Aschenbrödel in der Tanke

Das Beste waren die Tauben? Nein, ganz bestimmt nicht. Das gesamte Stück „Aschenbrödel – Nuss mit Lustig“ von Stefan Keim nach dem tschechischen Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ machte gute Laune, sorgte für vorweihnachtliche Stimmung im Theater im Depot und hat definitiv das Zeug zu einem Klassiker. Ok, die Tauben waren schon echt Klasse. Ein Premierenbericht vom 18. November 2016.

Der Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ orientiert sich stark an das Märchen von „Aschenputtel“, so dass ich mir die Inhaltsangabe mal erspare. Keims „Nuss mit Lustig“ ist ein Stück im Stück, denn es spielt einerseits in einer Dortmunder Tankstelle am Heiligabend und andererseits nimmt es Bezug zum Film. In aller Kürze: Drei Menschen treffen sich in einer Tankstelle und stellen fest, dass sie eine Gemeinsamkeit haben, sie alle kennen den Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Sie beschließen also, die wichtigsten Szenen des Films nachzuspielen.

Cordula Hein als Angestellte der Tankstelle, Thorsten Strunk als besserwisserischer Familienvater und Sandra Wickenburg als tschechische Truckerin sorgen schon von Beginn an für gute Stimmung unter den Zuschauern. Denn das Besondere von Keims Inszenierung ist, dass alle Requisiten quasi aus dem Fundus der Tankstelle entnommen wurden. Zwei Scheibenwischer verwandeln sich in eine Armbrust und Autoreifen werden zu Pferden. Glücklicherweise hat Libuše, die tschechische Truckerin, einige Altkleider geladen, die prima zum Nachspielen geeignet sind. Auch Libušes Weihnachtsgeschenk an ihre Tochter, ein Erdmännchen aus Plüsch, wird als Akteur verpflichtet.

Das Schöne an dem Stück ist, dass der Humor durchaus unterschiedlicher Art ist. Lokalkolorit (Nä?/Woll?) und Kmamauk haben ebenso ihren Platz wie feinsinnige Bemerkungen. Dazu kommt die große Spielfreude der drei Akteure auf der Bühne, die sich auch auf das Publikum überträgt. Ein ganz besonderer Abend.

Ob es zum Klassiker reicht wie bei der „Weihnachtsgeschichte“ von Dickens? Das wird die Zukunft zeigen, aber Stefan Keim und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben schon einmal gut vorgelegt. Jetzt muss das Publikum entscheiden.

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