Persische Liebeslieder in der Marienkirche

Alireza Ghorbani und seine drei Mitmusiker präsentierten den Zuhören am 18. Mai 2016 in der Marienkirche eine Auswahl klassischer persischer Musik. Ein ungewöhnliches Konzert, das aufgrund seiner fremdartigen Klänge und der Qualität der Musiker die Menschen in ihren Bann zog.

Schon die Instrumente machten neugierig: Eine Kamantsche (Stachelgeige), die persische Tar-Laute und verschiedene Rahmentrommeln erzeugten gleich einen orientalischen Sound, der die Marienkirche füllte. Dazu sang Ghorbani sogenannte Radifs, Figuren der klassischen persischen Musik als auch Tasnifs, persische Balladen.




Bach und Meer

Es gibt ja Städte, in denen ein Programm mit Alter und moderner klassischer Musik nicht so gut ankommt. Anders in Dortmund. Im Rahmen des Festivals „klangvokal“ begeisterte „Det Norske Solistkor“ unter der Leitung von Grete Pedersen in der Bonifatiuskirche am 16. Mai 2016 das Publikum.

Der erste Teil des Programms bestand aus überwiegend nordischen Komponisten, nur der deutsche Lachenmann hat sich mit seiner „Consolation II“ hineingeschmuggelt. Die ersten drei Werke von Werle („Nautical prelude“), Nyström („Vid havet“) und Janson („Tre dikt av Ebba Lindqvist“) wurden fast als eine Einheit präsentiert. Auf und abschwellend bestanden die Werke nicht nur aus Gesang, sondern es wurde geflüstert oder gesprochen und mit Geräuschen gearbeitet. Vor allem Werles „Nautical prelude“ – basierend auf Wetterberichten – zeigte, wie stark die Bindung der Menschen in Skandinavien mit dem Meer ist.

Lachenmanns „Consolation II“ ist besonders bemerkenswert. Dem ersten Eindruck nach hört es sich an wie eine Etüde für Logopäden, weil der Ausgangstext, das „Wessobrunner Gebet“ vom Komponisten in seine phonetischen Einzelteile zerlegt wurde. Dennoch behält das Stück durch die 16 exzellenten Sänger seinen eigentümlichen Reiz.

Das letzte Stück vor der Pause gehörte der schwedischen Komponistin Maja Linderoth. Passend zu denn 100 Jahren „Dada“ komponierte sie 2015 mit der „Sonatform denaturerad prosa“ ein rhythmisches Stück, bei dem die Chormitglieder kleine Shaker in der Hand hielten.

Nach der Pause kam Bach. Die 16 bzw. 24 Mitglieder des Chores zeigten, dass sie auch in der Alten Musik zu Hause sind. Neben Bachs Motette „Fürchte dich nicht“ stellte der Chor auch die moderne Interpretation von Sven-David Sandström vor. Bei Sandström stand das „fürchte“ im Mittelpunkt und es hörte sich beinahe so an, als würden die Chormitglieder bei diesem Wort mit den Zähnen klappern. Tröstlich wurde es dann bei den Worten „Ich bin bei dir“.

Nach dem zweiten Bach „Singet dem Herrn“, bei dem der Chor geteilt wurde und es ein musikalisches wechselspiel gab, wurde mit dem letzten Stück „Hear my prayer, o Lord“ die Vermischung zwischen Alter und moderner Musik zelebriert. Denn Sandström vervollständigte das Fragment von Henry Purcell zu einer besonderen Melange.

Kein Wunder, dass der Chor erst nach zwei Zugaben die Kirche verlassen durfte.




Songs aus einem multikulturellem Schmelztiegel

Am zweiten Tag des Festivals „klangvokal“ stand im domicil „Songs of Thessaloniki“, präsentiert von der charismatischen Sopranistin Savina Yannatou und „Primavera de Salonico“ (sechs Instrumentalisten), auf dem Programm. Das griechische Thessaloniki war in den letzten Jahrhunderten ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen.

Jüdisch-spanische, türkische, griechische, armenische, orientalische oder arabische Kulturen sowie Einflüsse aus dem Balkan haben in dieser Stadt Spuren und ihr altes Liedgut hinterlassen.

