Kein Schubladendenken

Alexander Pohl neben seinem Objekt "37 DRP 55", Mixed Media auf Leinwand, 2015
Alexander Pohl neben seinem Objekt „37 DRP 55“, Mixed Media auf Leinwand, 2015

Die Galerie Torhaus Rombergpark zeigt vom 02. bis 23. August 2015 Malerei und Objekte von Alexander Pohl. Die 23 ausgestellten Arbeiten sind eine Werkschau von Pohls Schaffen der vergangenen 20 Jahre. Zu sehen sind dabei Pohls Faszination von Alltagsgegenständen sowie von Schubladen.

Dem Künstler jedoch Schubladendenken vorzuwerfen, wäre völlig verkehrt. Denn Pohl benutzt die Schubladen als idealen Rahmen für seine Kunstobjekte. Natürlich kommt nicht jede Schublade in diesen Genuss, für diesen Zweck muss sie handgefertigt sein, also keine Chance für Massenware.

Das zentrale Objekt in der Mitte des Ausstellungsraum heißt „Raumstation“ und ist von 2015. Hier betreibt Pohl ein künstlerisches Upcycling von Alltagsgegenständen und anderen skurrilen Dingen. Es finden sich auch die erwähnten Schubladen wieder. 24 kleinere Objekte sind in einzelnen Fächern untergebracht und befinden sich in einer Art rundem Präsentationsständer, den man tatsächlich drehen kann. Hier befinden sich eine uralte Munitionskiste ebenso wie eine alte Telefonwählscheibe, die für Jugendliche vermutlich antik wirkt oder eine Werbung für „Telecult Power“, eine Werbung aus den 70ern für Blödsinn, um den Leute das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Um die „Raumstation“ befinden sich weitere Arbeiten. Neben Schubladen dienen auch alte Styroporverpackungen von technische Geräte zu Pohls bevorzugten Materialien. Gleich zwei dieser Objekte dienen als Satelliten. „Hi Ho Silver Satelit“ irritiert die Besucher vielleicht, weil sie aussehen, als wären sie aus Metall. Doch der leiseste Windhauch zeigt, dass die beiden Objekte aus einem wesentlich leichteren Material sein müssen. Aus diesem Verpackungsmaterial schafft Pohl auch dreidimensionale „Stadtpläne“ wie das Werk „Termessos“ zeigt. Hier bilden unterschiedliche Styroporverpackungen eine Anmutung einer antiken Ruinenstadt samt Amphitheater.

Stadtpläne scheinen Pohl ebenfalls zu faszinieren. Seine Acrylbilder „Besançon“, „Eguisheim“, „Cernay“ und „Belford“ sind keine realen Stadtpläne, sondern sind eher expressionistische Ergebnisse von Standrundgängen.

Sehr persönlich wird es beim Objekt „Die Beine meiner Mutter“ aus dem Jahre 2008. Hier thematisiert Pohl die Flucht seiner Mutter aus Danzig, die vor den Bomben geflohen ist sowie die Mangelernährung, durch der sie letztendlich krank geworden ist und ihre Beine verloren hatte. So symbolisiert das fluoreszierende Brot nicht nur die Phosphorbomben, sondern auch die schimmeligen Lebensmittel, die die Menschen damals essen mussten.

Mehr Informationen über den Künstler: www.derpohl.de

Die Öffnungszeiten des Torhaus Rombergparks:

dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr

sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr

Eintritt frei

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