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Theater im Depot startet wieder

Nach langer Zeit, wegen Umbau und Wechsel in der Führungsetage, öffnet das Theater im Depot wieder seine Pforten für die Spielzeit 22/23. ars tremonia sprach mit dem künstlerischen Leiter Jens Heitjohann über das Programm, neue Ideen und was geblieben ist.

Das Theater im Depot war ein wichtiger Spielort für die freie Theaterszene in Dortmund und Umgebung, das wird bleiben, aber die Ausrichtung wird überregionaler und internationaler.

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Kontinentaldrift als Theaterstück

Wir können in sekundenschnelle Nachrichten von Europa nach Australien verschicken, fliegen in hoher Geschwindigkeit von A nach B und auch sonst ist unsere Zeit eher von Hektik geprägt. Ein Beispiel könnten wir uns an den Kontinentalplatten nehmen. Sie bewegen sich langsam, sehr langsam. Entweder voneinander weg oder aufeinander zu, es kommt vor, dass sie sich berühren und es in Folge zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen kommt.

Doch ich war bei keiner geologischen Veranstaltung, sondern habe am 08. Oktober 2021 die Premiere von „körper kontinent/kontinent körper von dorisdean im Theater im Depot geschaut. Mit dabei waren von dorisdean Patrizia Kubanek, Anna Júlia Amarel, Philipp Hohmann und Natasha Padilha.

Ein besonderer Fokus der freien Performance-Kompagnie liegt darauf, dass möglichst viele Menschen mit verschiedenen Einschränkungen der Theatervorstellung folgen können. So wurde die Vorstellung der Akteure zu Beginn nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch oder Spanisch gemacht. Oft wurde erzählt, was die Schauspieler*innen gerade tun und wo sie sich auf der Bühne befinden. Eine sehr gute Aktion, die Blinden oder stark Sehbehinderten eine Möglichkeit bot, das Stück zu verfolgen.

Zu Beginn des Stückes: Natasha Padilha, Patrizia Kubanek und Anna Júlia Amarel. (Foto: Lukas Zander)
Zu Beginn des Stückes: Natasha Padilha, Patrizia Kubanek und Anna Júlia Amarel. (Foto: Lukas Zander)

Gleich zu Beginn wähnte man sich kurz in einer Art Fitnessstudio, denn Amarel, Hohmann und Padilha stellten mit Gymnastikbällen und Sport erst den Urkontinent Pangäa dar, dann die weitere Entwicklung instruiert von Kubanek, die im E-Rollstuhl saß. Eine kurze Geschichte des Kontinentaldriftes in tänzerisch-sportlicher Form.

Das Stück war insgesamt in vier Teile unterteilt, wobei der zweite Teil „Dinosaurier“ sehr emotionale Elemente hatte, denn das Zusammentreffen zweier Kontinentalplatten wurde wie eine erotische Begegnung zweier Menschen dargestellt, erst fordernd die Nähe gesucht, dann vielleicht erschreckt über die Härte des Zusammenkommens.

Bewegung oder das Bewegtwerden spielt eine wichtige Rolle im Leben der Menschen. Doch es gibt nicht nur die Freiheit sich bewegen zu können, sondern auch die Freiheit zu bleiben, also nicht bewegt zu werden.

Ein ungewöhnlicher Theaterabend mit einem ungewöhnlichen Thema, der aber zum Nachdenken anregt.

Anfassen – auf der Suche nach Kontakt

Haben wir nach dem Lockdown vergessen, wie es ist, den anderen anzufassen? Müssen wir es wieder neu lernen? Und haben wir schon einmal über unsere Hände nachgedacht? Fragen, die sich das Stück „anfassen“ der Theatergruppe 4.D stellt und in insgesamt 10 Versuchen probiert Antworten zu finden. Die Premiere fand am 18. September im Fredenbaumpark und im Theater im Depot statt.

