„Next of Kin!“ – Wenn das Netzwerk zur Kunst wird

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Das Künstler*innenhaus Dortmund präsentiert mit „Next of Kin!“ eine Werkschau, die tief in die eigene DNA blickt. Es geht um die „KiNs“ – jene Künstler:innen im Netzwerk, die das Haus über Jahre hinweg geprägt und mitgestaltet haben. Dass diese Gemeinschaft keine bloße Formsache ist, wurde bereits beim Pressetermin deutlich: Maja Siepmann, eine der beiden Kuratorinnen, führte persönlich durch die Räume und erläuterte die feinen Fäden, welche die unterschiedlichen Positionen miteinander verknüpfen.

Die Ausstellung versteht sich dabei keineswegs als nostalgischer Rückblick, sondern als lebendige „Setzung in die Gegenwart“. In einem offenen Dialog treten unterschiedliche Medien und Haltungen zueinander in Beziehung und zeichnen das Bild einer lokalen Szene, die von gegenseitiger Unterstützung getragen wird.

Die Positionen im Überblick

Jede der 14 gezeigten Positionen bringt eine ganz eigene Qualität in dieses Netzwerk ein und formt ein vielschichtiges künstlerisches Panorama. So erkundet Patrick Borchers medienübergreifend situative Übergänge zwischen figürlicher Geste und konkretem Raum, während sich Marc Bühren in seinen raumgreifenden, audiovisuellen Installationen intensiv mit den Fragestellungen des Anthropozäns auseinandersetzt. Andreas Drewer reflektiert in seinen experimentellen Videos über Bewegung, Klang und die Wahrnehmung urbaner Räume, was korrespondiert mit der intermedialen Praxis von Tina Dunkel, die die Bedingtheiten von Medien, Sprache und räumlichen Situationen untersucht.

Das Plakat zur Ausstellung illustrierte Lea Srzamek
Das Plakat zur Ausstellung illustrierte Lea Srzamek

Einen poetischen Akzent setzt Etta Gerdes, die, bekannt für ihre Arbeit mit Raum und Zeit, hier eine Videoarbeit über das langsame Vergehen von Blumen zeigt. Demgegenüber gilt das künstlerische Interesse von Silvia Liebig den zugrunde liegenden Strukturen des Lebens, die sie mittels Zeichnung und Collage erforscht, während Dagmar Lippok konzeptuelle Arbeiten zwischen Installation und Objekt schafft, die oft Formen von Identität und Erinnerung thematisieren. In der Druckgrafik nutzt Paola Manzur für ihre Serie „Plastiktüte“ manuelle Manipulationen, um organische Formen zu übertragen, während Babette Martini in ihren skulpturalen Tonarbeiten körperliche Präsenz, Verletzlichkeit und Materialität unmittelbar sichtbar macht.

Ulrike Rutschmann verhandelt in ihren Werken das spannungsvolle Verhältnis zwischen Gegenständlichkeit und einer eigensinnigen Bildlogik, wohingegen Corinna Schnitt mit präzisen Inszenierungen alltägliche Szenen humorvoll aufbricht und soziale Rollen hinterfragt. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel von Material und Raum zeichnet die oft ausgezeichnete Praxis von Adriane Wachholz aus. Ergänzt wird dieses Spektrum durch Denise Winter, die Landschaften und Architektur in präzise strukturierte, geometrische Formen und modulare Bildsysteme überführt, sowie durch Marco Wittkowski, der als Dokumentarfotograf den fortwährenden Transformationsprozess im Dortmunder Hafenquartier festhält.

Alle teilnehmenden Künstler:innen

Patrick Borchers | Marc Bühren | Andreas Drewer | Tina Dunkel | Etta Gerdes | Silvia Liebig | Dagmar Lippok | Paola Manzur | Babette Martini | Ulrike Rutschmann | Corinna Schnitt | Adriane Wachholz | Denise Winter | Marco Wittkowski.

Wichtige Informationen: * Ausstellungszeitraum: 28. März bis 3. Mai 2026. * Ort: Künstlerinnenhaus Dortmund, Sunderweg 1, 44147 Dortmund. Öffnungszeiten: Do – So, 16.00 – 19.00 Uhr. * Eintritt: Frei.

„Next of Kin!“ ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Kunst dort am stärksten ist, wo sie sich in einem lebendigen Kontext aus Austausch und Engagement entfalten kann.