Orientalische Märchenwelt

Die Sultanin (Bettina Zobel) ist nicht überzeugt, dass "Omar" (Philip Pelzer) der richtige Sohn ist. Im Gegensatz zum Sultan (Andreas Ksienzyk). Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Sultanin (Bettina Zobel) ist nicht überzeugt, dass „Omar“ (Philip Pelzer) der richtige Sohn ist. Im Gegensatz zum Sultan (Andreas Ksienzyk). Foto: © Birgit Hupfeld)

In diesem Jahr entführte der Leiter des Dortmunder Kinder-und Jugendtheaters Andreas Gruhn und sein Ensemble mit seinem neuen Weihnachtsmärchen „Der falsche Prinz“ nach Wilhelm Hauff für die ganze Familie (ab 6 Jahre) in eine fremde, geheimnisvolle orientalische Welt. Die Premiere war am 11. November 2016.

Das Schauspielhaus fiel diesmal als Ort für das beliebte Weihnachtsmärchen aus den bekannten Gründen aus und so wurde das KJT nach vielen Jahren wieder einmal zum Aufführungsort.

Da passen zwar weniger Menschen hinein, aber die Besucher/innen sind auch ganz nah am Geschehen. Es wird sozusagen noch besser in die Handlung hineingezogen.

Nicht nur frontal sondern auch von der Seite konnte das Publikum in nächster Nähe verfolgen.

Der Aufführungsraum verbreitete mit orientalischen Wandteppichen behangen ein Ambiente wie aus 1000 und eine Nacht. Die Besucher hatten das Gefühl, in einem Beduinenzelt zu sein. Die schönen orientalischen Kostüme wurden von Oliver Kostecka mit viel Sorgfalt ausgesucht.

Das Märchen spielt im arabischen Raum in Ägypten. Es ist die Geschichte von zwei jungen Männern. Omar, ein geborener Prinz, der wegen eines bedrohlichen Orakels zweiundzwanzig Jahre außerhalb des elterlichen Palastes aufwuchs. Auf der anderen Seite der junge Schneider und Träumer Labakan, der sich genauso gut wie ein Prinz fühlt. Mit mit einer prächtigen von ihm geschneiderten Kleidung verschwindet er und sucht sein Glück. Die Wege der beiden jungen Männer kreuzen sich und Labakan nimmt eine Chance wahr, die Identität des „wahren Prinzen“ anzunehmen. Fällt der Schwindel auf? Zumindest das Mutterherz der Sultanin zweifelt, besonders als der wahre Prinz kurze Zeit später vor ihr steht. Um Sicherheit zu gewinnen, wer der rechtmäßige Prinz ist, werden beide auf die Probe gestellt. Zudem spielen Machtintrigen und die Liebe auch noch eine Rolle. Gibt es Vergebung und finden beide jungen Männer ihr Glück…?

Der Humor kam nicht zu kurz bei diesem Weihnachtsmärchen. So zum Beispiel, wenn Prinz Omar (Thorsten Schmidt) und Labakan (Philip Pelzer) mit einer Kordel in der Hand einen Ritt durch die Wüste auf Pferden sehr komisch simulieren. Die kleinen Zuschauer/innen waren auch besonders von der Kampfchoreographie (Klaus Lassert) zwischen zwei Räubern und den beiden jungen Männern angetan.

Auch wenn Labakan, der Sohn eines Lastenträgers, immerhin den ehrenwerten Beruf eines Schneiders lernt, stößt die Moral des Märchens ein wenig auf. In den Niederlanden gibt es den Spruch „Als je als dubbeltje geboren bent word je nooit een kwartje“. Übersetzt: Wenn du als 10-Cent-Münze geboren bist, wirst du niemals eine 25-Cent-Münze. In Deutschland ist das wenig märchenhafte Realität. Du bleibst, was du bist. Die soziale Herkunft entschiedet sehr stark, welche Chancen man später hat.

Alles in allem ist „Der falsche Prinz“ ein gelungenes Weihnachtsmärchen mit gut aufgelegten Schauspielerinnen und Schauspielern, vor allem Thorsten Schmidt als „Omar“ und Philip Pelzer als „Labakan“ glänzen in ihren Rollen. Kinder ab sechs Jahren werden einen Riesenspaß bei der Reise in den Orient haben.

Weitere Termine finden Sie unter www.theaterdo.de

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