Bunter Querschnitt durch die Musikwelt

Die Veranstalter des "Live Spot" freuen sich auf viele Besucher.
Die Veranstalter des „Live Spot“ freuen sich auf viele Besucher.

Schon zum fünften Mal veranstaltet der BRÜCK AUF e.V. in Kooperation mit unterschiedlichen Partnern an verschiedenen Orten am Samstag, den 03.09.2016 von 14:00 Uhr – 22:00 Uhr, sein jährliches Kulturfestival LIVE SPOT im Dortmunder Brückviertel.

Das Festival lockt das Publikum mit einem umfangreichen und vielfältigen Angebot bei überwiegend freiem Eintritt an. Nur bei „Oma Doris“ ist ein Obulus fällig. Zu den Partnern gehören das Konzerthaus Dortmund, der Jazz-Club „domicil“, das Pianohaus H. van Bremen, Neo Vaude, Mosaik, Tanzcafé „Oma Doris“, die Kneipe „zum Schlips“sowie die Stadt Dortmund. DerAusgangspunkt ist ab 14:00 Uhr das Dortmunder Konzerthaus. Mit seinen Außentheken lockt es das flanierend potentielle Publikum für die ersten Highlights an.

Christian Lenzing und Dr. Jan Boecker vom Konzerthaus verrieten, dass der Schwerpunkt in diesem Jahr auf Weltmusik liegt. Um 14:00 Uhr beginnt es musikalisch Portugiesisch mit Aline Franzão. 15:15 Uhr geht es weiter mit dem iranischen Percussionisten Mohammad Reza Mortazavi. Ab 16:45 Uhr heizen die südamerikanische Band Vello Público mit einer musikalischen Bandbreite von Rap, Rock, Ska, Reggae und Funk die Stimmung an

Auf der Open-Air Kronenbühne unterhalb der Reinoldikirche geht es nach einem Warm up um 16:30 ab 18:00 Uhr mit Shari Watson, besser bekannt als Truth Hurts ordentlich ab. So zirka 19:45 folgen dann die Jungs von „Nepomuk“ mit akustischen Pop-Tönen. Ab 20:45 Uhr spielt dann die Mainstream Rock-Pop Band „Captain Disko“ bis ungefähr 22:00 Uhr und beendet das Programm dort.

Max van Bremen verriet, was es im Pianohaus van Bremen für Klassik-Fans ab 17:30 Uhr zu hören gibt. Die junge italienische Pianistin Irene Veneziano wird auf dem Digital-Piano etwas von Chopin und Liszt spielen.

Parallel dazu begleitet die Acoustic Groove-Band „Levit“ die Menschen auf der Brückstraße mit ihrer Straßenmusik. Ab 17:00 Uhr ist laut ihrem Sänger Frank Scheele „einheizen“ angesagt. Im „domicil“ findet ab 20:00 Uhr eine Singer Songwriter Summer Session mit Hannes Weyland statt.

Wer dann noch Lust hat, kann um 22:00 Uhr in der Kneipe „Zum Schnaps“ abfeiern. Als Abschluss kann man im Tanzcafé „OMA DORIS“ Spezial für einen noch nicht bekannten kostenpflichtigen Betrag Rooz Lee, Deutschraps rasenden Reporter, live in Action erleben. Es ist also für jede Altersgruppe etwas passendes dabei.

Übrigens: Gastronomen der Umgebung mit Ideen sind aufgerufen, sich einzubringen und mit zu machen!




Amsterdam Klezmer Band – Tanzen und Feiern in Dortmund

Die Bandmitglieder auf der Reise durch die unendlichen Weiten von Klezmer und Weltmusik. (Foto: © Amsterdam Klezmer Band)
Die Bandmitglieder auf der Reise durch die unendlichen Weiten von Klezmer und Weltmusik. (Foto: © Amsterdam Klezmer Band)

