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Geierabend freut sich über große Zuschauerresonanz

Die Session für den alternativen Ruhr-Karneval Geierabend 2020 neigt sich dem offiziellen Ende zu. Am Dienstag, den 25.02.2020 findet die letzte Vorstellung auf Zeche Zollern statt. Der Geierabend-Veranstalter Horst Hanke-Lindemann freute sich mit dem gesamten Ensemble über 36 so gut wie immer ausverkaufte Vorstellungen mit 15.000 Besucherinnen und Besuchern.

Bei der Pressekonferenz berichtete Kabarettist Murat Kayi rückblickend über Innovationen wie starke Videosequenzen, üppig Absurdes, aktuelle Themen und Inhalte.

Von den politischen Ereignisse der letzten Tage und Wochen blieb auch der Geierabend und sei Programm nicht unberührt. Schnell musste die Szene mit Annegret Kramp-Karrenbauer nach dem Erfurter Demokratiedebakel komplett erneuert werden, der Programmpunkt mit den „Kriminellen Clans und Shisha-Bars unter besonderer Polizeibewachung“ musste letztendlich gestrichen werden, nachdem ein psychisch kranker rechter Rassist (das ist ja nicht unbedingt ein Widerspruch) in zwei Shisha-Bars in Haunau neun Menschen ermordet und sich dann sich selbst erschossen hatte.

Die kostenlosen Grußkarten des Geierabends für die Zuschauer wurden kurzerhand zu einer Protestaktion an die Thüringer FDP umfunktioniert und an sie adressiert.

Der Geierabend musste aufgrund aktueller Ereignisse sein Programm an manchen Stellen umändern. (vorne Martin Kaysh und Murat Kayi, im Hintergrund (v.r.n.l.) Horst Hanke-Lindemann, Roman Marczewski und Sandra Schmitz)
Der Geierabend musste aufgrund aktueller Ereignisse sein Programm an manchen Stellen umändern. (vorne Martin Kaysh und Murat Kayi, im Hintergrund (v.r.n.l.) Horst Hanke-Lindemann, Roman Marczewski und Sandra Schmitz)

Sandra Schmitz berichtete über die Schwierigkeit mit der Toleranz des Dortmunder Publikums in Bezug auf die Partnerstadt des Geierabends 2020 Gelsenkirchen. Die Rivalität zwischen Dortmund „BVB 09“ und „Schalke 04“ sei doch sehr groß. Der Anspruch des Geierabend ist es aber, nicht nur für Dortmund, sondern für das gesamte Ruhrgebiet satirisch zu sprechen. An der Verlosung für „Schalke-Freikarten“ fand trotzdem einen regen Zuspruch.

Leider heißt es nun Abschied nehmen von den langjährigen Ensemblemitgliedern „Franzi“ Mense-Moritz und Hans-Peter Krüger als Erzkomiker und Publikumslieblinge. Vor allem Mense-Moritz wird als Seele des Geierabends fehlen. Wenn es nicht so abgedroschen klingen würde, könnte man sagen: In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.

Murat Kayi verkündete für die Zukunft sei man mit 3-5 Personen als Zuwachs für das Bühnenteam in guten Gesprächen. Gewartet wird mit Konkretem aber bis zum Ende der „Transferliste“.

Am 25.02.2020 wird im Rahmen der letzten Vorstellung der „Pannekopp-Orden 2020“ für „besondere“ Verdienste ums Ruhrgebiet vergeben. Er geht, wie der Steiger verriet, mit 35:0 Veranstaltungsstimmen an den Schalker Ehrenrat als Eskimo des Rassismus. Begründung: Wegen seiner laschen „Bestrafung“ von Schalke-Boss Clemens Tönnies hat sich der Schalker Ehrentat diesen „Orden“ redlich verdient.

Die Schalker antirassistische Fan-Initiative hat angekündigt, personell bei der letzten Vorstellung und somit der Ordensverleihung vertreten zu sein.

