Archiv der Kategorie: Literatur

Morde im Iserlohner Umfeld

Zwanzig Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Krimiszene haben ihren vielseitigen Beitrag für die Anthologie „Im Mordfall Iserlohn“ (Kathrin Heinrichs/Walter Wehner, Hrsg.) geleistet. Es ist eine Anthologie zur diesjährigen CRIMINALE (alljährliches Treffen der Autorenvereinigung „Syndikat“) der Stadt im Sauerland.

Die unkonventionellen und facettenreichen Storys bieten die volle Palette literarischer Möglichkeiten des Genres. Die sprachliche Bandbreite reicht von poetisch-bildhaft, dann wieder locker und robust-derb.

Die Geschichten sind mal ironisch-humorvoll, dramatisch schockierend, nachdenklich, skurril bis schräg. Die Leserinnen und Leser werden in die Geschichten durch den persönlich ansprechenden Sprachstiel hineingezogen, und können ihren Gefühlen freien Lauf lassen.

Autor: Kathrin_Walter Heinrichs_Wehner Titel: Im Mordfall Iserlohn Reihe: Kurzkrimis aus dem Sauerland, Region: NRW ET:  März 2021 ISBN 978-3-7408-1126-6, (i4)_(1126-6) ebook: 978-3-96041-719-4, (e2)_(719-4)
Autor: Kathrin_Walter Heinrichs_Wehner Titel: Im Mordfall Iserlohn Reihe: Kurzkrimis aus dem Sauerland, Region: NRW ET: März 2021 ISBN 978-3-7408-1126-6, (i4)_(1126-6) ebook: 978-3-96041-719-4, (e2)_(719-4)

Nebenbei lernen wir Sehenswürdigkeiten wie Danzturm, Seilersee und andere rund um die Stadt kennen. Denn Iserlohn ist das Bindeglied für alle Kriminalgeschichten.

Kathrin Heinrichs ist mit ihrer tragisch-nachdenklichen Story „Freier Fall“ und Peter Godazgar mit „In der Werkstatt“ (eine mit speziellem Rechtsempfinden) für den mit 1.000 Euro dotierten GLAUSER-Preis 2022 nominiert.

Mich persönlich hat besonders der erste Kurzkrimi „Candy“ von Sunil Mann mit seinen besonderen Wendungen und Thematik in den Bann gezogen.

Den Bleistift gefährlich angespitzt hatten:

Uli Aechtner, Raoul Biltgen, Katja Bohnet, Christiane Dieckerhoff, Wulf Dorn, Marlies Ferber, Peter Gerdes, Brigitte Glaser, Peter Gordazgar, Maren Graf, Kathrin Heinrichs, Carsten Sebastian Henn, Herbert Knorr, Sandra Lüpkes, Sunil Mann, Rudi Müllenbach, Elke Pistor, Jutta Profit, Klaus Stickelbroeck und Walter Wehner.

Im Mordfall Iserlohn ISBN 978-3-1126-6
Kurzkrimis aus dem Sauerland – Broschur
Heinrichs/Wehner (Hrsg.) 256 Seiten
Köln: Emons Verlag 2021 (D) 12.00 Euro (A) 12.40 Euro

Ein Abend für den Hooligan der Inbrunst – Wiglaf Droste

Am 09. November 2021 feierte das lesArt Festival mit „Teach me laughter, save my soul“ einen Mann, der sehr streitbar war und dabei eine satirische und literarische Eloquenz hatte, die ihresgleichen suchte: Wiglaf Droste. Er wird gerne als „Tucholsky unserer Tage“ bezeichnet, der Abend im domicil zeigte, wie vielschichtig und unbequem dieser Mann war, der 2019 leider viel zu früh verstarb.

