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Wet resistance – Der Widerstand, der mit Wasser gefüllten Beutel

Die Künstliche Intelligenz (KI) scheint immer mehr Bereiche des Menschen zu dominieren. Sie kann besser Schach spielen und ist in Logik und Effizienz anscheinend dem Menschen überlegen. Dennoch haben die Menschen (noch?) mehrere Trümpfe. Ihre Kreativität in Kunst und Kultur, die Liebe und den Humor. Die Ausstellung „Wet resistance“ zeigt Arbeiten von neun KünstlerInnen in Dortmunder Kunstverein. Sie ist bis zum 30. Oktober 2022 zu sehen.

Die Arbeiten in der Ausstellung wurden von José Montealegre und Rebekka Seubert kuratiert und zeigen das Irrationale, Feuchte, Moosige, Wuchernde. Dazu wird das saubere, technische, rationale kontrastiert.

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Chaflierplatz – Ausstellung im Kunstverein von Iván Argote

Der kolumbianische, in Paris lebende Künstler Iván Argote präsentiert uns einen neuen Begriff: chaflieren. Mit diesem Begriff fördert uns der Künstler auf, den öffentlichen Raum fantasievoll zu nutzen. Der Kunstverein zeigt neben Videos verschiedene Bronzeskulpturen, gestaltete Bänke, Zeichnungen und einen großen Chaflierplatz. Die Ausstellung ist bis zum 21. November zu sehen.

Die Idee, sich den öffentlichen Raum anzueignen, ist nicht neu. Bereits in den 60er Jahren formulierte der französische Philosoph Henri Lefebvre das „Recht auf Stadt“, indem er dazu aufrief, den urbanen Raum als Ort der Begegnung zu gestalten. Argote geht noch einen Schritt weiter, indem er Orte des Dialogs schafft, die unser Verhältnis zum „Anderen“ sowohl in zwischenmenschliche Ebene als auch im globalen Kontext analysieren. Das erklärt er in Video „La Plaza del Cafleo“ von 2019.

Iván Argote auf seinem Chaflierplatz im Dortmunder Kunstverein.
Iván Argote auf seinem Chaflierplatz im Dortmunder Kunstverein.

Diese Plaza findet sich auch im Kunstverein wieder. Der „Chaflierplatz“ ist eine spielerische Bodenskulptur aus eingefärbt beton, deren Hände mal vier, mal sechs oder mal fünf Finger haben. Alle Hände sind durch ihre Fingernägel miteinander verbunden. Inspiriert wurde der Künstler auch durch die AfD, die „Deutschland. Aber normal“ zur Bundestagswahl plakatiert. Dabei stellt sich nicht nur für den Künstler die Frage: Was ist „normal“? Was passiert mit den „Unnormalen?“ Argote Arbeit zeigt, dass der „Andere“ nicht als Fremder angesehen werden sollte, sondern als Einheit in der Diversität.

Wenn der „Andere“ unbekannt ist und nur in der Fantasie existiert, dann macht man sich merkwürdige Vorstellungen. In der Antike und im Mittelalter stellte man sich die Menschen auf der Südhalbkugel als „Antipoden“ vor. Ihre Füße sitzen verkehrt herum am Körper, sodass sie nach einer Richtung schauen und in die andere laufen. Argotes Antipoden aus Bronze sind selbstbewusst und schauen stolz und fröhlich.

Es gibt verschiedene Sondertermine zur Ausstellung. Am 23.09.21 gibt es nicht nur um 19 Uhr eine Ausstellungsführung, im Kino im Dortmunder U findet um 19:45 Uhr ein Videoscreening mit vier Filmen, die der Künstler zusammengestellt hat.

Am 07.10.21 gibt um 18 Uhr eine öffentliche Führung statt und am 21.10.21 um 19 Uhr ein Ausstellungsgespräch.

Der Dortmunder Kunstverein ist geöffnet dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr. Weitere Informationen auf www.dortmunder-kunstverein.de.