Ein Quantum Geierabend

Die Partnerstadt des diesjährigen Geierabends wird es nicht leicht haben. Denn es ist Gelsenkirchen. Auch wenn bei der Episode „Städtebattle“ ordentlich für gegenseitige Sympathie zwischen Dortmund und Gelsenkirchen geworben wird, schließlich gelte es den gemeinsamen Gegner Düsseldorf zu bezwingen, es bleibt noch ein hartes Stück Arbeit. Das zeigte das Saalergebnis bei der Premiere zur Wahl des Pannekoppordens 2020. Hier gewann der Ehrenrat von Schalke 04 (Stichwort Tönnies und Rassismus) haushoch vor dem Vorstand der Dortmunder Chorakademie (Stichwort Schwanzeinziehen vor den Wutbürgern wegen Umweltsau). 1:0 für Schalke in Dortmund.

Doch im Mittelpunkt der Session 2020 steht James Bond. Ein echter Junge des Ruhrpotts, schließlich ist er am 11.11.1920 in Wattenscheid geboren. Klar, dass der Geierabend an den Hundertjährigen erinnert. Ars tremonia war bei der Premiere am 03. Januar 2020 in der Zeche Zollern dabei.

Es hat mittlerweile Tradition. Entweder am Jahresende oder am Anfang des neuen Jahres präsentiert der Geierabend sein neues Programm. Und natürlich dürfen aktuelle politische Anspielungen nicht fehlen. So wird bei „SUV – Super umweltverträgliches Vahrzeug“ der immer größer werdenden SUV-Boom auf das Korn genommen. Schließlich brauche man ja so ein Auto, um sicher ins Naturschutzgebiet zu kommen. Die verkorkste Büttenrede von Annegret Kramp-Karrenbauer wurde ebenfalls durch den Kakao gezogen. Die Klimadiskussion wurde von zwei Dinos geführt, die die Menschen trösten nach dem Motto „alles schon mal erlebt“. Auch die Clankriminalität wird thematisiert.

Daneben konnte man sich an den altbekannten Gesichtern erfreuen. Der Präsident (Roman Henri Marczewski), der Steiger (Martin Kaysh) und die exquisite Band mit Gilda Razani am Saxophon und Theremin waren wieder mit von der Partie. Der „Steiger“ führte gewohnt spitzzüngig durch das Programm. Sehr viel Applaus bekamen Franziska Mense-Moritz, die als „Bandscheibe“ den Saal zum Toben brachte. Hans-Peter Krüger zeigte bei „Ein Wutbürger packt aus“ die aggressive Seite, wobei er häufig in den ruhigen Stücken präsent war wie „In der Wortmanufaktur“. Die „Wortmanufaktur“ ist zudem ein gutes Beispiel, dass auch ruhige oder skurrile Szenen durchaus ihren Platz beim Geierabend haben. Leider wird das die letzte Session der beiden, die danach das Geierabend-Ensemble verlassen. Ein herber Verlust und es bleibt dem Geierabend zu wünschen, möglichst adäquaten Ersatz zu finden. Dass das schon einmal sehr gut geklappt hat, zeigen die Beispiele Murat Kayi und Andreas „Obel“ Obering. Kayi, der mit seinem Song „Menage á trois“ einen absoluten Ohrwurm an diesem Abend präsentiert und auch den Abschlusssong „5000 Jahre Kohlenpott“ komponiert hat, ist nicht mehr wegzudenken. Der „Obel“ zeigt vor allem durch seine Parodien seine Qualitäten. Sei es als Kramp-Karrenbauer oder als Dieter Thomas Heck.

Franziska Mense-Moritz (links) und Sandra Schmitz als "Edgy und Veggie" zwei Personal Trainerinnen der besonderen Art. (Probenfoto von Anja Cord)
Franziska Mense-Moritz (links) und Sandra Schmitz als „Edgy und Veggie“ zwei Personal Trainerinnen der besonderen Art. (Probenfoto von Anja Cord)

Sandra Schmitz ist in ihrem Element, wenn sie sehr besondere Persönlichkeiten darstellt. Beispielsweise als Fitness-Influenzerin Edgy in „Edgy und Veggie“, als Janine Kowalski in „Kowalskis vor Gericht“ oder als Nicki bei „Zwei Borussinnen“. Martin Risse, der als Sauerländer Joachim Schlendersack die Geschichte der Rettung des „Güllestübchen“ erzählte, ist ein alljährlicher Stimmungsgarant.

