Ensembles (Thomas Ehrlichmann, Ann-Kathrin Hinz, Andreas Ksienzyk, Max Ranft und Bettina Zobel), atmosphärisch begleitet von Musiker Manuel Loos, führten die Zuschauer*innen in die verschärfte Pandemie-Zeit April 2020.Da hatte uns Corona noch stärker als im Augenblick an unseren Wohnungen gebunden.

In Zeiten des Lockdowns gefangen in der engen Wohnung: Szenenbild mit Ann-Kathrin Hinz  und Thomas Ehrlichmann. (Foto: © Birgit Hupfeld)
In Zeiten des Lockdowns gefangen in der engen Wohnung: Szenenbild mit Ann-Kathrin Hinz und Thomas Ehrlichmann. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Bei der Recherche wurden sie zudem von der Klasse 6c des Goethe-Gymnasiums und ihrer Klassenlehrerin unterstützt. Mit ihren Corona-Tagebüchern aus der Zeit der Selbstisolation wurden ihre Wünsche, Ängste, Sehnsüchte u.s.w. in Form von Tonaufnahmen und Videoprojektionen auf die Bühnenleinwand projiziert.

Mit schwarz-gelbem Klebeband wurden die isolierten engen Wohnräume der fünf Schauspieler*innen auf der Bühne anschaulich manifestiert. Jede der Personen geht mit der Situation anders um und versucht, dass Beste daraus zumachen.

Die einen flüchten sich in schöne Träume und Erinnerungen, andere in Sport oder Renovierungsarbeiten. Die Träume und Erinnerungen wurden mit Hilfe einer Kamera und Miniaturpuppen oder Landschaften als Projektion auf der Leinwand sichtbar gemacht. Wenn die Wohnung verlassen wurde, war Abstand halten und Mund-Nasenmaske zum Schutz einzuhalten.

Witzige Tanz- und Bewegungschoreografien mit Tempo wechselten sich mit meditativ-ruhigeren Passagen ab. Eine Prise Humor war auch mit dabei.

Die Schauspieler*innen hatten die Gelegenheit, ihre emotionale Bandbreite von traurig, sentimental, witzig bis aufbrausend ausspielen.

Informationen zu weitere Aufführungsterminen und Karten erhalten Sie:

Tel.: 0231/ 50 27 222 oder unter www.theaterdo.de

Wenn eine Giraffe einen Pinguin besucht oder Neugier kann sich lohnen

Mit der Premiere von „Viele Grüße, Deine Giraffe“ in der Bühnenfassung von Nadine Schwitter (nach einem Bilderbuch von Megumi Iwasa) startete am Freitag, dem 11.09.2020 das Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) in die neue Spielzeit 2020/2021.

In Corona-Zeiten galt es, viele Auflagen zu erfüllen. So wurde das Publikum nur einzeln eingelassen und zu den Plätzen geführt. Vorher musste jeder einen Bogen mit persönlichen Daten ausfüllen. Die Anzahl der Zuschauer*innen war reduziert.

Auf der Bühne erwartete das junge (und jung gebliebene) Publikum eine durch eine hellblaue Wand geteilte Drehbühne. Gemalte Wolken und eine Tür am Horizont ließ sich je nach Bedarf öffnen.

Die Giraffe (Bianka Lammert) wird vom Pinguin (Johanna Weißert) herzlich begrüßt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Giraffe (Bianka Lammert) wird vom Pinguin (Johanna Weißert) herzlich begrüßt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Geschichte ist eine Erzählung (ab 4 Jahre) über eine besondere Begegnung, übers Briefschreiben und darüber, wie aus Langeweile ein Abenteuer werden kann.

Es ist einer Ermutigung, sich mit Mut, Neugier und ohne Ängste auf den oder das Unbekannte einzulassen. Es kann sich lohnen.

Ein Kompliment an die Ausstattung von Eugenia Leis. Die Kostüme waren mit Humor und Liebe zu kleinen Details ausgewählt.

Mit viel Engagement, witzigen Grimassen und Spiellaune füllten die Schauspieler*innen Bianka Lammert (Giraffe), Johanna Weißert (Pinguin), Rainer Kleinespel (Pelikan / Walprofessor) sowie Maria Trautmann (Musikerin / Robbe) ihre Rollen aus.

Die musikalische Livebegleitung mit Posaunenklängen und Einspielungen begleiteten die Geschichte atmosphärisch und zu den jeweiligen Tieren passend.

Ein gelungener Start trotz aller Widrigkeiten.

Karten und Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie unter:

Tel.: 0231 / 50 27 222 oder www.theaterdo.de

Das Auerhaus und die schwierige Lebensbewältigung

Die neue Jugendclubproduktion „Auerhaus“ unter der Regie, Choreografie und Dramaturgie von Milena Kowalski & Lioba Sombetzki hatte am 29.02.2020 im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) seine von allen Beteiligten mit Spannung erwartete Premiere. Grundlage für die Stückentwicklung war der gleichnamige Roman von Bov Bjerg (Stückfassung von Robert Koall). Akteure auf der Bühne waren sechs junge Schauspieler*innen des Jugendclubs.