In der Produktion von „anfassen“ steckt einiges vom Dortmunder Schauspielhaus drin. Nicht nur das Mitglieder des Dortmunder Sprechchors teilgenommen haben, der ehemalige Dramaturg Thorsten Bihegue schrieb den Text zum Stück.

Die Figur von Elina Ritzau feierte die Distanz zwischen den Menschen.
Die Figur von Elina Ritzau feierte die Distanz zwischen den Menschen.

Zu Beginn wurden wir ins zwei Gruppen aufgeteilt und mit Kopfhörern und zwei Guides in den Fredenbaumpark geleitet. Dort wartete der erste Versuch auf uns. Pia Wagner, eine der Schauspieler*innen, versuchte uns das „Anfassen“ vorsichtig näherzubringen. Ging das Vorbeilaufen und die Begrüßung noch allen locker von den Lippen, war es beim „Berühren“ schon komplizierter, denn auch schon vor Corona war das Berühren von fremden Personen durchaus heikel, denn nicht jede*r möchte angefasst werden.

Als Teil der blauen Gruppe gingen wir weiter zum Versuch Nummer 3. Hier auf einer Parkbank hielt Jubril Sulaimon eine Elegie auf seine Hände. Ein perfektes Werkzeug, die Dinge tun, ohne es ihnen bewusst sagen zu müssen. Danach gelangten wir nach einem kleinen Spaziergang zu Versuch 2, dort hatte sich Elina Ritzau hinder einem Schirm mit langen Schnüren versteckt und feierte den Abstand. „Viel Luft zwischen den Körpern“ und „diese tolle Leere will ich nicht mehr missen“, stand sie für alle, die sich – vielleicht schon vor Corona – von Menschen eher fernhielten. Für die „Social Distancing“ kein neuer Begriff, sondern eine Lebenseinstellung ist.

Der vierte Versuch, geleitet von Matthias Damberg stellte wieder die Hände in den Mittelpunkt, denn schließlich heißt das Stück ja „anfassen“. Und das geht nur mit den Händen. Zurück am Theater im Depot konnten die Teilnehmenden den digitalen Sprechchor, der uns über die Kopfhörer begleitet hatte, auch „in echt“ sehen, oder fast: Denn der Sprechchor wurde auf hängende Gazebanner projiziert, durch die man durchgehen konnte.

Wer sich fragte, wo der „Tanz“ bei der Tanz-Theater-Performance blieb, wurde nicht enttäuscht, denn die Versuche sechs bis zehn fanden auf der Bühne im Theater im Depot statt. Hier waren alle Akteure von 4.D aktiv auf der Bühne und zeigten ein beeindruckendes Zusammenspiel zwischen Tanz und Wort. Ob der Versuch aus einem beengenden Raum auszubrechen, dargestellt durch einen Lichtkegel oder die Leere zu zeigen, wenn ein Mensch fehlt, es machte riesen Spaß den vier bei ihren Versuchen zuzuschauen.

Wer Lust auf eine spannende Theater-Performance hat, der kann noch am 25. und 26. September 2021 jeweils um 19 Uhr teilnehmen. Karten gibt es unter www.depotdortmund.de/theater-tanz.html.

Blick in die Psyche eines Reichsbürgers

Im Schatten des drohenden erneuten Lockdowns wegen der steigenden Corona-Fallzahlen im November hatte „Der Reichsbürger“ von Konstantin und Annalena Küspert unter der Regie von Jens Dornheim als neue Produktion des freien Theaters glassbooth am 30.10.2020 im Theater im Depot seiner Uraufführung.

Die Thematik und wachsende Problematik der sogenannten „Reichsbürger“ ist wieder ein kontroverser Stoff und dabei hoch aktuell. Trotz ihrer uneinheitlichem diversen Erscheinungsformen und Auftretens eint sie, dass sie die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennen. Für sie ist das Land seit dem Kriegsende nicht wirklich souverän und nur eine GmbH, deren Gesetze für die Reichsbürger nicht gelten.

