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Game on! – Ausstellung verbindet Kunst und Spiel

Bis zum 20. November 2022 zeigt das Künstlerhaus am Sunderweg 1 eine hochinteressante Ausstellung zu den Themen Kunst und Spiel. Elf Positionen zeigen die Verbindung zwischen Spiel und Kunst. Das Spielerische oder auch die Erinnerung an die Kindheit werden von den Künstler*innen unterschiedlich bearbeitet. Und wie es sich zu einer solchen Ausstellung gehört, manche Kunstwerke laden zum Ausprobieren ein.

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Doppelausstellung im Künstlerhaus

„It takes two to tango“ ist nicht nur der Titel der Ausstellung im Erdgeschoss im Künstlerhaus, sondern „zwei“ ist auch die Anzahl der Ausstellungen, denn im 1. Stock des Gebäudes ist auch noch die Ausstellung „Schwarzzseite Projekt“ mit Druckgrafiken zu sehen. Beginnen wir im Erdgeschoss.

Hier präsentieren zehn Künstlerinnen Arbeiten, die sich stark mit Rhythmus, Struktur oder Materialität beschäftigen. Gemeinsam ist allen Künstlerinnen, dass sie entweder als Mentorin oder Mentee an den Kunst-Mentorinnenprogrammen in Nordrhein-Westfalen oder Mecklenburg-Vorpommern teilgenommen haben. Die Ausstellung ist bis zum 19. Juni 2022 zu sehen.

Maria Seitz, multicolor 4
Maria Seitz, multicolor 4

Uli Böhmelmann arbeitet raumbezogen mit transparenten oder empfindlichen Materialien. Für die Ausstellung im Künstlerhaus zeigt sie ihre Arbeit „Kette geschlossen“, die aus Porzellan besteht. Somit entsteht eine neue Einteilung des Raumes. Die Analogie zwischen Kunst und Natur beschäftigt die Künstlerin Rabea Dransfeld. Ihre „kosmischen korrelate“ wirken einerseits wie Stücke von Meteoriten, andererseits aber auch wie Waben von Bienen oder Wespen. Bei Maria Seitz stehen serielle Strukturen und repetitive Verfahren im Vordergrund. Sie zeichnet mit Buntstiften auf Papier und erzeugt komplexe Strukturen. Ramona Seyfarth arbeitet bei ihren fotografischen Arbeiten mit der Zeit, Sie fotografiert ein Motiv über 24 Stunden und komprimiert die Bilder anschließend. Ein weiteres Werk von ihr ist der „Rote Teppich“, der aus einzelnen Glasfäden geknüpft ist. Eine Zeichnung im Raum, so könnte man die Arbeit „Raumgestrick“ von Karin Schroeder bezeichnen. Ein Faden wird eine Linie, die Linie durchdringt den Raum und wird zu einem 3D-Gebilde.

Johanna Herrmann arbeitet mit dem Wind und dem Zufall. Hier im Künstlerhaus muss sie sich mit Ventilatoren begnügen, doch es bleibt spannend, welches Ergebnis bei dem „Experiment“ herauskommt. Denn der Wind bewegt Pinsel, an denen Farbe klebt, so entstehen spannende Bilder. Die Zeichnungen von Justyna Janetzek beziehen sich auf ihre Skulpturen, an denen sie sonst arbeitet. Sie sind eine Art Muster, Skizze, die von ferne an Gebilde im Raum erinnern. Mit verlorenen Handschuhen arbeitet Susanne Gabler. Zusätzlich „vermenschlicht“ sie die Handschuhe, in dem sie Kontaktanzeigen darunter platziert. Ob sich dadurch der zweite passende Handschuh findet? Das Grundelement der Werke von Dorthe Goeden ist die Linie. So sind ihre Papierschnitte ein Spiel von Licht und Schatten, vom dem „was ist“ und von dem „was nicht ist“. Dazu zeigt sie viele Arbeiten, die als Werkarchiv oder Skizzenbuch dienen könnten. Zusätzlich arbeiten Lisa Tschorn und Sierra Diamond an der Performance „Trotzdem“.

Freundinnen und Freunde von Druckgrafiken können sich auf die Ausstellung „Schwarzzseite Projekt“ freuen, die bis zum 29. Mai 2022 läuft denn zu sehen sind insgesamt 28 Druckgrafiken aus aller Welt, kuratiert von Debora Ando. Viele Drucktechniken sind vertreten und von Unikaten bis zu großen Auflagen ist alles dabei.

Gute Aussichten im Künstlerhaus

Bis zum 01. Mai 2022 zeigt das Dortmunder Künstlerhaus im Sunderweg 1 die Ausstellung „Gute Aussichten“. Acht Positionen junger deutscher Fotografie zeigen unterschiedlichste Herangehensweisen an das Medium. Von klassischer Portraitfotografie, über KI unterstützte Arbeiten bis hin zu Videoproduktionen reicht die Bandbreite.