Um diesen musikalischen Schatz zu neuem Leben zu erwecken, begleiten die Musiker Yannatou mit Kontrabass, Violine, Percussion, Akkordeon, aber auch mit traditionellen Instrumenten wie der Kurzhalslaute Oud, der Kastenzither Kanun, der arabischen Ney-Flöte oder der Rahmentrommel.

Dabei werden die alten Lieder unterschiedlicher Völker, angesiedelt in unterschiedlichen Epochen, auf eine respektvolle und sensible Art neu arrangiert.

Den meisten Songs handeln von Liebe, Leid und Sehnsucht auf ein besseres Leben. So wundert es nicht, das eine schwermütige Klangfarbe bei den Liedern vorherrscht. Auch wenn das Publikum die Texte in den verschiedenen Sprachen nicht wörtlich versteht, wird deren Aussagekraft durch die betörende Stimme und Gesten von Yannatou sowie der instrumentalen Begleitung und Umsetzung fühlbar. Manchmal ist da weniger mehr, wie zum Beispiel bei dem einem türkischen Bektaschi-Sufi. Es genügt hier eine sparsame Begleitung mit der arabischen Ney-Flöte und einer Rahmentrommel. Beeindruckend war die Interpretation des sephardischen Volksliedes „La Cantiga del Fuego“, Es handelt vom gewaltigen Feuer 1917 im jüdisch geprägten Stadtzentrum von Thessaloniki.

Ein besonderer kultureller Einfluss sei hier noch erwähnt: Das irische Lied „Salonika“ aus der bedrückenden Zeit des ersten Weltkriegs. Mit seinem bitteren Text erinnert die neuen Fassung der griechischen Musiker den Moritaten von Berthold Brecht.

Savina Yannatous Gesang überzeugt sowohl bei den leisen-sphärisch sakralen, wie auch bei den intensiv-kraftvollen Songs. Die sechs Instrumentalisten konnten ihr Können auch bei den Solo-Partien beweisen.Ohne Zugaben kamen die Künstler natürlich nicht von der Bühne.

Das Publikum bekam einen interessanten Einblick in den reichhaltigen Einfluss der unterschiedlichen Kulturen und deren besondere und oft positiven Wirkung auf das Leben in Thessaloniki.




Barocker Nabucco

Das Auftaktkonzert am 13. Mai 2016 des diesjährigen Klangvokals gehörte einem wiederentdeckten Juwel der Barockmusik. In der Reinoldikirche wurde „Il Nabucco“ in der deutschen Erstaufführung von Michelangelo Falvetti gespielt.

Mit Verdis berühmten Oper aus dem Jahre 1842 hat das Oratorium von Falvetti fast gar nicht zu tun. Kein Gefangenenchor, keine Liebesgeschichte. Falvetti (1642-1692) erzählt etwas ausgeschmückt die biblische Geschichte von Nebukadnezar und den drei Jungen, die er in den Ofen schmeißen lässt, weil sie seine Statue nicht anbeten. Quasi eine Art Wilhelm-Tell-Geschichte. Wobei die Jungen kein Apfelschuss rettet, sondern Gott.

Falvetti, war nicht nur Komponist, sondern auch katholischer Pfarrer. Er arbeitete vor allem in Palermo und Messina und viel seiner Musik scheint durch die sizilianische Volksmusik beeinflusst worden zu sein. So ist es nicht überraschend, dass Dirigent Leonardo Garcia Alarcón mit der Cappella Mediterranea orientalische Instrumente wie Ney, Kaval und Duduk integriert, schließlich spielt das Stück ja in Babylon, dem heutigen Irak. Die fremdartigen Instrumente passen sich wunderbar in das musikalische Gesamtbild mit ein.

Nebukadnezar spielt im Oratorium eine Nebenrolle, die Hauptfiguren sind die Helden Anania, Azaria und Misaele. Mit Mariana Flores, Caroline Weynants und Lucia Martin Carton hat man für die Rollen auch echte Glücksgriffe getan. Aber auch Fernando Guimarães (Nabucco), João Fernandez (Daniele) und Raffaele Pé als Ratgeber Nabuccos überzeugen konnten. Allein Matteo Bellotto hätte als Personifikation des „Euphrats“ ein wenig „wilder“ sein können. Der „Chœur de Chambre de Namur“ unterstützte als „Volk“ das Werk.