Der Protagonist in der als Reichsbürger-Monolog konzipierten Inszenierung wird von Schauspieler Sebastian Thrun eindrucksvoll und fast erschreckend glaubhaft auf der Bühne dargestellt. Er bezeichnet sich als „Selbstverwalter“ und provoziert das Publikum gleich zu Anfang mit der ironischen Bemerkung, wegen ihm müssten die Zuschauer*innen keinen Mund-Nasenschutz tragen.

Sebastian Thrun überzeugte als wortgewandter "Reichsbürger" im gleichnamigen Stück. (Foto: © Oliver Mengedoht)
Sebastian Thrun überzeugte als wortgewandter „Reichsbürger“ im gleichnamigen Stück. (Foto: © Oliver Mengedoht)

Von Beruf Elektriker, könnte der Protagonist aber ein sehr guter Verkäufer auf einer Werbeveranstaltung sein. Er kommt als wortgewandter Menschenfreund daher, der eigentlich nur seine Ruhe will, nicht plump aggressiv.

Er stellt provokative Fragen, weist geschickt auf Missstände (marode Straßen, kein Geld für Bildung, „Migranten-Kriminalität“ u.s.w.) hin, gegen die man doch etwas tun müsse. Das Recht auf Waffenbesitz eines jeden Bürgers ist ihn ein selbstverständliches „Recht“ um sich und seine Familie zu schützen. Dass der freie Waffenbesitz etwa in den USA vielen Menschen das Leben kostet, wird wohlweislich ignoriert.

Widersprüche zwischen gespielter Toleranz, Naturverbundenheit, Humanität und offen zur Schau getragenen Überlegenheit des „Deutschen“ gegenüber dem „Fremden“ werden nicht zur Diskussion gestellt. So beruft er sich auf unter anderem auf Albert Einstein als als einer der „großen Deutschen“, um dann eine herablassende Bemerkung gegen Juden loszulassen. Obwohl er wohl auch gerne mal beim „Syrer, Chinesen, Türken oder anderen“ essen geht, wird die Bereicherung unseres Lebens durch fremde Kulturen geleugnet.

Der „Selbstverwalter“ hat den Durchblick und weiß, wer im Hintergrund die Strippen zieht. Kanzlerin Angela Merkel wird nur als „IM“ Merkel bezeichnet. Offen bekennt er im Gegensatz zu den „Linksliberalen“ einfache Erklärungen und Lösungen für komplexe Zusammenhänge zu haben.

Wie alle Rattenfänger versucht er, Menschen bei ihren Ängsten und Befürchtungen zu packen und sie für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Die Vorteile (Rosinen) des abgelehnten Staatssystems nimmt er jedoch gerne für sich in Anspruch, wenn es ihm zu pass kommt.

Eine starke Leistung von Thrun, die Zuschauerinnen und Zuschauer aber auch mit einem ambivalenten Gefühl zurück lässt.

Die Inszenierung verdeutlicht, wie sehr wir aufpassen müssen, kritisch zu reflektieren und nicht auf einfach Lösungen oder „Heilsbringer“ herein zu fallen.

Der Reichsbürger – Inneneinsichten eines Querdenkers

Deutschland ist nur eine GmbH? Das Land immer noch besetzt? Das Deutsche Reich besteht fort? Es gibt Menschen, die das glauben und verbreiten – sogenannte Reichsbürger. Im Theater im Depot präsentiert das Theater glassboth das Stück „Reichsbürger“ von Annalena und Konstantin Küspert. Premiere ist am 30.10.2020.

Die Reichsbürger sind keine homogene Gruppe. Es gibt so manche selbsternannte Reichskanzler oder gar Kaiser, die auf ihrem Grund und Boden eigene Dokumente wie Pässe oder Führerscheine ausstellen. Doch es gibt auch einige, die sich als „Selbstverwalter“ ansehen und versuchen, sich vom Staat abzunabeln. Das klingt doch auf den ersten Blick nicht verkehrt, oder?

