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Musik, Sound und kinetische Objekte – what comes mex?

Seit über 30 Jahren sorgen die mex-Konzerte im Künstlerhaus für außergewöhnliche Klangerlebnisse. Das feiert das Haus jetzt mit einer besonderen Ausstellung, bei der sich die Künstler*innen mit diesen Klangwelten aus unterschiedlicher Sicht auseinandersetzen. Vom 27. August bis zum 02. Oktober 2022 ist die Ausstellung im Künstlerhaus Dortmund zu sehen.

Mit veralteter Haustechnik beschäftigt sich Darsha  Hewitt. Sie ist eine Art Medienarchäologin In ihrer Arbeit „High Fidelity Wasteland II“ benutzt sie Schellackplatten, die Vorgänger der Vinylplatten und spielt sie auf einem 50er Jahre Plattenspieler statt auf 78 rpm auf 16 rpm ab. So wird Musik plötzlich zu einer düsteren Landschaft.

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go area – Kunst aus dem Ruhrgebiet im Künstlerhaus Dortmund

Nach der Ausstellung „go local“ im Mai/Juni vergangenen Jahres, präsentiert das Künstlerhaus Dortmund wieder heimische Künstlerinnen und Künstler. Lag der Fokus 2021 noch auf Dortmund, wurde der Blick weiter in die Ferne gerichtet. Diesmal sind es Künstlerinnen und Künstler aus dem Ruhrgebiet. Die 16 Positionen sind vom 05.02. bis zum 13.03. 2022 zu sehen.

Die Kuratierung übernahmen in diesem Fall die BewohnerInnen des Künstlerhauses selbst. Jede/r hatte seine/n KandidatIn, die er/sie auch betreute. Herausgekommen sind 16 künstlerische Positionen, die sich nicht nur durch das Material und die Herangehensweise unterscheiden, sondern auch generationsübergreifend sind.

Felina Wießmann, Innenraum 2, Öl auf Leinwand, 2021
Felina Wießmann, Innenraum 2, Öl auf Leinwand, 2021

Günter Rückert ist in Dortmund kein Unbekannter. Seine witzigen Portraits und anderen Bildern reflektiert er mit spitzem Stift gesellschaftliche Zustände.

Die Arbeit von Ulrike Rutschmann wird wie ein geisterhaftes Portrait. Nur bei genauem Hinsehen sind Schemen zu kennen. Das ist von der Künstlerin bewusst gewählt, um die Fragilität menschlicher Existenz zu betonen.

In Corona-Zeiten kam die Zoom-Konferenz in Mode. Matthias Schamp entwickelte ein Collagenformat, bei dem die Teilnehmer sich so arrangierten, dass aus mehreren Einzelfotos ein ganzes Gesamtfoto wurde.

Den Rhein-Heren-Kanal mit seiner Umgebung und den Jugendlichen nahm Inna Schneider im Sommer 2019 auf und erschuf klare Bilder, die an die unbeschwerte Zeit erinnert.

Silke Schönfeld zeigt ein filmisches Portrait der Kick-Boxerin Aleyna Asya Akgün, von den Kampfvorbereitungen bis hin zu den Wettkämpfen.

Champagnerfarben ist das Bild von Philipp Valenta auf den ersten Blick. Kein Wunder, hat der Künstler tatsächlich mit dem edlen Getränk gearbeitet. Doch dann werden Flecken sichtbar wie auf schmutzigen Laken. Somit steht neben der Monochromie auch der Gegensatz wischen Edel und Schmutzig im Mittelpunkt.

Felina Wießmann ist fasziniert von „Lost Places“, vor allem von denen , die während Corona geschlossen waren. Sie fügt aber in ihren Bildern Menschen ein, die geisterhaft die „lost places“ bevölkern. Zudem benutzt sie für ihre Arbeiten eine reduzierte Farbpalette.

Mit der Farbe „Weiß“ beschäftigt sich Christoph Breitmar, in seinem Bild verbindet sich Leinwand, Grundierung, Farbe und Firnis mit Licht zu einem neuen Gesamtbild, das sogar den Raum mitaufnimmt.

„everything is the same“, so lautet der Titel der Arbeit von Sarel Debrand-Passard. Ein Laserpointer mit einem Motor zeigt abwechselnd in die vier Himmelsrichtungen. Hier wird der Versuch einer Verortung vorgenommen. Wo befindet man sich, wohin geht man?

Manche Dinge scheinen ja ein Eigenleben zu entwickeln. Das musste Martin Gensheimer feststellen, dessen Bleistifte in seiner Umhängetasche ein fixiertes Blatt Papier beschrieben. Die Werke, die daraus entstanden sind, verknüpft Gensheimer mit genauen Datums- und Zeitangaben sowie Beschreibung der Tätigkeit.

Es ist schon ein großer Kontrast: der große Raum des Künstlerhauses und die filigranen Arbeiten von Chun-Lan Hermann. Denn in den beiden Bildern ist ein menschliches Haar eingearbeitet. Hermann beschäftigt sich mit der Corona-Pandemie und dem Riss durch die Gesellschaft.

Renate Neuser verwendet gerne unterschiedliche Materialien und verbindet diese miteinander. So kann ein Stein auf einem Holzsockel stehen. Eine weitere Besonderheit ihrer Arbeiten ist die Farbigkeit ihrer Plastiken.