Zu Beginn gab es eine Art Einführung zur Hauptperson. In dem etwa 15minütigen Film wird sehr schnell klar, dass Wiglaf Droste sich nicht scheute nach beiden Seiten auszuteilen. Klar hasste er Nazis, doch auch die typischen Esoterik-Linken bekamen ihr Fett weg. Er schrieb unter anderem für die taz, Titanic, junge Welt und andere Medien, später gab er mit Sternekoch Vincent Klink die Zeitschrift „Häuptling eigener Herd“ heraus. Darüber hinaus war er ein veritabler Sänger, seine erste Platte hieß „Grönemeyer kann nicht tanzen“ und imitierte den Bochumer Sänger sehr gut. Mit dem Essener Spardosen-Terzett veröffentlichte er einige Alben. Natürlich veröffentlichte er auch viele Bücher.

Ein Abend für einen alten Weggefährten. (v.l.n.r.) Danny Dzuik, Rayk Wieland, Ralf Sotschek, Fritz Eckenga und Klaus Bittermann feierten Wiglaf Droste. (Foto: © Hartmut Salmen)
Ein Abend für einen alten Weggefährten. (v.l.n.r.) Danny Dzuik, Rayk Wieland, Ralf Sotschek, Fritz Eckenga und Klaus Bittermann feierten Wiglaf Droste. (Foto: © Hartmut Salmen)

An diesem Abend erzählten seine Werkgefährten Fritz Eckenga, Ralf Sotschek, der Irland-Korrespondent der taz, Rayk Wieland oder der Verleger Klaus Bittermann Geschichten über ihn und mit ihm. Was auffällt, die Geschichten sind häufig alkoholgeschwängert und es macht deutlich, dass es bei Droste ziemliche Abstürze gab. Daher starb er auch schon mit 57 Jahren an Leberzirrhose. Musikalisch wurde der Abend begleitet von Danny Dziuk, der am Klavier Lieder von Droste oder die von ihm inspiriert wurden, zu Gehör brachte.

Alles in allem fehlt jemand wie Droste in unseren Corona-Zeiten.

Wladimir Kaminer im MKK

Zu Gast bei LesArt, dem Literaturfestival Dortmund war am 11.11.21 Bestsellerautor Wladimir Kaminer. Lässig, abwechselnd mit einem Glas Wasser oder einem Glas Rotwein in der Hand an einem kleinen Bistrotisch stehend, bezauberte er das Publikum in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte mit seinen Geschichten.

Wladimir Kaminer ist ein russischstämmiger Autor. Er lebt mit seiner Familie in Berlin und erfreut seit 20 Jahren seine Leser- und Hörerschaft mit einem schier unerschöpflichen Output an amüsanten Geschichten.

Wladimir Kaminer verzauberte seine Zuhörerschaft bei seiner Lesung im MKK. (Foto: © Anja Cord)
Wladimir Kaminer verzauberte seine Zuhörerschaft bei seiner Lesung im MKK. (Foto: © Anja Cord)

Diesmal stellte er Texte aus den Büchern „Rotkäppchen raucht auf dem Balkon“ und „Wellenreiter“ vor. Kaminer nennt die Bücher Teil einer Corona-Trilogie. Das dritte Buch ist gerade im Entstehen.

Beim Vortrag der ersten Geschichte erfuhren die Zuhörer wie seine Mutter das abgelegte Smartphone der Enkelin geschenkt bekam und mit welchen Schwierigkeiten die fast neunzigjährige Dame zu kämpfen hatte. Als sie eine SpieleApp herunterladen wollte, sollte sie die Erlaubnis ihrer Eltern einholen, um weiterzuspielen. Dann fehlte das Passwort und Wladimir Kaminer berichtete die witzigen Umstände, die ihn praktisch zum Elternteil seiner Mutter machten, der ihr den Umgang mit den gefährlichen Apps zubilligte.

Auch erfuhr das Publikum, dass Kaminers Tochter ihn zum Titel des ersten Buches inspirierte. Während eines Gesprächs mit seiner Mutter und seiner Tochter über Rotkäppchen und dessen Motivation zur Großmutter in den Wald zu gehen, ging seine Tochter zum Rauchen auf den Balkon und, voilà, der Titel des Buches war geboren.

