Offene Nordstadtateliers – Auf der Reise durch die Kunst

Nein, alle Ateliers zu besuchen, dass wäre auch etwas zu viel. Trotz der zwei Tage, an denen die Ateliers Nordstadt ihre Tore öffneten. Daher schon einmal eine kleine Entschuldigung bei denen, die ich nicht besucht habe. Das Wetter spielte leider auch nicht wirklich mit. Dennoch haben wir, denke ich sehr viel unterschiedliche und spannende Einblicke bekommen.

Am 28. und 29. September fanden also die Offenen Nordstadtateliers statt und ars tremonia war unterwegs, um die Kreativität des Viertels zu erleben. War ich am Samstag noch alleine, begleitete mich am Sonntag unsere Kollegin Anja Cord.

Samstag bei den offenen Nordstadtateliers

Am Samstag fing ich im Osten der Nordstadt an. Mein erstes Ziel war das Atelierhaus Westfalenhütte von Brigitte Bailer. Sie stellte in ihren Räumen hauptsächlich eigene Kunst aus verschiedenen Zyklen aus. Danach ging es zum Atelier von Almut Rybarsch-Tarry. Ihre fantasievollen Skulpturen und Plastiken sind ein Hingucker.

Im Atelier 103 hat der Künstler Davoud Sarfaraz seine Ausstellung. Hierüber haben wir von ars tremonia bereits berichtet.

Kurz darauf warf ich einen Blick ins das Atelierhaus Alter Kiosk, in dem verschiedene Künstlerinnen und Künstler ihre Räume haben. Hier arbeiten Kostümdesigner, Grafiker und Maler an ihren Werken. Nicht weit davon entfernt hatte Dieter Meese sein Institut für praktische Irrelevanz. Danben befanden sich Arbeiten von Kirsten Bergmann, die ihre Holzskulpturen zum Thema „Wut“ ausstellte. Die Künstlerin bearbeitet das Holz mit Kettensäge und Beitel, so dass Figuren mit einer ganz eigenen Individualität entstehen.

Dann führte mich der Weg in die Nordstadtgalerie an der Bornstrasse. Hier haben sich Studierende der FH einquartiert, die ein ganz witziges „Kunstprojekt“ entwickelten. Wer Sperrmüll fand, konnte sie mit einer Karte zur Kunst erklären. Damit sollte auf das Müllproblem in der Nordstadt aufmerksam gemacht werden.

Der Kunstraum im Langen August beherbergt aktuell eine Ausstellung mit Arbeiten von Brigitte Bailer. Auch hier haben wir im Vorfeld berichtet.

Die Lortzingstrasse hat sich ebenfalls zu einem künstlerischen Hotspot entwickelt. Das Atelier 1 an der Nummer 26 beherbergt drei junge Künstler mit ihren Arbeiten, während ein Haus weiter, Dietrich Lacker sein Atelier hat. Lacker macht im wahrsten Sinne des Wortes Kunst-Werk-Zeug und haucht den Werkzeugen ein neues Leben als Tanzpaar oder Segelboot ein.

Sonntag bei den offenen Nordstadtateliers

Der Sonntag begann mit einer Fahrt nach Lindenhorst. Hier im Atelier Werkstattarbeit haben Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen die Möglichkeit, sich ihrer Kunst zu widmen. Wichtig ist auch, dass es einen regelmäßigen Kontakt mit anderen Künstlerinnen und Künstlern gibt, so dass spannende gemeinsame Projekte entstehen.

Danach führte uns der Weg ins Depot. Hier sitzen viele unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler, die auch die Möglichkeit haben, in der Galerie eine Ausstellung zu machen. Momentan zeigt dort noch Michael Jaspert seine Arbeiten. Daneben konnten wir eine Vielzahl an Künstlerinnen und Künstlern entdecken. Am dem 10. Oktober 2019 zeigen die Künstlerinnen und Künstler des BBK Ruhrgebietes ihre Werke in einer Gemeinschaftsausstellung.

Nach dem Depot ging es in den Hafen. Das 3rd Floor Studio und das Atelier Amore sind beide in der Speicherstraße 100. Sie präsentieren neue und frische Kunst von jungen aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern in einer ungewöhnlichen, aber aufregenden Location.

Einen ähnlichen Charme hat der Projektspeicher an der Speicherstraße 33. Hier haben die Organisatoren verschiedene Künstler eingeladen, damit sie hier sie ihre Kunst ausstellen können. Auch hier ist der Charme des nahen Hafen präsent.

Dann ging es weiter in die Scharnhorststraße in den Rekorder II. Hier hatten WAM-Studierende der Fachrichtung Illustration die Gelegenheit, ihre Kunst zur Schau zu stellen. Zu sehen waren neben Malerei auch Skulpturen. Ein paar Meter weiter hatte die Künstlerin Ingrid Rigot ihre Türen geöffnet und als kleine Überraschung ihre Schwester Reinhild Rigot-Dégardin aus Saarbrücken mitgebracht. Zu sehen waren Aquarelle, Gouachen und Pastelle. Etwas weiter unten befand sich Müllers Kabinett, das dem Fotografen Hendrik Müller gehörte. Er zeigte eine Fotoserie, die er in Lauscha gemacht hatte, und den Verfall der Stadt zeigt. Von ehemals 10.000 Einwohnern sind nur noch 3.500 übrig geblieben. Die Bilder könnten gut aus einem apokalyptischen Film stammen. Daneben konnte man „Fluchtbilder“ von sich machen lassen. Schöne Idee!

Den Abschluss machten wir in der Galerie der kunstbetrieb, die Arbeiten von verschiedenen Dortmunder Künstlerinnen und Künstlern zeigt und besuchten das Atelier von Anke Droste.

Es waren zwei sehr spannende und aufregende Touren, die uns gezeigt haben, wie abwechslungsreich doch Kunst in Dortmund vertreten ist. Uns hat die Reise von junger Kunst, die noch ihren Weg sucht, über erfahrende Künstler, von den unterschiedlichen Genres bis zu verschiedensten Orten in der Nordstadt geführt.

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