Nicht alles zündete, beispielsweise gefiel mir die Nummer mit den Dinos nicht so, aber das ist wohl Geschmackssache. Ich bin eher darüber enttäuscht, dass das Geburtstagskind James Bond nicht prominenter zu sehen war. Schließlich ist er ja das große Thema des Geierabends 2020. Es gab zwar in der ersten Hälfte mit „Zwölf Sekunden“ eine schöne Nummer mit Roman Marczewski als Bond und Wolfgang Wendland von den „Kassierern“ als sinistren Gegenspieler Dr. Wattenscheid. Aber ich hätte mir gewünscht, dass James Bond im zweiten Teil noch einmal wiederkommen würde. Schließlich gab es ja einen kleinen Cliffhanger.

Insgesamt ein gelungener Start in die Session 2020 und es bleibt zu hoffen, dass die diesjährige Partnerstadt einen größeren Platz in den Herzen der Dortmunder bekommt. Auch wenn‘s schwerfällt. Ein großes Lob gehört außerdem noch dem Videokünstler Patrick Praschma, der es schaffte, mit seinen Bildern die Stücke zu unterstützen und nicht zu überfrachten.

Mehr Informationen zu Kartenbestellungen gibt es bei www.geierabend.de

Wenn Geier proben

Dieses Mal nutzte ars tremonia die Gelegenheit, einmal die Proben für die kommende Session 2020 des Geierabends mitzuerleben. Die Gewinner des Tegtmeier Ehrenpreises 2019 waren gut in Form und arbeiteten hart an ihren Pointen, um für die Premiere am 03. Januar 2020 fit zu sein.

Wir haben den Durchlauf des ersten Teil mitverfolgt und geben ein paar Informationen preis. Natürlich nicht alles, schließlich steht ja die kommende Session unter dem Stern des 100-jährigen Geburtstages des gebürtigen Wattenscheiders James Bond. Zudem wollen wir den Lesern nicht die Vorfreude auf die Show nehmen.

Musikalisch ist das Geierabend-Ensemble sehr breit aufgestellt und präsentiert unterschiedlichste Genres von Hoch- bis Popkultur. Es treten auf: Personal Coaches des Schreckens, James Bond, des Deutschen liebstes Auto, eine bekannte Politikerin mit Doppelnamen und ein merkwürdiges Instrument. Daneben gibt es ein kleines, verträumtes Stück über Wörter.

Wer hier wen mit der Sackkarre auf die Bühne schiebt, bleibt erst mal geheim. Kann sich James Bond drum kümmern.  (Foto: © Anja Cord)
Wer hier wen mit der Sackkarre auf die Bühne schiebt, bleibt erst mal geheim. Kann sich James Bond drum kümmern. (Foto: © Anja Cord)

Dazu durften wir einen kleinen Blick hinter die Kulissen werfen. Denn es gibt einige Menschen, die nicht auf der Bühne stehen, aber sehr viel zum Erfolg der ganzen Sache beitragen wie beispielsweise Marion Seul. Sie ist eine Meisterin des Wiederverwertens, so dass einmal gebaute Dinge in verschiedenen Daseinsformen wieder auferstehen und ein weiteres Bühnenleben fristen.

Informationen zum Kartenerwerb sind nicht mehr „top secret“, sondern wurden „geleakt“ unter https://www.geierabend.de/vorverkauf.

Geierabend 2020 im Zeichen von James Bond

Am 11.11.2019 um 11:00 Uhr stellten traditionell die Macher des alternativen Dortmunder Karnevals „Geierabend“ ihr neues Programm für die Session 2020 in groben Zügen im Theater Fletch Bizzel vor.

