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Intensive Geschichten – You can visit me

„Vier Lebensräume und ein Hinterhof“, das sind die Spielräume in die die KünstlerInnengruppe vier D. interessierte Bürger einlädt. In Kooperation mit dem Machbarkeitstreff Borsig 11 und BewohnerInnen des Quartiers rund um den Borsigplatz ist eine beeindruckende zweistündige Performance entstanden, aufgeteilt auf fünf Etappen.

Basis der erzählten Geschichten sind vier Interviews mit Bewohnern des Quartiers, die den Künstlern als Inspiration für ihre Darstellung dienten. In vierwöchiger Detailarbeit entstanden die Geschichten zu den großen Themen Veränderungen und Hoffnung und wie sie uns durchs Leben tragen. Zum künstlerischen Team gehören u. a. Birgit Götz (Konzept und Choreografie), Nina de la Chevallerie (Regie) und Thorsten Bihegue (Texte, Dramaturgie).

Von vier als „Hoffnungsträgerinnen“ betitelte Fremdenführerinnen begleitet, starten die Gruppen einen Rundgang durch drei Wohnungen und einem Ladenlokal an der Oesterholzstraße. Zirka 60 Interessierte haben sich zu diesem Premierenrundgang angemeldet. Um in der einsetzenden Dämmerung die Übersicht nicht zu verlieren sind die farblich unterschiedlichen Regenschirme der Führenden liebevoll mit Lichterketten dekoriert worden.

Nach wenigen Minuten ist die erste Station erreicht. Auf der zweiten Etage eines Mietshauses betreten wir eine kleine Wohnung, um in einem Zimmer mit zwei TV-Monitoren Platz zu nehmen. Erzählt wird die Geschichte des jungen Mannes Kim, der auf der Suche nach seiner sexuellen Identität schwere Krisen durchlebt, sich mehrmals als Frau outet und doch immer wieder in die männliche Rolle zurück fällt. Trotz der schmerzhaften Suche und vieler Rückschläge bleibt er hoffnungsvoll, seinen Platz im Leben zu finden. Spannend in Szene gesetzt ist die Inszenierung des Vortrags. Im Laufe der Vorstellung wird klar dass die im Film gezeigte Wohnung und auch die brillant agierende Schauspielerin Cindy Tscherrig sich direkt nebenan in der Küche und auch im Schlafzimmer befindet und sich von dort live selbst beim Vortrag mit der Videokamera inszeniert (Physical Theatre).

Nahid (Cordula Hein) erzählt ihre Geschichte der Flucht aus dem Iran nach der Revolution. (Foto: © Anja Cord)
Nahid (Cordula Hein) erzählt ihre Geschichte der Flucht aus dem Iran nach der Revolution. (Foto: © Anja Cord)

Die nächste Station beschreibt das Leben der aus Iran zur Zeit der Revolution geflüchteten jungen Frau Nahid (gespielt von Cordula Hein). Sie versucht die Chronologie ihrer Flucht und ihres neuen Lebens bis in die heutige Zeit zu rekonstruieren. „Nahid“ sucht Bilder und Dokumente aus verschiedenen Kladden und Pappkartons zusammen, versunken in Erinnerungen und Gefühlen der Vergangenheit. Um alles in die richtige Reihenfolge zu bringen, wandert sie durch den Raum und hängt Bilder und Papiere an einen kreuz und quer gespannten roten Faden. So ergibt sich nach und nach ein Bild über die Zeitspanne von den 70iger Jahren bis heute.

In der dritten Wohnung empfangen uns die Tänzerin Yara Eid und auf einem TV-Monitor die echte Interviewpartnerin Linda. Linda ist eine junge Frau mit Downsyndrom. Sie sitzt in einem knallroten Sommerkleid vor der Kamera und berichtet strahlend und energiegeladen von ihrer neuen großen Liebe. Sie erzählt herzzerreißend offen von den Schwierigkeiten die ihr als mongoloider Mensch in allen Lebensbereichen begegnen. Yara Eid setzt die wechselnden Emotionen wie Liebe, Freude, Trauer und Spaß in ihrem kleinen Wohnzimmer in getanzte Bilder um.

