Bizarre Morde im Künstlermilieu

Mit Ehemann Friedemann Grenz beschäftigt sich Gabriella Wollenhaupt mit Verbrechen im Künstlermillieu. (Foto: © Grafit-Verlag)
Mit Ehemann Friedemann Grenz beschäftigt sich Gabriella Wollenhaupt mit Verbrechen im Künstlermillieu. (Foto: © Grafit-Verlag)

Die Redakteurin und Kriminalschriftstellerin Gabriella Wollenhaupt, über viele Jahre mit ihren Romanen um die Dortmunder Journalistin mit kriminalistischen Gespür und viel Ironie Maria Grappa bekannt geworden. In den letzten Jahren hat sie zusammen mit ihrem Ehemann, den Literaturwissenschaftler Friedemann Grenz zwei spannende und informative historische Romane „Leichentuch und Lumpengeld“ sowie „Blutiger Sommer“ herausgegeben. Mit „Schöner Schlaf“hat das Duo nun ihren ersten zeitgenössischen Kriminalroman geschrieben.

 

Ohne es wissen vorher zu können, haben Wollenhaupt und Grenz mit diesem Krimi ein brandaktuelles Thema behandelt, denn das Künstlermilieu und Kunstraub spielen eine wichtige Rolle in dem Roman. Erst im November 2013 wurde in den Nachrichten von einem sensationellen Fund in der Münchener Wohnung von Cornelius Gurlitt berichtet. Der sogenannte „Schwabinger Kunstfund“ beinhaltete über 1200 Werke , die nach 1945 als verschollen galten. Bei fast der Hälfte der Werke wird vermutet, dass es sich um NS-Raubkunst handelt.

 

Der Krimi spielt in der fiktiven Stadt Rheinburg und hat mit dem geschiedenen Hauptkommissar Karlo Kant einem etwas bindungsängstlichen und dem Alkohol nicht abgeneigten Protagonisten. Wie ein barockes Gemälde mit entsprechender Kleidung wird eine junge Frau (Maja Schneider) ermordet aufgefunden. Die Spur führt Kant zu einer Freilichtbühne, wo diese Frau sich unter einem falschen Namen um eine weibliche Hauptrolle beworben hatte.

Zur gleichen verändert sich das Leben der schönen Anna Stern. Ihr verschollener Onkel meldet sich nach langer Zeit wieder bei ihr. Er ist im Besitz einer wertvollen Gemäldesammlung und sorgt nun dafür, dass seine Nichte eine Anstellung bei der städtischen Kunsthalle erhält.

Die Spannung in der Kunstwelt steigt, als die Vermutung aufkommt, ein Bild der Sammlung sei ein echter Vermeer. Maja ist nicht das einzige Opfer des „Kostümmörders“, und der Kommissar mit seinem Team sorgt sich bald auch um das Leben von Anna Stern….

 

Das Künstlermilieu wird von Wollenhaupt und Grenz kritisch und mit einem schonungslos offenen Blick in menschliche Abgründe und Schwächen dezidiert beschrieben. Dabei ist der Roman nüchterner und mit weniger Ironie als bei Grappa oder den beiden historischen Kriminalromanen. Mit überraschenden Wendungen gelingt es dem Duo, die Spannung bis zum Ende hin zu steigern.

Außerdem erfahrt der Leser auch noch einiges über neueste Technik, z.B. dem Einsatz von „Drohnen“ bei der Fotografie durch den Redakteur und Fotografen mit dem witzigen Namen Kay Schaumkuss. Da ist sie doch wieder, die feine Ironie. Wollenhaupt und Grenz haben eine Vorliebe für prägnante und (hinter) sinnige Namen.

 

Übrigens: In dem Krimi spielt das Anfang des 20. Jahrhunderts von der pharmazeutischen Firma Merck als erstes Barbiturat auf den Markt gebrachte Schlaf-und Beruhigungsmittel Veronal eine besondere Rolle. Das damals bei Selbstmördern beliebte Mittel wird heute nicht mehr hergestellt. Manche nannten Veronal auch Kalypnon. Das Wort kommt aus dem griechischen bedeutet „Schöner Schlaf“.„Kalos“ heißt auf griechisch schön und „hypnos“ Schlaf. Daher kommt der Titel.

 

„Schöner Schlaf“

Gabriella Wollenhaupt und Friedemann Grenz

grafit-Verlag, 313 Seiten, 10,99 €

ISBN 978-3-89425-428-5

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