Fantastische Kunst-Welten von Mary-Audrey Ramirez

Im Dortmunder Kunstverein (neben dem U) lädt die besondere Installation der jungen in Berlin lebenden Künstlerin Mary-Audrey Ramirez (*1990 in Luxemburg) unter dem Titel „INTO A GRAVEYARD FROM ANYWHERE“ vom 20.06.2020 bis zum 23.08.2020 zu einer Entdeckungsreise ein. Kuratiert wurde diese Ausstellung von Linda Schröer.

Extra für den offen einsehbaren Kunstort hat Mary-Audrey Ramirez ihre Installation entwickelt. Der Titel dieser Ausstellung ist, so die Künstlerin, bezogen auf das Kartenspiel „Magic- The Gathering“ (Autor Richard Garfield).

Mit überlebensgroßen, aus Lackstoff aufwendig hergestellten (genähten) Kreaturen, einem Stoffbild (genäht) und Video hat die Künstlerin eine fantastische Welt, inspiriert von Filmen wie etwa Alfred Hitchcocks „Die Vögel“, „Star Wars“ (seit 1977), Serien wie „Stranger Things“ (seit 2016), Videospiele wie „Tomb Raider“geschaffen.

Diese beeinflussen mehr oder weniger subtil unser kollektives Bildgedächtnis sowie unsere Sichtweise auf unsere Vergangenheit bis hinein in die Zukunft. Sie zeigen die Auswirkungen der technischen Revolution auf unsere menschliche Gesellschaft. Sie sind aber auch Ausdruck unserer Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte und dienen als spannende Projektionsfläche.

Die übergroße Waffe aus Lackstoff von Mary-Audrey Ramirez könnte auch haus einem Fantasy- Computerspiel entsprungen sein.
Die übergroße Waffe aus Lackstoff von Mary-Audrey Ramirez könnte auch haus einem Fantasy- Computerspiel entsprungen sein.

Realität und Fiktion sowie der physische und digitale Raum sind längst miteinander verbunden. Die fiktive „perfekte“ digitale Welt wird durch die Inszenierung auf eine immer fehlerhafte und nie ganz perfekte realen Ebene gebracht.

Die Entdeckungsreise beginnt mit einer übergroßen Waffe aus Lackstoff an der Wand als imaginäre Ausrüstung. Der Weg führt zu einer Gruppe extraterrestrischer Wesen aus Lackstoff mit leuchtenden Farben wie zum Beispiel Rosa.

Die Gruppe starrt wie hypnotisiert auf einen Monitor, und werden von einem computergenerierten Bild ( Künstlerin:Pirate Sheep) durch die Sogkraft eines Strudels angezogen. Pirate Sheep ist auch für die Kreation eines Instagram Face Filters verantwortlich.

Eines der Kreaturen entkommt und wird von einer andersartigen Kreatur aufgehalten. Eine schwarze schwarze Spur aus Lackstoff führt zu einem an einer Stahlkettenkonstruktion hängenden, einer schwarzen Krake erinnernden Organismus. Auf ihm tummeln sich verschiedene zyklopische rosa Wesen. Diese Krake fungiert wie ein in die reale Welt transformierte Strudel. Das Geschehen wird von weiteren Kreaturen neugierig beobachtet.

Die Termine mit den angebotenen Ausstellungsführungen erfahren sie durch einen im Kunstverein ausliegenden Flyer oder auf der Seite des Kunstvereins unter https://www.dortmunder-kunstverein.de/de/Ausstellungen/Aktuell-Vorschau/VORSCHAU/Mary-Audrey-Ramirez.htm.

Emotionale und kraftvolle Ausstellung im Dortmunder Kunstverein

Im Dortmunder Kunstverein (Nähe U) sind vom 22. Februar bis zum 03. Mai 2020 unter dem Titel“La La CUNT“ aktuelle Werke der französischen Künstlerin Anne-Lise Coste (*1973) zu sehen.