Sie steht unter dem Motto „Mein Name ist Pott, RuhrPott“. Da kommen doch dem einen oder anderen sofort gewisse Assoziationen. Richtig, wir denken gleich an Agent 007, James Bond. Der wurde nämlich am 11.11.1920 in Wattenscheid geboren. Somit ist er genauso alt wie der Pott. Bei den Problem mit dem Klima und vielen politischen Brandherden ist einer wie 007 vielleicht von Nöten?

Ebenfalls 100 Jahre wird der Regionalverband Ruhr (RVR), der mit seinen Regionalplan-Desaster sich für die Nominierung für den beliebten Pannekopp-Orden aus 28 kg Stahl (für Verdienste ums Ruhrgebiet) ins Gespräch bringt. Nach Ansicht des „Steiger“ Martin Kaysh ist er wohl eher chancenlos.

Regisseur Heinz-Peter Lengkeit versprach ein buntes, knackiges und geiles Programm mit einer gesunden Mischung aus Klamauk, ironischem Hintersinn und guten musikalischen Beiträgen.

Der Geierabend hat 2020 was zu feiern: Nicht nur der Pott (Regionalverband Ruhr) wird 100 Jahre, sondern auch der Wattenscheider James Bond. Der Präsident (Roman Henri Marczewski) und der Steiger (Martin Kaysh) bereiten die geburtstagsfeierlichkeiten vor.
Der Geierabend hat 2020 was zu feiern: Nicht nur der Pott (Regionalverband Ruhr) wird 100 Jahre, sondern auch der Wattenscheider James Bond. Der Präsident (Roman Henri Marczewski) und der Steiger (Martin Kaysh) bereiten die Geburtstagsfeierlichkeiten vor.

Im Mittelpunkt wird die Klimakatastrophe stehen, aber zum Beispiel auch die Befreiung Wattenscheids von Bochum und die Rettung der SG Wattenscheid durch den Mann im Geheimdienst ihrer Majestät. Weiterhin bieten die Geier auch Lifestyle pur. Weitere Themen sind etwa Rassismus und Kramp-Karrenbauers Kriegslust.

Auch vor dem Geierabend macht der Strukturwandel nicht halt. So wird die Session 2020 die letzte mit zwei wichtigen Säulen in der 28-jährigen Geschichte dieses besonderen Ensembles sein.

Für Franziska Mense-Moritz als stimmgewaltige Frau aus der Raucherecke mit Südtribünen-Hintergrund und für den wandlungsfähigen Bühnenwutbürger Hans Peter Krüger ist am Aschermittwoch 2020 Schicht im Schacht.

Sie werden aber weiterhin aktiv sein. Mense-Moritz als Teil der „POTTROSEN“ mit Susan Kent ab dem 12.06.2010 im Theater Fletch Bizzel mit einem kabarettistischen Musiktheater, und Hans Peter Krüger möchte sich weiter auf seine Theaterarbeit fokussieren.

Andreas „Obel“ Obering wird auch in der neuen Session wieder als Bereicherung dabei sein.

Jüngere Nachwuchskräfte (30 – 40 Jahre) mit schon etwas Erfahrung im Bereich Comedy für das Geierabend-Ensemble werden zur weiteren Auffrischung gesucht, so Martin Kaysh. Zu hoffen ist, dass der „Strukturwandel“ dann gelingt.

Es wird 37 Vorstellungen vom 03. Januar – 25. Februar 2020 in der Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen geben. Preise: 39,00 € / ermäßigt: 20,90 €

Eröffnet wird die neue Session am Freitag, den 03. Januar 2020 .

Vorverkauf und Programm-Flyer gibt es sowohl beim Veranstalter Theater Fletch Bizzel wie auch an verschiedenen Vorverkaufsstellen der Stadt (z.B. Mayersche Buchhandlung, Leserladen der Westfälischen Rundschau).

Vorverkaufsstellen außerhalb Dortmunds: LeserLäden und LeserServices mit Kartenvorverkauf der WAZ/WR – (Funke-Mediengruppe)

Online Tickets & Infos unter www.geierabend.de

Übrigens: Am Karnevalswochenende (Samstag) können Interessierte das Programm im WDR 5 hören.