Max Dauven verknüpft Fotografie mit dem Internetphänomen „Meme“. Bei den Memes handelt es sich um verfremdete Bilder und ähnliche Vorlagen, die kreativ umgedeutet werden und so gewisse Popularität gewinnen können. Dauven benutzt einige Versatzstücke von Memes und baut sie in seinem Fotostudio analog auf. Selbst die Hängung seiner Werke im Künstlerhaus ist einem Meme nachempfunden.

Max Dauven, Assuming Control, Inkjet-Druck, 80 x 64 cm, gerahmt in Aluminium schwarz, 2021
Max Dauven, Assuming Control, Inkjet-Druck, 80 x 64 cm, gerahmt in Aluminium schwarz, 2021

Mit Irland verbinden die meisten Menschen Positives: grüne Insel, nette Menschen und Guinness. Aber auch in Irland gibt es Armut, in den Städten haben sich Armenghettos gebildet. Tamara Eckhardt hat über lange Zeit die Bewohner des Viertels „St.James Park“ in Limerick fotografisch begleitet und sich dabei auf die Kinder und Jugendlichen konzentriert. Herausgekommen sind starke Bilder von jungen Menschen, die ihren Weg finden müssen in einer Umgebung, die geprägt ist von Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit.

Mit seiner Arbeit „18 Diptychen der lichtbildnerischen Forschung“ hinterfragt Maximilian Gessler die materiellen und technischen Grundlagen der Fotografie. Hingegen arbeitet Alexander Kadow mit „Big Data“ und Algorithmen und schafft abstrakte Schwarz-weiß Kompositionen. Als Basis dienen ihm alte Röntgenbilder.

Die Bilder von Natalia Kepesz haben durch den Krieg in der Ukraine ungeahnte Aktualität bekommen. Denn sie fotografierte Kinder, die in Polen in militärischen Camps und Uniformklassen gehen. Die sind im Polen in den letzten Jahren ziemlich populär geworden. Damit werden Kinder spielerisch mit Gehorsam und Patriotismus indoktriniert, und Krieg als eine Lösung akzeptiert.

Mit den typischen Musterhäusern beschäftigte sich Fiona Körner in ihrer Arbeit „Shoes can change your life, ask Cinderella“. Sie fragte sich, welches Familienbild und welche Werte werden in solchen Einfamilienreihenhaussiedlungen vermittelt? Ist es die typisch weiße, heteronormative Familie?

Wie in einem surrealen Videospiel wirkt die Arbeit „Nichts als Solide“ von Vanessa A. Opoku. Ihre Video-Projektion erkundet den öffentlichen Raum in Berlin gemischt mit Sounds aus Field-Recordings sowie Texten von Mascha Kaléko und May Ayim. Die zweite Arbeit „Haltung“ ist ein computergeneriertes Portrait von Opoku.

In „What has been will be again, What has been done will be done again“ zeigt Künstlerin Zoyeon ihre Zerrissenheit als Ausländerin in einem fremden Land. Die Gefühlswelten changieren zwischen Erstaunen und Hilfslosigkeit. Neben einem etwa 43 minütigen Film zeigt das Künstlerhaus auch einen Digitaldruck in der Größe von 1860x 150 cm.

Künstlerhaus Dortmund
Sunderweg 1
44147 Dortmund

Öffnungszeiten der Ausstellung :
Donnerstag – Sonntag
16 – 19 Uhr

go area – Kunst aus dem Ruhrgebiet im Künstlerhaus Dortmund

Nach der Ausstellung „go local“ im Mai/Juni vergangenen Jahres, präsentiert das Künstlerhaus Dortmund wieder heimische Künstlerinnen und Künstler. Lag der Fokus 2021 noch auf Dortmund, wurde der Blick weiter in die Ferne gerichtet. Diesmal sind es Künstlerinnen und Künstler aus dem Ruhrgebiet. Die 16 Positionen sind vom 05.02. bis zum 13.03. 2022 zu sehen.

Die Kuratierung übernahmen in diesem Fall die BewohnerInnen des Künstlerhauses selbst. Jede/r hatte seine/n KandidatIn, die er/sie auch betreute. Herausgekommen sind 16 künstlerische Positionen, die sich nicht nur durch das Material und die Herangehensweise unterscheiden, sondern auch generationsübergreifend sind.

Felina Wießmann, Innenraum 2, Öl auf Leinwand, 2021
Felina Wießmann, Innenraum 2, Öl auf Leinwand, 2021

Günter Rückert ist in Dortmund kein Unbekannter. Seine witzigen Portraits und anderen Bildern reflektiert er mit spitzem Stift gesellschaftliche Zustände.

Die Arbeit von Ulrike Rutschmann wird wie ein geisterhaftes Portrait. Nur bei genauem Hinsehen sind Schemen zu kennen. Das ist von der Künstlerin bewusst gewählt, um die Fragilität menschlicher Existenz zu betonen.