Mit ihrer schlesischen Familiengeschichte hat sich Julia Nitschke beschäftigt. Im Mittelpunkt ihrer Filmskizze stehen eine Oblate, die aufzeigt, wie alle Familiengeschichten (wahre und ausgedachte) miteinander verbunden sind.

Der erste Blick in den von Evangelos Papadopoulos gestalteten Raum erweckte ein Eindruck einer einstürzenden Decke, denn von oben sind Gipskartonplatten, Dachlatten und weiteres zu sehen. Metall und Stein erweitern die Materialauswahl. Seine Großskulpturen erobern den Raum und stehen in Auseinandersetzung mit seiner Atmosphäre und den Lichtverhältnissen.

Holga Rosen ist in Dortmund natürlich bekannt durch seine Cartoons, die er seit über 20 Jahren in den Ruhr-Nachrichten veröffentlicht. Auch im comic schauraum hatte er eine eigene Ausstellung.

Susan Dominique Feind druckt ihre eigenen Fotos auf Stoffe und macht daraus Kleidungsstücke. Durch das Tragen der Kleidungsstücke wird daraus eine Präsentationsfläche und damit wieder Kunst.

Öffnungszeiten Ausstellung Donnerstag – Sonntag 16 – 19 Uhr

Ein Land, zwei Systeme – Fotoausstellung zu Hongkong

Die britische Kronkolonie Hongkong wurde 1997 an China zurückgegeben. Das Versprechen war, Hongkong in eine Sonderverwaltungszone umzuwandeln, mit einem hohen Maß an Autonomie. Doch bald fing die VR China an, diese Autonomie zu untergraben, was 2014 zur Regenschirmbewegung und 2019 zu Massenprotesten führte. Das Künstlerhaus Dortmund zeigt vom 11. Dezember 2021 bis zum 23. Januar 2022 die Ausstellung „One country – two images“. Neun Fotografinnen und Fotografen zeigen persönliche Ansichten aus Hongkong und natürlich auch Bilder der politischen Bewegungen.

Es machen mit Pierfrancesco Celada, Volker Heinze, Sabine an Huef, Marc Pearson, South Ho Siu Nam, Roman Wilhelm, Michael Wolf, Paul Yeung und Vincent Yu. Pearson, der eigentlich Investmentbanker ist, hat eine Fotoserie über übermalte Parolen gemacht. Die Wände oder andere Orte bekommen durch das Übermalen wieder eine ganz andere Ästhetik. Celada nahm die „Instagram-Pier“ ins Visier und fotografierte Menschen, die den Ort nutzen, um sich auf Instagram zu inszenieren.

Natürlich gibt es auch Fotos über die Proteste 2019, die zeigen, dass der Protest von einem Querschnitt der Bevölkerung getragen wird, da laufen bei Demonstrationen Banker neben Studenten.

Eine Assemblage zeigt Sabine an Huef, die sich mit der Shanzai-Philosophie beschäftigt hat. In der westlichen Welt wird das Kopieren ja verdammt, aber in anderen Kulturen gilt das Nachmachen als durchaus positiv. Denn erst, wenn man etwas exakt kopiert hat, kann man sich daranmachen, es zu verbessern.

Zusätzlich präsentiert die Ausstellung 29 Fotobücher über Hongkong, davon allein 17 vom verstorbenen Fotografen Michael Wolf.

Die Fotoausstellung ist für alle spannend, die sich mit der politischen Situation in Hongkong etwas auseinandersetzen wollen oder einfach einen anderen Blick auf die Stadt und die Menschen bekommen möchten. Passend dazu stehen bei den Arbeiten Zitaten, die den kulturellen Kontext und die besondere Identität zu beschreiben und zu unterstützen versuchen.

Öffnungszeiten der Ausstellungen (wenn nicht anders angegeben): Donnerstag – Sonntag 16 – 19 Uhr. Bitte beachten Sie: Das Künstlerhaus ist vom 23.12.21 bis 5.1.22 geschlossen.

Am Anfang war der Strich

Besonders für die bildenden Künstler beginnt die Arbeit an einem neuen Werk mit einem simplen Strich mit einem Bleistift oder ähnlichem Werkzeug. Die Skizze bildet die Grundlage. Im Fokus der Ausstellung „a bit of the side III – Zeichnungen auf Seitenwegen“ stehen Zeichnungen, die sich selbst weiter verändern oder die Veränderung schon in sich tragen. Somit wird der simple Strich zu einem Objekt, das Farbe, Ton oder Dreidimensionalität erhält. Kuratiert von Elly Valk-Verheijen und Maria Schleiner zeigen sieben Künstler*innen ihre Positionen vom 23. Oktober bis zum 28. November 2021 im Künstlerhaus.

Bei Nina Brauhauser hat die Skizze den Weg in die Dreidimensionalität geschafft, sie sind zu einer Plastik geworden, die aus der Bewegung entstanden sind. Das Besondere: Die Künstlerin fotografiert ihre Plastik und somit erschafft sie durch das Schattenspiel ebenfalls eine Dreidimensionalität, die den Betrachtenden durchaus irritieren kann.

Vor der Arbeit von Samuel Treindl stehen (v.l.n.r.) die Kuratorinnen Maria Schleiner und Elly Valk-Verheijen sowie die Künstlerinnen Marta Colombo und Mira Schumann.
Vor der Arbeit von Samuel Treindl stehen (v.l.n.r.) die Kuratorinnen Maria Schleiner und Elly Valk-Verheijen sowie die Künstlerinnen Marta Colombo und Mira Schumann.