Eine gute Idee der Organisatoren war, die (deutschen) Texte auf zwei Leinwände zu projizieren, dazu wurde der Altarraum der Reinoldikirche in unterschiedliche Farben getaucht. Als die drei Jungen in den Ofen geschickt wurden, natürlich in Rot.

Ein gelungener Auftakt in ein spannendes Festival.




Wohlfühlen bei Wiener Klassik

Das dritte Konzert Wiener Klassik am 02. Mai 2016 hatte wieder einen Abend voller Wohlfühlmusik anzubieten: Mozart, Beethoven, Gluck und Boccherini. Andreas Sperring vertrat den erkrankten Lorenzo Viotti und Sergey Dogadin brillierte als Solist.

Vier Komponisten, aber drei Stücke. Wie geht das? Sperring verband die tragische Ballett-Pantomine „Don Juan“ von Gluck mit dem dritten Satz von Boccherinis vierter Sinfonie. Boccherini hörte die Musik von Gluck bei einer Aufführung in Wien und war von ihr angetan.

Der Höhepunkt vor der Pause war Mozarts Violinkonzert in G-Dur. Solist Dogadin spielte das Stück des jugendlichen Mozarts mit Bravour und Eleganz. Mozarts Violinkonzert klingt ziemlich opernhaft und Dogadin zeigte sich als meisterhafter Solist, der das „Zwiegespräch“ mit dem Orchester dankend annahm.

Ein Schattendasein führt Beethovens vierte Sinfonie, vergleicht man die Popularität seiner anderen Sinfonien. Mit Sicherheit zu Unrecht, denn sie ist heiter, fröhlich, aber auch musikalisch kraftvoll. Der erste Satz beginnt langsam und tastend, um dann pulsierend vorwärts zu treiben. Poetisch-romantisch ist hingegen der langsame (adagio) zweite Satz, währen die beiden letzten Sätze voller Energie sind. Die vierte Sinfonie steht zwischen Klassik und Romantik oder besser, hat die romantische Musik sicher beeinflusst. Diesen musikalischen Spagat bekamen die Dortmunder Philharmoniker an diesem Abend in gewohnter Manier hin.




Ein hochromantisches Kammerkonzert

Klarinette, Viola und Klavier, mehr brauchte es beim 04. Kammerkonzert am 09.05.16 nicht, um im Orchesterzentrum für einen romantischen Abend zu sorgen. Mozart, Bruch und vor allem Schumann standen auf dem Programm, das den passenden Titel „Märchenbilder und Fantasiestücke“ trug.

Dass Freizeitbeschäftigungen wie Billard oder Kegeln durchaus schöpferische Ideen vorbringen, zeigt Wolfgang Amadeus Mozart mit seinem Kegelstatt-Trio zu Beginn des Programms. Heiter und fröhlich wird hier von Frauke Hansen (Klarinette), Roman Nowicki (Viola) und Tatiana Prushinskaya (Klavier) musiziert. Diese besondere Instrumentenkombination inspirierte auch weitere Komponisten wie Robert Schumann (Märchenerzählungen op. 132) und Max Bruch (Acht Stücke op. 83).

Schumann stand aber im Mittelpunkt des Kammerkonzert. Neben den erwähnten Märchenerzählungen, wurden noch die Märchenbilder op. 113 (Viola und Klavier) und die Fantasiestücke op. 73 (Klarinette und Klavier). Einen Soloauftritt bekam Prushinskaya am Klavier mit den Abegg-Variationen op.1.

Ein kurzweiliger Abend mit kurzweiligen Stücken und gut aufeinander eingespielten Musikern.




Vielfalt der Schlaginstrumente

Schlagzeuger im klassischen Orchester sind meist unüberhörbar. Meist an der Pauke stehend unterstützen sie mit kraftvollen Schlägen die dramatischen Stellen der Musik oder setzen lautstarke Akzente (und wecken damit den einen oder anderen im Publikum). Doch Schlagzeuger können noch mehr. Beim 3. Kammerkonzert der Dortmunder Philharmoniker im Orchesterzentrum Dortmund am 04.04.16 präsentierten vier Schlagzeuger mit einem Flötisten die unglaubliche Spannweite der Schlaginstrumente.