In Corona-Zeiten kam die Zoom-Konferenz in Mode. Matthias Schamp entwickelte ein Collagenformat, bei dem die Teilnehmer sich so arrangierten, dass aus mehreren Einzelfotos ein ganzes Gesamtfoto wurde.

Den Rhein-Heren-Kanal mit seiner Umgebung und den Jugendlichen nahm Inna Schneider im Sommer 2019 auf und erschuf klare Bilder, die an die unbeschwerte Zeit erinnert.

Silke Schönfeld zeigt ein filmisches Portrait der Kick-Boxerin Aleyna Asya Akgün, von den Kampfvorbereitungen bis hin zu den Wettkämpfen.

Champagnerfarben ist das Bild von Philipp Valenta auf den ersten Blick. Kein Wunder, hat der Künstler tatsächlich mit dem edlen Getränk gearbeitet. Doch dann werden Flecken sichtbar wie auf schmutzigen Laken. Somit steht neben der Monochromie auch der Gegensatz wischen Edel und Schmutzig im Mittelpunkt.

Felina Wießmann ist fasziniert von „Lost Places“, vor allem von denen , die während Corona geschlossen waren. Sie fügt aber in ihren Bildern Menschen ein, die geisterhaft die „lost places“ bevölkern. Zudem benutzt sie für ihre Arbeiten eine reduzierte Farbpalette.

Mit der Farbe „Weiß“ beschäftigt sich Christoph Breitmar, in seinem Bild verbindet sich Leinwand, Grundierung, Farbe und Firnis mit Licht zu einem neuen Gesamtbild, das sogar den Raum mitaufnimmt.

„everything is the same“, so lautet der Titel der Arbeit von Sarel Debrand-Passard. Ein Laserpointer mit einem Motor zeigt abwechselnd in die vier Himmelsrichtungen. Hier wird der Versuch einer Verortung vorgenommen. Wo befindet man sich, wohin geht man?

Manche Dinge scheinen ja ein Eigenleben zu entwickeln. Das musste Martin Gensheimer feststellen, dessen Bleistifte in seiner Umhängetasche ein fixiertes Blatt Papier beschrieben. Die Werke, die daraus entstanden sind, verknüpft Gensheimer mit genauen Datums- und Zeitangaben sowie Beschreibung der Tätigkeit.

Es ist schon ein großer Kontrast: der große Raum des Künstlerhauses und die filigranen Arbeiten von Chun-Lan Hermann. Denn in den beiden Bildern ist ein menschliches Haar eingearbeitet. Hermann beschäftigt sich mit der Corona-Pandemie und dem Riss durch die Gesellschaft.

Renate Neuser verwendet gerne unterschiedliche Materialien und verbindet diese miteinander. So kann ein Stein auf einem Holzsockel stehen. Eine weitere Besonderheit ihrer Arbeiten ist die Farbigkeit ihrer Plastiken.

Mit ihrer schlesischen Familiengeschichte hat sich Julia Nitschke beschäftigt. Im Mittelpunkt ihrer Filmskizze stehen eine Oblate, die aufzeigt, wie alle Familiengeschichten (wahre und ausgedachte) miteinander verbunden sind.

Der erste Blick in den von Evangelos Papadopoulos gestalteten Raum erweckte ein Eindruck einer einstürzenden Decke, denn von oben sind Gipskartonplatten, Dachlatten und weiteres zu sehen. Metall und Stein erweitern die Materialauswahl. Seine Großskulpturen erobern den Raum und stehen in Auseinandersetzung mit seiner Atmosphäre und den Lichtverhältnissen.

Holga Rosen ist in Dortmund natürlich bekannt durch seine Cartoons, die er seit über 20 Jahren in den Ruhr-Nachrichten veröffentlicht. Auch im comic schauraum hatte er eine eigene Ausstellung.

Susan Dominique Feind druckt ihre eigenen Fotos auf Stoffe und macht daraus Kleidungsstücke. Durch das Tragen der Kleidungsstücke wird daraus eine Präsentationsfläche und damit wieder Kunst.

Öffnungszeiten Ausstellung Donnerstag – Sonntag 16 – 19 Uhr

Mach mit, wir pflanzen am Hafen einen Schmetterlingsgarten für ALLE!

Das Künstlerhaus Dortmund, sonst sich der Kunst und Kultur in Dortmund widmend, patroniert einen Schmetterlingsgarten in der Dortmunder Nordstadt – an der Landwehrstraße/Ecke Kesselstraße, rückwärtig zur Schule am Hafen. 650n² ehemals brachliegender, vermüllter und verwahrloster Fläche wird zu einem Paradies für Mensch und Fauna.

Am Samstag, dem 2. Oktober ab 17:00 laden das Künstlerhaus und die Initiatoren des 7000 Schmetterlinge Gartens, Barbara Koch und Susanne Lilienfeldt in den Graten an der Landwehrstraße ein. Die Mountain Swing Band sorgt am Samstag für die swingende Beschallung.