Mira Schumann zeigt Arbeiten aus der Reihe „Anwesenheiten“. Sie erschafft kleine Räume aus Elementen, die wie Szenen aus Puppenhäusern wirken. Zeichnungen scheinen zu schweben und muten wie kleine Geister an, die die Szenerie beleben. So können die Betrachtenden eigene Geschichten entwickeln.

Digital wird es nebenan, denn da zeigt Gerhard Reinert seine interaktiven Sekundenfilme. Die digitalen Zeichnungen verändern ihre Form, sobald jemand mit der Maus über die hinwegfährt oder darauf klickt. Darüber hinaus kann man auch auf die Seite sekundenfilme.de gelangen, auf der noch weitere Links zu experimentellen Filmen zu finden sind.

Alltagsgegenstände haben Marta Colombo während der Corona-Zeit fasziniert. Dabei verknüpft sie Zeichnungen mit dreidimensionalen Objekten. Die Elemente in den Zeichnungen lassen sich nämlich in irgendeiner Art in der Objekten wiederfinden, beispielsweise durch die Farbe. Darüber hinaus spielt sie mit der Architektur des Raumes, indem sie den Weißraum in ihren zeichnerischen Arbeiten der Leere des Raumes gegenüberstellt.

Beinahe meditative Arbeiten erzeugt die Schweizer Künstlerin Evelina Cajacob. In ihren Videoarbeiten tritt sie in Dialog mit dem Raum und beschäftigt sich sehr stark mit dem Material. In einem Fall ist es ein langes Bergseil, das sich fast sinnlich über den Bildschirm schlängelt und Elemente der Pareidolie herbeirufen kann.

Im Eingangsbereich hat Samuel Treindl sein „Spuckschutz“ aufgebaut. Ein verspieltes Objekt aus Alltagsmaterialien, das seinen Zweck, Menschen vor anderen Menschen zu „schützen“ gleich wieder dekonstruiert durch seine teilweise Offenheit und seine Unperfektion.

Zeichentrickfilme im ursprünglichen Sinn zeigt Anna Lytton. Vor allem „Shell“ überzeugt mit vielen witzigen Ideen und auch „Mirror“ kombiniert Bleistiftzeichnungen mit realer Haut zu einem visuellen Kunstwerk.

Öffnungszeiten des Künstlerhauses, Sunderweg 1:

Donnerstag16:00–19:00
Freitag16:00–19:00
Samstag16:00–19:00
Sonntag16:00–19:00

Das Künstlerhaus zeigt “gute Aussichten”

Wenn der Lockdown vorbei ist und die Galerien, Museen und Theater endlich wieder geöffnet haben, dann ist es möglich, in die Ausstellung „gute Aussichten“ ins Dortmunder Künstlerhaus am Sunderweg 1 zu gehen. Dort zeigen acht  junge Fotografinnen und Fotografen ihre Arbeiten. Doch nicht nur klassische Fotografie ist zu sehen. Digitale Arbeiten und Film haben ebenfalls ihren Platz gefunden.

Aus 71 gültigen Einsendungen hat eine neunköpfige Jury sieben Positionen ausgewählt, die zum ersten Mal in Dortmund präsentiert werden. Das Künstlerhaus war schon 2006 Gastgeber sowie 2010 unter dem Titel “Damenwahl”.

Mit Tina Schmidt und Kerry Steen hat die politische Fotografie einen Platz im, Künstlerhaus gefunden. Die beiden Fotografen zeigen die Situation der Jahalin-Beduinen, die gefangen sind in der Westbank und nicht mehr ihr nomadisches Leben weiterführen können. Ihre großformatigen Porträts und Landschaftsbilder sind eindrucksvoll, zeigen sie den Kontrast zwischen einer modernen Großstadt und armseligen Hütten, die im Prinzip bereits vor 4000 Jahren dort stehen könnten.

So in etwa könnte die Hölle aussehen.Robin Hinsch fotografierte brennende Kohlegruben in Indien. (Foto: © Robin Hinsch)
So in etwa könnte die Hölle aussehen.Robin Hinsch fotografierte brennende Kohlegruben in Indien. (Foto: © Robin Hinsch)

Ein Spiel mit der „künstlichen Intelligenz“ (kurz KI) treibt Konstantin Weber. Hier ist es die KI, die eigene Bilder „erschafft“, wobei der Künstler hier als Art Lehrer dient, der die KI anleitet. Denn noch sind künstliche Intelligenzen weit davon entfernt aus eigenem schöpferischen Antrieb zu handeln.

Familienporträts besonderer Art zeigt Jana Ritchie. Sie fotografierte sich, ihre Mutter und ihre beiden Schwestern über zwei Jahre. Herausgekommen sind Bilder, die das traditionelle Familienbild infrage stellen und die Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter aufzeigen. Denn auf allen Bildern fehlt der Vater. 