Coste setzt sich in ihrer Arbeit mit den Themen Umwelt, Sex, Gewalt, Machtstrukturen, Frauenfeindlichkeit und Politik kraftvoll intuitiv und gleichzeitig sensibel auseinander. Wie sie beim Pressegespräch erklärte, geht in Frankreich wie in der übrigen Welt ein tiefer Riss durch die Gesellschaft, der in ihrer Kunst seinen Ausdruck findet. Sie bringt dabei viel emotionaler Subjektivität mit hinein.

Anne-Lise Coste vor ihrem gerade gesprühten Werk in den Räumen des Dortmunder Kunstvereins.
Anne-Lise Coste vor ihrem gerade gesprühten Werk in den Räumen des Dortmunder Kunstvereins.

In ihren Kunstwerken verbindet sie einfache schematische Formen und Worte, die vom Dadaismus und der Art Brut beeinflusst sind. Auf Papier, Leinwand oder direkt auf die Wand bringt sie ihre emotionalen „Kunststatements“ zumeist mit filigranen Airbrush, kräftiger Sprühfarbe oder auch mit Pinsel, Lack oder Öl zur Geltung. Auch Gegenstände wie beispielsweise beim Schrotthändler ergatterte Motorhauben von Renault Twingos („Frauenwagen“), einer mit dem Aufdruck „Pute“ (Hure) werden bei ihr zu einem feministischen künstlerischen Aussage. Die direkte Sprache des Graffiti oder die Aneinanderreihung politisch assoziativer Worte in schwarzer Spray-Schrift regen zu Nachdenken an.

Der Ausstellungstitel verbindet das preisgekrönte Liebes-Filmmusical „La La Land“ mit dem frauenfeindlichen abwertenden „CUNT“ („Fotze“). Diese Setzung steht sinnbildhaft für eine Ausstellung, die Ironie, Rebellion sowie Emotionen ausstrahlt und gleichzeitig zeitgenössische Ängste offenbart. Diese Kunst ist voller Kraft und Fragilität, Gewalt und Sinnlichkeit und eine Mischung aus Poesie und Gesellschaftskritik.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, den 21.02.2020 um 19:00 Uhr im Dortmunder Kunstverein statt.

Begrüßung: Marion Edelhoff (Vorsitzende)

Einleitung: Oriane Durand (Künstlerische Leitung)

Dortmunder Kunstverein präsentiert parallel zwei Einzelausstellungen

Zum Jahresende werden im Rahmen von „Work in Progress“ gleich zwei Einzelausstellungen junger Künstler parallel vom 23.11.2019 bis zum 09.02.2020 im Kunstverein in der Nähe des Dortmunder U gezeigt.

Im Eingangsbereich zeigt Matt Welch (1988 in Liverpool, lebt und arbeitet in Frankfurt) vier „Adult Sculptures“. Er verbindet in eindringlicher Weise mit unterschiedlichen Materialien in seinen Skulpturen den menschlichen Körper sowie sein Verdauungssystem sowie das brisante Thema Konsum.

Zwei menschliche Körper aus einem Stahldrahtgerüst modelliert (symbolisch Tierhaltung) sind in einer größeren Entfernung voneinander durch ein Kabelsystem miteinander verbunden. Das innere der beiden skulpturalen Körper liegt offen für die Betrachter. Nur die Hände sind täuschend echt als menschliche Hände plastisch zu erkennen. Sie greifen nach den gemeinsamen „Verbindungskabel“.

Adult 1 (Erwachsener 1) hat in seinem Bauchraum einen sich drehenden, an den Frankfurter Tower erinnernden „Plexi-Tower“, in dem etwas rote Farbe (Blut?) zu erkennen ist. Bei Adult 2 (Erwachsener 2) sind Müll-Hinterlassenschaften zu sehen. Der Künstler hat seine Skulpturen symbolhaft für unsere Zeit auf Teilen eines alten ausgedienten PVC-Boden aus der Wohnung eines Freundes platziert.