Genau in diese Schnittstelle zwischen „klingt doch ganz logisch“ und „was für ein Blödsinn“ setzt das Stück an. Denn der Reichsbürger, gespielt von Sebastian Thrun ist klein plumper Wutbürger oder selbsternannter Kaiser, sondern wirkt ganz vernünftig und versucht das Publikum mit geschickten Fragen und Argumenten auf seine Seite zu ziehen.

Sebastian Thrun versucht in seiner Rolle als  "Reichsbürger"  in dem Stück das Publikum auf seine Seite zu ziehen. (Foto: © Oliver Mengedoht)
Sebastian Thrun versucht in seiner Rolle als „Reichsbürger“ in dem Stück das Publikum auf seine Seite zu ziehen. (Foto: © Oliver Mengedoht)

Für die Reichsbürger ist die Sache einfach: Sie haben den Durchblick und die anderen schlafen noch. Sie wissen, wie das System funktioniert und wer als Strippenzieher dahinter steckt.

Die Gefährlichkeit darf man dabei nicht außer acht lassen. Für NRW sollen rund 3.200 Reichsbürger bekannt sein, früher wurden sie nur als Spinner belächelt, doch mit immer häufigeren Waffenfunden ist klar, dass diese Gruppierung nicht so ganz harmlos ist.

Regisseur Jens Dornheim hat das Stück als Reichsbürger-Vortrag konzipiert. Daher ist das Publikum nicht nur stiller Beobachter, es kann sicherlich passieren, dass manche Thesen des Reichsbürgers auf Widerspruch aus dem Publikum stoßen. Eine spannende Aufgabe für Schauspieler Sebastian Thrun.

Die Premiere ist am 30.10.2020 um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen sind am 31.10., 08.11., 13.11. und 14.11.2020. Weitere Informationen unter www.depotdortmund.de

Opus Love – ein Musiktheater über die Liebe

Was haben Sarah Kane, André Gorz und Samuel Beckett gemeinsam? Ihre Texte stehen im Mittelpunkt des Musiktheaters von artscenico namens „Opus Love“, das am 16.10.2020 seine Premiere im Theater im Depot feiert.

In „Gier“ von Sarah Kane geht es unter anderem auch um eine eine Liebesbeziehung, die im Stück „Opus Love“ von Elisabeth Pleß vorgetragen wird. Der zweite Text von André Gorz ist „Brief an D. Geschichte einer Liebe“. Hier schreibt der Autor mit über 80 Jahren einen Liebesbrief an seine ebenso alte Frau. Kurze Zeit später nehmen sich beide das Leben. Der dritte Text von Beckett „Erste Liebe“ handelt von Einsamkeit und die Angst vor Gefühlen.

Mit dabei ist die Schauspielerin Elisabeth Pleß, die bereits in vielen artscenico-Produktionen mitspielte und Sascha von Zambelly. Ein Teil wird nicht vorgetragen, sondern sogar getanzt von Elisa Marschall.

Mit dabei ist auch Elisabeth Pleß, die als Performerin bei "Opus Love" Texte vorträgt. (Foto: © Guntram Walter)
Mit dabei ist auch Elisabeth Pleß, die als Performerin bei „Opus Love“ Texte vorträgt. (Foto: © Guntram Walter)

Wie es sich für ein Musiktheater gehört, gibt es auch Musik. Dafür hat sich Regisseur Rolf Dennemann die Unterstützung von Yoyo Röhm versichert, mit dem er bereits bei verschiedenen Produktionen zusammengearbeitet hat.

Röhm hat verschiedene Musiker für sein kleines kammermusikalisches Theaterorchester gefunden. Mit dabei ist der Schlagzeuger Achim Färber, Cellistin Marie Claire Schlameus und Andreas Dohrmann, der neben Klarinette auch Bassklarinette und Bassflöte spielt. Alle Musiker haben langjährige Erfahrung in unterschiedlichsten Bands und Theaterprojekten sammeln können. Zur Musik verriet Yoyo Röhm nur soviel: Es werden langsame und leise Töne angeschlagen. Die Musik sei eklektizistisch.

