Archiv der Kategorie: Musik

Das Opernhaus durchgepustet

Alle Kranken zerren an Jesus (Alexander Klaws). (Foto: © Björn Hickmann / Stage Picture)
Alle Kranken zerren an Jesus (Alexander Klaws). (Foto: © Björn Hickmann / Stage Picture)

Superstars können warten. Sie verschießen nicht gleich ihr Pulver. Sie warten, bis ihr Auftritt kommt. So war es auch bei der Rock-Oper „Jesus Christ Superstar“, die am 19. Oktober 2014 im Opernhaus Dortmund Premiere hatte. Haben im ersten Teil noch David Jakobs (Judas) und Patricia Meeden (Maria Magdalena) Alexander Klaws (Jesus) noch gesanglich Paroli geboten, reißt der erste Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“ vor allem beim Solo „Gethsemane (I Only Want To Say)“ alle von den altehrwürdigen Opernsitzen. Auch sonst war „Jesus Christ Superstar“ eine rundum gelungene Veranstaltung.

Die Rock-Oper von Tim Rice und Andrew Lloyd Webber erzählt die Geschichte der letzten sieben Tage von Jesus Christus in einer ganz besonderen Weise. Hier geht es nicht um die Frage der Göttlichkeit von Jesus, sondern um aktuelle Fragen wie Personenkult, blinde Gefolgschaft und Opportunismus. Keine Figur ist „gut“ oder „böse“, alle haben ihre Schattenseiten, ihre Interessen und ihre Egoismen. Im Gegensatz zu den anderen Jesus-Erzählungen ist die Figur des Judas keine eindeutig schlechte Figur, eher eine tragische. Judas will die Bewegung von Jesus vor dem Personenkult retten und sieht im Verrat die einzige Möglichkeit. Jesus ist hin- und hergerissen zwischen seiner Botschaft, dem Hype um seine Person und dem Druck der Massen. Das letztere wurde sehr schön dargestellt, als eine Vielzahl von Kranken wie Zombies auf ihn zu wanken und ihn zu erdrücken scheinen. „Ihr seid zu viele“, schreit Jesus verzweifelt.

Das Stück zeigt einen sehr menschlichen Jesus, vor allem in seiner Beziehung zu Maria Magdalena. Für manche Menschen ist das schon ungeheuerlich, daher ist „Jesus Christ Superstar“ seit 2012 in Weißrussland verboten.

Überhaupt das Bühnenbild: dargestellt ist eine Arena-Situation, die man auch aus Fernsehstudios kennt. Auf allen Seiten sitzt oder steht das Publikum, das Jesus feiert oder seinen Tod fordert. Pontius Pilatus (Mark Weigel) ist eine Art drogenkranker Moderator, der trotz Gewissensbisse doch tut, was das Volk für richtig hält („vox populi – vox dei“).

Grandios war Kammersänger Hannes Brock als „Herodes“. Brock, der bereits in der Uraufführung in Deutschland Anfang der 70er Jahre mitmachte, war das optische Highlight. Der Kammersänger war gekleidet und geschminkt als „Joker“ aus den „Batman“-Filmen und legte bei seinem „Herod’s Song“ eine veritable Show hin. Auch sehr beeindruckend war Hans Werner Bramer, der mit seinem tiefen, „bösen“ Bass dem Kaiphas ein unheimliche Aura gab.

Doch die gesanglichen Meriten verdienten sich an diesem Abend die drei Hauptfiguren. Klaws, Jakobs und Meeden, die nach ihren Songs oft Sonderapplaus bekamen. Neben den Sängerinnen und Sängern verdienten sich die Musiker der Band sowie der Choreografin Kati Farkas ein Sonderlob. Selten hat man auf der Opernbühne einen solchen Schwung und einen solch rockigen Sound erlebt. Ein großes Kompliment gehört auch dem Regisseur Gil Mehmert.

Nicht nur wegen Alexander Klaws: Mit „Jesus Christ Superstar“ hat Dortmund ein Juwel bekommen.

Zeitinsel Prokofiew im Konzerthaus

Vom 30.Oktober bis zum 01. November 2014 widmet das Konzerthaus Dortmund seine erste Zeitinsel in dieser Spielzeit dem russischen Komponisten Sergej Prokofiew. Seine Biografie ist spannend: Ausgewachsen im Zarenreich, danach eine Zeitlang im Exil gelebt, ging Prokofiew 1936 zurück in die damalige Sowjetunion.

Ars tremonia sprach mit dem Musikwissenschaftler Professor Michael Stegemann über den Komponisten und die Werke, die an den drei Tagen zu hören sind.