Zum Stück: Der achtzehnjährige Frieder (Anis Alfakhouri) landet nach einem misslungenen Suizidversuch mit den Tabletten seiner Mutter zunächst in der Psychiatrie. Damit er nach seiner Entlassung nicht alleine lebt, wohnt er mit zunächst mit Höppner (Lea Zimmermann), der mahnenden Vera (Julia Kubensky) und Cäcilia (Mareike Stötzel) im „Auerhaus“ (nach „Our house“ von Madness).

Der Einkaufswagen wurde bei "Auerhaus" nicht nur zum Einkaufen benutzt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Der Einkaufswagen wurde bei „Auerhaus“ nicht nur zum Einkaufen benutzt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Später ziehen auch noch die Pyromanin Pauline (Gianna Pellarin) und der etwas flippige Harry (Sadoun Alsinou) ein. Dort leben sie ein richtiges Leben mit Aufstehen, Frühstücken, Einkaufen (oder auch Klauen), Kochen und Aufpassen auf den selbstmordgefährdeten Frieder. Es geht um Party feiern, Freundschaft, Liebe, Eifersucht, Einsamkeit und Tod. Wie geht Leben, was bleibt am Ende? Nach dramatischen Ereignissen gerät die Lage außer Kontrolle und das gemeinsame Leben im „Auerhaus“ findet ein Ende. Welche Lebensperspektiven erfüllen sich für die Jungen Leute kurz vor dem Abitur?…

Die Kleidung und Musik waren stark an die 80er und 90er Jahre angelehnt. Stühle, Kartons, Discokugeln in verschiedenen Größen, Schwämmchen, silberne Pompons oder ein Einkaufswagen wurden geschickt multifunktional genutzt,

Einfallsreiche Tanzchoreografien zum Beispiel am Anfang zu „Our house“, oder später nach „Tom‘s Diner“ (Suzanne Vega) und „Barbie Girl“ (Aqua) sorgten für gute Stimmung.

Die jungen Schauspieler*innen überzeugten durch einer besonderen Leichtigkeit in ihrem Spiel. Dabei beeindruckten sie sowohl in den ernsten Momenten mit tiefgehenden Gesprächen, wie auch beim WG- und Party-Spaß. Im „Auerhaus“ sind sie füreinander da. Jedoch um eins klarzustellen: Bei diesem Stück gibt es kein Hollywood-Ende.

Lea Zimmermann hatte mit der Rolle den jungen Erwachsenen Höppner als Frau die besondere Herausforderung, sich nicht nur in einen Mann hinein zu versetzen, sondern auch glaubhaft auf der Bühne darzustellen. Sie meisterte diese Aufgabe mit Lockerheit.

Die verschiedenen Charaktere wurden von den Schauspieler*innen gut verkörpert.

Die nächste Gelegenheit das Stück für Jugendliche ab 14 Jahren zu erleben, gibt es am 07.03.2020 (20:00 Uhr).

Infos erhalten Sie wie immer unter https://www.theaterdo.de/detail/event/auerhaus/ und Tel.: 0231/ 50-27222.

Leben lernen

Am 29. Februar 2019 präsentiert das Kinder- und Jugendtheater (KJT) eine neue Produktion des Jugendclubs. Auf die Bühne kommt das Stück „Auerhaus“ nach dem Roman von Bov Bjerg. Die Stückfassung besorgte Robert Koall.

Die Geschichte dreht sich um den Jugendlichen Frieder, der nach einem gescheiterten Selbstmordversuch quasi zur Therapie, in einem x-beliebigen Kaff in Deutschland auf dem alten Hof seines Großvaters lebt. Um nicht alleine mit seinem Opa zu leben, kommen weitere Menschen hinzu: Höppner, Vera, Cäcilia, Harry und Pauline. Die Jugendlichen machen den Hof zu ihrem „Auerhaus“ – nach dem bekannten Song „Our House“ von Madness aus dem Jahre 1983. Das Stück selbst spielt in den 90er Jahren, die Kostüme und die Musik werden aus dieser Epoche sein.

Die sechs Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe zu "Auerhaus". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die sechs Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe zu „Auerhaus“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Trotz der harten Story geht es in dem Stück auch um die Frage, wie gehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen damit um, zum ersten Mal auf eigenen Füßen zu stehen, sich zu arrangieren oder aber auch Blödsinn zu machen. Oder kurz gesagt: Wie geht Leben?

Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind sechs Mitglieder des Jugendclubs. Sie sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. „In den Stück ist viel von den jungen Erwachsenen eingeflossen“, so Milena Kowalski und Lioba Sombetzki vom KJT, die für die Regie, Dramaturgie und Choreografie verantwortlich sind. Ab Oktober wurde einmal wöchentlich geprobt, dazu gab es ein Intensivwochenende. „Das Stück ist ein vollwertiger Teil des Spielplans“, betonte Sombetzki. Es wird an sechs Terminen gezeigt und ist am 21. Mai 2020 im Rahmen des Festivals Unruhr zu sehen.

Für die Premiere sind noch Restkarten vorhanden. Die weiteren Termine sind unter https://www.theaterdo.de/detail/event/auerhaus/ zu finden.

Akademisches Jugendtheater aus Rostow am Don mit vier Gastspielen im KJT

Russland ist nicht nur für perfektes klassisches Ballett bekannt, sondern hat auch eine besondere Theaterlandschaft zu bieten. Im Rahmen von unserer Stadt unterstützten „Russischen Kulturtage“ (21.09.2019 – 13.10.2019) gastiert das Akademische Jugendtheater aus unserer Partnerstadt Rostow am Don mit gleich vier unterschiedlichen Stücken für verschiedene Altersgruppen im KJT (Kinder- und Jugendtheater) in Dortmund.

Der Leiter des KJT Andreas Gruhn konnte bei einem Pressegespräch einiges aus seiner Erfahrung mit einem KJT-Besuch in Rostow am Don über das spezielle Theater in Russland berichten. Das Theaterensemble ist mit bis zu vierzig Personen größer üblicher Weise in Deutschland. Sie beeindrucken durch ihre gewaltige Bildsprache, sind sehr akrobatisch und Musik spielt eine große Rolle, so Gruhn. Es lohnt sich, die Chance wahrzunehmen, dieses russische Theater einmal live zu erleben.

Was wird im Kinder- und Jugendtheater geboten?

Es beginnt am Freitag, den 11.10.2019 um 11:00 Uhr mit „Eines Tages.. oder alle Jungs sind blöd!“ (Ksenija Dragunskaja).

Diese traumhaft-märchenhafte Stück für Kinder ab 4 Jahre spielt mit den weiblichen und männlichen Anteilen in uns auf eine kindgerechte Art und bietet auch Lustiges wie eine Kissenschlacht.

Alles kehrt sich um.

Am Samstag, den 12.10.2019 steht um 19:30 Uhr Bumbarasch“ (von Julij Kim und Wladimir Daschkewitsch) ab 12 Jahre. Es entführt das Publikum in die Zeit des Ersten Weltkriegs und an deren Ende die Entstehung der Sowjetunion mit all seinen Wirren, Chaos und bitteren Konsequenzen gerade auch für die Bauern. Bumbarasch ist eigentlich Bauer, wird als Soldat in den Krieg berufen. Er und muss sich dann auch durch die folgende Zeit mit den Bolschewisten auseinander setzen, obwohl er eigentlich nur seine Ruhe will. Eingebettet in diese politischen Hintergründe ist eine Liebesgeschichte, und das Stück ist trotz allem mit viel Musik, akrobatischen Elementen und einer revuehaften Erzählweise unterhaltsam gestaltet.

"Bumbarasch" erzählt von den Wirren in den Zeiten des Ersten Weltkrieges in Russland. (Foto:© Akademisches Jugendtheater Rostow am Don)
„Bumbarasch“ erzählt von den Wirren in den Zeiten des Ersten Weltkrieges in Russland. (Foto:© Akademisches Jugendtheater Rostow am Don)

Am Sonntag, den 13.10.2019 um 15:00 Uhr wird es mit „Kaschtanka“ – Die Geschichte eines Hundes (Erzählung nach Anton P. Tschechow) ab 6 Jahre poetisch und bewegend. Die einsame Hündin Kaschtanka hat mit ihren Erinnerungen an ihr Herrchen, Einsamkeit und Hunger zu kämpfen.

Zum Abschluss wird am Sonntag, den 13.10.2019 um 18:00 Uhr die preisgekrönte Inszenierung und sentimentale Komödie „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ (E.E. Schmitt) für Jugendlichen ab16 Jahre gespielt. „Monsieur Ibrahim“ ist französisch elegant und auf orientalische Art Weise, und eine eine geistreiche und berührende Coming-of-Age Geschichte.

Es ist das größte Austauschprojekt zwischen den beiden Theatern, und ist sowohl für russischsprachige wie für deutschsprachige Dortmunderinnen und Dortmunder interessant. Die beiden Abendveranstaltung werden deutlich, die Aufführungen für Kinder simultan übersetzt oder vorab erklärt.

Die Karten kosten für alle Stücke 7 Euro und 5 Euro für Kinder bis 14 Jahren.

Erhältlich sind Karten im Kundencenter des Theaters (Platz der alten Synagoge), unter www.theaterdo.de und Tel. 0231/50 27 222.

Über die Gastspiele im KJT hinaus finden übrigens im Rahmen der Russischen Kulturtage überall in Dortmund Veranstaltungen in allen Sparten statt.