Die Amsterdam Klezemer Band wird 20 Jahre alt. Neben einer brandaktuellen Platte („Oyoyoy“) tourt die Band durch Europa. Angefangen haben die sieben Musiker mit traditioneller Klezmermusik, die sie aber im Laufe der Zeit mit weiteren Musikstilen veredelt haben. Im Rahmen ihrer Jubiläumstournee tritt die Band auch am 19. August um 17 Uhr auf dem Micro!Festival in Dortmund auf. Ars tremonia stellte Posaunist Joop van der Linden ein paar Fragen:

Ars tremonia: Ihr feiert 20jähriges Bandjubiläum. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Van der Linden: Vor 20 Jahren spielten wir in Amsterdam die klassischen Klezmermelodien, die wir von Aufnahmen kannten, auf der Straße. Heute spielen wir auf den Bühnen der ganzen Welt die Musik, die wir komponiert haben und haben mit dieser Musik internationale Anerkennung bekommen als Erneuerer des Klezmers und als Quelle neueren Klezmer-Repertoires.

Die Musik hat sich zusammen mit uns zu Musik der Gegenwart entwickelt , aufgebaut auf den Fundamenten der Vergangenheit, aber unter Berücksichtigung der Sounds von heute.

Ars tremonia: Welche Musiker haben sie am meisten beeinflusst?

Wir sind sieben sehr unterschiedliche Musiker, mit sehr unterschiedlichen Geschmäckern, Hintergründen und Einflüssen. Wenn ich diese Frage richtig beantworten müsste, müsste ich sieben verschiedene Antworten geben. Oder ich müsste eine sehr lange Liste aller Einflüsse schreiben.

Van der Linden: Aber eine Zusammenfassung der Liste sollte in jedem Fall enthalten: Coçani Orkestar, Fanfare Ciocarlia, Naftule Brandwein, James Brown, Reggae, Miles Davis, Hip-Jop, Sonny Rollins, Igor Stravinsky, Bootsy Collins, und dann höre ich besser auf, weil sonst wird die Liste doch wieder sehr lang.

Ars tremonia: Was können die Besucher in Dortmund erwarten?

Van der Linden: Feiern, schöne Musik, virtuose Soli, eine gute Stimmung, zusammen tanzen, Momente zum Mitsingen, melancholische Momente, habe ich schon feiern gesagt? Schweiß, Einsatz, Leidenschaft.

Der Beitrag des Publikums darf auch nicht unterschätzt werden. Ein Konzert ist eine Wechselwirkung zwischen Band und Publikum. Zusammen können wir eine unvergessliches Ereignis daraus machen.

Ars tremonia. In den vergangen 20 Jahren hat sich die politische Stimmung verändert. Ich denke vor allem an den wachsenden Rechtspopulismus (PVV in den Niederlanden, die AfD in Deutschland, Ungarn). Ist eure Musik auch ein Statement gegen diese Entwicklung?
Van den Linden: Wir finden, das Musik vor allem als Musik gesehen werden soll und wir sehen uns nicht als Band, die politische Statements macht.

Wir machen uns aber privat Sorgen über bestimmte Entwicklungen, die zur Zeit stattfinden. Weil Intoleranz und der Ausschluss von einer bestimmten Gruppe von Menschen finden wir nicht akzeptabel.

Unsere Musik ist für jeden gedacht, unsere Musik versucht Grenzen zu überschreiten und eine Verbindung herzustellen. Das ist immer so gewesen und dafür stehen wir weiterhin.

Die Amsterdam Klezmer Band sind:

Saxophon, Klarinette, Gesang
Job Chajes
Trompete
Gijs Levelt
Kontrabass, Banjo
Jasper de Beer
Gesang
Alec Kopyt
Klarinette
Janfie van Strien
Posaune
Joop van der Linden
Akkordeon
Theo van Tol



Der Friedensplatz wird zum Schmelztiegel der Kulturen

Die Amsterdam Klezmer Band eröffnet das diesjährige MICRO!Festival. (Foto: © Fred van Diem)
Die Amsterdam Klezmer Band eröffnet das diesjährige MICRO!Festival. (Foto: © Fred van Diem)

Die 23. Ausgabe des MICRO!Festival präsentiert vom 19. bis 21. August 2016 Künstlerinnen und Künstler aus 15 Ländern. Ein Schwerpunktthema des Festivals für Straßentheater und Weltmusik ist in diesem Jahr Flucht und Vertreibung.