In Korrelation dazu stehen die beiden anderen Skulpturen, die aus einer Computertastatur und Fotos von jungen Menschen der Fridays-for-Future aus Frankfurt darüber.

"Adult 2" von Matt Welch. Zu sehen bis zum 09.02.2020 im Dortmunder Kunstverein zusammen mit Arbeiten von Jannis Marwitz.
„Adult 2“ von Matt Welch. Zu sehen bis zum 09.02.2020 im Dortmunder Kunstverein zusammen mit Arbeiten von Jannis Marwitz.

Die körperlichen Skulpturen dienen hier sowohl als eine Art Sockel wie auch als Müllhalde. Sie sind der Schauplatz des individuellen Protests als auch der Gemeinschaft. Alles hängt miteinander zusammen.

Im hinteren Teil des hiesigen Kunstvereins stellt der junge Künstler Jannis Marwitz (*1985 Nürnberg, lebt und arbeitet in Brüssel) zehn farbintensive figurative Bilder und zwei Zeichnungen aus.

Er spielt geschickt mit Farben und Formen, Vordergrund und Hintergrund. Für ihn ist es wichtig, dass seine Arbeiten nicht statisch sind, sondern immer wieder neue Einblicke und Blickwinkel bieten. Dabei entdeckt man sowohl bedrohliche, wie auch belustigende Details.

Seine Motive umfassen Menschen wie Tiere (Vögel, Fische u.a.), und die Bilder in bewusst unterschiedlichen Formaten zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Farbkombination aus.

Er spannt mit ihnen auch einen Bogen durch die Kunstgeschichte, der von antiken Reliefs ausgehend über barocke Kompositionen bis hin zu digital animierten Bildern führt.

Es lohnt sich, mal vorbei zu schauen.

Die Eröffnung der Ausstellungen findet am Freitag, den 22.11.2019 um 19:00 Uhr im Dortmunder Kunstverein statt. Begrüßung: Prof. Dr. Hartmut H. Holzmüller (Mitglied des Vorstands). Einführung: Oriane Durand (Künstlerische Leiterin).

Infos zu folgenden Vorträgen, Führungen und anderem erhalten Sie unter https://www.dortmunder-kunstverein.de/

Drag – Die Verteidigung des Non-Konformen

Vom 15. Juni bis zum 18. August 2019 zeigt der Dortmunder Kunstverein die Gruppenausstellung „Display. Staging Identites“. In der Gruppenausstellung zeigen Johannes Paul Raether, Victoria Sin, Mikołaj Sobczak und Philipp Timischl ihre Positionen zum Thema „Drag“.

In unserer Populärkultur ist „Drag“ meist mit dem Begriff der „Dragqueen“ verbunden. Olivia Jones und Conchita Wurst sind bekannte Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum. Doch Drag bezeichnet zunächst das Auftreten in Kleidung des jeweils anderen Geschlechts, wobei ein Charakter angenommen oder eine eigene Identität entwickelt wird. Daher gibt es natürlich auch Dragkings, also Frauen in Männerkleidung. Angefangen von Frauen, die als Soldaten in Kriege zogen, bis hin zu Hosenrollen in der Oper. Die barocke Oper war in der Hinsicht von Mann/Frau sehr flexibel. Das Festival Klangvokal bot mit dem Abend „Gender Stories“ einen schönen Einblick in dieses Thema.

Doch in der Ausstellung geht es um mehr als Unterhaltung, denn Drag hat auch eine politische Seite, die als Werkzeug zur Selbstermächtigung dient und die Möglichkeit einer immer wieder neu zu erfindenden Identität bietet.

"A Weak Female Figure" von Victoria Sin erinnert ein wenig an das Grabtuch von Turin.
„A Weak Female Figure“ von Victoria Sin erinnert ein wenig an das Grabtuch von Turin.