Das Gartenprojekt richtet sich an alle die daran Interesse haben einen naturnahen Lebensraum für sich und die Schmetterlinge und andere Insekten haben … denn unsere Früchte aus unseren Gärten und Feldern der Bauern brauchen die Insekten zur Bestäubung. Leider grassiert gerade unter den Insekten das Artsterben, nicht nur durch Bayer/Monsantos Round Up, Glyphosat, sondern auch durch die Umweltzerstörung durch uns Menschen. Wir versiegeln zusehends Flächen, schaffen schicke Steingärten ohne Blumen, englische Rasenödländer und andere für Insekten lebensfeindliche Umweltbedingungen.

Susanne Lilienfeldt vor dem geplanten Schmetterlingsgarte
Susanne Lilienfeldt vor dem geplanten Schmetterlingsgarten.

Wer hört denn noch Morgens Vögel im Baum vor dem Haus zwitschern?

Und wer will wie in einigen Gegenden Chinas schon üblich im Akkord Blüten bestäuben … eine Biene alleine bestäubt 20x so viel wie besten Bestäuber in China mit 12.000 Blüten …

Wir brauchen die Umwelt, die Natur um zu leben, zu atmen und zu essen … aber die Natur braucht nicht uns den Homo Sapiens.

In der Landwehrstraße in der Nordstadt, dem Stadtteil mit der größten Kulturvielfalt in Dortmund ist also diese für alle Bürger/Bewohner*innen, Schüler*innen, der Nachbarschaft und Stadt offene Projekt, das seit Oktober 2020 immer mehr Gestalt und Form annimmt. Denn gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen, unterstützt von Hauseigentümer*innen, schaffen die Künstlerinnen Koch und Lilienfeldt, und das Künstlerhaus, einen Ort der Vielfalt für Menschen und Natur, eine neue Kulturenvielfalt, und Begegnung.

Der Name des Projektes ist angelehnt an das 7000 Eichen Projekt von Josef Beuys, der einst 7000 Eichen pflanzte, lange vor der nun dringenden Notwenigkeit von mehr Bäumen zur Bekämpfung des CO₂ Ausstoßes und Temperatursenkung : 7000 Schmetterlinge. Beuys setzte damals auf die gesellschaftsverändernde Kraft, wie heute die Künstlerinnen Koch und Lilienfeldt, und das Künstlerhaus.

Der Schmetterlingsgarten, bewusst nicht ziseliert oder artifiziell angelegt, sondern rustikal und naturnah, soll eine soziale Plastik werden, in der sich alle wiederfinden können. Ein Bildungs- und Begegnungsort. Der, man kann sagen Waldgarten, wegen des alten Baumbestandes, ist nach den Prinzipien der Permakultur angelegt und benötigt daher wenig Wasser – auch ein Problem, welches wir in Zukunft häufiger erleben. Denn die Trockenheit der letzten drei Sommer ist dem Klimawandel geschuldet, auch wenn wir immer wieder auch Starkregenereignisse mit Hochwässern, wie im Ahrtal oder bei Erkelenz erleben und in unseren Nachbarländern erleben müssen.

Am Samstag ab 17:00 kann man sich persönlich mit dem Projekt 7000 Schmetterlinge in der Nordstadt in der Landwehrstraße/Ecke Kesselstraße vertraut machen.

Sehnsucht nach Nähe

Das Künstlerhaus am Sunderweg zeigt noch bis zum 25. Juli die Ausstellung “All Tomorrow’s Parties”. Sechs Fotografinnen und Fotografen zeigen ihre Arbeiten, die sich um zwischenmenschliche Beziehungen drehen. Dabei geht es von Partys über Beziehungen zu Puppen bis hin zu Demonstrationen in Hongkong. In Zeiten von Corona steht natürlich die grundsätzliche Frage von Nähe zur Diskussion.

Das Nachtleben von Berlin hat es Miron Zownir angetan. Seit den 80er Jahren fotografiert er für seine Reihe “Berlin Noir” die Protagonisten des Nachtlebens mit ihren Partys und ihrem Lebensstil. Die analogen Schwarz-Weiß-Fotos entwickeln eine enorme Faszination auf den Betrachter.

Auch während der Pandemie wird gefeiert. Natürlich heimlich und unerlaubt. Dennoch schaffte es Constantin Grolig einige Raves im Ruhrgebiet zu fotografieren, ohne die Menschen bloßzustellen. In seinen Fotos wird deutlich, wie vergessene Orte zu einem Platz des gemeinsamen Tanzes werden, immer in Angst vor Entdeckung durch die Behörden.

nche Menschen suchen sehr stark die emotionale Nähe zu Puppen. Julia Steinigeweg schafft Fotos, die beim Betrachter unterschiedliche Gefühle hervorrufen. (Foto: © Julia Steinigeweg)
Manche Menschen suchen sehr stark die emotionale Nähe zu Puppen. Julia Steinigeweg schafft Fotos, die beim Betrachter unterschiedliche Gefühle hervorrufen. (Foto: © Julia Steinigeweg)

Lois Hechenblaiker hatte Glück oder Pech, je nachdem. Er war in Ischgl als die Pandemie dort ausbrach und zum Symbol für Behördenversagen wurde, da Profit über die Gesundheit der Touristen gestellt wurde. Der ausgelebte Hedonismus wird beim Fotografen zu einer Anklage gegen den Umgang des Menschen mit der Natur.