Allen Beteiligten ist anzumerken, dass es für sie ein Privileg ist, nach dem Lockdown wieder arbeiten zu dürfen. Die Zuschauer können sich also auf 70 Minuten Musiktheater im Theater im Depot freuen.

Aufführungen gibt es am 16. und am 17. Oktober jeweils um 20 Uhr. Infos zu Karten gibt es unter https://www.artscenico.de/blog/2020/07/29/opus-love/

Taxi Driver – Fallstudie einer individuellen Radikalisierung

Die wegen einer Erkrankung verschobene Premiere von „Taxi Driver – Die totale Mobilmachung“ unter der Regie von Alexander Olbrich konnte zur Erleichterung der Organisatoren am 03.10.2020 im Theater im Depot stattfinden. Für das Theater wurde der Kultfilmklassiker um die Radikalisierung eines stillen Außenseiters hin zum skrupellosen Attentäter für die heutige Zeit überschrieben.

Der Hintergrund (Großstadtkulisse, Taxis u.s.w.) wurde wechselnd per Video auf eine Leinwand projiziert, das Sounddesign wurde von Lukas Rabl übernommen. Der Schauspieler Denis Merzbach spielte die Rolle des Taxifahrers Travis eindringlich, während seine beiden Kolleginnen Chris Nonnast (Zuhälter*in und Macht strebende Politikerin) Brit Purvin ( Minderjährige Prostituierte, Wahlkampfhelferin) in die unterschiedlichen Charaktere ihrer Doppelrollen schlüpften.

In diesen aktuellen Plot wurde eine starke ambivalente Politikerin (etwa angelehnt an Ursula von der Leyen), nicht ein männlicher Präsidentschaftskandidat eingebaut.

Das Geschehen spielt auch nicht in New York, sondern in irgendeiner europäischen Großstadt.

Der während seiner Militärzeit traumatisierte Taxi Driver erlebt während seiner nächtlichen Fahrten all den „Schmutz, Drogen, Prostitution und Verelendung“ in einer gespaltenen Gesellschaft. Für ihn „Abschaum“. Es ist wie in einer Art „Kampfzone“. In seiner „Taxi-Blase“ bekommt er alles verdichtet und geballt mit.

Eigentlich sucht er Glück, Anerkennung und Zuneigung. Seine Annäherungsversuche bei der Wahlkampfhelferin Helen müssen scheitern. Es prallen zwei unterschiedliche Welten aufeinander, und es gibt keine wirkliche Kommunikationsebene. Bezeichnet, dass dies schon beim Tanzen der beiden sinnbildhaft wird.

Beeindruckende Performance aller Schauspieler in "Taxi Driver". Hier zu sehen Chris Nonnast und Denis Merzbach als Hauptfigur Travis. (Foto: © privat)
Beeindruckende Performance aller Schauspieler in „Taxi Driver“. Hier zu sehen Chris Nonnast und Denis Merzbach als Hauptfigur Travis. (Foto: © privat)

Pornokinobesuche beeinflussen sein Frauenbild. Zurückweisung durch Helen und die empfundenen Kränkungen verstärken sein Gefühl der Missachtung. Der Versuch, eine minderjährige Prostituierte aus ihrer Situation heraus zu holen, schlagen fehl. Mit einem „missionarischen“ Eifer ändert er sein Leben und macht sich fit für „die totale Mobilmachung. Der Zwang, etwas tun zu müssen, da es „kein anderer macht“, wächst immer weiter.

Der Schauspieler benutzte zwischendurch auch eine Kamera, um sein Gesicht vergrößert auf die Leinwand zu projizieren. So waren die Emotionen für das Publikum deutlich sichtbar.

Die Politikerin hält im Parlament der EU eine Rede über die aktuellen Krisen- und Problemfelder. Ihr Mantra ist „Europa muss die Sprache der Macht wieder lernen“.