In einem Ladenlokal erwartet uns Johanna mit ihrer dramatischen Geschichte. Sie erzählt sehr persönlich wie es ihr gelang, sich aus der Sekte der Zeugen Jehova zu lösen. Der Kampf mit ihren Eltern, den Sektenmitgliedern, ihre Not und ihre Schuldgefühle werden deutlich greifbar. Über allem schwebt die Angst vor dem angedrohten Armageddon. Nach vielen Jahren der Auseinandersetzung bringt sie die Kraft auf den endgültigen Schritt in eine neue Zukunft zu tun. Ihre Erkenntnis nach dem großen Schritt war, „Ich konnte atmen, ich konnte durch diese Tür gehen!“

Zum Abschluss dieses beeindruckenden Abends trafen alle Darsteller im Innenhof noch einmal zu einem kleinen, gemeinsamen Auftritt zusammen.

Verblüffend ist wie in kürzester Zeit vier Leben vor den Besuchern ausgebreitet werden, jedes mit ganz anderen Herausforderungen beschwert. Diese Technik des intensiven Hineingeworfenseins beansprucht alle Sinne der Besucher, und ist ein genialer Zug um einen direkten Zugang zu den Lebensgeschichten der Interviewpartner zu bekommen.

Zwei weitere Rundgänge gibt es am 14.September ab 20 Uhr und am 15. September um 11 Uhr und 16 Uhr. Kartenreservierungen und Verkauf sind unter vier.D@online.de oder unter 0176/46034717 möglich.

Surprise Meetings im Megastore

[fruitful_alert type=“alert-success“]Surprise! Wer sich wohl unter dem Laken verbirgt? (Foto: ©Sara Hartmann) [/fruitful_alert]

Die Eigenproduktion „Surprise Meetings“ des Jugendclub Theaterpartisanen 16+ in Kooperation mit der Tanztheaterwerkstadt vier.D hat am Samstag, den 11.03.2017 um 19:30 Uhr Premiere im Megastore. Seit dem Herbst letzten Jahres haben die jungen Leute zwischen 16 und 19 Jahren unter der Leitung von Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak und der Choreografin und Tänzerin Birgit Götz selbständig Texte und Choreografien entwickelt.

Grundlage für die Textentwicklung und Tanzchoreografie war die Frage, wer sie sein könnten, wenn sie einmal einen rücksichtslosen Tag würden oder wie für sie der perfekte Moment aussieht. Es entstehen interessante Spiegelungen und Ergänzungen zwischen den sieben Theaterpartisanen und den sieben Tänzerinnen auf der Bühne.

Zu den Themen gehört zum Beispiel das marode und stressige Schulsystem mit dem G8, oder auch umweltpolitische Themen. Es geht um Stärkung des Selbstbewusstseins, Fragen zischen Verantwortung und Selbstbestimmung. In den 75 Minuten werden die jungen Leute ständig auf der Bühne präsent sein. Die Jugendlichen haben etwas zu sagen und beziehen deutlich Stellung,“ erklärte Götz. „Die Jugendlichen konnten sich schon einmal bei einer Übernachtung im Megastore besser kennen lernen,“ verriet Jasinszczak.

Zu Produktion sei soviel verraten:

Es werden sechs verschiedene Figuren dargestellt und es beginnt immer mit: „Als ich eines morgens erwachte…. Repräsentanten der Gesellschaft wie zum Beispiel Lehrer fungieren als Gegenfiguren. Auch die Tänzerinnen wechseln von ihren Positionen von Jugendlichen zu Erwachsenen. Zum Schluss vereint alle eine gemeinsame Aktion im Hambacher Forst. Das Ende ist aber noch Surprise!

Lara Möhl war als eine der Theaterpartisanen bei der Pressekonferenz am 08.03.2017 anwesend und erzählte etwas über die von ihr dargestellte Figur Tiffany.

Meine Figur verändert sich. Sie wird stark und nimmt sich sich das Recht heraus, anders zu sein.. Sie lässt sich nichts gefallen und ist selbstbewusst,“ so Möhl.

Informationen und weitere Termine finden sie unter www.theaterdo.de