Bilder beschrieben Geschichte. Der polnische Künstler Mikołaj Sobczak probiert sich an der Umdeutung historischer Gemälde. In seinen jüngsten Arbeiten setzt er sich mit der Hexenverfolgung auseinander. Bei ihm triumphieren die angeklagten Dragqueens über die als Dragkings gezeichneten Kirchenvertreter.

Johannes Paul Raethers Thema ist die Reproduktionstechnologie. In-Vitro-Technologie, Leihmutterschaft und Pränatale Implantationsdiagnostik möchte er zur Gründung eines anti-heteronormativen „ReproTechnoTribes“ nutzbar machen. Das heißt, ein Kind könnte das Produkt mehrerer Väter und Mütter sein.

Victoria Sin sieht sich weder als weiblich noch als männlich. Ihre Definition ist non-binär. Im Drag inszeniert sie sich als Frau, eine Kunstfigur zwischen Marilyn Monroe, Marlene Dietrich und Jessica Rabbit. Sins Videoarbeiten thematisieren die Objektifizierungen in der Kunst.

Für Philipp Timischl ist Drag eine Methode zur Überwindung sozialer Klassen. In seinen Arbeiten fragt er sich, welche Codes und Normen es gibt, um in bestimmte Räume zu kommen. Reicht es die Codes zu adaptieren?

Die Umdeutung historischer Gemälde ist das Interesse von Mikołaj Sobczak ("Witch Examination")
Die Umdeutung historischer Gemälde ist das Interesse von Mikołaj Sobczak („Witch Examination“)

Während der Ausstellung gibt es auch ein Rahmenprogramm:

Am Freitag, den 14. Juni, veranstalten die beiden Künstler Nicolas Grafia und Mikołaj Sobczak um 20 Uhr eine Performance, ebenso wie am 02. August der Künstler Adam Christensen (20 Uhr).

In Kooperation mit dem Kino Schauburg werden dort die Filme Victor/Victoria (04. Juli 2019, 20:15 Uhr) und ONE ZERO ONE ( 25. Juli 2019, 20:15 Uhr) gezeigt.

Matthias Zalthen bietet am 05. und 12. August von 11 bis 18 Uhr einen Workshop für Kinder an. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung unter info@dortmunder-kunstverein.de

Kunstverein wird zum organischem Gesamtkunstraum

In den Räumlichkeiten des Kunstvereins neben dem Dortmunder U ist vom 16. März bis zum 26. Mai 2019 eine extra für diese Örtlichkeit entwickelte Installation von zwei französischen Künstlern aus Paris zu sehen. Michel Blazy (1966) und Mimosa Echard (1986) erschaffen gemeinsam einen sich ständig verändernden Kunstraum zwischen verwendeten organischen Substanzen und den verschiedenen genutzten Materialien. Durch die Art und Weise der Anwendung dieser Materialien wird auch das Politische darin herausgestellt. Nicht nur der Mensch beeinflusst die Welt der Dinge, sondern die Dinge haben ebenso Einfluss auf den Menschen. Betroffen ist sowohl das soziale Miteinander sowie seine Identität.

Neben dem gemeinsamen theoretischen Ansatz des Neuen Materialismus sind beide Künstler auch durch ihr starkes Interesse für das Organische verbunden. Für Blazy steht dabei eher die Natur und ihre enorme Wachstumskraft im Mittelpunkt, bei Echard der menschliche Körper.

Unter dem Motto „LUCA – Last Universal Common Ancestor“ wird der Kunstverein-Raum zu einem Einstiegstor in eine besondere Welt, in der Natur aus Unbelebten wächst, und Organisches auf Künstliches trifft. Der fließende Austausch zwischen Materie und ihrer Umgebung in einem ständigen Veränderungsprozess wird für die Besucherinnen und Besucher hier sichtbar. Sie werden immer tiefer, wie in einen „Körper“, hineingezogen.