Kaminer plauderte witzig, charmant und unterhaltsam. Er erzählte von Dreharbeiten einer Deutschlandreise, die beinah Corona zum Opfer gefallen wäre, ihn dann aber doch ins fast menschenleere Neuschwanstein oder nach Oberammergau führte. Dort aß er mit ‚Jesus‘ eine „Weißwurst und trank mit dessen Schwester ein Bier“. Egal worüber er berichtet, der Schriftsteller zieht seine Zuhörer in seinen Bann.

Kaminer beweist eine verblüffende Beobachtungsgabe und einen sehr genauen Blick auf Menschen und ihre Marotten.

Die Lachmuskeln wurden an diesem Abend reichlich beansprucht.

Das waren die kurzweiligsten und amüsantesten zwei Stunden, die ich seit langer Zeit erleben durfte.

Fußball in den 70er Jahren oder als Paul Breitner die Scherben besuchte

Man kann wirklich nicht sagen, dass die 70er Jahre ein erfolgreiches Jahrzehnt für den Ballspielverein Borussia aus Dortmund war. In der Saison 71/72 ging es für vier Spielzeiten in die Zweitklassigkeit und am Ende der Spielzeit 78/79 stand das 0:12 gegen Borussia Mönchengladbach.Mit diesen JAhren beschäftigen sich die Fußballbücher von Alexander Heflik und Bernd-M. Beyer. Während sich Beyer mit der Saison 71/72 und dessen Einbettung in die kulturelle Gesamtsituation der Bundesrepublik beschäftigt, thematisiert Hefliks Buch einen tragischen Helden: Erwin Kostedde. Passenderweise fanden die Lesungen im Rahmen des Les.Art-Festivals am 08. November 2021 in den Umkleidekabinen des Westfalenstadions statt.

Alexander Heflik erzählte die tragische Geschichte von Erwin Kostedde, dem ersten schwarzen NAtionalspieler. (Foto: © Hartmut Salmen)

Da ich mich entscheiden musste, begann ich mit der Heimkabine und lauschte zunächst den Worten von Alexander Heflik. Es gibt sicherlich viele tragische Helden und einer trägt den Namen Erwin Kostedde. Ein begnadeter Fußballer, der erste schwarze Nationalspieler, aber auch jemand, der gut darin war, falsche Entscheidungen zu treffen. Ob es nun der richtige Verein für die Karriere war oder finanzielle Optionen. Kostedde hatte erfolgreiche Zeiten in Offenbach und in Belgien sowie spät in seiner Karriere in Bremen, wo er zum dritten Mal auf Otto Rehagel traf. Er hatte bereits in Offenbach und in Bremen mit ihm trainiert. Von 1976 bis 1978 spielte Kostedde auch in Dortmund. Er traf gleich beim ersten Spiel nach dem Wiederaufstieg gegen den HSV doppelt. In der zweiten Saison lief es dann nicht mehr so rund für den Stürmer.

Wegen seiner Hautfarbe war Kostedde ähnlich wie Jimmy Hartwig Opfer von Rassismus. Bei Kostedde war seine Hautfarbe sogar der Grund, dass man ihn fälschlicherweise verdächtigte, eine Spielhalle überfallen zu haben. Er musste mehrere Monate in Untersuchungshaft verbringen.

Die 70er Jahre waren nicht nur eine Hochzeit der deutschen Nationalmannschaft, sondern war auch eine gesellschaftlich spannende Zeit.Bernd-M. Beyer berichtete darüber. (Foto: © Hartmut Salmen)
Die 70er Jahre waren nicht nur eine Hochzeit der deutschen Nationalmannschaft, sondern war auch eine gesellschaftlich spannende Zeit.Bernd-M. Beyer berichtete darüber. (Foto: © Hartmut Salmen)