Positives Resümee für Geierabend 2019

Einen erfolgreichen Abschluss seiner 28. Session mit dem Programm „Zechen und Wunder“ und der Rekordzahl von 16.500 Zuschauern feiert der Geierabend samt. Organisatoren und beteiligten KünstlerInnen. Als neues Regie-Duo hatten Heinz-Peter Lengkeit und Till Beckmann die schwierige Aufgabe übernommen, wieder ein frech-schräges Programm zwischen Ruhrpott-Klamauk. Musik und bissiger politischer Satire zusammen mit seinem engagiertem Ensemble auf die Beine zu stellen. Das gelang ihnen allen Widrigkeiten zum Trotz erstaunlich gut.

Neben den altbewährten Ensemble-Recken sorgte Andreas „Obel“ Obering als der „Neue“ für frischen Wind und passte gut in das Gesamtgefüge.

Wie Kollegin Franziska Mense-Moritz bei der Abschluss-Pressekonferenz erklärte, sorgte er für gute Stimmung im Team und war ein Kollege „der alles konnte“. Er bewies vor allem, dass er sich in vielen Dialekt-Sprachen unseres Landes bestens einfühlen kann. Gut arbeitete man mit dem neuen Regie-Duo zusammen.

Schwierig war, das Thema BVB neu zu bearbeiten. Nach dem Abschied von Hans Martin Eichmann und damit dem Aus für die „Zwei vonne Südtribüne“ musste man sich etwas Neues einfallen lassen.

Sandra Schmitz und Franziska Mense-Moritz gaben letztendlich umjubelt das weibliche (prollige) BVB Fan-Duo, und Fußball wurde zu einer Art Frauendomäne.

Vermutlich wird die DB Netz AG ebenfalls nicht den "Pannekopp-Orden" in Empfang nehmen. da kann sich "Steiger" Martin Kaysh noch so ins Zeug legen.
Vermutlich wird die DB Netz AG ebenfalls nicht den „Pannekopp-Orden“ in Empfang nehmen. da kann sich „Steiger“ Martin Kaysh noch so ins Zeug legen.

Bei der letzten Vorstellung auf Zeche Zollern am Dienstag, den 05.03.2019 (Veilchendienstag), wird nun endlich auch der 28,5 kg schwere „Pannekopp-Orden“ nun schon zum 17. Mal verliehen. Dieser schwere Stahlschrott-Orden wird in jedem Jahr für „besondere“ Verdienste um das Ruhrgebiet ausgelobt.

Während jeder Vorstellung der Session hatten das Publikum Gelegenheit, zwischen zwei vorgeschlagenen Kandidaten zu wählen.

1. NRW Ministerpräsident Armin Laschet wegen seines Wahlversprechens, die „A40 ohne Stau“ und

2. DB Netz AG für die „ungebremste Förderung der Stadt Herten“. Sie ist „die größte Stadt Festlandeuropas ohne eigenen Bahnhof“, obwohl eine S-Bahn auf einer alten Güterbahnstrecke ab Ende 2019 durch die Stadt rollt, aber an keinem Bahnhof dort halten wird.

Es war ein knappes Rennen. Nach der Publikums-Meinung per Applaus lagen die beiden Vorschläge für den Orden am Ende Kopf an Kopf (fast) gleich auf. Entscheidend war letztlich das Votum der Abstimmung per Internet auf der Geierabend-Website.

Der Gewinner ist: die DB Netz AG!

Es darf wie in jedem Jahr bezweifelt werden, dass der „Pannekopp-Orden“ auch angenommen und abgeholt wird. Das mag neben vielen Gründen auch an den harten Auflagen liegen. Der Preisträger verpflichtet sich unter anderem, diesen schweren Orden während der gesamten Fastenzeit um den Hals zu tragen, und außerdem anzustreben, keine weiteren Verdienste ums Ruhrgebiet zu erwerben.

Wer von den „Geiern“ nicht genug bekommen kann, hat übrigens in diesem Jahr wieder Gelegenheit, sie während des Festivals „Ruhrhochdeutsch“ mit einem „Best of“- Programm zu erleben.