Melodie ist Trumpf

Am 21. und 22. Oktober 2014 ist wieder Zeit für die Dortmunder Philharmoniker. Das Zweite Philharmonische Konzert steht auf dem Programm. Der Titel lautet „Melodien_selig“.Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz sind Werke von Samuel Barber, Peter Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow zu hören.
Von Tschaikowsky werden die Variationen über ein Rokkoko-Thema für Violoncello und Orchester gespielt. Der Solokünstler ist der Schweizer Cellist Christian Poltéra. Ars tremonia sprach mit dem Künstler.

Abtauchen in einen Sommernachtstraum

Das erste Konzert „Wiener Klassik“ am 29.September im Konzerthaus brachte mehrere Sparten zusammen: Schauspiel, Oper und natürlich die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz. Darüber hinaus war das Konzerthaus mit dem Sinfonischen Frauenchor der Chorakademie vertreten.

Doch zuvor stand Schuberts dritte Sinfonie in D-Dur auf dem Programm. Geschrieben 1815, ist sie in ihrer Gesamtheit erst 1881 uraufgeführt worden. Das relativ kurze (25 Minuten) Stück versprüht eine fröhliche Stimmung und wurde von Feltz und seinen Musikern entsprechend dynamisch aufgeführt. Das wurde vor allem im vierten Satz deutlich, als Feltz und die Musiker die Zuhörer zur schwungvollen Tarantella bat.

Nach der Pause wurde es voll auf der Bühne. Chor, zwei Solisten, zwei Erzähler und die Dortmunder Philharmoniker präsentierten „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die Geschichte um Puck, Oberon, Titiana, Zettel und weiteren Akteuren aus dem Elfen- und Menschenreich von William Shakespeare ist ein Klassiker. Die Musik von Mendelssohn-Bartholdy ebenfalls, wer kennt den berühmten Hochzeitsmarsch nicht.

Friederike Tiefenbacher und Frank Genser vom Dortmunder Schauspielensemble übernahmen die Sprechrollen, während Ileana Mateescu (Mezzosporan) und Talia Or (Sopran) die Solostimmen sangen, unterstützt vom Sinfonischen Frauenchor. Gabriel Feltz ließ es sich nicht nehmen, die Rolle des Erzählers zu übernehmen. Dennoch hätte dem Stück vielleicht ein weiterer Schauspieler gut getan, so wechselte die Rolle von Puck zwischen Genser und Teifenbacher. Gut, letztendlich sind wir nicht beim Schauspiel. Der Chor und die Solistinnen fügten sich dem musikalischen Rahmen wunderbar ein.

Das 1. Wiener Klassik Konzert hat schon ein deutliches positives Signal gesetzt, aber auch schon die Messlatte recht hoch gelegt. Auf die weiteren Konzerte der Wiener Klassik freue ich mich schon.

Opulente Operetten-Gala

Nachdem die erste Ausgabe der Operetten-Gala in der Dortmunder Oper ein voller Erfolg war, kam schnell die Idee einer Folgeveranstaltung auf. So hieß es am 20.September „Der Himmel hängt voller Geigen“. Mit dabei waren die Dortmunder Philharmoniker, zwei Dirigenten, der Dortmunder Opernchor und neuen Solisten des Dortmunder Ensembles. Durch das Programm führte in gewohnt charmanter Weise Kammersänger Hannes Brock.

Bei der zweiten Auflage der Operetten-Gala fasste man den Begriff der Operette ein wenig weiter. So war ein Lied aus einer spanischen Zarzuela zu hören sowie drei Stücke aus dem amerikanischen Music play bzw. Musical. Präsentiert wurden zwei Lieder aus der kommenden Operette „Roxy und ihr Wunderteam“ von Paul Abraham, die ab 29. November in Dortmund Erstaufführung hat.

Auch wenn im Bühnenbild keine hängenden Geigen zu sehen waren, Julia Amos, Ileana Mateescu, Neuzugang Emily Newton, Tamara Weimerich, Hannes Brock, Gerado Garciacano, Lucian Krasznec, Morgan Moody und Fritz Steinbacher hatten alle gute Laune und Freude am Singen mitgebracht. Moody begeisterte bei den amerikanischen Stücken von Frederick Loewe und Richard Rogers mit seiner warmen Stimme, Lucian Krasznec sang Taschentuch ergreifend das „Wolgalied“ von Lehárs „Zarewitsch“ und Tamara Weimerich brachte mit „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ von Rudolf Stolz das Publikum zum Schmelzen. Moderator Hannes Brock ließ es sich nicht nehmen und sang außerhalb des Programmes den „Wandergesell“ aus „Der Vetter von Dingsda“.