Ein außergewöhnliches Thema hat Julia Steinigeweg für ihre Serie gefunden: Das Verhältnis von Menschen zu Puppen. Steinigeweg hat hier bewusst die sexuelle Komponente außen vor gelassen, um sich auf die tief empfundene Hinwendung zu konzentrieren. Da Puppen mittlerweile sehr menschenähnlich gefertigt werden können, verströmen manche Bilder eine etwas gruselige Atmosphäre.

Sabine Springer zeigt Bilder aus einem Club, in dem Paare ihre Sexualität gemeinsam feiern können. Dabei arbeit sie dank Infrarot sehr diskret. Springer geht es um ein Bild von Sexualität und Verlagen, aber auch um Kommunikation und Verständnis.

Politisch wird es bei Thaddé Comar. Seine Arbeiten “How was your dream?” von 2019 dokumentieren die Proteste in Hongkong. Sein Thema ist die Nichtverfolgbarkeit des Individuums und das Aufgehen des Protestes in einer nicht länger individuellen Identität.

Das Künstlerhaus zeigt “gute Aussichten”

Wenn der Lockdown vorbei ist und die Galerien, Museen und Theater endlich wieder geöffnet haben, dann ist es möglich, in die Ausstellung „gute Aussichten“ ins Dortmunder Künstlerhaus am Sunderweg 1 zu gehen. Dort zeigen acht  junge Fotografinnen und Fotografen ihre Arbeiten. Doch nicht nur klassische Fotografie ist zu sehen. Digitale Arbeiten und Film haben ebenfalls ihren Platz gefunden.

Aus 71 gültigen Einsendungen hat eine neunköpfige Jury sieben Positionen ausgewählt, die zum ersten Mal in Dortmund präsentiert werden. Das Künstlerhaus war schon 2006 Gastgeber sowie 2010 unter dem Titel “Damenwahl”.

Mit Tina Schmidt und Kerry Steen hat die politische Fotografie einen Platz im, Künstlerhaus gefunden. Die beiden Fotografen zeigen die Situation der Jahalin-Beduinen, die gefangen sind in der Westbank und nicht mehr ihr nomadisches Leben weiterführen können. Ihre großformatigen Porträts und Landschaftsbilder sind eindrucksvoll, zeigen sie den Kontrast zwischen einer modernen Großstadt und armseligen Hütten, die im Prinzip bereits vor 4000 Jahren dort stehen könnten.

So in etwa könnte die Hölle aussehen.Robin Hinsch fotografierte brennende Kohlegruben in Indien. (Foto: © Robin Hinsch)
So in etwa könnte die Hölle aussehen.Robin Hinsch fotografierte brennende Kohlegruben in Indien. (Foto: © Robin Hinsch)

Ein Spiel mit der „künstlichen Intelligenz“ (kurz KI) treibt Konstantin Weber. Hier ist es die KI, die eigene Bilder „erschafft“, wobei der Künstler hier als Art Lehrer dient, der die KI anleitet. Denn noch sind künstliche Intelligenzen weit davon entfernt aus eigenem schöpferischen Antrieb zu handeln.

Familienporträts besonderer Art zeigt Jana Ritchie. Sie fotografierte sich, ihre Mutter und ihre beiden Schwestern über zwei Jahre. Herausgekommen sind Bilder, die das traditionelle Familienbild infrage stellen und die Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter aufzeigen. Denn auf allen Bildern fehlt der Vater. 

Gleich nebenan im Raum ist der Vater von Leon Billerbeck sehr präsent. Sein Vater leidet an der neurologischen Krankheit Ataxie. Die Ursache dieser Krankheit kann unter anderem an einem kleinen Kopierfehler in den Genen liegen. In seinen Arbeiten versucht er, diesen Kopierfehler zu reproduzieren, in dem er Fotografien durch Scanner und Kopierer jagt und somit ein Endprodukt schafft, dass augenscheinlich nicht mit dem Anfangsbild zu tun hat, aber letztlich doch seinen Ursprung dort hat.

Die Grenzen der Fotografie überschreitet Conrad Veit, denn er präsentiert seinen Film „Blastogenese X“, der auch auf der Berlinale gezeigt wird. Der Schwarz-Weiß-Film erinnert an frühe Surrealisten wie Buñuel der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Veits Arbeit ist als Tierdokumentation angelegt, die die Diversität des Lebens feiert.