Die Lage spitzt sich zu und Travis wird am Ende zum Attentäter.

Die zunehmende Radikalisierung in einer gespaltenen und entfremdeten Gesellschaft wurde für die Zuschauer*innen auf der Bühne klar und (erschreckend) klar dargestellt.

Informationen zu weiteren Vorstellungsterminen erhalten Sie unter www.depotdortmund.de

Theatrale Aktualisierung des Kultfilms „Taxi Driver“

Als erste Eigenproduktion in der neuen Spielzeit hat „Taxi Driver. Die totale Mobilmachung“ im Dortmunder Theater im Depot am Freitag, den 25.09.2020 um 20:00 Uhr seine Premiere.

In Kooperation mit dem Prinz Regent Theater und unter der Regie von Alexander Olbrich wird der Kultfilm „Taxi Driver“ (Regie: Martin Scorsese) aus dem Jahr 1976 als moderne Überschreibung, kombiniert mit terroristischen Manifesten, Fremdtexten und Videokunst als Theaterstück mit drei Schauspieler*innen auf die Bühne gebracht.

Der Klassiker aus dem Jahr 1976 behandelt beispiellos offen die Radikalisierung eines stillen Außenseiters (traumatisierter junger Vietnam-Veteran), der zu einem fragwürdigen Helden und gleichzeitig zum Mörder wird. Nur eine der Ambivalenzen, die der Film offenlegt. Protagonist Bickle ist einerseits sensibel, andererseits manchmal hart und von einem fehlgeleiteten Männlichkeitsideal (Macho) geprägt. Seine Liebe zur Wahlkampfhelferin des demokratischen Präsidentschaftskandidaten muss scheitern.

Regisseur Alexander Olbrich (links) und Dramaturg Berthold Meyer zeigen eine Überschreibung von "Taxi Driver".
Regisseur Alexander Olbrich (links) und Dramaturg Berthold Meyer zeigen eine Überschreibung von „Taxi Driver“.

Die von Gewalt, Drogenhandel, Prostitution, Vereinsamung, Entfremdung oder Korruption geprägte Gesellschaft der New Yorker Großstadt, erscheint durch seine Erfahrungen bei seinen nächtlichen Taxifahrten mehr und mehr als Projektionsfläche seiner psychischen Verfassung.

Das Theaterstück überschreibt den Plot in unsere heutige aktuelle Situation. Olbrich verstärkt die politische Dimension des Stückes.

Mit dabei sind als Akteure Denis Merzbach, Chris Nonnast und Brit Purwin, die Dramaturgie übernimmt Bertold Meyer.

Neben der Premiere am 25.09.2020 gibt es weitere Aufführungen am 26.09., 03.10. und 04.10. 2020.

Informationen zu Karten gibt es unter www.depotdortmund.de

Tanztheaterwerkstatt auf den Spuren von „Menschen und anderen Tieren“

Die vierzehn Frauen der Tanztheaterwerkstatt im Depot (KOBI) haben sich unter der Leitung von Birgit Götz (Konzept und Choreografie) mit ihrem neuen Projekt „Von Menschen und anderen Tieren“ einem spannenden Thema gewidmet. Die fast alle noch berufstätigen beteiligten Frauen, haben dieses Programm seit September 2019 zusammen mit Birgit Götz erarbeitet. Am 08.02.2020 fand die Premiere dieses neuen Tanztheaterprojekts im Dortmunder Theater im Depot statt.

Ganz in schwarzer sportlicher Kleidung hörten die vierzehn Projektteilnehmerinnen, ebenso wie das Publikum, zunächst einen von außen eingespielten Text über die evolutionäre Entwicklung hin zum Menschen über zig Millionen Jahre. Es wird davon berichtet, dass der Mensch sich durch die Fähigkeit zu Reflexion von den „anderen Tieren“ unterscheidet. Das ist der Startschuss für die Frage, wie viel Tier steckt in uns Menschen oder eben umgekehrt.