Am Ende wurde es schwungvoll und in Dortmund wurde die „Berliner Luft“ von Paul Lincke aus „Frau Luna“ gefeiert. Als Zugabe gab es Champagner. In Form des „Champagner-Liedes“ aus der Operette von Johann Strauß „Die Fledermaus“.

Wer die Operetten-Gala verpasst hat, dem bietet sich am 11. Oktober 2014 eine weitere Chance.

Infos und Karten unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27222.

Ein heldenhafter Einstieg

Mit Beethoven, Ullmann und Strauss ging es beim 1. Philharmonischen Konzert am 16. und 17. September im Dortmunder Konzerthaus los. Als Solist war an beiden Tagen der Pianist Moritz ernst dabei. Im Mittelpunkt des Konzertes standen gemäß dem Spielzeitmotto Heldinnen und Helden. Ars tremonia war am Mittwoch dabei.

In Beethovens Leonore Ouvertüre, genauer in Leonore II op. 72a, steht eine Frau im Mittelpunkt, eben genannte Leonore. Musikalisch ist das Stück mit rund 15 Minuten recht lang für eine Ouvertüre, doch langweilig ist sie keinesfalls. Generalmusikdirektor Gabriel Feltz akzentuiert die Pausen und hatte einen schönen Einfall, die Fanfare auf der gegenüberliegenden Seite des Konzertsaales zu platzieren.

Auch wenn das Klavierkonzert op 25 von Viktor Ullmann 1939 entstand, atmet es doch den Geist des 20er und 30er Jahre, doch es zeigt schon den künftigen Weg an. Rau , ruppig und gehetzt nimmt es das Schicksal des Komponisten vorweg, der 1944 in Auschwitz ermordet wird. Ullmann versucht, die neue Musik mit der Romantik zu verbinden. Im zweiten Satz seines Klavierkonzertes wird dies besonders deutlich. Pianist Moritz Ernst arbeitete die sanfte und verletzliche Seite des Klavierkonzertes gekonnt heraus. Bemerkenswert bei Ullmanns Stück ist die Verwendung eines Banjos, in einem klassischen Orchester ein eher seltener Gast.

Nach der Pause stand die Tondichtung „Ein Heldenleben“ op. 40 von Richard Strauß auf dem Programm. Das leitmotivische Stück ist in sechs unterschiedliche Sätze unterteilt, die aber ohne Pause gespielt werden. Strauß erzählt auf musikalische Art und Weise vom Leben eines typischen Helden, von seinen Gegnern und von seiner Gefährtin, seinem Einsatz in der Schlacht, seinen Taten im Frieden und seinem Tod. Feltz führt die Sinfoniker mit seiner bekannten Energie durch das Stück, in dem vor allem die Hörner eine tragende Rolle spielen.

Der Einstieg in die neue Spielzeit ist gelungen. Spielfreude und Engagement aus der alten Spielzeit wurden in die neue herübergerettet.

Zeit für Helden

Die Dortmunder Philharmoniker packen in der kommenden Spielzeit die Heldengeschichten aus. Ars tremonia sprach mit Generalmusikdirektor Gabriel Feltz unter anderem über das neue Programm, den „live vertonten“ Film „Metropolis“ und das erste Jahr in Dortmund.

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Dortmunder Philharmoniker feiert Helden

 

Das Plakat soll die Dortmunder auf die neue Spielzeit mit den Philharmonikern aufmerksam machen. (v.l.n.r.) Gabriel Feltz (Generalmusikdirektor), Orchestermusiker, Gerhard Stranz (Publikumsinitiative PPP), Orchestermusikerin, Stephanie Schneider (Gestaltmaufaktur) und Michael Hoffmann (Theater- und Konzertfreunde)
Das Plakat soll die Dortmunder auf die neue Spielzeit mit den Philharmonikern aufmerksam machen. (v.l.n.r.) Gabriel Feltz (Generalmusikdirektor), Orchestermusiker, Gerhard Stranz (Publikumsinitiative PPP), Orchestermusikerin, Stephanie Schneider (Gestaltmaufaktur) und Michael Hoffmann (Theater- und Konzertfreunde)

„EinHeld ist eine Person mit besonders herausragenden Fähigkeiten oder Eigenschaften, die sie zu besonders hervorragenden Leistungen, sog. Heldentaten, treiben.“ So steht es zumindest in der Wikipedia unter dem Stichwort „Held“. Die Dortmunder Philharmoniker stellen ihre neue Spielzeit 14/15 ganz unter das Motto „held_innen_leben“.

