Rheingold oder in jedem Anfang liegt schon das Ende

In der Spielzeit 23/24 war es soweit. Als dritte Aufführung des Ringzyklus kam am 09. Mai 2024 Wagners „Rheingold“ in der Oper Dortmund zu Gehör. Normalerweise ist „Rheingold“ ja der Beginn des Zyklus, der „Vorabend“. Regisseur Peter Konwitschny würfelte die Reihenfolge aber durcheinander und so erlebten die BesucherInnen nach der „Walküre“ und „Siegfried“ erst jetzt das „Rheingold“.

Bereits im „Rheingold“ sind viele Elemente vorhanden, die letztendlich zur „Götterdämmerung“ führen. Für mich spielt eine Person eine entscheidende Rolle. Nein nicht Wotan, sondern Loki oder Loge, wie ihn Wagner nennt. Loki ist ein Gott, der in einem Gut-Böse-Dualismus fehl am Platze scheint. Er ist ein Trickster, eine Figur wie Prometheus oder Mephisto. Ein Wanderer zwischen den Welten, stets aber auf eigene Rechnung handelnd. Er ist es, der Wotan überredet, Freia als Pfand für die Riesen zu überlassen, um danach, als sich eine Katastrophe anbahnt, schnell einen anderen Plan auszuhecken, der im Grunde das Ende der Götter einläutet.

Rheingold: Tommi Hakala (Wotan) hört zu, was Ks. Matthias Wohlbrecht (Loge) ihm einflüstert. Foto: (c) Thomas M. Jauk
Rheingold: Tommi Hakala (Wotan) hört zu, was Ks. Matthias Wohlbrecht (Loge) ihm einflüstert. Foto: (c) Thomas M. Jauk

Natürlich geht es wie der Titel schon vermutet auch um die Gier nach Geld, Gold und Macht. Diese Gier sorgt dafür, dass Alberich der Liebe entsagt und generell Mord und Totschlag herrscht. Der Ring, aus dem Gold geschmiedet, bringt Neid und Missgunst hervor, ein Motiv, das auch J.R.R. Tolkien für sein Epos benutzte.

Passend dazu schuf Jörg Kilian eine passende Bühne. Er verortet die Entstehungsgeschichte der nordischen Mythen in eine Steinzeit und so wohnen die hehren Götter als Jäger und Sammler in Zelten und haben Kleidung aus Fellen. Nur Alberich hat den Kultursprung zum Banker in Manhattan wohl geschafft, nur lässt er sich hereinlegen und wird mit Gewalt seiner Macht beraubt.  In „Rheingold“ holt sich jeder was er braucht mit Gewalt. Leider passte das letzte Bild mit den Göttern in Rollstühlen nicht so ganz ins stimmige Bild.

Was absolut stimmig war, waren die Stimmen und die Musik. Ob Wotan (Tommi Hakala), Loge (Ks. Matthias Wohlbrecht) oder das Brüderpaar Fasolt (Denis Velev) und Fafner (Artyom Wasnetsov): es war ein Genuss alle beteiligten beim Singen zu erleben, unterstützt von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Gabriel Feltz.

„Rheingold“ ist ein herrliches Opernerlebnis, nicht nur für Wagner-Fans.

Mehr Infos zu Terminen und Karten unter www.theaterdo.de

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