Zechen gehen – der Geierabend bleibt bestehen

Der Bergbau im Ruhrgebiet ist Vergangenheit, der Geierabend aber ist als Institution geblieben. Das ist gut so. Trotz eines Wechsels am Regiepult und dem Ausscheiden von Hans Martin Eickmann zeigte das Ensemble in der Spielzeit 2019 ihre große Spielfreude. Das Ergebnis: Ein großartiger Abend am 10. Januar 2019 auf Zeche Zollern II.

Nix mit Akklimatisierungsschwierigkeiten. Andreas Obering (der „Obel“) spielte in seiner ersten Spielzeit mit den anderen „Geiern“ so selbstverständlich, als ob er schon immer mit dabei gewesen wäre. Seine Stimmungskanonen – eine aus dem Osten, eine aus Köln – waren allererste Sahne.

Neben altbekannten und bewährten Nummern wie die Geschichten aus dem Sauerland von Martin F. Risse gab es auch eine Premiere für ein neues Duo. Denn Eickmann war ein Teil der legendären „2 vonne Südtribüne“. Mit „Frauenrausch“ versuchen Franziska Mense-Moritz und Sandra Schmitz den schwarz-gelben Wahnsinn beim Geierabend weiterleben zu lassen. Durchaus mit Erfolg. Jetzt kann an einer neuen Legende weitergestrickt werden.

Bleiben wir bei Sandra Schmitz. Ihre Paraderolle als leicht prollige Mutter wie beim „Elternsprechtag“ konnte sie jetzt als Eiche aus dem Hambacher Forst erweitern. Hier nahm sie den Preis zum „Baum des Jahres“ nicht an. Ein kleiner Seitenhieb an die Baumschützer im Hambacher Forst, die dort um jeden Baum kämpfen, denen es aber anscheinend egal ist, wenn viel mehr Bäume wegen Windräder gefällt werden.

Das zeigt schon, der Geierabend ist nicht nur zum „geiern“ (lachen), sondern setzt auch politische Nadelstiche: Über die „Kaffeefahrt ins Braune“ über die Beziehung zwischen Macron und Merkel in „Liason dangereux“ bis hin zur Talkshowveräppelung „Brei mit Illner“ zeigt der Geierabend Flagge. Der Brexit wurde selbstredend ebenfalls thematisiert: Die „Euro-WG“ verliert ihren Mitbewohner Harry. „Political Correctness“ war wie immer nicht angesagt.

Auch gesanglich war der Geierabend auf der Höhe. Das Haldenquartett (v.l.n.r.):  Franziska Mense-Moritz, Murat Kayı, Roman Henri Marczewski und Andreas Ruhnke (Schlagzeuger der Geierabend-Band). Foto: © StandOut)
Auch gesanglich war der Geierabend auf der Höhe. Das Haldenquartett (v.l.n.r.): Franziska Mense-Moritz, Murat Kayı, Roman Henri Marczewski und Andreas Ruhnke (Schlagzeuger der Geierabend-Band). Foto: © StandOut)

Altbewährtes bleibt: da wäre an erster Stelle der Präsident (Roman Henri Marczewski) zu nennen sowie der Steiger (Martin Kaysh), der wie gewohnt lässig durchs Programm führte. Auch die „Bandscheibe“ (Franziska Mense-Moritz) zeigte sich wieder von ihrer netten, freundlichen Art. Nicht zu vergessen sind natürlich Murat Kayı und Hans-Peter Krüger. Krüger spielte in der großartigen Nummer „Nachspielzeit“. Kurz gesagt: Stellen Sie sich vor, ein klassischer Musiker würde nach einem Konzert so interviewt wie ein Sportler. Super Nummer.

Zwei Dinge dürfen beim Geierabend nicht fehlen: Der Pannekopporden und die Partnerstadt. Dieses Jahr ist es Schwerte und sie wurden von Kayı, Krüger, Schmitz und Marczinkowski hardrockmäßig eingeführt. Schwerter sind ja quasi auch Heavy Metal.