Nach 45 Minuten und 15 Minuten Pause ging es dann in die Gästekabine, wo Bayer aus seinem Buch „71/72 – Die Saison der Träumer“ las. Die Anfänge der 70er Jahre in Deutschland waren geprägt von der neuen Ära von Willy Brandt, der mit seiner Ostpolitik viele Türen öffnete, aber auch in konservativen Kreisen verhasst war. Die Anfänge der RAF machten sich bemerkbar, in der Bundesliga leckte man sich die Wunden nach dem Bundesligaskandal. Meister wurden die Bayern, die den BVB zu Hause mit 11:1 schlugen. Der BVB beendete die Saison als Tabellenvorletzter und stieg ab. Fußballerisch war die deutsche Nationalmannschaft 1972 an der Spitze. Sie wurde souverän Europameister und verzauberte mit ihrer Spielweise. Währenddessen kam 1972 ein prägendes Musikalbum auf dem Markt mit dem Titel „Keine Macht für Niemand“ von „Ton, Steine, Scherben“. Diese revolutionäre Platte fand Anklang bei einem Revoluzzer in München: Paul Breitner. Breitner, der sich mit Mao-Bild und „Pekinger Rundschau“ ablichten ließ, wurde die Platte von der Band geschenkt, worauf sich Breitner mit einem Gegenbesuch in Berlin revanchierte. Ein Europameister und Bayern-Star zu Gast bei einer Politrockband. Wäre heute nicht denkbar, oder?

Lebendige Lesung mit Christian Berkel

Im Rahmen des diesjährigen LesArt.Festivals in Dortmund las der bekannte Schauspieler und Autor Christian Berkel im Theater Fletch Bizzel am 06.11.2021 aus seinem neuen Roman „Ada“ (2018). Wegen Corona konnte die schon früher geplante Lesung erst jetzt stattfinden.

Nach seinem erfolgreichen autobiografischen Roman „Der Apfelbaum“ erschien als Folgeroman „Ada“. Im Mittelpunkt steht hier die Geschichte von Ada, die mit ihrer jüdischen Mutter Sala in der Nachkriegszeit zunächst nach Argentinien flieht und 1955 in ein ihr fremdes Deutschland nach Berlin zurückkehrt. In einem noch immer autoritären Land trifft sie auf den lang ersehnte Vater Otto (der war in Kriegsgefangenschaft). Das Familienglück bleibt jedoch aus. In einer „sprachlosen“ Gesellschaft stößt sie auf viel Schweigen (das betraf Opfer wie Täter) über die Kriegszeit und ihre jüdische Familienvergangenheit. Sie sehnt sich nach Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Christian Berkel (links) im Gespräch mit Matthias Bongard. (Foto: © Hartmut Salmen)
Christian Berkel (links) im Gespräch mit Matthias Bongard. (Foto: © Hartmut Salmen)

Der Roman ist gleichzeitig ein Abriss der politischen Entwicklung von der Adenauer-Ära über die 1968er Aufbruchstimmung und Studentenrevolten (Experimentieren mit Drogen, freier Sexualität) bis hin zum Mauerfall 1989.

Berkel begibt sich als Ich-Erzähler empathisch in die weibliche Person der Ada. Wie er während der Lesung erklärte, fühlte er sich am Anfang damit etwas unsicher, ob er so als Mann in eine andere Identität schlüpfen könnte. Seine Verlegerin und Lektorin beruhigten ihn aber, dass das in Ordnung sei.

Der Autor las nicht nur aus seinem Buch, sondern das Publikum (falls es seinen „Apfelbaum“ nicht gelesen hatte) erfuhr auch viel über seine Lebensgeschichte und jüdischen Familienhintergrund, und das er sich damals nicht „richtig und ganz“ gefühlt hatte.

Bereichert wurde der Abend durch ein anschließendes Interview vom WDR Fernseh- und Rundfunkmoderator Matthias Bongard mit Christian Berkel. Da wurden Themen wie etwa der aktuelle Antisemitismus, Verunsicherungen, Verschwörungstheorien, Angst vor dem Fremden und mehr behandelt.

Deutlich wurde wieder einmal, dass Demokratie und Freiheit nichts Selbstverständliches sind. Gerade in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltung ist es notwendig, sich dafür aktiv einzusetzen und sich gegen die Instrumentalisierung von rechten Politikern und Kräften sowie Verschwörungstheoretikern zu schützen und wehren.

Eine interessante und lebendige Lesung.