Gleich nebenan im Raum ist der Vater von Leon Billerbeck sehr präsent. Sein Vater leidet an der neurologischen Krankheit Ataxie. Die Ursache dieser Krankheit kann unter anderem an einem kleinen Kopierfehler in den Genen liegen. In seinen Arbeiten versucht er, diesen Kopierfehler zu reproduzieren, in dem er Fotografien durch Scanner und Kopierer jagt und somit ein Endprodukt schafft, dass augenscheinlich nicht mit dem Anfangsbild zu tun hat, aber letztlich doch seinen Ursprung dort hat.

Die Grenzen der Fotografie überschreitet Conrad Veit, denn er präsentiert seinen Film „Blastogenese X“, der auch auf der Berlinale gezeigt wird. Der Schwarz-Weiß-Film erinnert an frühe Surrealisten wie Buñuel der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Veits Arbeit ist als Tierdokumentation angelegt, die die Diversität des Lebens feiert.

Im Keller des Künstlerhauses begegnen wir Mythen aus dem Regenwald von Sophie Allerdings unter dem Titel „Leuchtende Augen“. Während in der westlichen Welt die Natur als Objekt wahrgenommen wird, sehen die Ureinwohner des brasilianischen Regenwaldes die Natur als Subjekt. In ihren Bildern tauchen die mythologischen Figuren auf wie der Curupira, der seine Füße nach hinten gedreht hat.

Den Wahnsinn der fossilen Energieerzeugung zeigen die Bilder von Robin Hinsch unter dem Titel „Wahala“. Das Wort „Wahala“ stammt aus dem Nigerianischen und heißt soviel wie „Problem“. Und Probleme erzeugt die Ausbeutung von fossiler Energie eindrücklich. Ob Ölförderung in Nigeria, Tagebau in Deutschland oder – sehr erschreckend – brennende Kohle in Indien, der Abbau dieser Energien erzeugt immense Umweltzerstörung und Gewalt gegen Menschen, die dort leben (müssen).

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus bis Ende Mai zu sehen, bis sie nach Koblenz weiterreist. Sollte es mit der Wiedereröffnung noch dauern, könnte der Zeitraum verlängert werden.

Wenn Künstler Eltern werden

Mit einem Kind verändert sich alles, auch für Künstlerinnen und Künstler. Konnte man/frau sich zu 100 Prozent auf die Kunst konzentrieren, gibt es jetzt einen kleinen Menschen, die Aufmerksamkeit fordert. Und jetzt? Ist die Kunstkarriere vorbei, wird das Kind in die künstlerische Arbeit integriert oder sieht man/frau sich sogar als Künstlerfamilie?

In der Ausstellung „Künstlereltern – von und über“ zeigt das Künstlerhaus Dortmund vom 05. September bis zum 11. Oktober 2020 Positionen von insgesamt achtzehn Künstlerinnen und Künstlern, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Phänomen Elternschaft auseinandergesetzt haben. Kuratiert wurde die Ausstellung von Cornelius Grau und Willeke van Ravenhorst. Am 27.09. und 11.10. 2020 gibt es jeweils um 17 Uhr eine Kuratorenführung.

Das eigene Kind als Motiv zu nehmen, ist sicherlich nicht ungewöhnlich. Sibylle Feucht hat ihre Tochter als riesiges Portrait aus Kunststoffperlen an die Wand des Künstlerhauses gesetzt. Diese Steckperlen schaffen durch ihre besondere Materialität einen Eindruck eines riesigen grob gerasterten Fotos. Doch Feucht ist in ihrer künstlerischen Arbeit nicht auf ihre Tochter fixiert, ihr anderes Werk im Künstlerhaus zeigt ein Auto nach einem Unfall.

Eine Angst, die vermutlich vornehmlich Künstlerinnen befällt, ist die Angst um den künstlerischen Absturz nach der Geburt. Frauen haben es in der Kunstwelt sowieso schwerer und wer nicht mehr in das Klischee „jung und aufstrebend“ fällt, hat scheinbar verloren. Nina Heinzel hat sich in ihren ausgestellten Arbeiten einen fiktiven Karriereplan erarbeitet und zeigt ebenso fiktive Ausstellungsplakate.

Zu sehen im Künstlerhaus Dortmund: Christine Kriegerowski vor ihrer Arbeit "Sandkasten".
Aktuell zu sehen im Künstlerhaus Dortmund: Christine Kriegerowski vor ihrer Arbeit „Sandkasten“.

Mit einem Kind ändert sich auch der Blickwinkel und in den Arbeiten ist auch ein anderer Umgang mit Spielsachen oder Farben zu sehen. So zeigt Christine Kriegerowski ihre Installation „Sandkasten“ von 2001. Dieser Sandkasten ist gefüllt mit unzähligen Gugelhupf-Sandkuchen. Buddeln im Sand ist das, was ja die meisten Eltern bei ihren Kindern erleben.

Inspiriert von seinem Kind dürfte auch die Videoarbeit von Eugen Schilke sein. Hier hat er die Stühle in seinem Atelier in engen Reihen aneinander gestellt und kriecht unten durch. So wie es Kinder gerne machen.

Die Arbeit von Charline Zongos erobert sich spielerisch und farbenfroh den Raum. Die dreidimensionale Malerei ermöglicht es dem Betrachter, die Installation von verschiedenen Seiten zu erleben.

Wenn man Eltern wird, bleibt die Sorge um das Kind nicht aus. Hannah Goldsteins Arbeiten stellen quasi dem Betrachter die Frage: Wo ist mein Kind? Auf den Fotos ist eine Person mit opaker Ölfarbe ausgemalt und wird somit unkenntlich.