Der Ausstellungsraum des Dortmunder Kunstvereins vereint Dank der beiden Künstler Mimosa Echard und Michel Blazy Organisches und Künstliches. (Foto: © Dortmunder Kunstverein)
Der Ausstellungsraum des Dortmunder Kunstvereins vereint Dank der beiden Künstler Mimosa Echard und Michel Blazy Organisches und Künstliches. (Foto: © Dortmunder Kunstverein)

Die Wände im Kunstverein wurden durch Michel Blazy zu sich „häutenden Wänden“ (Mur qui pèle) aus Agar-Agar und Klitoriablüten. Sie sind einem andauernden Wandlungsprozess ausgesetzt.

Außerdem befinden sich vier „wachsende Büsche“ aus Müllsäcken, Watte, Wasser und Linsen samt „großem Wasserfleck“ von ihm verteilt im Kunstverein.

Mimosa Echard führt uns mit Fresken aus synthetischem Stoff, Gardine, Acrylfarbe, verschiedenen Accessoires, Pflanzenteilen, oder integrierten Foto-Abbildungen und anderen Objekten durch klare Membran-Tore. Flüssigkeiten wie Acrylklebstoff, Tränenflüssigkeit oder Latex halten die verschiedenen Materialien zusammen. Vieles weckt zum Beispiel durch Anspielungen mit Körperflüssigkeiten, Bilden oder Farben Assoziationen zur Sexualität, ob bei Pflanzen oder Menschen. Die Gender-Thematik wird ebenfalls künstlerisch angesprochen. Weibliches und männliche Elemente verschwimmen, alles ist im Fluss. Es lassen sich immer wieder neue und überraschende Details und Element entdecken.

Zu sehen ist auch ein Ausstellungsprojekt von Mimosa Echard und Michel Blazy mit verschiedenen KünstlerInnen (Kombucha Project Center) aus Kombucha (Pilz), Tee, Zucker, Papier, Foto in einer Plastikwanne. Tauchen Sie in diese spannende Welt ein.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, den 15. März 2019 um 19:00 Uhr im Dortmunder Kunstverein statt.

Begrüßung: Marion Edelhoff (Vorsitzende)

Einführung: Oriane Durand (Künstlerische Leiterin).

Übrigens werden auch wieder Künstler- und Ausstellungsgespräche bis Mitte Mai angeboten.

Näheres erfahren Sie unter info@dortmunder-kunstverein.de oder Tel.: 0231/ 57 87 36.

Dissolver – geheimnisvoll-assoziative Werke im Kunstverein

Unter dem Titel „Dissolver“ im Sinne von Auflösung stellt der Kunstverein am Dortmunder U vom 21.09.2018 bis zum 18.11.2018 insgesamt neun Arbeiten der Mixed-Media-Künstlerin Caroline Achaintre in seinen Räumlichkeiten aus. Geboren 1969 in Toulouse (Frankreich), zwischendurch in Fürth aufgewachsen, lebt die Künstlerin inzwischen in London.

Inspiriert ist ihre Arbeit vom deutschen Expressionismus, von Bildern aus der Kunstgeschichte, der Popkultur, Plattencovern und Masken aller Art beeinflusst. Ausgestellt sind neue Arbeiten, die zumeist extra für die Ausstellung entstanden sind. Ihre großformatigen Teppiche (mit der sogenannten Tufting-Technik) sowie ihre Keramiken stellen Gesichter, Tiere, Körperteile, Kleidungsstücke oder Alltagsobjekte dar. Die werden durch mehrere, surreal anmutende Abstraktionsebenen hinweg für den Betrachter erkenntlich.

Wie die Künstlerin beim Pressegespräch erklärte, ist ihr wichtig, den Besuchern viel Raum für eigene Assoziationen zu bieten und sie nicht nur als passive Betrachter konkreter Kunst zu sehen.

Nach dem Motto der Ausstellung, geht es in den Werken um Auflösungen von Farben, Formen und Konturen.