Ein Schlagzeug ist laut und macht Krach, so die gängigen Vorurteile. Aber man kann Schlaginstrumenten auch zärtliche und wohlklingende Töne entlocken. Lorris Dath, der Schlagzeuger der Dortmunder Philharmoniker, und seine Kollegen aus den benachbarten Sinfonieorchestern, zeigten dies bereits im ersten Stück. Die Sonate von Johann Sebastian Bach im g-moll (BMV 1020) wurde in der Kombination Flöte und Marimbaphon gespielt. Hier waren neben Flötist Felix Reimann von den Dortmunder Philharmonikern gleich zwei Schlagzeuger an dem Marimbaphon, das an ein überdimensionales Xylophon erinnert. Diese ungewöhnliche Zusammenstellung erinnerte ein wenig an den Komponisten George Benjamin, der alte Stücke auch ungewöhnlich instrumentiert, beispielsweise Purcell mit einer Celesta. Bei Bach ersetzte das Marimbaphon das Cembalo.

Schlagzeuger trommeln ja auf allen Dingen gerne herum. Das machte sich der Komponist Thierry de Mey zunutze und komponierte ein Stück für drei Holzbretter. Sein „Musique de table“ ist ein wunderbaren kleines choreografiertes Stück voller Rhythmik und nonverbaler Kommunikation zwischen den Musikern.

Ein Standartwerk für Schlagzeuger ist das Stück „Suite en concert“ von André Jolivert. Hier werden die uralten Instrumente Flöte und Schlagwerk in einer mystischen Kombination verpackt. Die Klänge, die dabei entstehen erinnern die Anfänge der Menschheitsgeschichte oder an alte, untergegangene Kulturen.

Nach der Pause wurde es artistisch. Denn dann kam zur Musik noch eine Künstlerin die mit zwei Vertikaltüchern einige Kunststücke präsentierte. Passend zum Stück „Bordel 1900“ von Astor Piazolla wurde die Bühne in Rot getaucht.

Dass Schlagzeuger auch schauspielerische Qualitäten haben müssen, zeigte „Toucher“ von Vinko Globokar. Basierend auf der französischen Version von Brechts „Galileo“ musste Dath nicht nur die französischen Laute der Textfragmente auf Schlaginstrumenten nachahmen, sondern auch die Szenen darstellen. Auf alle Fälle war es ein großer Spaß für das Publikum.

R-L-R-R, L-R-L-L. Schlagzeuger wissen sofort: Das ist ein Paradiddle, eine Schlagfolge. Paradiddles und sogennante Rudiments gehören zum täglichen Brot des Schlagzeugers. Passend zum Titel „Teamwork“ von Mitch Markovich kamen alle vier Schlagzeuger auf die Bühne und präsentierte die unterschiedlichen Rudiments, die ihre Wurzeln in der amerikanischen Marschmusik haben.

Den Abschluss des sehr abwechslungsreichen Programms bildete die „Chega de Saudade“ für Flöte und vier Schlagzeuger des brasilianischen Komponisten Antonio Carlos Jobim.

Neben Lorris Dath spielten Slavik Stakhov, Klaus Bertagnolli und Aron Leijendeckers an den Schlaginstrumenten.




Russische und böhmische Vollendung

Mit Dvořák, Prokofjew und Schostakowitsch bekam das 7. Philharmonische Konzert am 15. und 16. einen slawischen Touch. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gastdirigent Oleg Caetani und die Solistin Caroline Goulding sorgten für für einen vollendeten Abend. Ein Bericht vom Konzert am 15. März 2016.

Hinter Dvořáks „Othello“-Ouvertüre op.93 steht keine Oper, wie man vielleicht vermuten könnte. Der böhmische Komponist schrieb die drei Konzertouvertüren „In der Natur“, Karneval“ und eben „Othello“ zwischen 1891 und 1892 um verschiedene Aspekte des menschlichen Lebens in musikalische Form zu bringen. Bei „Othello“ geht es um die Liebe. Sehr eindringlich geht es in dem kurzen Stück um die Daseinsformen eines Liebenden, von der Leidenschaft über die Eifersucht bis hin zur Missgunst. Die Musiker der Dortmunder Philharmoniker schafften es die unterschiedlichen Empfindungen musikalisch umzusetzen. Ab und an erklingen einige Takte, die wie ein Vorgriff auf Dvořáks berühmte 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ klingen.