Musikalisch begleitete Lesung mit Ralf Sotschek

Der Journalist und Autor Ralf Sotscheck (*1954 in Berlin-Landwitz) ist einem breiteren Publikum seit 1991 vor allem durch seine montägliche witzig-skurrilen und manchmal auch makabre Kolumnen in der Berliner taz bekannt. Seit 1985 ist er zudem schon Auslandskorrespondent für Irland und das Vereinigte Königreich für die Zeitung. Er schreibt seit 1990 regelmäßig für das Irland Journal und lebt an der irischen Westküste.

Da kommt genug Stoff für seine Geschichten von Farmern, künstliche Besamung von Kühen, seinen diversen kleinen Abenteuer und Missgeschicke und politischen Inkorrektheiten und ähnlichem.

Friedrich Küppersbusch (links) lauscht den Geschichten von Ralf Sotschek. (Foto: © Hartmut Salmen)
Friedrich Küppersbusch (links) lauscht den Geschichten von Ralf Sotschek. (Foto: © Hartmut Salmen)

Davon gab er am 10.11.2021 im Rahmen des Dortmunder LesArt.Festivals in der Rotunde des hiesigen Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) zum Besten.

Musikalisch stimmungsvoll begleitet wurde er dabei von dem Journalisten, Autor und Fernsehproduzenten (heute-show) Friedrich Küppersbusch und seiner Bandfreud*innen. Neben Küppersbusch (Gitarre) gehörten zu ihr Jürgen Friesenhahn (Percussion), Guido Schlösser (Piano) sowie als Sängerin mit cooler Soul-Stimme, Claudia Zahn.

Dabei zeigte die Band mit einem speziellen Sound eine musikalische Bandbreite. Die ging von einer eigenen Version von „Blue Velvet“ (Bobby Vinton, The Moonglows) bis zu einer eindrucksvollen Interpretation des alten deutschen Song von Paul Kuhn „Schau mich bitte nicht so an.“ (gesungen etwa von Mireille Mathieu).

Eingeleitet und moderiert wurde der Abend von Autorin Frederike Jacob. Mit ihr lieferte sich Sotscheck ein kleines kulinarisches Duell. Während der in Irland beliebte Porridge (Haferbrei) bei dem Autor seit seiner früheren „Kinderverschickung“ nicht in guter Erinnerung ist, liebt Frederike Jacob das „Hafersüppchen“ nach dem Rezept ihrer Großmutter als wärmenden Trostspender.

Das Sotscheck nicht viel für den „Gutmenschen“ Bono (U2) übrig hat, machte er mit einer kleinen Anekdote deutlich.

Ein interessante und humorvoll-ironische musikalische Lesung, bei der nur etwas schade war, dass die kurzen Gespräche zwischen Küppersbusch und Sotscheck nur schwer zu verstehen waren.

Zibulla macht auf dicke Hose

Im neuen Roman des Essener Autors T.D. Reda um Privatdetektiv Tibor Zibulla geht es in dem nach „Ruhrstadt“ (Ruhrgebiet in sechs Bereiche aufgeteilt) verorteten Krimi es hoch her. Er ist eher nicht für feinsinnige und empfindliche Gemüter.

Der Detektiv ist ein zwei Meter großer ehemaliger Wrestling-Profi und Türsteher. Er ist ein Typ „eitler Macho mit weichem Kern“. Dazu gehören seine derben Sprüche mit dem gewissen „Ruhrgebiets-Charme“.

Neben seinen Maßanzügen liebt er nur zwei Sachen mehr: die Musik von James Brown und seine Freundin Anne. Auch sonst spielt er gerne den Beschützer von Frauen, die schlecht behandelt werden. Er handelt nicht immer „korrekt“ und ist manchmal auch unvernünftig. (So nimmt er etwa Appetitzügler, um schnell abzunehmen.)