Es ist ein Spiel mit Formen und lebt von den Spannungsverhältnis zwischen Material, fließenden starken Farben und sich auflösenden Konturen. Das Spannungsfeld zwischen „realem“ Tatsächlichem und psychedelischem macht den Reiz ihrer Kunstwerke aus.

Bei den gezeigten Wandteppichen und Keramiken steht nicht die technische Perfektion im Mittelpunkt, sondern das Ungleichgewicht, den Schwebezustand von erkennbarer Form und abstrakter Ebene.

Caroline Achaintre mit ihrer Arbeit "Bat-8" aus handgetufteter Wolle.
Caroline Achaintre mit ihrer Arbeit „Bat-8“ aus handgetufteter Wolle.

Besonders beeindruckend ist ein großer Wandteppich in der Form eines stilisierten Adlers oder „Batman“, wie der Titel Bat-8, (2018) andeuten könnte? Der Assoziation sind keine Grenzen gesetzt. Die Arbeit zeugt aber auf alle Fälle mit ihren klaren erdigen Farben von einer Natur- und Weltverbundenheit.

Die Ambivalenz zeigt sich auch in der teilweise unbehaglichen Ästhetik der Arbeiten und der Sinnlichkeit des benutzten Materials (Wolle und Keramik). Sie verführen dazu, darin einzutauchen und sie zu berühren. Es macht Spaß, bei den Objekten geheimnisvolle Verbindungen zu entschlüsseln und immer wieder neues zu entdecken.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Donnerstag, den 21.09.2018 im Dortmunder Kunstverein um 19:00 Uhr statt.

Begrüßung: Marion Edelhoff (Vorsitzende)

Einführung: Oriane Durand (Künstlerische Leiterin)

Infos zu weiteren Terminen wie der Mitmachaktion für Kinder und Erwachsene (Maskerade), öffentliche Führungen, Workshop (Kulturrucksack) oder die Vortragsreihe (Topos der Fläche)

erhalten Sie unter 0231/ 57 87 36 oder unter info@dortmunder-kunstverein.de .

Skulpturen von Elaine Cameron-Weir im Dortmunder Kunstverein

Eine futuristische Alchemistin: Elaine Cameron-Weir zu Gast im Dortmunder Kunstverein.
Eine futuristische Alchemistin: Elaine Cameron-Weir zu Gast im Dortmunder Kunstverein.

Im Dortmunder Kunstverein sind vom 26. Mai bis zum 22. Juli 2018 acht besondere Skulpturen der in Kanada geborenen jungen Künstlerin Elaine Cameron-Weir unter dem Titel „exhibit from a dripping personal collection“ zu sehen.

Die acht ähnlich gestalteten Skulpturen wurden von der Künstlerin bewusst mit unterschiedlichen natürlichen Materialien wie Mineralien oder Kuh-Leder und handgemachten Elementen und Utensilien aus der Medizin und der Wissenschaftsbranche kombiniert.

Die Metallstrukturen aus Edelstahl spannen einen Fallschirm mit vier horizontalen und vertikalen Stangen ein. Der cremefarbene Stoff wird auf der Rückseite und an den Seiten von schwarz-braunem Leder festgehalten und mit silbernen Nieten befestigt.

Die Metallstangen bilden ein kreuzförmiges Gitter, über die sich der weiche Stoff überlappt und gleich einem Korsett eingezwängt wirkt. Die in der Luft hängenden Skulpturen werden durch Seilrollen, Stahlseile und stabilisiert durch Sandsäcke in ihrer Stellung gehalten.

Sie sehen nur auf dem ersten Blick sehr ähnlich aus. Beim genauen Hinsehen erkennt man, wie bei uns Menschen, die individuellen Unterschiede.

Die Schwerkraft ist überall präsent und der Kontrast vom weichen Stoff und hartem Stahl wecken Assoziationen zur Ambivalenz zwischen Leben und Tod oder Ekstase und Schmerz.