Für David Mannstein und Maria Vill bedeutet Elternschaft im Prinzip die Erweiterung des Künstlerpaars zu einer Künstlerfamilie oder einem Familienprojekt. Die Kinder wurden bei ihnen zu Ideenstiftern, Technikberatern, Fotomodell und sogar eigenen Künstlern.

Beeindruckend ist auch die Arbeit von Minka Strickstock mit dem Titel „Dreifaltigkeit“. Hier zeigt sie auf drei PVC-Folien eine durchschnittliche Frauenbiografie, wobei die fruchtbaren Tage mit einem Aktenlocher ausgestanzt wurden. Damit ergibt sich ein Gesamtbild über Zyklen und Fruchtbarkeit im Leben einer Frau.

Darüber hinaus gibt es weitere Arbeiten von Vanessa Gageos, Sandra Krause Gomzes, Christoph Medicus, Svenja Maaß, Birte Svea Metzdorf, Sophia New und Ruby Belasco New, Lisa Weber und Markus Walenzyk.

Die Öffnungszeiten des Künstlerhauses sind Donnerstag bis Sonntags von 16 bis 19 Uhr. Bitte beachten Sie: Es dürfen nur bis maximal 20 Personen gleichzeitig ins Haus, Mund-Nasenschutz ist Pflicht und der Abstand von 1,50 Meter zu anderen Besuchern ist einzuhalten.

Weitere Infos unter www.kh-do.de

Das Künstlerhaus schwelgt im Dadaismus

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Dortmund eine Stadt des Dadaismus ist. Auf dem Dortmunder Südwestfriedhof liegt Richard Huelsenbeck (1892-1974) begraben, einer der Mitbegründer der DADA-Bewegung. Vor vier Jahren wurde auch das 100-jährige Jubiläum von DADA groß in Dortmund gefeiert, organisiert von der Dortmunder DADADO Gruppe um Anette Göke, Richard Ortmann und Dieter Gawol.

1920 fand in Berlin die „Erste Internationale Dada-Messe“ statt. DADADO hat diese Idee wiederbelebt unter dem Motto „!ViVa DADA 20!“ und organisiert die Internationale DADAMesseDo vom 21. Februar bis 06. März 2020 im Dortmunder Künstlerhaus. 15 Tage gibt es historische und aktuelle Kunst zu sehen, viele Veranstaltungen, die an unterschiedlichen Orten stattfinden.

Im Künstlerhaus selbst zeigen Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, Rumänien, England, Italien und Deutschland ihre Auseinandersetzung mit DADA. Es gibt eine Adaption des „Berliner Zimmers“ aus der ersten Dada-Messe. Die „Vier Kriegskrüppel“ von Otto Dix wurden modernisiert zu den „4K+“. Zu sehen sind in dem Bild Thomas Kemmerich, Kardinal Marx, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jürgen Klinsmann. Künstler des Werkes ist Franz Ott.

Sind von Kopf bis Fuß auf Dada eingestellt (v.l.n.r.) Matthias Ruhnke, Guido Richard, Paul Dorn, das Alien (Scarlett Schauerte), Anke Frankemöller, Richard Ortmann, Christiane Köhne und Dieter Gawol alias A.Diéga)
Sind von Kopf bis Fuß auf Dada eingestellt (v.l.n.r.) Matthias Ruhnke, Guido Richard, Paul Dorn, das Alien (Scarlett Schauerte), Anke Frankemöller, Richard Ortmann, Christiane Köhne und Dieter Gawol alias A.Diéga

Natürlich wird auch den beiden Hauptfiguren des Dortmunder DADA Richard Huelsenbeck und Jürgen Kalle Wiersch gedacht. An beide wird in separaten Räumen in Ton und Bild erinnert.

Ein Hauptereignis der DADA-Messe ist die Dada-Collage. Über 150 Künstlerinnen und Künstler haben sich an dieser Collage beteiligt und ein oder zwei Objekte in der Größe von 20 x 20 cm nach Dortmund geschickt. Einige der Objekte stehen auch zum Verkauf, erklärte Dieter Gawol alias A. Diéga.

Dazu gibt es regelmäßige Führungen durch die Ausstellung, Vorträge, Lesungen und Performances sorgen für ein dadaistisches Lebensgefühl.

Des Weiteren gibt es zwei sehr besondere Veranstaltungen außerhalb des Künstlerhauses. Am 29. Februar 2020 wird im Kunstraum (Braunschweiger Straße 22) das kosmische Lautgedicht „Allschall“ aufgeführt. Am 01. März 2020 performt das Ensemble von „Oper, Skepsis und Gleisbau“ mit „ […alles gut…] ihre elektronische Kammeroper im domicil.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter https://www.dadado.eu/

Das Künstlerhaus hat geöffnet von Dienstag-Freitag von 16 bis 19 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 13 bis 19 Uhr.

Frischer Blick auf neue Kunst

Zehn Studierende und Alumni der Hochschule für bildende Künste in Essen zeigen 23. Februar bis 7. April 2019 Positionen im Künstlerhaus Dortmund unter dem Titel „45257//44147“. Dass die Postleitzahlen als Ausstellungstitel benutzt werden, zeigt, dass es kein Thema oder Motto gab. Es sollte die Grenzen der Disziplin ausgelotet werden. Die Leitung des Studienganges Fotografie und Medien hat Prof. Carsten Gliese, der zusammen mit Peter Schmieder vom Künstlerhaus das Konzept und die Organisation übernommen hat.

