Dem Konsum Altar opfern oder abdanken?

Der Konsum Altar von NEDE wurde am 31. Juli 2015 mit einer Zeremonie feierlich eingeweiht.
Der Konsum Altar von NEDE wurde am 31. Juli 2015 mit einer Zeremonie feierlich eingeweiht.

Zu einem Konsumtempel gehört eigentlich auch ein Konsumaltar, doch in den Warenhäusern ist für so etwas scheinbar kein Platz. Die Galerie 103 präsentiert nun den „Konsum Altar“ des Darmstädter Künstlers Peter Debusi alias NEDE. Der Altar besteht aus Verpackungsmüll und symbolisiert so unsere Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft. Zu sehen ist Altar neben anderen Arbeiten bis zum 28. August.

Seit ungefähr drei Jahren beschäftigt sich Debusi mit dem Überbleibseln unserer Konsumgesellschaft. Wenn wir so viele Konsumtempel haben, brauchen wir auch einen Konsum-Altar. „Es geht darum, dass man heutzutage die falschen Götter anbetet. Es wird der Konsum gepredigt“, so Debusi. „Wir versuchen nicht nur unsere materiellen Bedürfnisse zu stillen, sondern auch unsere Gefühle und zwischenmenschlichen Beziehungen. Wer keine Marke trägt, gehört nicht mehr dazu.“ Doch wem das alles vielleicht zu religiös ist, wird vom Künstler beruhigt: „Die religiöse Konnotation soll nicht ganz ernst genommen werden“.

Ich konsumiere, also bin ich. Und um zu beweisen, dass man existiert, gibt es „Selfies“. Die sind zwar kein ganz neues Phänomen. Schon als die Fotografie noch ein ganz junges Medium war, wurden die ersten Selfies geschossen. NEDE setzt sich mit Selfies kritisch auseinander. Sein siebenteiliger Kreuzweg zeigt Gesichter, die sich hinter Masken aus Verpackungsmüll verbergen. Auf den ersten Blick erinnern diese Bilder an Fotos von mexikanischen Wrestlern beim „Lucha Libre“.

Wie kam der Künstler zum Abfall? Debusi: „Es ergibt sich meist aus der Arbeit heraus. Andere Arbeiten sind so konstruiert, dass man speziell den Müll dafür sammelt und sortiert. In diesem Fall war es doch eher so, dass der Zufall entscheidet, da man nie so genau weiß, was passiert, wenn man in eine andere Stadt kommt. Es gehört zum Konzept, dass man überrascht wird.“

Der Müll unterschiedet sich nicht sehr regional, sondern eher nach Gesellschaftsschicht, hat Debusi festgestellt: „Wir reden zunächst von günstigen Marken wie „Ja“ usw., der nächste Level sind die Qualitätsmarken, die man nicht bei Lidl oder Aldi bekommt und darüber gibt es noch die Premiummarken, das ist eigentlich was sich unterscheidet von Region zu Region.“

Bis zum 28. August kann Nachbarn und Besucher der Galerie 103 noch dem Konsum huldigen oder abdanken durch das Darbringen eigener Opfergaben auf dem “Konsum Altar”.

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