 

Um die Menschen in Dortmund und Umgebung für das neue Programm zu begeistern, stehen einige große Plakate in Dortmund (unter anderem am Max-von-der-Grün-Platz). Demnächst auch an der B1. In großen Lettern steht „Wir alle können Helden sein“ auf den Plakaten. „Wir wollen damit zum einen Bezug zu unserem Jahresthema held_innen_leben herstellen“, so Feltz. „Unsere ganze Saison dreht sich um das Thema Helden – Kühnheit, Tapferkeit, Größe, Triumph und Tragik. Dazu gibt es so viel wunderbare Musik. Wir freuen uns sehr auf unsere Programme.“

Mit den 10 Philharmonischen Konzerten, den Wiener Klassik-Konzerten, den Kammermusik- und Kaffeehauskonzerten, der umfangreichen Reihe Expedition Klassik für Kinder, Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene und einigen Sonderveranstaltungen bieten die Dortmunder Philharmoniker ihrem Publikum auch in dieser Saison wieder ein spannendes, vielfältiges Programm an, das neben der großen Klassik noch weit mehr bietet. Alle Beteiligten freuen sich auf die zweite Spielzeit mit GMD Gabriel Feltz, die am 16./17.9. mit dem 1. Philharmonischen Konzert startet. Unter dem Abendmotto „helden_haft“ stehen Richard Strauss’ „Heldenleben“, Beethovens „Ouvertüre zu Leonore II“ und Viktor Ullmans Konzert für Orchester zu Klavier mit dem Solisten Moritz Ernst auf dem Programm.

 

Juicy Beats mal anders

 

Wie im Westfalenstadion bei Spielen von Borussia: Die Juicy Beats waren ausverkauft.
Wie im Westfalenstadion bei Spielen von Borussia: Die Juicy Beats waren ausverkauft.

Fette Beats, DJs, HipHop, Techno – das Festival „Juicy Beats“ im Westfalenpark ist alljährlich der Treffpunkt für Freunde elektronischer Musik jeglicher Richtung. Liebhaber leiserer Töne sollten also einen großen Bogen um das Festival machen? Ganz und gar nicht. Die „Juicy Beats“ 2014 am 26. Juli boten auch denjenigen ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm, die mehr auf Singer/Songwriter oder Poetry-Slam stehen. Ars tremonia war auf eher abseitigen Pfaden unterwegs. 30.000 Besucher sorgten für einen ausverkauften Westfalenpark.

 

Zu Beginn erlebten wir um 13 Uhr das Konzert von „Egotronic“. Elektropunk mit 8-Bit Gefühl, so dass mir als Ex-C64-Besitzer beinahe die Tränen der Rührung in die Augen schossen. Ansonsten: Klare Texte, klare Kante. Es hat sich gelohnt, dass wir so früh gekommen sind.

 

Danach ging es zur „Sounds & Poetry Stage“. Für uns als Lokalpatrioten (Tremonia ist ja ein alter Name für Dortmund) quasi Pflichtprogramm, denn Tobi Katze, Rainer Holl und „die Unordnung der Dinge“ sind Dortmunder oder leben dort. Auch Torsten Sträter hat einen Bezug zu Dortmund, er ist hier geboren.

 

Tobi Katze moderierte nicht nur das Programm, sondern eröffnete auch den Poetry Slam. Katze, Holl und Julian Gauda sowie Roman Kurth präsentierten Texte und Gedichte zwischen Comedy und Ernsthaftigkeit. Die Bühne am Seerosenteich entwickelte sich so zu einer Oase für all diejenigen, die den hämmernden Beats zu entkommen versuchen. Pointierte Worte, Sätze und Gedanken standen hier im Mittelpunkt. Ob nun die Ex-Freundin (Katze) oder Hipsterbabys (Holl) thematisiert wurde, mein Eindruck ist, dass sich Poetry-Slam doch stark dem Kabarett bzw. der Comedy-Szene annähert, was auch durch Preisverleihungen eben dieser Preise an Poetry-Slammer niederschlägt.

 

Nach dem dreifach Slam wurde es Zeit für etwas Musik: Auf der Konzerthaus-Bühne spielte Kalle Mattson, der kein Skandinavier ist, sondern aus Kanada stammt. Seine meist zärtliche akustische Folk-Rock Musik musste gegen die Beats vom benachbarten Daddy Blatzheim ankämpfen, was der Kanadier nicht immer für sich entscheiden konnte. Eine Bitte an die Veranstalter: Wenn ihr schon Musiker einladet, die mit einer akustischen Gitarre bewaffnet sind, platziert sie bitte in einer Umgebung, in der die leisen Töne nicht ganz untergehen.