Ruben S. Bürgam wurde durch die „Wisch-Bewegungen“, die Interaktion mit Smartphones und Co., zu ihrer Arbeit „serial.interfaces“ inspiriert. Durch Positionierung und Ausrichtung der Bildträger aus Glas und Orthopädieschaum, wird die Projektion vervielfältigt und entwickelt sich dadurch zur multiperspektivischen Installation.

Bei den Arbeiten von Annette Hiller stehen Struktur, Form,Licht und Raum im Vordergrund. Sehr spannend sind ihre dreidimensionalen Bilder. Hierbei nimmt sie das Bild als Material für einen weiteren Prozess und baut aus Kartons einen weiteren Raum. Zusätzlich ist sie mit ihren Reliefbildern im Künstlerhaus zu sehen.

Annette Hiller macht aus zweidimensionalen Fotos dreidimensionale Objekte.
Annette Hiller macht aus zweidimensionalen Fotos dreidimensionale Objekte.

Zum Thema „Fake News“ hat sich Diana Hommel Gedanken gemacht,. „Das große Durcheinander“ aus der Reihe „Fake News oder stille Post für Fortgeschrittene“ zeigt eine Flut von Bildmanipulationen eines Ortes im digitalen Zeitalter, Sie wirken wie Originale, die keine Originale sind.

„Schönheit der Physik“ – so könnte man die Installation „Inertia“ von Loïc Hommel. Hier sind zwei Pendel in einer Konstruktion angebracht, die sich in einem bestimmten Zeitintervall für einen kurzen Augenblick um ihre eigene Zentralachse drehen. An beiden enden des Pendels ist eine Lichtquelle angebracht, die einen Lichtpunkt über die Oberfläche einer darunterliegenden phosphoreszierenden Fläche wirft.

Dirk Krüger zeigt im Keller des Künstlerhauses den Film „Verzaubert“, bei dem der Protagonist Tom über sein Leben erzählt. Tom ist sehr eloquent und der Betrachter muss entscheiden, in wie weit er Toms Erzählungen vertrauen möchte.

So schön kann Physik sein. "Inerta" von Loïc Hommel.
So schön kann Physik sein. „Inerta“ von Loïc Hommel.

Kritik an der mediale Schönheitsideal übt Meike Poese. Sie fotografierte über 90 verschiedene Menschen aus dem gesamten Ruhrgebiet, um zu zeigen, wie unterschiedlich und einzigartig jeder Einzelner ist. Zu sehen sind etwa 50 Schwarz-Weiß-Bilder im Künstlerhaus.

Neben einer skulpturalen Arbeit zeigt Gabi Rottes zwei Videoinstallationen, bei der sie zwei Räume seziert und auseinander nimmt. „Ich entnehme die Details und stelle sie neu zusammen“, so die Künstlerin. In „MIES.movin .curtain“ und „Mies.misian motion“ lässt sie den Betrachter duch Räume fliegen, deren Grundlagen der Barcelona-Pavillion, das Farnsworth House oder die Neue Nationalgalerie sind.

„Elemente stehen immer in Beziehung“ – so lautete der Titel der Arbeit von Simon Tretter übersetzt. Im „untitled – elements are always relatet“ geht es ihm um das Verhältnis von Kunst und Betrachter. In der dreigeteilten Arbeit wird eine wartezimmerähnliche Situation dargestellt. Fremdartig, aber doch irgendwie vertraut.

Xiamo Wang fragt nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen zwei urbanen Zentren wie Dortmund und ihrer Heimatstadt Chengdu, Für Wang ist die nächtliche Stadtlandschaft attraktiver und mysteriöser als am Tag. In zwei Fotobüchern präsentiert sie ihre Entdeckungen und entwickelt so etwas wie einen Chat zwischen den beiden Städten.

Simon Badura zeigt Räume, die ihn in seiner Kindheit geprägt haben und die er den Betrachtern vorstellt. Somit haben die Besucher die Gelegenheit, an seinen Erinnerungen teilzuhaben oder aber eigene Ideen zu entwickeln.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung im Künstlerhaus sind von Donnerstag – Sonntag von 16 – 19 Uhr.

Facettenreichtum großformatiger Malerei im Künstlerhaus Dortmund

Im Zeitraum vom 01.12.2018 bis 20. 01.2019 zeigt das Künstlerhaus Dortmund in seinen Räumlichkeiten unter dem Titel „Zur Größe bestimmt –Großformatige Malerei“ facettenreiche „Großmalereien“ (Farbe auf Malgrund) von elf Künstlern aus ganz Deutschland (von Nürnberg bis Berlin).

Das Konzept und die Organisation stammt von Kurator Cornelius Grau. Nach einer allgemeinen Ausschreibung im Sommer hatten sich über 300 Künstler (verschiedene Altersstruktur) mit ihren Exponaten für die Ausstellung beworben. Letztendlich wurden elf davon ausgewählt.

Diese Gruppenausstellung lotet die Möglichkeiten und verschiedenen Facetten großformatiger Malerei aus.. Die KünstlerInnen bringen ihre ganz individuelle Sichtweise, ob mit Mischtechnik, Acryl –Aquarell – oder Öl, in ihre großflächigen Arbeiten ein.