Im Keller des Künstlerhauses begegnen wir Mythen aus dem Regenwald von Sophie Allerdings unter dem Titel „Leuchtende Augen“. Während in der westlichen Welt die Natur als Objekt wahrgenommen wird, sehen die Ureinwohner des brasilianischen Regenwaldes die Natur als Subjekt. In ihren Bildern tauchen die mythologischen Figuren auf wie der Curupira, der seine Füße nach hinten gedreht hat.

Den Wahnsinn der fossilen Energieerzeugung zeigen die Bilder von Robin Hinsch unter dem Titel „Wahala“. Das Wort „Wahala“ stammt aus dem Nigerianischen und heißt soviel wie „Problem“. Und Probleme erzeugt die Ausbeutung von fossiler Energie eindrücklich. Ob Ölförderung in Nigeria, Tagebau in Deutschland oder – sehr erschreckend – brennende Kohle in Indien, der Abbau dieser Energien erzeugt immense Umweltzerstörung und Gewalt gegen Menschen, die dort leben (müssen).

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus bis Ende Mai zu sehen, bis sie nach Koblenz weiterreist. Sollte es mit der Wiedereröffnung noch dauern, könnte der Zeitraum verlängert werden.

In die Falle gegangen?! – Ausstellung „Trap“ im Künstlerhaus zeigt 17 Positionen

Vom 24. Oktober bis zum 29. November präsentiert das Künstlerhaus Dortmund eine besondere Ausstellung. Hier zeigen 17 KünstlerInnen des Kunstmentorats NRW ihre Arbeiten. Neben 13 Mentees waren auch vier Mentoren beteiligt, namentlich Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhaus, Brigitte Heidtmann und Klaus Schmitt.

Doch die Ausstellung „Trap“, die von den Mentees Jennifer Lubahn, Nadjana Mohr, Anna Schütten und der Mentorin aus dem Künstlerhaus Annett Frontzek kuratiert wurde, hat noch ein weiteres Merkmal. Jeder der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler bekam jeweils eine fremde Position zugeordnet, mit der sie sich auseinandersetzen mussten. Die so entstandene zweite Ebene wird im Katalog zur Ausstellung deutlich.

In der Ausstellung selbst gibt es viele unterschiedliche Materialien und Herangehensweisen. Videos, Objekte, Malerei oder Fotografie – alles ist in den Räumen des Künstlerhauses vorhanden.

Gleich zu Beginn wird der Besucher von der Arbeit „Feine Backware“ von Thomas Kuhn empfangen. Doch Vorsicht, in den Backformen steckt Schwefel und kein Kuchenteig. Schwefel hat eine mystische Komponente, sein Material sieht in der Arbeit verlockend aus, ist aber nicht genießbar, sondern nur als Kunstobjekt. Zudem präsentiert Anna Schütten „on screens II“, bei der sie Sound und projizierte Farben zu einem Kunstwerk verschmilzt.

Im Hintergrund sind die Arbeiten von Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhaus und Klaus Schmitt zu sehen. Im Vordergrund die Mentees und Kuratorinnen (v.l.n.r.) Jennifer Lubahn, Nadjana Mohr und Anna Schütten.
Im Hintergrund sind die Arbeiten von Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhaus und Klaus Schmitt zu sehen. Im Vordergrund die Mentees und Kuratorinnen (v.l.n.r.) Jennifer Lubahn, Nadjana Mohr und Anna Schütten.

Im großen Raum haben sich Brigitta Heidtmann, Gerd Brockelmann und Klaus Schmitt gleich drei Mentoren versammelt. Schmitt zeigt mit „O-T. 9.15“ ein großformatiges Objekt aus PVC und Holz und erschafft dabei eine Beziehung zwischen Raum, Objekt und dem Betrachter. Brigitta Heidtmann arbeitet stark konzeptionell. Sie greift in ihrer Arbeit – ähnlich wie Schmitt – die Beziehung zwischen Raum und Objekt auf. Brockelmann hingegen arbeitet mit Papier auf einem kleineren Format. Die Arbeiten enthalten fast immer einfache geometrische Mittel wie Linien, Gitter und Kreise und sind farblich reduziert. In dem Raum hat auch noch Lisa Klinger Platz gefunden. Ihre Arbeit „Infidelity“ (Untreue) ist vor Ort im Künstlerhaus entstanden. Ihre zweidimensionalen Grafiken entwickeln beim Betrachter eine Dreidimensionalität und stellen wie Schmitt und Heidtmann eine Beziehung zum Raum her.

Im Raum nebenan zeigt Roya Noorinezhad ihre Fotoarbeiten aus der Serie „Transformation“. Dadurch, dass sie das Fotopapier unterschiedlich biegt, entsteht ein anderer Eindruck des fotografierten Objektes. Gegenüber zeigt Ale Bachlechner ihre Videoarbeit, in denen sie politische, und gesellschaftliche Themenkomplexe bearbeitet.