Autor: T.D. Reda Titel: Zibulla – Auf dicke Hose Reihe: Kriminalroman, Region: Nordrhein-Westfalen ET:  September 2021 ISBN 978-3-7408-1248-5, (i4)_(1248-5) ebook: 978-3-96041-812-2, (e2)_(812-2)
Autor: T.D. Reda Titel: Zibulla – Auf dicke Hose Reihe: Kriminalroman, Region: Nordrhein-Westfalen ET: September 2021 ISBN 978-3-7408-1248-5, (i4)_(1248-5) ebook: 978-3-96041-812-2, (e2)_(812-2)

In „Auf dicke Hose“ bekommt er es mit einem heiklen Fall zu tun, es geht um die Erpressung eines jungen homosexuellen Profifußballers. Finn Berger wird mit einem brisanten Video erpresst. Es geht nicht um Geld, sondern um Wettbetrug und bewusste Manipulation. Zudem ist auch noch der damalige Partner auf dem Video spurlos verschwunden.

Zibulla muss in abgründige Gegenden recherchieren und in einem Homo-Club fahnden. Das ist aber nur der Anfang. Er bekommt es bei seinen Recherchen mit Drogendealern und den homophoben Vater sowie Brüdern des verschwunden jungen Mannes zu tun.

Ganz brenzlich wird es, als er auch noch einem mörderischen Zirkel mit einem äußerst brutalem Führer an der holländischen Grenze auf die Spur kommt. Da braucht er bald die Hilfe von Freunden …

Neben dem rauen Umgangston werden die Leser*innen mit viel Gewalt konfrontiert und ist nicht für Personen mit schwachen Nerven.

Es gibt jedoch durchaus einige witzige Momente und Situationen, die zum Schmunzeln anregen. Zibulla bietet einige Reibungsflächen. Der Gegensatz von dem ruppigen Ermittler und dem emotionalen Thema Schwulenfeindlichkeit hat einen gewissen Reiz.

Dem Krimi merkt man an, dass er von einem Mann geschrieben wurde.

T.D. Reda ISBN 978-3-7408-1248-5

Zibulla – Auf dicke Hose 288 Seiten

Kriminalroman (Broschur) € (D) 13.00 € (A) 13.40

Köln: Emons Verlag 2021

Originalausgabe Auch als E-Book erhältlich

Literaturfestival LesArt mit Wladimir Kaminer, Christian Berkel und Perry Rhodan

Das bekannte Dortmunder Literaturfestival „LesArt“ findet – so hoffen es die Veranstalter – 2021 endlich wieder unter normalen Bedingungen ab. Das heißt, Künstler sind wieder bei Veranstaltungen live vor Publikum zu sehen. Dabei planen die Organisatoren die 2G-Regel (geimpft, genesen) anzuwenden. Der Vorverkauf für das Festival beginnt am 09. Oktober 2021. LesArt läuft vom 02. bis zum 14. November 2021.

Es ist wahr, der Weltraumheld Perry Rhodan wird 60 Jahre alt. Perry Rhodan ist die erfolgreichste Science-Fiction-Heftroman-Serie der Welt. Am 02. November 2021 trifft der Exo-Soziologe Dr. Andreas Anton auf den literarischen Vater Hartmut Kasper. Kasper hat unter dem Pseudonym Wim Vandemann als Exposé-Autor geprägt.

Bei der Vorstellung des Programms von LesArt: Björn Wiggers (Bereichsleiter Vorstandsstab / Kommunikation Sparkasse Dortmund), Hartmut Salmen (Literaturhaus Dortmund) und Isabel Pfarre (Kulturbüro Dortmund).
Bei der Vorstellung des Programms von LesArt: Björn Wiggers (Bereichsleiter Vorstandsstab / Kommunikation Sparkasse Dortmund), Hartmut Salmen (Literaturhaus Dortmund) und Isabel Pfarre (Kulturbüro Dortmund).

Doch es gibt auch irdische Themen. In einer Stadt wie Dortmund gehört Fußball dazu. Deshalb findet das „LesArt Stadion“ stilecht im Westfalenstadion statt. Am 08. November 2021 spricht Alexander Heflik über Erwin Kostedde, den ersten schwarzen Nationalspieler. Unter dem Titel „Zwischen Puff und Barcelona“ liest Ben Redelings aus seinen Fußball-Kolumnen.