Mit dabei sind:Stefan Brock, Friedhelm Falke, Julia Gutinka, Peter Nikolaus Heikenwälder, Thomas Hoffmann, Martina Justus, Franziska Klötzler, Jannine Koch, Ludwig Kupfer, Patricia Sandonis und Sebastian Troeger.

Manchmal stehen dabei strukturelle und formalistische Aspekte im Vordergrund, aber oft auch aktuelle Themen wie die Digitalisierung und Angstphobien im Angesicht der gegenwärtigen Bedrohungsszenarien durch Flüchtlinge, Krieg und Umweltzerstörung. Oft kontrastieren sie bewusst und irritieren so die Betrachter, mal farbenfroh, dann wieder düster und surrealistisch.

Die großen Bilder bieten nicht nur die Möglichkeit, immer neue Details zu entdecken, sie wecken unterschiedliche Emotionen und Assoziationen in den jeweils Betrachtenden.

Beeindruckend ist zum Beispiel das aus mehreren kleineren, zu einem riesigen, 300 x 900cm Fläche einnehmende Großbild zusammengesetzten Werk „Die grosse Angst“ (2016, Öl und Acryl auf Leinwand) von Sebastian Tröger aus Nürnberg. Augenscheinlich ist unter anderem der Rückgriff auf Picassos „Guernica“ oder Géricaults „Floß der Medusa“ und viele andere symbolische Ausdrucksformen der Kunst zu erkennen.Es bleibt dem Betrachter selbst überlassen, was er in der eher düsteren schwarz-weiß Malerei sieht,zumal es leider wieder eine traurige Renaissance der Angst in unserer Zeit gibt.

Stefan Brock setzte den Dortmunder Hafen künstlerisch um. Titel: "Am Petroleumhafen Dortmund"
Stefan Brock setzte den Dortmunder Hafen künstlerisch um: „Am Petroleumhafen Dortmund“  

Einen anderen gesellschaftspolitischen Zugang wählte Stefan Brock aus Dresden. Ein Besuch in Dortmund (am Hafen) inspirierte ihn zu seinem 200 x 160 cm großen Gemälde(Acryl und Vinylfarben) mit dem Titel „Helen, Piet und Kasimir“. Barocke Malerei verbindet er mit knallbunt-farbigen und Comicfiguren ähnelnden Personen.(Rechte?) Glatzköpfe sitzen lachend oder dösend am Ufer des Hafens.

Gegensätze treffen bei ihm aufeinander. Eiscreme-Werbungbegegnet bei ihm etwa sozialistischen Realismus, Napoleon Bonaparte wird zum Dosenbier trinkenden Dynamo Dresden-Fan. Politische Korrektheit ist nicht seine Sache. In seiner Gemäldeserie „Rosenkrieg“ verteilt er auch mal Tiefschläge an „Wutbürger“ und Neonazis.

Für Franziska Klötzler ist die Welt in Ordnung, wenn Ordnung herrscht. Zumindest in ihren Arbeiten. Hier konstruiert sie sich Normen und Konventionen, die sie in farbenfrohen Schablonen und Filtern umsetzt.

Thomas Hoffmann aus Remscheid bevorzugt bei seiner Arbeit „Blut weinen“ (2018; Öl auf Leinwand, 140 x 225 cm) die prägnante Linien und eine bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Es fallen die oberflächlich fröhliche Farben, Strukturen und eine gewisse Plakativität in seinem Bild auf. Der Stil ist von Popart, Surrealismus und Expressionismus beeinflusst. Erscheint der Bildinhalt zunächst vordergründig harmlos, verbirgt er doch eine alles andere als harmlose Aussage. Das gibt sich hier schon beim Titel wieder. Viele Assoziationsketten werden in Gang gesetzt.

Franziska Klötzler zeigt ihre Arbeit "Legit" von 2012, Mischtechnik auf Leinwand.
Franziska Klötzler zeigt ihre Arbeit „Legit“ von 2012, Mischtechnik auf Leinwand.

Das sind nur wenige Beispiele aus der facettenreiche Gruppenausstellung,die uns in entweder in das große Bild hineinziehen, vereinnahmen,oder einfach überwältigen können.

Die Eröffnung der der Ausstellung findet im Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1, 44147 Dortmund am Freitag, den 30.11.2018 um 20 Uhrstatt.

Parallel im Laboratorium: Grauomenta Spotlight # 4: Andreas Jonak .

Gezeigt werden Skulpturen des Künstlers aus Düsseldorf, die stets auf etwas Inneres und etwas ihnen zugrundeliegendes verweisen. Das umschließende Material folgt einem bestimmten Prinzip. Was es Verbirgt, zeichnet sich an der Oberfläche unscharf ab.

Mehr unter www.kh-do.de

Eigensinn – autonome Arbeiten im Künstlerhaus

Das Künstlerhaus Dortmund zeigt vom 17. März 2018 bis 22. April unter dem Titel „Eigensinn – autonom und subversiv“ eine besondere Ausstellung. Organisierte das Künstlerhaus bisher in der Regel thematisch festgelegte Gruppenausstellungen, zeigen jetzt Künstlerinnen und Künstler unabhängig und frei entstandene Zeichnungen, Fotografie, Skulpturen, Installationen oder mediale Video-Arbeiten. Sie sind dabei autonom und die Besucher werden in die Situation „hineingeworfen“. Eigensinn bekommt einen „eigenen Sinn“. Die Künstler lassen den Betrachtern ohne einen Titel oder Themenvorgabe Freiheit für ihre persönlichen Assoziationen.