Danach stand das Konzerthaus ganz im Bann der jungen Violinistin Caroline Goulding. Die Amerikanerin spielte das 2. Violinkonzert von Sergej Prokofjew. Das Konzert schrieb der russische Komponist kurz vor seiner Rückkehr in die Sowjetunion. Der heitere Charalter des Stückes täuscht, denn das dreisätzige Violinkonzert ist für den Solisten sehr fordernd. Doch die technischen Herausforderung meisterte Goulding souverän.

Nach der Pause ging es mit der 15. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch weiter. In der modernen Musik würde man so etwas „sampeln“ nennen, was der Komponist in seiner Sinfonie verarbeitet hat. Zunächst ist im ersten Satz die „Reitmusik“ aus Rossini Ouvertüre zu „Guillaume Tell“ prominent zu hören. Im vierten Satz zitiert Schostakowitsch neben Wagners „Walküre“ auch sich selbst. Die gewaltige Sinfonie ist eine Art Zusammenfassung eines Lebens. Es beginnt sinnbildlich mit Uhrenschlägen und endet auch damit. Die 15. Sinfonie ist vielleicht nicht so bekannt wie Schostkowitschs 7. Sinfonie (Leningrader), aber sie ist ein schönes Beispiel seiner Kompositionskunst in den letzten Jahren seines Lebens.




Der Friedensplatz wird zum Konzertsaal

Hoffen auf gutes Wetter: für die vier Konzerte (v.l.n.r.) Sabine Gliniewicz (Sparkasse Dortmund) Dirk Rutenhofer (Cityring), Ashley Thouret (Sängerin Oper Dortmund), Generalsmusikdirektor Gabriel Feltz (Dortmunder Philharmoniker) und Frank Schulz (City Marketing Dortmund)
Hoffen auf gutes Wetter: für die vier Konzerte (v.l.n.r.) Sabine Gliniewicz (Sparkasse Dortmund) Dirk Rutenhofer (Cityring), Ashley
Thouret (Sängerin Oper Dortmund), Generalsmusikdirektor Gabriel Feltz
(Dortmunder Philharmoniker) und Frank Schulz (City Marketing Dortmund)

Oper, Musical, Familienkonzert und Elektro meets Classic. Der Sommer wird heiß auf dem Friedensplatz zwischen dem 26. und 28. August 2016. Denn erstmals finden dort die Cityring-Konzerte statt. Im Mittelpunkt stehen die Dortmunder Philharmoniker.

Die Auftaktveranstaltung gehört der Oper. Am 26. August heißt es ab 20:30 Uhr „Sempre libera!“ und es erklingen viele bekannte Opernmelodie wie dem „Zigeunerchor“ oder der Arie „Sempre libera!“ aus „La Traviata“. Neben dem Dortmunder Opernchor werden auch einige Solisten dabei sein wie Emily Newton, Ileana Mateescu und Karl-Heinz Lehner.

Am Samstag, dem 27. August um 20:30 Uhr vereinigen sich Orchesterklang mit Elektronischer Musik. Moonbootica feat. MIKI wollen mit den Dortmunder Philharmonikern einen Mix aus Soul, Elektro und HipHop zaubern.

Olympisch wird der Friedensplatz am 28. August um 11 Uhr. Denn dann erscheinen die Musiker des Orchesters nicht wie gewohnt im Anzug, sondern wie es sich bei Olympischen Spielen gehört, im Trainingsanzug und zeigen, zu welchen Leistungen sie in der Lage sind.

Der 28. August wird um 20 Uhr mit einer Musical-Night beendet. „A Night full of stars“ lautet der Titel und neben Alexander Klaws und Patricia Meeden steht auch das Dortmunder Ensemblemitglied Morgan Moody auf der Bühne. Die Besucher erleben dann eine Entdeckungsreise durch die Welt des Musicals von den Anfängen bis zu den Hits der Gegenwart.