Einem verstorbenen Autor wird am 09. November 2021 im domicil gedacht: Wiglaf Droste. Einige seiner Freunde und Wegbegleiter wie Fritz Eckenga oder Ralf Sotscheck werden einen Abend für ihn gestalten. Der Inhalt ist immer noch ein Geheimnis.

Ralf Sotscheck bleibt ein wenig länger, denn der langjährige Irland-Korrespondent der taz liest am 10. November 2021 im Museum für Kunst und Kulturgeschichten aus seinen Texten. Dabei wird er begleitet von der Küppersbusch-Band, dessen Bandleader der Moderator, Journalist und Dortmunder Friedrich Küppersbusch ist.

Das LesArt-Festival präsentiert auch bekannte Autoren. Christian Berkel ist am 06. November 2021 im Fletch Bizzel zu Gast und liest aus seinem Roman „Ada“. Wladimir Kaminer kommt am 11. November 2021. Kaminer hat neue Geschichten dabei, die er unter dem Titel „Rotkäppchen raucht auf dem Balkon … und andere Familiengeschichten“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte vorträgt.

Selbstverständlich findet das alljährliche KindergartenBuchTheaterFestival im Fletch Bizzel wieder statt. Vom 08. bis zum 12. November 2021 bringen 15 Kindergärten 15 Kinderbücher auf die Bühne.

Zeit für die LesArt.Gala ist es dann am 13. November 2021. Im domicil wird der LesArt-Preis der jungen Literatur verliehen, Musik gibt es von Nic Koray und eine Lesung mit Mimi Fiedler. „Sie dürfen den Frosch jetzt küssen. Traumhochzeit mit Hindernissen.“ Ein bewusst heiteres Thema in den letzten Tagen des Festivals, denn wegen Corona ist der Bedarf an fröhlicher und heiterer Literatur sicher höher als sonst.

Daneben gibt es noch viel mehr zu entdecken. Das gesamte Programm mit Spielstätten und Eintrittspreisen finden Sie unter https://www.lesart.ruhr/programm-2021/

Stadtschreiberin Anna Herzig auf Entdeckungsreise in Dortmund

Die neue „Stadtschreiberin für Dortmunder“ und Literaturstipendiatin Anna Herzig befindet sich seit Ende April 2021 in unserer Stadt. Bis Ende Oktober 2021 hat die 33-jährige Österreicherin noch die Gelegenheit, den Menschen hier und der Stadt auf den Grund zu gehen. Das Stadtschreiber-Stipendium wird jährlich vergeben und setzt sich inhaltlich mit Transformationsprozessen in Dortmund auseinander.

Wie die Kosmopolitin (geboren in Wien, Mutter Kanadierin, Vater Ägypter) beim Pressetermin verriet, ist sie von den offenen, freundlichen und zugänglichen Menschen in Dortmund sowie der guten Kooperation mit den hiesigen Kulturinstitutionen, wie etwa dem Kulturbüro, angetan.

Kulturdezernent (und Jury-Mitglied) Jörg Stüdemann betonte die Bedeutung des Literaturförderungsstipendiums gerade für die jungen Schreibenden, damit diese ungestört arbeiten können. Anna Herzig begann schon mit 14 Jahren mit dem Schreiben, wurde aber erst so richtig 2018 mit „Herr Rudi“ und dem „Sommernachtsreigen“ bekannt.

Kulturdezernent Jörg Stüdemann freut sich auf die neue Stadtschreiberin Anna Herzig.
Kulturdezernent Jörg Stüdemann freut sich auf die neue Stadtschreiberin Anna Herzig.

Zwischenmenschliche Interaktionen, menschliche Tiefen und Abgründe sowie Fragen der Identität/Herkunft spielen bei ihr thematisch eine wichtige Rolle. Erzählungen, Essays und Romane der Autorin zeichnen sich durch einen humorvoll-ironischen und hintergründigen Schreibstil aus.