Musikalisch kann sich Dortmund dieses Jahr auf ein ganz besonderes Ereignis freuen: Die Amsterdam Klezmer Band aus den Niederlanden ist auf Jubiläumstour und wird am 19. August um 17 Uhr auftreten. Daneben gibt es Folkrock mit der finnisch-ukrainischen Band „Svjata Vatra“, finnischen Tango spielen „Uusikuu“ und polyphonen Gesang machen „Laboratorium Pieśni“. Den Abschluss des Festivals am 21. August gebührt der französischen Sängerin Valérie Ekoume mit ihrem Afro-Pop.

Neben Musik hat das MICRO!Festival auch sehr viel Straßentheater im Gepäck. Das „TheaterFragile“ aus Berlin und Detmold beschäftigt sich am 19. August um 19:30 Uhr mit Ängsten und Hoffnungen von Flüchtlingen. Dank einer Tourförderung ist es dem Theater gelungen sieben Laienschauspieler in Dortmund zu präsentieren. Ein Autofahrer sucht seine große Liebe. Dieses Thema wird die niederländische „Campagnie MOBIL“ am 19. August und „MC Fois“ aus Italien am 21. August auf unterschiedliche Weise behandeln. In „Las Polis“ versuchen zwei überaus korrekte Polizistinnen ihren chaotischen Alltag zu meistern.

Der Höhepunkt des Festivals ist die große Straßentheater-Inszenierung am Samstagabend (20. August um 22 Uhr). Neun junge Akrobatik-Künstler von der Staatlichen Artistenschule in Berlin zeigen ihre Talente.

Selbstverständlich gibt es auch in diesem Jahr ein Angebot internationaler Küche sowie einige Souvenirstände.

Das Programmheft gibt es als PDF unter www.microfestival.dortmund.de, sowie gedruckt bei DORTMUNDtourismus und an vielen anderen öffentlichen Stellen.




Mystische Klangwelt aus Aserbaidschan

Erneut war die Marienkirche Schauplatz für Musik aus dem islamischen Raum. Verzauberte Alireza Ghorbani bereits am 18. Mai 2016 mit seinen persischen Liebesliedern das Publikum, brachte uns Alim Qasimov samt seiner Tochter Fargana und seinen musikalischen Mitstreitern ins ferne Aserbaidschan. Ganz ohne fliegende Teppiche.

Der typisch aserbaidschanische Mugam-Gesang wird nicht in Noten aufgeschrieben, sondern von Generation zu Generation weitergegeben, es enthält komponierte und improvisierte Elemente. Es ist eine spirituelle Musik, die Ähnlichkeiten mit den Sufismus hat.

Ohne Zweifel ist Alim Qasimov ein Meister des Mugam. Schon mit den ersten Tönen erfüllte er die Marienkirche mit seinem fremdartigen, immer hypnotischer werdenden Gesang, der im Wechselgesang unterstützt wurde von seiner Tochter Fargana.

Wer beim Konzert von Ghorbani dabei war, wird einige Instrumente wiedererkannt haben. Die Kamantsche (eine Stachelgeige) spielte Rauf Islamov. Die Tar, ein Instrument, das einer Laute ähnelt, Zaki Valiyev. Ein besonderes Instrument spielte Rafael Asgarov: Eine Balaban. Sie ist eine aserbaidschanische Flöte, die mit ihrem Klang orientalische Welten öffnete. Javidan Nabiyev spielte eine Nagara, eine spezielle Trommel.

Das Konzert zeigte, warum Qasimov bereits mit dem Kronos Quartett und anderen Akteuren aus dem klassischen Bereich zusammengearbeitet hat. Er schaffte es, zusammen mit seiner Tochter, die Magie des Mugam für das Publikum in der Marienkirche erfahrbar zu machen. Für Freunde der Weltmusik war es ein ganz besonderer Abend.




