Bach und Meer

Es gibt ja Städte, in denen ein Programm mit Alter und moderner klassischer Musik nicht so gut ankommt. Anders in Dortmund. Im Rahmen des Festivals „klangvokal“ begeisterte „Det Norske Solistkor“ unter der Leitung von Grete Pedersen in der Bonifatiuskirche am 16. Mai 2016 das Publikum.

Der erste Teil des Programms bestand aus überwiegend nordischen Komponisten, nur der deutsche Lachenmann hat sich mit seiner „Consolation II“ hineingeschmuggelt. Die ersten drei Werke von Werle („Nautical prelude“), Nyström („Vid havet“) und Janson („Tre dikt av Ebba Lindqvist“) wurden fast als eine Einheit präsentiert. Auf und abschwellend bestanden die Werke nicht nur aus Gesang, sondern es wurde geflüstert oder gesprochen und mit Geräuschen gearbeitet. Vor allem Werles „Nautical prelude“ – basierend auf Wetterberichten – zeigte, wie stark die Bindung der Menschen in Skandinavien mit dem Meer ist.

Lachenmanns „Consolation II“ ist besonders bemerkenswert. Dem ersten Eindruck nach hört es sich an wie eine Etüde für Logopäden, weil der Ausgangstext, das „Wessobrunner Gebet“ vom Komponisten in seine phonetischen Einzelteile zerlegt wurde. Dennoch behält das Stück durch die 16 exzellenten Sänger seinen eigentümlichen Reiz.

Das letzte Stück vor der Pause gehörte der schwedischen Komponistin Maja Linderoth. Passend zu denn 100 Jahren „Dada“ komponierte sie 2015 mit der „Sonatform denaturerad prosa“ ein rhythmisches Stück, bei dem die Chormitglieder kleine Shaker in der Hand hielten.

Nach der Pause kam Bach. Die 16 bzw. 24 Mitglieder des Chores zeigten, dass sie auch in der Alten Musik zu Hause sind. Neben Bachs Motette „Fürchte dich nicht“ stellte der Chor auch die moderne Interpretation von Sven-David Sandström vor. Bei Sandström stand das „fürchte“ im Mittelpunkt und es hörte sich beinahe so an, als würden die Chormitglieder bei diesem Wort mit den Zähnen klappern. Tröstlich wurde es dann bei den Worten „Ich bin bei dir“.

Nach dem zweiten Bach „Singet dem Herrn“, bei dem der Chor geteilt wurde und es ein musikalisches wechselspiel gab, wurde mit dem letzten Stück „Hear my prayer, o Lord“ die Vermischung zwischen Alter und moderner Musik zelebriert. Denn Sandström vervollständigte das Fragment von Henry Purcell zu einer besonderen Melange.

Kein Wunder, dass der Chor erst nach zwei Zugaben die Kirche verlassen durfte.

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