Konzept und Organisation übernahmen Elly Valk-Verheijen und Willi Otremba. Beim Konzept der thematischen Gruppenausstellung wurde versucht, übergreifende Gemeinsamkeiten aufzudecken. Dieser inszenierte Dialog zwischen den einzelnen Arbeiten lädt zum Vergleichen der Einzelpositionen ein. Zusammenhänge sollen scheinbar verständlicher werden. Dabei wird aber die autonome Wirkung der einzelnen Werke relativiert. Mit diesen künstlerischen Arbeiten können sich die Betrachter „frei“ ohne Begrenzungen durch Vorgaben auseinandersetzten.

Zu den KünstlerInnen:

Bei Peter Dobroschkes (Berlin) Zweikanalinstallation „Études à deux“ sieht man die Hände des Künstlers beim Zeichnen. Es werden – mit der Linken und der rechten Hand synchron – alle Spielge aus dem eigenen Besitz porträtiert. Diese Ansicht wird auf zwei Kameras aufgeteilt. Ein Bildschirm präsentiert die Linke, einer die Rechte. Ein Spiegelstreifen ist senkrecht auf die Mitte des Blattes gestellt und verdeckt jeweils einen Großteil der benachbarten Hand sowie die gesamten benachbarte Papierfläche. Die Mitte schafft absolute Symmetrie. Dem Künstler kommt es, wie er sagt, auf den Schaffensprozess als solchen an.

Peter Dobroschke vor seiner Arbeit "Étude à Deux", 2013, Zweokanalinstallation, miniDV.
Peter Dobroschke vor seiner Arbeit „Étude à Deux“, 2013, Zweokanalinstallation, miniDV.

Erich Füllgrabe stellt in einer komplexen technischen Konstruktion von Messeinrichtungen in seiner Installation (2015) ein Modell zur Prüfung „letteraler Osmoseprozess“ dar. Es geht um die Transformierung von verbalen Sequenzen, zum Beispiel Buchstaben wie E, I, G, N, oder S, als akustisch hörbare Frequenz erfahrbar zu machen. Er verschränkt Kunstsprache und Wissenschaftssprache und schafft so die Möglichkeiten für einen anderen Zugriff auf Realität. Eine interessante Diskussionsgrundlage.

Paul Hempt (Düsseldorf/Wien) stellt Objekte wie etwa Wegweiser-und Orientierungshilfen in der Schifffahrt in neue Zusammenhänge. Leise Hinweise für mehr Achtsamkeit. Dem Betrachter lässt er den Freiraum für die eigene Interpretation.

Michael Johansson beschäftigt sich in ungewöhnlicher Weise mit Dingen, die wir kennen. Er verdichtet und verwandelt zum Beispiel Objekte wie Bücher oder Koffer in Quader, die er präzise stapelt. So schafft er er eine Verbindung zu einem neuen Ort und kreiert neue Bedeutungen. Dabei spielt für ihn auch die passende Farbwahl eine wichtige Rolle. Diese starre Ordnung separiert die Gegenstände von ihrem Gebrauch. Das Gewöhnliche trifft das Ungewöhnliche.

Charlotte Mumm (Amsterdam) erschafft aus verschiedene Materialien Skulpturen. Sie ertastet konsequent deren Zwischenräume, sozusagen das „innere“ Eigenleben jenseits der äußeren Erscheinung. Das auszuloten ist ihr wichtig. Lesbare Strukturen sind eng verwoben mit abstrakten Strukturen. Widersprüche werden von ihr nicht gegeneinander ausgespielt oder neutralisiert.

Julia Oschatz (Berlin ) hat für ihre Arbeit einen besonderen Platz im Künstlerhaus. Die „Totenkammer“ der ehemaligen Zeche ist Ort für „Mit Toten tauschen, Tinte auf Papier und Videostill, 2016“. Wie sie verriet, hat sie das Gemälde „Die Grablegung Christi“ von Michelangelo Merisi da Caravaggio als Grundlage für ihre komplexe Arbeit genommen. Sie nimmt Einzelheiten aus dem Gemälde und transformiert sie einzeln in verschiedene künstlerische Ausdrucksformen wie Videos, Zeichnungen oder Malereien und stellt sie in den besonderen Raumzusammenhang. Im Zentrum ihrer Arbeit steht jeweils eine Figur mit eigentümlicher Maske aus diversen Materialien wie Pappe, Holz oder Schaumstoff, die den Kopf verdecken und zugleich auch erweitern.

Zu sehen ist auch eine Arbeit von Eva Chytilek (Wien). Sie hat eine raumgreifende Installation aus zwei Konstruktionen ähnlich einem Wascheständer. Darüber hängt eine Plastikplane, die mit aufgedruckten Fotografien bemalt sind. Die Blickperspektive wird jeweils verändernd auf die Objekte.

 

Die Eröffnung der Ausstellung findet im Künstlerhaus Dortmund am Freitag, den 16. März um 20:00 Uhr statt.

Öffnungszeiten: Do-So 16-19 Uhr

Weitere Informationen unter www.kh-do.de