Hinter dem Korridor begrüßt uns die Arbeit von Nadjana Mohr. Vereinnahmung von Flächen und Räumen durch den Betrachter ist das Thema ihres malerischen Werks in der Ausstellung. Bei der Videoarbeit „Re Source“ von Melanie Windl stehen biologische Prozesse im Mittelpunkt. Sie greift das Missverhältnis zwischen Mensch und Ozean auf, bei der der Mensch die wichtige Ressource Wasser kapitalisiert. Für die Arbeit von Maurits Boetther „The Presense of Absense“ braucht man ein wenig Geduld, denn der Künstler befasst sich mit dem Thema Zeit als Medium.

Im Keller gibt es weitere Arbeiten. Jennifer Lubahn zeigt uns in „Do o.T.“ quasi die Entstehung und das Ende eines Lichtspaltes, der in einen dunklen Raum dringt. Es entstehen während des Videos viele kleine Spannungsmomente, die den Betrachter zum Weiterschauen verleitet.

In der ehemaligen Waschkaue wird die Videoarbeit „BODY IN SPACE“ gezeigt. Die Künstlerin verarbeitet die alltägliche Realität. Dabei verwendet sie unter anderem Google Maps, um Wege aufzuzeigen, die sie zurückgelegt hat, die für sie eine gewisse Bedeutung haben. Ihr geht es dabei um soziale, politische und ökologische Ebenen aufzudecken.

Alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler: Ale Bachlechner, Maurits Boettger, Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhus, Stefani Glauber, Brigitta Heidtmann, Alwina Heinz, Lisa Klinger, Thomas Kuhn, Jennifer Lubahn, Tonka Malekovic, Nadjana Mohr, Roya Noorinezhad, Stefanie Pluta, Klaus Schmitt, Anna Schütten und Melanie Windl

Mehr Infos unter www.kuenstlerhaus-dortmund.de

Jenseits der Oberfläche

In der Ausstellung „Schichten-Stränge-Stofflichkeiten“ zeigt das Künstlerhaus Dortmund vom 13. Dezember 2019 bis zum 2. Februar 2020 Positionen von Mirjam Elburn, Esther Hagenmaier und Simona Koch. Alle drei Künstlerinnen haben sich auf unterschiedlichster Weise mit der Zeitlichkeit und dem Material auseinandergesetzt. Durch die Entscheidung der Kuratorin Denise Ritter nur drei Künstlerinnen auszuwählen, hat jede von ihnen mehr Raum zur Verfügung. Das tut der Ausstellung gut.

Sehr interessant sind die Arbeiten von Mirjam Elburn. Sie arbeitet mit unterschiedlichen Materialien wie beispielsweise Wurstpellen, die sie zu einer Art Kokon zusammennäht. Auch mit Polaroids beschäftigt sich die Künstlerin. Ihr Interesse gilt dabei den verschiedenen Schichten und Chemikalien in dem Polaroid-Film. Ein ganz besonderes Interesse hat Mirjam Elburn an menschlichen Haaren, die in verschiedenen Objekten wiederkehren. Ganz besonders in den „Biestern“, bei denen die Haare aus einer Seifenkiste zu wuchern beginnen, ähnlich wie pelziger Schimmel. Die Haare werden von ihr in mühevoller Kleinarbeit gefilzt. Aber genau diese Zeitlichkeit ist ihr in ihren künstlerischen Arbeiten wichtig.

Die Künstlerinnen lassen sich bewusst Zeit mit dem Material. (v.l.n.r.) Simona Koch, Kuratorin Denise Ritter und Mirjam Elburn.
Die Künstlerinnen lassen sich bewusst Zeit mit dem Material. (v.l.n.r.) Simona Koch, Kuratorin Denise Ritter und Mirjam Elburn.

Die Arbeiten von Esther Hagenmaier sind am besten unter dem Begriff „Fragmentierung von Architektur“ zusammenzufassen. Hierbei reduziert die Künstlerin die durch die Wahl des Bildausschnittes die fotografierte Architektur. Anschließend schneidet sie die Außenkanten radikal weg. So entwickelt Esther Hagenmaier ihre Photographie weiter zum Objekt, das durchaus dreidimensionale Anklänge zeigt. Manche Werke wirken durch den Kontrast auch wie in einem Puzzlespiel oder wie in einem Tetris-Spiel.

Kunst und Wissenschaft verbindet Simona Koch. Sie ist sozusagen für die Stränge zuständig und hat ein „universellen Stammbaum“ aufgestellt. Dieses imposante Kunstwerk besteht unter anderem aus 8000 Meter Sisal-Seilen. In einem Nebenraum befindet sich eine Art wissenschaftlicher Tisch mit verschiedenen gesammelten Objekten aus der Natur, aber auch Auszeichnungen der Künstlerin. Ebenso beeindruckend ist der Stop-Motion-Film „Organismus 8 Wachstum #3“, bei der Simona Koch 2000 Zeichnungen auf einem Blatt Papier aufgenommen hat. Hier ist wieder die zeitliche Komponente zu finden, die auch Mirjam Elburn in ihren Arbeiten benutzt. Statt auf Automation zu setzen, wird bewusst die Arbeit mit dem Material bevorzugt, auch wenn es länger dauert.

