Tierischer Saisonauftakt im Theater im Depot: Die Katze Eleonore

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Miau! Wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt, wie das Leben als Katze wäre? Auf dem Ofen liegen oder auf dem Sofa, sich der Fellpflege widmen, sich ab und zu recken und strecken und auf das Essen warten. Zumindest alle, die mit einer Katze leben, kennen das.

Für die Katze Eleonore ist es keine Vorstellung mehr: Die Immobilienmaklerin fühlt, dass sie eine Katze ist. Aber ganz so einfach ist das Finden der neuen Identität und die Verwandlung in eine Katze nicht. Es wächst nicht plötzlich über Nacht ein Katzenfell. Eleonore versucht sich zu behelfen. Beim Essen klappt es auch ganz gut. Aber natürlich nimmt die menschliche Umgebung das nicht so ohne Weiteres hin. Wo käme man denn hin, wenn jede*r die eigene Identität entdecken und konsequent verfolgen würde? Anfangs gibt es Konflikte mit der Mutter, später auch im Beruf, den Eleonore mehr und mehr vernachlässigt. Und relativ schnell schickt man sie zu einem Psychiater, der sich interessiert alles anhört, aber letztlich die Verwandlung nicht nachvollziehen und auch nicht stoppen kann.

Die Katze Eleonore. (Foto: Oliver Stroemer)
Die Katze Eleonore. (Foto: Oliver Stroemer)

„Wie geht es Ihnen denn ohne Arbeit, Frau Garazzo?“ „Ach Wildbruch, ich bin eine Katze, wie soll es mir gehen – gut.“

Eleonore hat insofern Glück, als dass sie sich ihr neues Leben leisten kann. Sie ist auf die Menschen nicht angewiesen, sie kann sich ganz und gar ihrem Katzendasein widmen und häutet sich vor den Augen des Publikums. Mehr und mehr fallen die menschlichen Hüllen, und in geschmeidigen Bewegungen erkundet die Katze Eleonore ihr neues Leben. S. Rudat inszenierte das Stück von Caren Jeß, das 2022 seine Uraufführung in Dresden erlebte, und spielt selbst. Die Mutter und der Psychiater werden gleichermaßen auf der Bühne lebendig; Rudat stellt sie mit kleinen Gesten und entsprechender Stimme überzeugend dar. Nur Eleonore folgt ihrem eigenen Weg und lässt sich kaum beirren. Sie findet in ihre Identität, füllt nicht nur den Platz auf der Chaiselongue, sondern den gesamten Theaterraum mit ihrer Präsenz. Wie es die Sicht einer Katze ist, gehört ihr an diesem Abend alles. Das Physical Theatre von Rudat lässt das Publikum aufmerksam, fasziniert und nachdenklich zurück. Das Stück markiert den Start des Theaterfestivals „Physical Fest 2026“, das das Physical Theatre Netzwerk NRW in Dortmund, Bochum und Essen veranstaltet. In diesem Jahr widmet sich das Festival der Reduzierung von Barrieren. Die Aufführung eignet sich daher ebenso für sehbehinderte/blinde und schwerhörige/gehörlose Menschen. Wer sie noch einmal sehen will, muss nun dafür allerdings nach Köln reisen. Die Inszenierung, die für den Kölner Theaterpreis 2026 nominiert ist, wird im Freien Werkstatt Theater in der Kölner Südstadt gezeigt. Gleichzeitig ist es der Saisonauftakt im Theater im Depot unter neuer Teamleitung – nach fünf Jahren mit Jens Heitjohann als künstlerischem Leiter. Ihm dankte Christoph Rodatz, der Vorsitzende des Trägervereins, vor der Vorstellung für seine Arbeit, die er als modern, politisch und international würdigte. Aus dem jetzigen Leitungsteam ergriff Johannes Bergmann das Wort und vermittelte, dass man ein Theater der Toleranz und Vielfalt, ein Theater mit offenen Türen sein wolle. Dazu passt die zweite Performance des Abends, die zeitgleich auf dem Nordmarkt mit Menschen aus der Nordstadt stattfand.

Man darf den Start als geglückt bezeichnen. Und man darf gespannt sein auf mehrere Premieren und das „favoriten-Festival“ in der nächsten Zeit. Mehr unter www.theaterimdepot.de

„Die Katze Eleonore“ kann Ende September wieder in Köln im Freien Werkstatt Theater besucht werden. www.fwt-koeln.de Das „Physical Fest 2026“ läuft weiter bis zum 27.09. noch in Bochum. Physical Fest 2026 | PTN