Beeindruckendes Flüchtlingsprojekt

Elias singt über den Verlust seines Freundes. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Elias singt über den Verlust seines Freundes. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit „Say it loud – Stories from the brave new world“ hatte am 03.06.2016 ein bemerkenswertes Projekt mit Flüchtlingen (ab 14 Jahren) im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater Premiere.

In Kooperation mit dem VMDO, Grone Bildungszentren NRW gGmbH, Haus der Vielfalt, Adlerhaus Dortmund arbeiteten Regisseur Andreas Wrosch, Theaterpädagogin Inga Waizenegger und mit Hilfe des Sprachcoaching von Dr. Ulrike Eichenauer seit August 2015 zusammen mit zunächst 17 damals frisch in unserer Stadt gestrandeten Flüchtlingen aus 5 verschiedenen Ländern.

Von diesen 17 Flüchtlingen wagten sich letztendlich zwei junge Mädchen und sieben junge Männer auf die Bühne. Das beweist ihre starke Persönlichkeit trotz ihrer traumatischen Erlebnisse und schwierigen Lebensbedingungen.

Mit einem Symbolischen pochenden Herzschlag begann die Aufführung, dann Musik und acht der Flüchtlinge kriechen aus ihren Schlafsäcken und Zelten. Auf der Bühne befinden sich acht flexibel einsetzbare Euro-Paletten, wo sie sich hinsetzen oder hinstellen können.

Oamile, Firas, Iman, Elias, Mamet, Ekrem, Osama, Ayam und Mohamad erzählten von ihrem Leben vor der Flucht, ihre Träume und Sehnsüchte, ihre Traurigkeit und Hoffnungen. Neben den anschaulichen Spielszenen und Erzählungen wurde die Aufführung durch Musik, Tanzeinlagen und akrobatischen Kunststücken aufgelockert. Eindrucksvoll berührende Lieder voll trauriger Melancholie wurden in der Heimatsprache gesungen und auf einer Leinwand projiziert in deutscher Sprache für das Publikum übersetzt.

Die neun Menschen kamen aus fünf verschiedenen Ländern (Nordsyrien, Mazedonien, Kosovo, Palästina und Marokko). Im Mittelpunkt stand die schreckliche Situation in den zerstörten Städten in Syrien, wo Assad (unterstützt von Russland und dem Iran ) einen Krieg gegen das eigene Volk führt, im Mittelpunkt. Unter die Haut gingen die authentischen Berichte über Folter, Armut, Angst und Hoffnungslosigkeit. Bilder der völlig zerstörten Stadt Homs waren auf der Leinwand zu sehen.

In Saudi Arabien, Katar, Jordanien oder Libanon gab es keine Hoffnung auf Aufnahme. So führt sie ihr Weg nach Europa. Nur ein System aus Bestechung führt sie dort hin.

Das Publikum bekam auch Einblicke in das strenge Schulwesen in Syrien, wo sich Schüler mit „kleinen Gefälligkeiten“ Erleichterung und bessere Behandlung durch die Lehrer erkaufen können.

An ihre emotionalen Grenzen kamen die aus Syrien geflüchteten jungen Männer, als sie von ihren getöteten Verwandten und Freunden sprachen, deren Bilder auf der Leinwand zu sehen waren.

Am Ende hatten die Flüchtlinge Fragen zu den Ängsten der Menschen in Deutschland und eine eindringliche Bitte an das Publikum und die Politiker.. Helft mit, die Fluchtursachen wie Krieg und Not zu beseitigen! Alle lieben ihre Heimat und wollen eigentlich so schnell wie möglich zurück.

Der Projektleiter Wrosch und Theaterpädagogin Waizenegger gaben noch ein paar Anekdoten über die teils schwierige, aber auch lustige Zusammenarbeit mit den Flüchtlingen zum Besten.

Wie wichtig das Projekt auch von der Stadt Dortmund gesehen wird , zeigte die Anwesenheit von Oberbürgermeister Ullrich Sierau, der vor der Aufführung „DORTBUNT“-Anstecker verteilte.

Werbung für mehr ein wenig mehr Verständnis für die Flüchtlings-Ursachen auf einer direkten, persönlichen Ebene.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten sie unter www.theaterdo.de

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