Beim Pannekopporden hatte das Publikum die Auswahl zwischen Armin Laschet („A40 ohne Stau“) und DB Netz für die „ungebremste Förderung der Stadt Herten“, die bis 2022 ohne Bahnhof bleibt.

Was bleibt mir noch zu erwähnen: Die Band des Geierabends rockte den Abend und ein ganz großes Lob an Anna Ignatieva für die wunderbaren Kostüme.

Wer Karten haben möchte, wendet sich an www.geierabend.de

Geierabend 2019 mit neuen Figuren und Ideen

Nach dem Motto„Zechen und Wunder“ bringt das Geierabend-Ensemble ab dem10.01.2019 auf der Zeche Zollern in Bövinghausen ihr neues Programmmit neuen Kräften, neuen Figuren und Ideen an den Start. Es istschon die 27. Session und der Trupp von 13 Kabarettisten, Comediansund Musikern werden vom 10.01.2019 bis 05.03.2019 sage und schreibe an37 Abenden auftreten.

Der letzte Pütt im Pott hat dicht dicht gemacht, und nicht nur deswegen brechen neue Zeiten an.

Auch bei dem speziellen Ruhrgebiets-Karneval mit der geballten Ladung aus bissiger Satire, schräger Comedy, Live-Musik und den besonderen schwarzen Ruhrpott-Klamauk stehen Veränderungen an.

Das fängt in dieser Session mit dem neuen Regie-Team mit Heinz-Peter Lengkeit und Till Beckmann an, die neue Power einbringen wollen. Lengkeit kennt sich ja in den Höhen und Tiefen des Ruhrgebiets gut aus. Der Bochumer wurde als Darsteller von Shows wie „RuhrRevue“, Fußballfieber oder aber dem Hape Kerkeling-Musical Musical „Kein Pardon“ bekannt. Seit 2016 wirkt er bereits beim Geierabend an der Regie mit.

Beckmann, ein Kind einer großen Theaterfamilie, ist vor allem von der Bühne bekannt. Er hat ein besonderes Gespür für die Sprache und Mentalität des Ruhrgebiets. Das hat er zum Beispiel mit einer Revue bei den Ruhrfestspielen oder als Drehbuchautor zu Adolf Winkelmanns „Junges Licht“ bewiesen.

Neu im Ensemble ist der aus Hamm stammende Obel Obering, vielen sicherlich noch bekannt von vergangenen Tagen als der Obel von „Till & Obel“ (1985 bis 2000 erfolgreiche Comedy-Programme). Das bedeutet eine ungeheure „Ost-Erweiterung“ (Hamm), wie bei der Pressekonferenz schmunzelnd erklärt wurde. Zu zwei Aufführung (27.01.2019 und 03.02.2019) werden sogar Busse mit je 50 interessierten Zuschauern aus Hamm erwartet.

Obel ist nicht nur ein begnadeter Parodist, er wird auch mit Franziska Mense-Moritz ein Duett als Reminiszenz an den französischen Chansonnier Charles Aznavour singen.

Der Rest des Ensembles ist aus den letzten Jahren (fast) erhalten geblieben. Natürlich dürfen da der „Präsident“ (Roman Henri Marczewski) und der „Steiger“ (Martin Kaysh) als Moderator mit bissigem Humor nicht fehlen.

Wie wird sich das "neue" Ruhrgebiet entwickeln? Der Geierabend wird sich des Themas in gewohnt satirischer Weise annehmen. (Foto: © StandOut)
Wie wird sich das „neue“ Ruhrgebiet entwickeln? Der Geierabend wird sich des Themas in gewohnt satirischer Weise annehmen. (Foto: © StandOut)

Nach dem Rückzug von Hans-Martin Eickmann als Bestandteil der „Zwei vonne Südtribüne“ wird diese Nummer wegfallen. Aber keine Angst. Wie Franziska Mense-Moritz erklärt, wurden zum Thema Fußball neue Figuren und Sichtweisen entwickelt. Genaues wurde noch nicht verraten. Das Publikum darf gespannt sein.