Das Tanztheaterwerkstatt auf den Spuren von Geparden. (Foto: © Sonja Berkemann )
Die Tanztheaterwerkstatt auf den Spuren von Geparden. (Foto: © Sonja Berkemann )

Mit starken Choreografien sowie vielseitiger musikalischer Begleitung sowie nachdenklichen Texteinwürfen wurde das Thema angegangen. So erhielt das Publikum neben Fakten über das Gehirn verschiedener Tieren im Vergleich zum Menschen auch Informationen über deren Sozialverhalten. Die nicht artgerechte Tierhaltung wurde genauso angesprochen wie das Thema vegetarische (oder vegane) Ernährung.

Bereichert wurde das Ganze mit Video-Projektionen. Im Hintergrund sah man zum Beispiel eine Alm-Alpenlandschaft, während auf der Bühne ein dazu passendem Tanz mit schwarz-weißen Kuhflecken-Pantoffel aufgeführt wurde. Es gab sogar eine Video-Einspielung aus einer alten Sendung mit Bernhard Grzimek samt Geparden.

Um sich in die Rollen von Leoparden, Schlangen oder Affen hinein zu versetzen, wurde einfache Requisiten wie Tücher mit Wildtiermuster, enge Pullover mit Schlangenmuster oder einfach Federn als eine Art Handschuh benutzt. Mit Humor, Ironie und eindringlich stellten sie zum Beispiel menschliche Verhaltensweisen und „kleine Schwächen“ dar.

Das System eines Großkonzerns wurde anschaulich mit dem Tierreich verglichen. Die oberste Etage war die „Elefantenetage“ samt „Vorzimmer-Drachen“. Darunter das „Haifischbecken“, wo jeder nach oben strebt und die Konkurrenten „wegbeißen“ will. Unten befindet sich die „Affenetage“. Die werden zumeist ausgepresst und ausgenutzt.

Sowohl als Gruppe, die in immer wieder neuen Konstellationen zusammen agierten, wie auch mit ihrer Individualität konnte die Gruppe überzeugen und bekam ihren verdienten langanhaltenden Beifall.

Es ist schon erstaunlich, was Birgit Götz mit ihrer Tanztheaterwerkstatt im Depot immer wieder auf die Beine bringt.

Weitere Aufführungstermine gibt es am Sonntag, den 09.02.2020 (18 Uhr), Dienstag den 11.02.2020 und Mittwoch, den 12.02.2020 (jeweils 20 Uhr).

Kartenreservierung unter Tel.:0231/9822336 oder ticket@theaterimdepot.de

Heidi – Der Berg ruft!

„Heidi“, Geißen, Gipfel, Sensationen lautet der Titel der neuesten Theaterproduktion vom Theater im Depot. Die klassische Vorlage des Romans von Johanna Spyri erfährt eine fulminante Überarbeitung durch Regisseur und Autor Stefan Keim.

Der Plott der bekannten Erzählung bleibt im Grunde erhalten. Die junge Heidi wird von ihrer Tante Dete zum Öhi auf die Alm abgegeben. Sie hat Arbeit in Frankfurt gefunden und kann sich um das Kind nicht mehr kümmern. Der Öhi gilt allgemein als ungesellig und etwas sonderlich. Heidi hat jedoch ein sonniges Gemüt und kommt gut mit dem Großvater klar. Erleichtert wird die Eingewöhnung durch den Geißenpeter und einige Ziegen, die zu hüten sind. Nach einiger Zeit erscheint Dete wieder auf der Bildfläche und nimmt Heidi mit nach Frankfurt, um sie als Kameradin der behinderten Klara einzusetzen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten arrangiert sich Heidi mit den Gegebenheiten, vermisst jedoch das freie Leben auf der Alm. Nach einiger Zeit in der fremden Stadt wird sie vor Heimweh krank und kann kurz darauf in die Berge zurück. Nun muss sie allerdings Klara zurücklassen, was Heidi auch nicht leicht fällt. Nach einigen Monaten kommen Klara und deren Großmutter Frau Stresemann zu Besuch auf die Alm. Durch gute Bergluft und eine Eifersuchtstat des Geißenpeters schafft es Klara auf der Alm wieder laufen zu lernen.

