El ojo de Hamlet (Nirgendwo) – eindringliches Theater im Depot

Das Theater im Depot zeigte am Sonntag, den 25.11.2018 die zweite Premiere von Rolf Dennemanns artscenico zum Heimatbegriff, Heimatverlust sowie Flucht oder Verbannung unter dem Titel „El ojo de Hamlet – Nirgendwo“. Regisseurin des Stückes, Cynthia Scholz und der Schauspieler Chino Monagas als Auswanderer aus Venezuela, zeigten, was das bedeutet.

In ihrer Aufführung,zwischen analogem Schauspiel und moderner ironisch-deutlicher Videoprojektion, widmen sie sich teils in deutscher, teils in spanischer Sprache dem Thema Exil in Person des Prinzen Hamlet (Shakespeare) und in zusätzlicher Anlehnung an die „Hamletmaschine“ von Heiner Müller.

Hamlet steht sozusagen stellvertretend für alle Migranten und Flüchtlinge, die unter Schuldgefühlen gegenüber den in ihrer Heimat bleibenden Menschen, einen schwierigen Anpassungsprozess an eine fremde Kultur schaffen müssen. Ein schmerzvoller Prozess. Es bleibt die Hilflosigkeit, seine Wurzeln und Liebsten daheim verlassen zu haben. Die mussten bleiben und konnten nichts dagegen tun.

Symbolisch sitzt „Hamlet“ in einem selbst gebastelten Rollstuhl mit Holzlehne und Rollen von einem Einkaufswagen. In der Hand hält er eine Spieluhr, die eine träumerische Melodie spielt,

Schon zu Beginn fällt sinngemäß der enttäuschte Satz eines frustrierten Menschen: „Das Leben und die Geschichte folgen immer den gleichen Mechanismus. Alles wiederholt sich.“

In verschiedenen Episoden verdeutlichen die eindrucksvollen Videoprojektion die Problem der Migranten. Die analoge Welt verschmilzt mit der Projektion. Wenn etwa die Schauspielerin Cynthia Scholz als Ophelia verzweifelt in dem virtuellen Fluss scheinbar versinkt, oder als virtuelle Ophelia Hamlet Vorwürfe macht, sie verlassen und verraten zu haben.

Die Themen Heimat, Flucht und Zurücklassen wurden von Chino Monagas und Cynthia Scholz in Rahmen von Hamlet präsentiert. (Foto:   © Guntram Walter)
Die Themen Heimat, Flucht und Zurücklassen wurden von Chino Monagas und Cynthia Scholz in Rahmen von Hamlet präsentiert. (Foto: © Guntram Walter)

Der Übergang von der deutschen zur spanischen Sprache geht oft fließend und zeugt von der Zerrissenheit zwischen den Kulturen. Bilder und Gesten, sowie der Ausdruck der Sprache sorgten für Verständnis.

Gerade der deutliche Gegensatz von analoger, fast poetischer Welt und interessanter eindringlicher Bildsprache in Verbindung mit den starken Videoprojektionen machen den Reiz der Aufführung aus.

Die Verzweiflung der Zuflucht suchenden Menschen vor Verfolgung, Krieg und bitterer Armut oder anderen Bedrohungen, wird für das Publikum lebendig vor Augen geführt. Auch die Enttäuschung von den nicht eingehaltenen Versprechungen des „Sozialismus“, etwa in Venezuela, ist unüberhörbar.

Trotz eines gewissen Defätismus hören die Menschen nicht auf, wie im Stück gesagt wird, von einer „besseren Welt zu träumen.

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