Karten sind ab sofort erhältlich unter der Internetadresse: https://www.etix.com/ticket/v/11626/cityring-konzerte-friedensplatz-dortmund?cobrand=Cityring




Meister der Klangfarben

Auch wenn George Benjamin der Lieblingsschüler von Olivier Messiaen gewesen ist, ein französischer Komponist ist er dennoch nicht werden. Das wäre für den 1960 in London geborenen Komponisten, Dirigenten und Pianisten auch ziemlich ungewöhnlich. Das Konzerthaus Dortmund präsentierte Benjamin von 10. bis zum 12. März 2016 in einer dreitägigen Zeitinsel. Die Besucher erlebten in den drei Tagen aufregende neue Musik mit einer ganzen Fülle von unterschiedlichen Klangfarben.

Der erste Tag der Zeitinsel begann mit einem schönen Beispiel von Benjamins Klangmagie. In Purcells „Fantasia Nr. 7“ baute er eine Klarinette und eine Celesta ein. Vor allem der glockenartige Klang der Celesta sorgte für eine sphärische Klangfarbe in dem Werk aus der Barockzeit.

Danach wurden auch werke von Benjamin gespielt. „Flight“ aus dem Jahre 1979 machte die Flöte zu einem besonderen Soloinstrument. Benjamin schafft es in dem kleinen Werk der Flöte neben Dramatik auch einen Hauch von Mehrstimmigkeit zu verleihen. Ein großes Lob gebührt Julia Gallego für ihre Darbietung.
Die Viola oder Bratsche ist ein wenig das Stiefkind des Orchesters. Daher hat Benjamin mit „Viola, Viola“ (1997) ein mitreißendes Werk für dieses Instrument komponiert. Sehr schön gespielt von Méatrice Muthelet und Anna Puig Torné.

Zwischen den Stücken war Zeit für ein Gespräch. Marie Luise Maintz, die an den drei Tagen auch die Einführung gab, sprach mit Benjamin über seine Musik. Eine sehr informative Sache, zumal Benjamin auch über eine gute Portion britischen Humors verfügte.

Am zweiten Tag konnten die Besucher Benjamin zum ersten Mal auch als Dirigenten bewundern. Bachs Kanon und Fuge aus „Die Kunst der Fuge“ sowie Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ standen vor der Pause auf dem Programm. Der Höhepunkt des Abends war die konzertante Aufführung von „Into the Little Hill“, eine lyrische Erzählung in zwei Teilen aus dem Jahre 2006. Inhaltlich bezieht sich die Erzählung aus die Rattenfänger-Saga. Zu der Besonderheit, die Benjamin für sein Werk auszeichnet, gehört, dass die Erzählung von der Kontraaltistin Hilary Summers sowie von der Sopranistin Anu Komsi gesungen werden. Die beiden übernehmen natürlich unterschiedliche Rollen. Auch für sein 45-minütiges Werk benutzt Benjamin ungewöhnliche musikalische Klangfarben wie dem ungarischen Hackbrett, dem Zymbal.

Der dritte Tag gehörte der großen Oper von Benjamin „Written on Skin“, die er 2012 komponierte. Die halbszenische Aufführung über die Sage des Troubadours Guillaume de Cabestanh riss die Besucher am Samstagabend zu Begeisterungstürmen hin. In der Legende verführt de Cabestanh die Frau eines anderen Adligen. Dieser tötet de Cabestanh und gibt dessen Herz seiner Frau zu essen. Die wiederum stürzt sich zu Tode.

Bei Benjamins Librettisten Martin Crimp ist der Troubadour ein junger Maler, der dem Landesherrn, dem Protektor, ein Buch malen soll, in dem er und seine Frau Agnès als gütiges Herrscherpaar eine positive Rolle spielen sollen. Doch es stellt sich schnell heraus, dass der Protektor ein grausamer Mensch ist und Agnès, jung verheiratet, sich nach Liebe sehnt. So nimmt das Schicksal wie in der Sage ihren Lauf.

Ein großes Lob verdienten sich neben den Musikern des Mahler Chamber Orchestra sich die Sängerinnen und Sänger. Vor allem die drei Hauptfiguren Agnès (Barbara Hannigan), der Protector (Christopher Purves) und vor allem Countertenor TimMead (Junge).

Die Zeitinsel über George Benjamin war eine großartige Entdeckungsreise in die Welt der neuen Musik.