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Mirjam Elburn, Biester, 2009, 24 Seifenkisten, menschliches Haar gefilzt

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Esther Hagenmaier, „form_03, 2018“ und „rhythm_04, 2018“

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Simona Koch zeigt u.a. einen „Experimentiertisch“ mit verschiedenen Objekten.

Passend dazu gibt im Künstlerhaus Dortmund eine Materialwerkstatt für Kinder und Jugendliche von 10 bis 14 Jahre am 21. und 22. Dezember von 11 bis 18 Uhr. Die Künstlerin Mirjam Elburn leitet diese Werkstatt. Anmeldungen bis zum 17. Dezember unter m.elburn@gmx.de

Mehr Infos finden Sie unter www.kh-do.de

Scheinbare Sicherheit

Das Künstlerhaus Dortmund präsentiert mit “Human Impact” fotografische Arbeiten zum Thema “Sicherheit und Gesellschaft”

Vom 25. Oktober bis zum 01. Dezember 2019 zeigt das Künstlerhaus Dortmund die Ausstellung “Human Impact – Sicherheit und Gesellschaft” im Rahmen des f2 Fotofestivals in Dortmund. Fünf internationale Positionen zum Thema Sicherheit werfen einen frischen und überraschenden Blick auf das Thema. Nichts scheint wie es ist..Fotografie ist doch Abbild der Realität oder nicht? Verlassen Sie ihre Komfortzone und schauen Sie genauer hin. 

Fotografie ist der Erzeuger der Realität. Oder etwa nicht? Fälschungen von Fotos sind natürlich seit der Erfindung der Fotografie bekannt und Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop sind für viele zugänglich. Das Schweizer Künstlerduo Cortis und Sonderegger führen das Prinzip der Fälschung noch eine Stufe weiter. Ikonische Bilder wie der Fußabdrücke auf dem Mond oder die brennende Hindenburg werden im Studio nachgestellt, so dass der Betrachter den Eindruck bekommen könnte, auch die Ursprungsbilder seien gefaked. So werden Fake News ironisch als überdeutlich inszenierte Fälschungen kontaktiert. 

Der berühmte "Fußabdruck auf dem Mond". Echt oder im Studio nachgestellt? Cortis und Sonderegger spielen mit der Dekonstruktion unserer Erinnerungen.
Der berühmte „Fußabdruck auf dem Mond“. Echt oder im Studio nachgestellt? Cortis und Sonderegger spielen mit der Dekonstruktion unserer Erinnerungen.

Der Ire David Farrell beschäftigt sich mit dem Begriff der “unschuldigen Landschaft”. Seine Landschaftsbilder muten auch sehr ruhig, fast pastoral an, wenn sich dort nicht Tatorte aus der Zeit des irischen Bürgerkrieges verbergen würden. So verändert sich plötzlich die Landschaft und wird zum Zeugen eines Verbrechens. Es gibt keine unschuldige Landschaft, solange sich Menschen je  auf ihr bewegt und gehandelt haben. 

Sehr bedrückend sind die Fotos der Norwegerin Andrea Gjestvang. Hier geht es um den 22. Juli 2011, als der rechtsextreme Attentäter Brevik 77 Menschen ermordete. Gjestvang fotografierte die Überlebenden und ihre Wunden – äußerliche wie innere. An diesen Bildern sieht man: Hier war die Bedrohung nicht fiktiv, sondern real. 

Die internationale Prepper-Szene trainiert solche Bedrohungen. Dem Künstlerduo Hahn+Hartung aus Deutschland ist es gelungen, einige Prepper und ihre Gedankenwelt zu fotografieren. Prepper denken, dass der Ernstfall (Krieg, Terror oder Seuchen) bald eintreten wird und sie sich darauf vorbereiten müssen. In diesen Kreisen ist die Bedrohung und Unsicherheit zuhause. Aber auch staatliche Stellen wie der THW müssen sich auf Katastrophen vorbereiten.  

Wie aus einem Science-Fiction Film erscheinen manche Relikte aus dem Kalten Krieg, die der russische Fotograf Danila Tkachenko auf seinen Reisen durch Osteuropa aufgenommen hat. Seine Serie “Restricted Areas” dreht sich um Orte, die vorher nicht betreten werden durften, jetzt aber meist als “lost places” gelten. Wie ein UFO wirkt beispielsweise das Busludscha-Denkmal in Bulgarien.Tkachenko isoliert das Gebäude und lässt es in einem weißen, verschneiten Umfeld stehen. Dadurch wirken die Bilder beim betrachter äußerst kühl. 

Die Öffnungszeiten des Künstlerhauses sind Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr. Weitere Informationen unter www.kh-do.de

Die Internetseite des Fotofestivals Dortmund (07. bis 24. November 2019) finden Sie unter www.f2-fotofestival.de