Schöner Abschluss für Klangvokal Festival

Mit „Von Wien nach New York“ im Dortmunder Konzerthaus endete am 12.06.2016 das Klangvokal Festival 2016 mit einer musikalischen Mischung aus Oper, Operette und Musical.

Mit der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung des erfahrenen Dirigenten Friedrich Haider, der renommierten Sopranistin Elsa Dreisig und den in unserer Stadt beliebten Tenor Lucian Krasznec hatte man für dieses Programm eine gute Wahl getroffen. Ausgewählt wurde Musik von Gioacchino Rossini, Franz Lehár, Johann Strauß Sohn und Leonard Bernstein.

Eine instrumentale Einführung der Musik der Komponisten wurde durch das Orchester jeweils voran gestellt. So zu Beginn spritzig-temperamentvolle italienische Musik von Rossini, die Ouvertüre zur Oper „Semiramide“ (1823). Bei der „Cavertine der Semiramide „Bel raggio lusinghier“ konnte eine strahlende Elsa Dreisig gleich ihr Können beweisen.

Lucian Krasznec zeigte bei bei Rossinis „La Danza“ seine temperamentvolle Seite. Die folgenden Arie des Octavio aus Franz Lehárs Giuditta „Freunde, das Leben ist lebenswert!!“ sang er mit starker Inbrunst und Überzeugung.

Mit viel Gefühl wurde von Dreisig das Lied der Hanna Glawary (Vilja-Lied) gesungen. Das folgende Duett „Lippen Schweigen aus der Lustigen Witwe war einer der romantisch-emotionalen Höhepunkte des Nachmittags. Melancholisch wurde es kurz vor der Pause mit dem „Wolgalied“ aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauß Sohn. Berührend gesungen von Krasznec.

Nach der Pause ging es zunächst weiter mit der Österreich-ungarisch geprägten Musik von Johann Strauß Sohn zwischen Walzerklängen und Zigeunermusik. Das Lied der Saffi „So elend und so treu“ aus dem Zigeunerbaron, zeugt von einem ambivalenten Verhältnis zu den „Zigeunern“. Das folgende Duett „Wer uns getraut“ aus dem Zigeunerbaron hat etwas ironisch komisches.

Der letzte Abschnitt war der Musik von Leonard Bernsteins aus dem New York der 1950er Jahre gewidmet. Das 1956 kurz vor seiner „West Side Story“ !957) entstandene „Candide“, eine Mischung aus Operette, Opern-Persiflage und Musical, dürfte einigen im Publikum nicht so bekannt gewesen sein. Die fröhlich unbeschwerte Ouvertüre zu „Candide“ ist jedoch das meistgespielte konzertante Werk Bernsteins.

Mit „Candide´s Lament“ und dem Duett „Oh, Happy We“ wurden dem Publikum zwei Stücke aus „Candide“ näher gebracht. Mit den bekannten Stücken aus der West Side Story „I feel pretty“ und und dem Duett von Maria und Tony (Balkonszene) mit „Tonight, tonight“ endete das offizielle Programm.

Das begeisterte Publikum ließ die Akteure natürlich nicht ohne Zugaben von der Bühne. Lucian Krasznec ließ es sich nicht nehmen, für „Dein ist mein ganzes Herz“ aus „Land des Lächelns“ von Lehár eine junge Dame aus der ersten Reihe als Partnerin auf die Bühne zu holen.

Wunderbare Stimmen, ein gut aufgelegtes Orchester und ein insgesamt gut zusammengestelltes Programm bildeten ein würdigen Abschluss für das Klangvokal Festival.




Afro-kubanischer Zauber

Yilian Cañizares mit Kontrabassist David Brito und Schlagzeuger Cyril Regamey. (Foto: © Anja Cord)
Yilian Cañizares mit Kontrabassist David Brito und Schlagzeuger Cyril Regamey. (Foto: © Anja Cord)

Verdienter Applaus für eine hervorragende Sängerin samt Hochkarätiger Band. Der Auftritt der Kubanerin Yilian Cañizares am 11. Juni 2016 im domicil im Rahmen des Festival klangvokal verband Jazz und afro-kubanische Weltmusik.