Das gilt auch für die bei der Premiere am 10.01.2019 (18.30 Uhr Einlass, 19.30 Uhr Beginn) für die Publikumswahl zum „Pannekopp“ des Jahres vorgestellten Kandidaten.

Die altbewährte „Band“ wird wieder für den guten musikalischen Hintergrund sorgen.

Für das leibliche Wohl sorgt wieder die Gastronomie Tante Amanda. Der Sponsor Brinkhoff‘s liefert die passenden Getränke.

Übrigens:

Wer es nicht in die Zeche schaffen sollte, kann die schönsten Nummern bei WDR5 nach hören. Ab dem Karnevalswochenende gibt es zudem das komplette Programm als Videostream im Comedy-Portal des WDR.

Ende der Geierabend-Session 2018 mit einem weinendem Auge

Der Ruhrpott-Karneval Geierabend 2018 beendet seine Session mit einem lachenden und einem weinendem Auge.

Wie die Organisatoren beim Pressetermin einem Tag vor Aschermittwoch erklärten, waren die 36 Vorstellungen unter dem Motto „Bye Bye Bottrop“ ausverkauft, mehr als insgesamt 15.000 Zuschauer ließen sich den alternativen Karneval aus Dortmund mit seinen Vorstellungen auf Zeche Zollern nicht entgehen. Der Geierabend ist für viele Menschen im „Pott“ Kult.

Wer nicht dabei sein konnte, kann sich den Drei-Stunden-Mix aus Comedy, Satire und Kabarett zur Zeit im Comedy-Portal des WDR als Videostream in voller Länge anschauen.

„Bye Bye“- heißt es nicht nur für die schöne Session oder für die Steinkohle, sondern auch für zwei langjährige tragenden Säulen des Geierabends. Der kreative Musiker, Autor und Komponist Hans Martin Eickmann (von „Die Zwei vonne Südtribüne“) und Autor, Regisseur Günter Rückert gehen am Ende der Spielzeit nach 21 Jahren in den (Un)-Ruhestand.

Da kam schon bei der Abschluss-Pressekonferenz  ein wenig Wehmut auf. Die Beiden bekamen nicht nur einen großen Blumenstrauß, sondern bedankten sich mit einem auf ihre Geierabend-Zeit umgeschriebene Version von „Schön war, schön war die Zeit“…

Hans Martin Eickmann (links) und Günther Rückert beim Abschiedsständchen. Wehmütig beobachtet vom Präsidenten Roman Henri Marczewski.
Hans Martin Eickmann (links) und Günther Rückert beim Abschiedsständchen. Wehmütig beobachtet vom Präsidenten Roman Henri Marczewski.

Bei der letzten Vorstellung auf Zeche Zollern am Dienstagabend werden sicherlich ein paar Tränen fließen.

Dort erwartet das Publikum aber auch ein besonderer Höhepunkt. Die Verleihung des Pannekopp-Orden aus harten Stahl für „besondere“ Verdienste um das Ruhrgebiet. Während der 36 Geierabenden hatten die Zuschauer Gelegenheit, per Applaus über zwei Kandidaten abzustimmen.

Zum einen war da NRW-Ministerpräsident Armin Laschet als „Herr der Ringe“ für seine Idee, die Olympischen Spiele ins Ruhrgebiet zu holen. Ambitioniert – angesichts eines gewaltigen Sanierungsstaus im Bereich der Sportstätten.

Ebenfalls zur Wahl stand lit.COLOGNE mit ihrem ambitionierten Vorschlag für eine „Alphabetisierung vom Ruhrgebiet“ durch das Literaturfestival.

Das Ergebnis: Bei 34 der 35 Shows und ebenfalls bei der Online-Abstimmung auf der Geierabend-Website lag Laschet deutlich vorn. Ob er den „schweren“ Orden annehmen wird?

Übrigens: Es gibt auch in diesem Jahr ab dem 20. Juli wieder „Geierabend Open Air“ (Tante Amanda, Mosselde 149, Dortmund 44357).