Es wird zudem noch eine weitere Verbindung, von Vergangenheit und Zukunft geschaffen. Der Fallschirmstoff, erkennbar durch einem „Army“ – Aufdruck, stammt aus den Beständen der US-Army (Zweiter Weltkrieg) und ein wichtiges historisches Zeugnis. Die „neuen Technologien“ repräsentieren dagegen die Zukunft.

Die Mischung von neu gefertigten industriellen Materialien und Gegenständen, die eine Vorgeschichte und assoziative Formen (wie hier der Fallschirm) erkennen lassen, deuten auf evolutionäre Momente der Menschheit hin. Sie eröffnen den Betrachtern die Möglichkeit zu einer innere Reise in ein kollektives Gedächtnis, und eventuell zum kreativen Nachdenken über die bisherigen technologischen Entwicklungen und die weitere Zukunft der Menschheit anregen.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die durch die Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im Rahmen des Förderpreises „Kataloge für junge Künstler“ sowie durch die Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft gefördert wird.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, den 25. Mai 2018 um 19.00 Uhr im Dortmunder Kunstverein (am U) statt.

Am Samstag, den 26. Mai 2018 wird dem Publikum zudem um 14:00 Uhr die Gelegenheit zu einem Künstlergespräch mit Elaine Cameron-Weir geboten.

Weitere Informationen unter: info@dortmunder-kunstverein.de

Naama Arad – Installationen um das Verhältnis Mensch-Objekt

Der Dortmunder Kunstverein zeigt vom 2.12.2017 bis 18.02.2018 mit der Ausstellung „Love Handles“ zwölf skulpturale und installative Werke der israelischen Künstlerin Naama Arad (*1985).

Mit Humor und teilweise provokativ offenbaren ihre aus alltäglicher Massenproduktionen gefertigten Skulpturen eine Symbiose zwischen Individuum und und den ihm umgebenden Dingen. Diese Objekte hat die Künstlerin aus Baumärkten, Drogerie – oder Supermärkten erworben. Naama Arad stellt diese in einen neuen assoziativen Zusammenhang. Da wird zum Beispiel aus einer umgedrehten Kehrschaufel eine Art Phallus-Symbol stilisiert und aus zwei weißen Mund-Nasen-Schutzkappen ein Büstenhalter.

Installation "XX" von Naama Arad in ihrer Ausstellung "Love Handles" im Dortmunder Kunstverein.
Installation „XX“ von Naama Arad in ihrer Ausstellung „Love Handles“ im Dortmunder Kunstverein.

Oft sind die Objekte bewusst mit weiblichen wie auch männlichen Attributen versehen. Wer bestimmt über unsere Identität? Was ist „Frau“ und was „Mann“. Im Kontext der heutzutage geführten „Gender-Debatte“ eine aktuelle Fragestellung.

Die kopflosen personifizierten Skulpturen erhalten eine eigene Identität und werden über formale, ästhetische oder auch sprachliche Assoziationen miteinander verknüpft. Für individuelle Projektionen und subjektiven Zuschreibungen lassen die Installationen genügend Raum. Es geht vor allem auch um die Frage nach den Regeln und den Wert von Kunst. Dieser wird unter anderem von dem Betrachter und dem institutionellem Raum festgelegt.

Die im laufe des letzten halben Jahres entstandenen Arbeiten handeln vom Suchen und Finden von Identität. Sie dienen den Betrachter als Projektionsfläche und geben ihm die Möglichkeit zur Reflexion über seine Gefühle und Begierden. Es sind Spiegelungen aus der Tiefe des Unbewussten. Genügend Anregungen zur intensiven Auseinandersetzung.

Die Ausstellung wird am Freitag, den 1. Dezember 2017 um 19:00 Uhr im Kunstverein neben dem Dortmunder U eröffnet.

Begrüßung : Marion Edelhoff (Vorstandsvorsitzende)

Einführung durch die Kuratorin Linda Schröer.