Cañizares brachte viele Songs aus ihrer aktuellen CD „Invocacion“ (Anrufung) mit. Hierbei ging es textlich vor allem über ihre Familie und weitere Personen, die sie stark beeinflusst haben. Aber auch poltische Themen wurden nicht ausgespart. So dreht sich „Mapucha“ um die Frauenemanzipation.

Gesanglich wird Cañizares gerne eine Nähe zu Edith Piaf attestiert wegen ihrer rauchigen Stimme, sie konnte aber auch mit klaren Obertönen singen. Ihre Spezialität ist nicht nur das Geigenspiel, sondern auch der lautmalerische Scatgesang. In der Mischung zwischen Jazz, Pop und Weltmusik lag eine besondere Energie, die sich sofort aufs Publikum übertrug. Zu ihren musikalischen Einflüssen gehört auch die Kultur der Yoruba, einem afrikanischen Volkes, das hauptsächlich in Nigeria lebt.




Renaissance-Polyphonie aus Böhmen

Mit dem Konzert des Ensembles Cappella Mariana am 10. Juni 2016 im Rahmen des Festivals Klangvokal erklang in der Marienkirche eine selten gehörte Spezialität: Lieder aus dem Codex Speciálník, einem böhmischen Liederbuch aus dem späten 15. Jahrhundert.

Neben vielen unbekannten Komponisten ist der Einfluss flämischer oder französischer Komponisten im Codex Speciálník deutlich. Werke des franko-flämischen Komponisten Gaspar von Weerbeke sind ebenfalls darin verzeichnet wie die von Johannes Touront oder des Deutschen Heinrich Finck.

Vojtěch Semerád, der Leiter des Ensembles hatte das Konzert zweigeteilt: Für den ersten Teil hatte er Lieder aus dem Codex für eine typische Messe – also Credo, Gloria u.a. – zusammengestellt, nach der Pause erklangen Lieder für besondere Feste.

Die Musik der Renaissance kann man sich ohne Humanismus nicht vorstellen. Natürlichkeit und „Vermenschlichung“ der Musik waren die Forderungen. Klanglich war das beim Konzert der „Cappella Marinan“ deutlich zu hören. Musik, die man im heutigen Konzertbetrieb leider viel zu wenig zu hören bekommt. Ein großes Lob an die Sänger und Musiker.




Dem Vergessen entrissen – De profundis

Als Sonderkonzert der Dortmunder Philharmoniker im Rahmen des Klangvokal Festivals unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz wurde das 2012 angedachte Projekt „De Profundis“ im Konzerthaus verwirklicht. Der Hörder Historiker Willig Garth ist auf den Hörder Komponisten Eduard Wilsing aufmerksam geworden, hat nachgeforscht und die Fragmente von De Profundis zusammengetragen. Diese ganze Arbeit ist dann unter anderem im Rahmen der Schriftenreihe des Heimatvereins Hörde veröffentlicht worden.

Das zweiteilige Konzert mit sechs beteiligten Chören ( 300 Sängerinnen und Sänger) und fünf renommierten Solo-Sängern widmete sich im ersten Teil Felix Mendelssohn Batholdys „Die erste Walpurgisnacht“ und als Erstaufführung nach der Pause dem Musikwerk „De profundis“ des weniger bekannten geistlichen Tonsetzers Daniel Eduard Wilsing (1809 – 1893).

.Beide waren Schüler von Ludwig Berger. Eine gute Idee und keine leichte Aufgabe, das großartige geistlich Chorwerk von Wilsing in seiner heimatlichen Umgebung aufzuführen und so dem Publikum zugänglich zu machen und vor dem Vergessen zu entreißen.

Mendelssohn Bartholdys „Die erste Walpurgisnacht“ nach einer Ballade von J.W. Goethe stellt die frömmelden „Paffenchristen“ den den Heiden gegenüber, die troz Verbot an ihrem Frühlingsfest festhalten. Sie inszenieren einen spektakulären Spuk, um ihre christlichen Gegenspieler möglichst fern zu halten. Der Kammerchor der TU Dortmund und Klangfarben-Konzertchor Dortmund und die stimmgewaltigen Gerardo Garciacano (Bariton), Roman Payer (Tenor), Luke Stoker (Bass) sowie Natascha Valentin (Alt) setzten das Spektakel mit tatkräftiger Unterstützung der Dortmunder Philharmoniker grandios in Szene.