In Dortmund arbeitet Herzig an ihrem neuen Roman „Die Auktion“ weiter – eine dystopische Parabel, die im Intercity auf dem Weg zwischen Wien und Dortmund aber auch in Dortmund selbst angesiedelt ist. Es ist eine ironische Auseinandersetzung mit Geschlechter- und Rollenbildern. Wie Hartmut Salmen vom Literaturhaus erklärte, sind in den nächsten Monaten einige Lesungen vorgesehen.

Aktueller Stand:

Virtuelle Matinee mit Anna Herzig:

Am Sonntag, den 20.06.2021 um 11.00 Uhr kann man Anna Herzig bei einem „Meet &Greet“ kennenlernen. Die lädt zu einer virtuellen Matinee. Moderiert wird das ganze vom Salzburger Comedian Sebastian Hochwallner. Mit ihm plaudert die Autorin über ihr bisheriges Schaffen und zukünftige Planungen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu einem (virtuellen) Dialog mit ihr. Der Link zur Teilnahme: https://bit.ly/3vsWCRa

Lesungen im Literaturhaus:

Anna Herzog wird drei Lesungen mit Autorinnen ihrer Wahl moderieren.Dabei sollen sein die Österreicherin Irene Diwiak (Roman „Malvita“) am 24. 07.2021 um 19.30 Uhr, die Berliner Autorin Olivia Kunderewski (Debüt-Roman „Lux“) am 20.08.2021 um 19.30 Uhr, sowie die Bamberger in Nova-Eugenie Gomringer am 02.10.2021 um 19.30 Uhr mit einen Lyrik-Abend.

Creative Writing-Kurse mit Anna Herzig bei der VHS Dortmund

(Bitte bei der VHS (https://vhs.dortmund.de/) nach Terminen fragen)

Spannender Krimi im Umfeld von Zeche Zollverein

Thomas Salzmann hat nach seinem gelungenen Krimi-Debüt „Kohlenwäsche“ den zweiten Roman „Doppelbock“, ebenfalls im Umfeld des Weltkulturerbes Zeche Zollverein (Essen) verortet. Das Welterbe mit viel kulturellem Hintergrund hat es ihm als Ort für seine Krimis angetan.

Die schon aus „Kohlenwäsche ans Herz gewachsene Ex-Hauptkommissarin Frederike Stier wird damit konfrontiert, dass der Essener Umwelt-Aktivist Alexander von ihr am Doppelbock-Fördergerüst (Zeche Zollverein) erschlagen aufgefunden wird. Sie hatte das Opfer wie auch ihre frische Liebe Hartmut während ihrer Reha kennen gelernt.

Autor: Thomas Salzmann Titel: Doppelbock Reihe: Kriminalroman, Region: NRW ET: April 2021 ISBN 978-3-7408-1148-8, (i4)_(1148-8) ebook: 978-3-96041-742-2, (e2)_(742-2)

Auch im ungewohnten „Ruhestand“ möchte sie den Fall aufklären. Es geht um einen Freund.

Alexander war einem Umweltskandal im Zusammenhang mit den Spätfolgen des Steinkohlebergbaus auf der Spur und hatte sich nicht nur Freunde gemacht.

Eine gefährliche und anstrengende Aufklärungsarbeit beginnt, die auch ihre neue Beziehung auf eine harte Probe stellt…

Salzmann hat in einem spannenden Kriminalroman die brisante Thematik um Ewigkeitslasten aus unserer industriellen Vergangenheit, Klimaveränderung sowie rücksichtsloser Umweltverschmutzung sensibel eingebracht.

Mit viel Empathie beschreibt er auch die verschiedenen Charaktere mit ihren Stärken, Widersprüchen, Ängsten und Hoffnungen.

Es gelingt ihm auch dieses Mal, den Spannungsbogen bis zum Ende hin zu steigern.

Trotz des ernsten und nachdenklich machendem Hintergrund ist es eine unterhaltsame Lektüre, die Leserinnen und Leser immer mehr in seine Geschichte hineinzuziehen vermag.

Kriminalroman. Doppelbock

Autor: Thomas Salzmann

287 Seiten Preis: 13,00 €

Emons Verlag GmbH ISBN 978-3-7408-1148-8