 

Danach ging es zurück zu Torsten Sträter auf die „Sounds & Poetry Stage“. Bekannt aus Funk und Fernsehen, erwies sich Sträter als Meister der skurrilen Begebenheiten. Ob als Beantworter von unbeantworteten WDR-Leserbriefen oder Erlebnisberichte aus Tuttlingen, Sträter seziert gnadenlos die typischen Befindlichkeiten.

 

Zurück zur Konzerthaus-Bühne: „Yes say dog“ aus Luxemburg zeigten eine sehr gute Mischung zwischen Pop und Elektro. Das Konzert von Alligatoah verfolgten wir auf dem Bildschirm im Pressebereich (sehr geile Bühnenshow!), dann wurde es Zeit die die texanischen Country-Folk-Rocker von Calexico.

 

Ich denke, allein das Konzert von Calexico hat den Altersdurchschnitt auf dem Festival in die Höhe getrieben.Das amerikanische Quintett, das seit 1996 musiziert, ist bekannt für ihren Mix aus Country, Folk und Desert Rock.Instrumente wie Mariachi, Trompeten, Mundharmonika und Marimbas sind jetzt nicht die Klänge, die die meisten Besucher zum Kauf einer Festivalkarte animiert haben. Claexico überschritt nicht nur musikalisch, sondern auch sprachlich die Grenze zwischen USA und Mexiko.

 

Juicy Beats entwickelt sich erfreulicherweise immer weiter. Freunde jeglicher elektronischer Musikrichtungen werden hier immer fündig. Wer genauer im Programm sucht, findet auch spannende und interessante Musik jenseits von Beats und Bytes. 2015 feiert die Juicy Beats ihr 20-jährgies Jubiläum mit einem zweitägigen Festival. Man kann auf das Programm gespannt sein.

 

Wohliger Schauer im Opernhaus

Eine schwarze Spinne sorgt für Tote bei einer Graböffnung im heutigen Krakau. Woher kommt sie und wie kann man sie stoppen? „Das Geheimnis der schwarzen Spinne“nach der Kinderoper von Judith Weir lüfteten auf der großen Opernbühne Sängerinnen und Sänger des Märkischen Gymnasiums Iserlohn und Mitgliedern des Opernclubs „Tortugas“gemeinsam mit den im Orchestergraben spielenden Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Gartenstadt. Die musikalische Leitung der Produktion lag in den erfahrenen Händen von Michael Hönes.

 

Um die gruselige Geschichte zu erzählen, bot Regisseur Alexander Becker alles an Bühnentechnik auf, was zur Verfügung stand. Da die Geschichte in zwei Zeitebenen spielte, wurde auch das Bühnenbild entsprechend gestaltet. Einerseits spielt das Stück in einem mittelalterlichen Dorf in Transsylvanien, andererseits in der heutigen zeit in Krakau. Bühnenteile fuhren hoch oder runter, die Lichttechnik sorgte für eine gruselige Stimmung und lies zu Beginn und zum Ende eine riesige Spinne erscheinen. Sehr zur Freude (oder zum Schrecken?) des jüngeren Publikums.

 

Natürlich wäre es völlig verkehrt, die Aufführung nach professionellen Maßstäben zu beurteilen, zumal alle Akteure auf der Bühne oder im Orchestergraben einen engagierten und sehr spielfreudigen Auftritt hinlegten. Ein diabolischer grüner Jäger und ein arroganter Graf mit seinen ängstlichen Rittern waren der Höhepunkt. Ein klein wenig mehr Emotionen hätte ich von der Darstellerin der „Christine“ erwartet. Wenn mir eine Spinne aus dem Handrücken kröche, wäre ich bestimmt nicht so cool geblieben. Doch das ist Jammern auf einem hohen Niveau.

 

In der Musik von Judith Weir hat sich die Komponistin anscheinend bei den Klassikern der Horrorfilmmusik inspirieren lassen. Ihre Musik ist leicht modernistisch, ohne in Extreme zu verfallen. Es gibt sowohl folkloristische Lieder und zwei an Bach erinnernde Choräle zu hören.

 

Insgesamt war es ein bezaubernder, gruseliger Abend mit sehr engagierten Akteuren, für die es sicherlich ein Höhepunkt war, im Opernhaus aufgetreten zu sein. Ein guter Weg, jungen Menschen mit dem Genre Oper vertraut zu machen, von daher gehört den Organisatoren dieses Projektes ein großer Dank.