Die wahre Geschichte der Maueröffnung

Andreas Beck erzählt im Solo-Stück „Helden wie wir“, wer für die Maueröffnung vor 30 Jahren wirklich verantwortlich war. Kleiner Spoiler: Es war nicht David Hasselhoff.

„Helden wie wir“: Thomas Brussig erzählt die legendär-satirischer Geschichte des DDR-Bürgers und Versagers Klaus Uhltzscht, der seinem Minderwertigkeitskomplex mit umso ausgeprägterer Phantasie, Hang zum Größenwahn und zu sexuellen Perversionen begegnet – von 1968, dem Tag der Niederschlagung des Prager Frühlings, bis zum 9. November 1989, dem Tag, an dem er mit heruntergelassener Hose vor der Mauer steht… Hat Uhltzscht persönlich die Mauer zum Einsturz gebracht hat? Premiere ist am kommenden Samstag, 9. November, um 20 Uhr im Studio des Schauspiel Dortmund.

Ars tremonia nutzte die Gelegenheit, mit Andreas Beck über das Stück und seine eigenen Erfahrungen beim Mauerfall zu sprechen.

Ars tremonia: Andreas, wo hast du den Mauerfall erlebt? 

Andreas Beck: Auf der Bühne. Ich habe damals in Eisleben gespielt und zwar das Rock-Musical „Paul Panke“ von der Gruppe “Pankow”. Wir kamen nach dem Schlussapplaus umgezogen und abgeschminkt in die Kantine, da kamen uns die Bühnentechniker entgegen und sagten: „Die Mauer ist offen, die Mauer ist weg“. Das war recht seltsam, denn die Kantine war gleichzeitig für die Besucher geöffnet und man saß abends mit ganz vielen Leuten zusammen, die man gar nicht kannte. Es war eine seltsame Stimmung. Auf der einen Seite Euphorie, es gab aber auch Leute, die fast kollektiv geheult hätten. Die sagten: „Das kann doch nicht wahr sein, jetzt ist alles vorbei.“ Ich gehörte mehr zur euphorischen Gruppe.

Andreas Beck spielt den Mauerhelden Klaus Uhltzscht in "Helden wie wir". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Andreas Beck spielt den Mauerhelden Klaus Uhltzscht in „Helden wie wir“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das Stück basiert auf dem Buch, es ist eine Bearbeitung von Peter Dehler. Der Roman war im Osten ein großer Erfolg. Dann entstand dieses Bühnenstück als Monolog, das wird dann landauf, landab aufgeführt.

Ars tremonia: Warum wurde das Buch im Osten so ein Erfolg?

Andreas Beck: Das Buch wurde zum Erfolg, weil es relativ nah dran war. Es war das erste Buch, was sich satirisch mit der Sache befasste. Fernab von jeglicher Ostalgie. Sondern es versuchte eine Biografie zu erzählen, wie sie recht alltäglich war. Nämlich von den Kindern, die in der DDR geboren wurden und dort aufgewachsen sind, und die in der Tat der Meinung waren, auf der richtigen Seite geboren worden zu sein. Im Text heißt es: „Da wo ich bin, wollen die anderen erst hin.”

Ars tremonia: Was macht die Faszination aus, dies als Solostück zu spielen? 

Andreas Beck: Es ist eine Faszination, die anderen Figuren mitzugestalten. Andererseits gibt es auch Tonaufnahmen, die wir von Kollegen dabei haben. Es hat auch einen Reiz für das Publikum etwas alleine zu machen. 

Ars tremonia: Was macht das Stück für Westler interessant? 

Andreas Beck: Ich hoffe erst mal, dass es viel zu lachen gibt, weil das Stück auf viele Pointen hat, die diesseits und jenseits der Mauer zu verstehen sind. Es ist auch ein bisschen versaut, das hat auch was mit dem Osten zu tun. Weil der Osten auch wirklich versauter war, beispielsweise gab es FKK Strände. Da war der Umgang mit solchen Schweinereien ein wenig lockerer als in der verklemmten BRD. Ich habe das schon mal gespielt vor 25 Jahren und war etwas erschrocken, als ich den Text dann wieder hochgeholt habe. Wo man in der heutigen Zeit von Gender und Triggerwarnungen etwas Skrupel hat und denkt “Kann man das heute überhaupt noch so machen?“

Aber eigentlich bin ich der Meinung, dass es 30 Jahre nach dem Mauerfall kein Westen und Osten mehr geben sollte. Wir sollten uns als Gesamtdeutsche oder wie man nennen sollte, begreifen. Für Leute, die im Westen groß geworden sind, könnte es interessant sein, zu sehen, wie eine so eine Biografie ausgesehen  hat.

Ars tremonia: Ist die Biografie von Klaus Uhltzscht eine realistische?

Andreas Beck: Es ist natürlich Literatur und auch Kunst. Daher ist das Buch in keinster Weise autobiografisch, sondern eine erfundene Biografie. Es heißt im Text: „Als dann 750. 000 Menschen auf dem Alexanderplatz stehen und demonstrieren, sagt er: „Haben sie nicht alle ihre Zeit sinnvoll in irgendwelchen Arbeitsgemeinschaften verbracht, sind sie nicht alle ins Kinderferienlager gefahren, haben sie nicht alle das Lied vom “kleinen Trompeter“ gesungen, sind sie nicht alle vorm Fernseher vor Dagmar Frederic geflüchtet?“ Die Biografien hatten schon Ähnlichkeiten im Osten. In der Schule, aber schon im Kindergarten ging dieses Indoktrinieren los. Der Staat war wie Mutter und Vater. Er hat versucht, dich immer in eine gewisse Richtung zu erziehen.

Ars tremonia: Was erwartet den Zuschauer?

Andreas Beck: Es ist ein bisschen Stand-up mit Tiefgang. Nicht nur im Sinne von „unter der Gürtellinie“, es gibt auch durchaus ernstgemeinte Sachen. Damit könnte man es am ehesten vergleichen. 

Restkarten für 19 Euro sind noch erhältlich an der Vorverkaufskasse im Kundencenter (Platz der Alten Synagoge), unter 0231/50-27222 und www.theaterdo.de. Weitere Vorstellungstermine sind am 7. und 25. Dezember.

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