Spanisches Flair bei der Operngala oder ein Abend mit Andrea Shin

Die erste Spielzeit von Heribert Germeshausen als Opernintendant neigt sich dem Ende entgegen und wie könnte man es besser feiern als mit einer Operngala? Am 30. Juni 2019 entführte uns die Oper Dortmund unter dem Titel Granada@Dortmund nach Spanien. Die Dortmunder Philharmoniker, Irina Simmes, Anna Sohn, Hyona Kim und Mandla Mndebele sowie der Gasttenor Andrea Shin (sang den „Calaf“ in Turandot) präsentierten einen bunten Strauß bekannter Opernmelodien.

Das Programm hatte zwei Schwerpunkte. Vor der Pause drehte sich fast alles um Georges Bizet und danach um Guiseppe Verdi. Ein Franzose und ein Italiener, die uns zumindest in ihren Opern Spanien näherbrachten. Ein wenig Schade ist es schon, dass es kein spanischer Komponist auf die Liste geschafft hat. Schließlich hatten die Spanier mit ihrer „Zarzuela“ eine eigene Opernkultur. Auch das titel gebende, bekannte Stück „Granada“ von Agustín Lara stammt nicht von einem Spanier, denn Lara stammte aus Mexiko.

Den Beginn machte – natürlich – Carmen. Die glückliche Verbindung eines französischen Komponisten mit der ewig jungen Geschichte um eine Dreiecksbeziehung einer Frau zu zwei Männern. Die tragisch endet. Mandla Mndebele überzeugte bei „Votre toast“ als Stierkämpfer mit solch einer imposanten Wucht, das jeder Stier vor Angst gleich im Stall bleiben würde. Sehr emotional sang Andrea Shin wie Blumenarie. Hier geht es um Liebe auf den ersten Blick, aber man ahnt schon, das geht nicht gut aus.

Nicht in Spanien, sondern in Rom spielt Donizettis „Don Pasquale“. Anna Sohn sang die Arie der opera buffa „Quel guardo il cavaliere“ mit kokettem Habitus. Frech und frivol wurde es bei Lehárs „Meine Lippen, sie küssen so heiß“, gesungen von Irina Simmes. Kaum wegzudenken aus einer Operngala ist das „Blumenduett“ aus der Oper Lakmé von Léo Delibes. Hier sangen Anna Sohn und Hyona Kim gemeinsam.

Für den Endspurt vor der Pause waren zwei Franzosen zuständig: Bizet und Camille Saint-Säens. Kim sang die Arie „Mon cœur s‘ouvre à ta voix“ dramatisch betont. Wer das diesjährige Festival Klangvokal begleitet hat, konnte sich auf das Duett „Au fond du temple saint“ aus „Les pécheurs de perles“ (Die Perlenfischer) freuen, denn die Oper von Bizet wurde im Konzerthaus konzertant aufgeführt. Mit Andrea Shin und Mandla Mndebele sangen zwei Könner dieses Duett.

Andrea Shin (im Vordergrund) als Calaf in der Oper "Turandot". (Foto: © Björn Hickmann)
Andrea Shin (im Vordergrund) als Calaf in der Oper „Turandot“. (Foto: © Björn Hickmann)

Nach der Pause wurde es Zeit für Verdi. Nach der Ouvertüre aus „Les vépres siciliennes“ sang Shin den absoluten Klassiker „La donna è mobile“ aus Rigoletto, gefolgt vom Quartett „Bella figlia dell’amore“ mit Unterstützung von Mndebele, Sohn und Kim. Mit „È strano…Sempere libera“ aus „La traviata“, gesungen von Shin und Simmes“ ging es zum titel gebenden Stück „Granada“ des mexikanischen Komponisten Agustín Lara.

Die Zugabe begann mit dem Gassenhauer „O sole mio“, der aus keiner Oper stammt, sondern 1898 von Eduardo Di Capua komponiert wurde. Shin sang sogar in der zweiten Strophe den deutschen Text. Den Abschluss machten alle Sängerinnen und Sänger gemeinsam mit dem Brindisi „Libiamo ne’ lieti caliciaus „La Traviata“.

So ging die Operngala „Granada“ zu Ende. Die Dortmunder Philharmoniker und Sängerinnen und Sänger machten einen tollen Job. Die Philharmoniker spielten diesen Abend sogar unter fünf Dirigenten: Satomi Nishi, Motonori Kobayashi,Philipp Armbruster, Christoph Müller und Sebastian Engel, der sein Debut gab.

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