Zwischen Fatalismus und Rebellion

Vom Kaufrausch überwältigt? (Foto: © Edi Szekely)

Die Jugend von heute ist unpolitisch und oberflächlich, so denken viele Menschen. Anders ist es bei dem Jugendclub des Theaters Dortmund, die Theaterpartisanen 16+. Unter der Leitung von Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak haben die Theaterpartisanen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren in Kooperation mit den Tänzerinnen der Theaterwerkstatt vier.D in Eigenproduktion das neue Stück „Surprise Meetings“ entwickelt. Das Stück widmet sich dem Überraschenden und das Unerwarteten. Für die Choreografie war Birgit Götz verantwortlich.

Die Akteure setzen sie sich mit ihnen am Herzen liegenden Themen wie etwa die rigiden Schulnormen und dem Stress durch G8, zunehmende Aggressionen, Druck durch Werbung und Schönheitswahn oder der Zerstörung der Umwelt auseinander. Schwer ist es da, zu sich selbst zu finden oder immer die richtige Wahl zu treffen. Sie leben, wie sie selbst sagen „auf Bäumen“, ein Symbol des Widerstands.

Weiße Kartons auf der Bühne wurden multifunktional genutzt. Die Tafel im Hintergrund wurde zur Verstärkung der Aussagen eifrig von kleineren Gruppen während der Aufführung beschrieben und bemalt. So wurde der pralle Stundenplan der Schüler auch visuell für das Publikum deutlich. Die gleiche Funktion hatten die auf eine Leinwand projizierten Videos zu den einzelnen Figuren. Die Tänzerinnen der Tanztheaterwerkstatt und die Theaterpartisanen ergänzten und kooperierten gut zusammen. Die Musik war abwechslungsreich, einmal wurden die Akteure selbst aktiv und intonierten auf Kazoos ein paar Takte von „We don‘t need no eductation“ von Pink Floyd

Die jungen SchauspielerInnen verwandeln sich kafkaesk in verschiedene Figuren und stellen sich vor, wie es wäre, wenn sie einen rücksichtslosen Tag oder perfekten Moment erleben würden. Es beginnt immer wie bei Kafkas „Die Verwandlung“ mit „Als ich eines morgens aus meinen Träumen erwachte…“. Da ist das junge Mädchen, das plötzlich in einer pinkfarbenen Welt aufwacht und selbstbewusst und stark ihre Interessen vertritt, oder die Unsichere, von der Werbung bedrängte. Dann gibt es den jungen Mann voller Aggression, der sich nur als Gruppenführer mit Gewaltausbrüchen und rassistischen Pöbeleien stark fühlen kann, der Grufti, der die Blumen schwarz anmalt, die Umweltaktivistin oder das junge Mädchen, dass sich von ihrem Lehrer in ihrer Persönlichkeit unverstanden fühlt und an einen Amoklauf denkt. Einer der Schauspieler fällt aus dem Rahmen. Er symbolisiert, unterstützt mit einer Handpuppe als Karikatur eines autoritären Lehrers oder später eines Verantwortlichen der RWE die Autoritäten der Gesellschaft.

Am Ende sind alle im Widerstand gegen die Waldrodungen im Hambacher Forst zum Zwecke des Braunkohleabbaus durch RWE vereint. Es bleibt die Frage, sollen die Jugendlichen dem Verstand oder dem Bauchgefühl folgen.

Es ist das Recht und die Aufgabe der Jugend, den Finger auf die Wunden zu legen, infrage zu stellen und zu rebellieren. Aber die Welt ist nicht nur schwarz oder weiß. Die Probleme sind komplex und es gibt keine einfachen Lösungen. Das merkt die Generation Smartphone spätestens, wenn sie zum Beispiel die erste Stromrechnung selber bezahlen muss.

Infos über weitere Termine und Karten unter www.theaterdo.de

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