Nach der Pause war es schon alleine beeindruckend, wie die 300 Sängerinnen und Sänger der sechs Chöre nach und nach die gesamte Bühne und der Chorempore ihre Plätze besetzten. Verstärkt wurde „De profundis“ noch durch die Sopranistin Ashley Thouret und wieder von dem Tenor Roman Payer. Es war ein gewaltiges, eindrucksvolles und emotional berührendes Klangerlebnis, das mit einem gemeinsamen „Amen“ aller beteiligten sein grandioses Ende fand.

Das überzeugende wechselseitige Zusammenspiel von den Musikern, Chören und Solo-Sängern begeisterte auch das Publikum im Konzertsaal.




Bach und seine Vorgänger

Johann Sebastian Bach ist als Komponist unbestreitbar ein Riese. Doch auch Riesen haben klein angefangen und standen anfangs auf den Schultern anderer Riesen. Die musikalischen Wurzeln von Back aufzudecken war das Hauptaugenmerk von Raphaël Pichon und seinem Ensemble Pygmalion beim Konzert am 09. Juni 2016 in der Propsteikirche im Rahmen des Festivals „Klangvokal“.

Klar, Bach kennt jeder. Aber was ist mit Hassler, Bertolusi oder Gabrielli? Wer im 16./17. Jahrhundert etwas auf sich hielt als Komponist, der ging nach Italien. Venedig, Rom und die anderen Stadtstaaten waren Quelle und Inspiration für die neue Musik.

Hans Leo Hassler (1564-1612), mit dessen „Cantate Domino“ das Konzert begann, war nebenbei noch Uhrmacher und baute Musikautomaten. Er ging nach Venedig, um die dortige Musik zu studieren. Doch es gab auch den anderen Weg. Vincenzo Bertolusi (1550-1608) ging von Italien nach Polen und Dänemark. Giovanni Gabrieli (1557-1612) blieb in Italien und wurde Lehrer von Heinrich Schütz.

Die Mischung von Renaissance- und Barockmusik wurde vom Ensemble Pygmalion in exzellenter Art und Weise trotz der problematischen Akustiksituation in der Propsteikirche dargebracht. Musiker und Sänger sorgten für einen gelungenen Abend.




Monteverdi und Gospel

Nachdem die Lautten Compagney Berlin mit der Singer-Songwriterin Mine am 03. Juni 2016 auf den Spuren Claudio Monteverdis unterwegs war, präsentierte das Ensemble Matheus den „Mythos Monteverdi“ am 05. Juni 2016 im Orchesterzentrum. Dabei verknüpften sie die Musik des italienischen Barockkomponisten mit traditioneller Mittelmeermusik sowie Gospel.

Der erste Teil gehörte Monteverdi. Neben einem zypriotischen Gesang wurde kurz vor der Pause noch der Gospel „As I went down to the river to pray“ angestimmt. Nach der Pause wurde Monteverdis Zeitgenossen Giulio Caccini sowie Tarquinio Merula den gebührend Platz eingeräumt. Sehr stimmungsvoll und berührend war allerdings das zeitgenössische Stück „Escalay“ des sudanesischen Komponisten Hamza el Din, das von seinem im Stausee untergegangenen Dorf handelte.

Bei den Musikern ragte Flora Papadopoulos heraus, die mit ihrer Harfe den Part eines Cembalos übernahm und damit zeigte, dass dieses Instrument mehr kann, als nur Wellenbewegungen zu simulieren.

Die Sopranistinnen Zoe Nicolaidou, Claire Lefilliâtre und Emiliy Rose Bry sowie der Tenor Topi Lehtipuu waren sehr gut aufgelegt, wobei man sagen muss, dass alle Beteiligten nicht nur mit musikalischer Leidenschaft, sondern auch mit Humor an das Konzert herangegangen sind.