Echnaton als lichtgewaltiges Bühnenwerk

Die Oper „Echnaton“ von Philipp Glass unter der Regie von Guiseppe Spota wurde in der Dortmunder Oper als Triumph des Lichtes gefeiert. Beeindrucken konnte auch der Countertenor David DQ Lee, der Opernchor und die Dortmunder Philharmoniker, unter der Leitung von Motonori Kobayashi, die die minimal music von Glass interpretierten. Dazu tanzte das NRW Juniorballett. Ein Premierenbericht vom 24. Mai 2019.

Für die ägyptische Hochkultur war neben dem Nil die lichtspendende Sonne von großer Bedeutung. Doch zunächst ohne vergöttert zu werden. Die Sonne wurde als rechtes Auge von Re gesehen. Doch dann entwickelte sich eine „theologische Revolution“, die mit Amun-Re eine Art Götterkönig an die Spitze setzte. Echnaton, dessen Geburtsname Amenhotep sich noch auf Amun bezieht, setzte Aton als höchsten Gott durch und versuchte die alten Götter auszutilgen, was ihm die Gegnerschaft der Priesterkaste einbrachte.

Kein Wunder, dass sich Philipp Glass mit dieser außergewöhnlichen Person der Weltgeschichte auseinandersetzte, schließlich ist neben Echnaton auch seine Frau Nofretete über ihre Büste bis in unsere heutige Zeit ein Begriff. Glass lässt uns den Pharao in szenenhaften Bildern näher bringen, vom Herrschaftsantritt bis zum Sturz, obwohl der möglicherweise gar nicht stattgefunden hat.

Aber die Oper ist nicht dazu da, ein historisch genaues Ereignis zu rekonstruieren, sie will Gefühle, Musik und starke Bilder präsentieren und das gelang bei der Premiere. Schon der Beginn ist ergreifend, denn wir wohnen der Grablegung von Pharao Amenophis III., Achnatons Vater, bei. Als Mumien verkleidete Tänzer legen den ebenfalls mumifizierten Leichnam zur Ruhe.

Die Herrschaft von Echnaton geht zu Ende. er wird von der Priesterschaft gestürzt. David DQ Lee (Echnaton), NRW-Juniorballett, Chor der Oper Dortmund. (Foto: © Oper Dortmund)
Die Herrschaft von Echnaton geht zu Ende. er wird von der Priesterschaft gestürzt. David DQ Lee (Echnaton), NRW-Juniorballett, Chor der Oper Dortmund. (Foto: © Oper Dortmund)

Der erste Auftritt von Echnaton ist noch in Begleitung von Priestern des Amun, Mut und Chons. Später wird er die Priester gewaltsam aus ihren Tempeln vertreiben und Aton als einzigen Gott einsetzen. Hier war der Countertenor David DQ Lee eine gute Wahl für die Hauptrolle, vor allem sein Lobgesang an Aton am Ende des dritten Satzes war eines der Höhepunkte. Seine Stimme passte auch sehr gut zur ruhigen und fließenden Musik von Philipp Glass, die ähnlich meditativ klang wie bei seiner Oper „Einstein on the beach“ die vor zwei Jahren in Dortmund aufgeführt wurde.

Auch sehr berührend war das Liebesduett zwischen Echnaton und Nofretete (Aytaj Shikhalizada). Als Prister des Amun machte Fritz Steinbacher ebenfalls eine gute Figur wie Claus Dieter Clausnitzer als Chronist.

Das Besondere an „Echnaton“ war die Gesangsprache. Der Chronist erzählte die Geschichte auf Deutsch, die anderen Texte waren auf Ägyptisch, Akkadisch und Aramäisch.

Wenn es um einen Sonnengott geht, dann hat das Licht natürlich eine große Funktion. Und die brachte den Besuchern Bonnie Beecher und Stefan Schmidt näher.

Auch das Bühnenbild von Tatyana van Walsum war effektiv. Durch Höhenverschiebungen entstanden Hierarchieebenen, beispielsweise als Echnatons Vater zu Grabe gelegt wurde, versanken die Akteure in Boden und bei Echnatons Krönung kam das Herrscherpaar von oben herab.

Ein Opernabend der besonderen Art. „Echnaton“ ist sicher zugänglicher als „Einstein on the beach“. Ein lehrreiches Stück über einen Herrscher, der mit seiner Radikalität der Gesellschaft vor den Kopf stieß und nach seinem Tod dem Vergessen anheimfallen sollte. Glass hat ihn mit seinen Stärken und Schwächen auf die Bühne geholt. Das NRW Juniorballett, der Opernchor, die Solisten und die Dortmunder Philharmoniker haben Echnaton wieder eine Stimme gegeben.

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