Stefan Keim beginnt sein Stück mit einer Szene im Reisebüro. Ein Paar sucht einen Urlaubsort der beiden zusagt. Nach längerem Hin und her entscheiden sie sich fürs „Heidiland“. Inklusive Alphornklängen und Geißenkuscheln. Im Hintergrund ist eine Alpenkulisse auf eine Videowand projeziert. Hier schallen schon die ersten Lacher des Publikums Richtung Bühne. Danach beginnt die Erzählung über Heidis Abenteuer.

Vorbei mit der Alpenromantik! In Frankfurt muss Heidi (Cordula Hein, mitte) lernen wie man mit Messe und gabel isst. Angeleitet von Frl. Rottenmeier (Sandra Wickenburh) und Klara (Thorsten Strunk). (Foto: © Anja Cord)
Vorbei mit der Alpenromantik! In Frankfurt muss Heidi (Cordula Hein, mitte) lernen wie man mit Messe und gabel isst. Angeleitet von Frl. Rottenmeier (Sandra Wickenburg, links) und Klara (Thorsten Strunk). (Foto: © Anja Cord)

Die drei SchauspielerInnen Cordula Hein (Heidi/Arzt), Sandra Wickenburg (Der Öhi/Fräulein Rottenmeier) und Thorsten Strunk (der Geißenpeter/Tante Dete/Klara/Großmutter) besetzen alle vorkommenden Rollen. Mit Bravour wechseln sie in kürzester Zeit Outfit und Haltung um in die jeweils nötige Rolle zu schlüpfen. Besonders witzig und toll inszeniert ist der Auftritt der Herde, ebenfalls genial durch die drei Schauspieler dargestellt. Beinah jede Szene brachte das Publikum zum Kichern. Die Tiere stehen auf einer leicht schrägen Fläche und kommentieren alle Vorkommnisse auf der Alm. Dabei verhalten sie sich wie Nachbarn die sich über den Gartenzaun oder aus dem Fenster heraus miteinander unterhalten. Klatsch und Tratsch des Tages werden kommentiert. Kreativ unterhalten sie sich durch Muuhs und Määhs, variieren den Tonfall und beschreiben damit alles was Sie bewegt. Als Übersetzungshilfe für das Publikum wird der ausführliche Text, man glaubt ja nicht wie geschwätzig so eine Herde sein kann, im Videobild aufgeschrieben.

Die aktuelle Heidi ist ein aufgewecktes Kind, mit einem heiteren Gemüt und einem positiven Blick auf die Menschen. Sie lässt sich auch vom Großvater nicht einschüchtern der bei ihrem ersten Auftauchen mit einer Axt auf sie und ihre Tante losgeht. Sandra Wikenburg verkörpert den Öhi genauso glaubwürdig wie die Rolle des geifernden Fräulein Rottenmeier. Thorsten Strunk stellt so viele Figuren da, das er kurzfristig im Ablauf der Handlung auf der Bühne vom Geißenpeter zur Klara mutiert.

Mit neuen Texten versehen geben die Akteure zwischendurch kurze Gesangseinlagen, wie zum Beispiel zu „La Montanara“ oder „Frankreich, Frankreich“ von den Bläck Föös umgedichtet in „Frankfurt, Frankfurt“. Auch das klassische Titellied zum Film Heidi durfte natürlich nicht fehlen.

Die Dialoge sind spritzig, Ironie tropft aus jeder Szene und es tut gut, wenn alles mal nicht so ernst genommen wird

Das begeisterte Publikum belohnte die Darsteller mit anhaltendem Applaus.

Die nächsten Vorstellungen sind am 8. Und 9. November, jeweils 20h, am 10. November um 16h und am 22. Und 23. November wieder um 20h.