Berührende Abschiednahme

Mit „Frailer“ wurde am Sonntag, dem 19. April 2015 der letzte Beitrag für den Regiewettbewerb in der Schauburg gezeigt. Der niederländische Film von Mijke de Jong ist ein Zwischending zwischen Fiktion und Dokumentarfilm über das Abschiednehmen von einer Todkranken.

Um den Inhalt richtig zu verstehen, muss man die Vorgeschichte kennen. „Frailer“ – im Original „Brozer“ (Brüchiger), ist quasi der Nachfolgefilm von „Broos“ aus dem Jahre 1997, ebenfalls von de Jong. In dem Film wollen vier Schwestern ihren Eltern zum 40. Hochzeitstag eine Überraschung bereiten und erfahren, dass in der Ehe ihrer Eltern nicht alles glatt ging. Leonoor Pauw spielte in „Broos“ eine der Schwestern, Muis. 2010 machte Pauw bekannt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. Schnell kam die Idee auf, einen zweiten Teil zu „Broos“ zu machen, eben „Brozer“.

„Brozer“ handelt von der Sterbebegleitung von Muis/Leonoor Pauw und wie die drei Filmschwestern und Schauspielkolleginnen damit umgehen. Er zeigt in berührender Weise die Freuden, aber auch die Qualen, die Muis/Leonoor erlebt. Zudem wird deutlich, dass es ab einem bestimmten Zeitpunkt für die anderen Schauspielerinnen eine zu große psychische Belastung wurde. In der letzten Phase wird aus Muis wieder Leonoor und aus der Fiktion wird eine intime Dokumentation über das Sterben. Der Film erspart dem Zuschauer nichts. Die Ängste und die Verzweiflung von Pauw schnüren einem die Kehle zu. Aber ebenso hat de Jong auch komische Elemente eingebaut. So tragen alle „Schwestern“ das gleiche Kleid oder liegen zur Probe im Sarg.

„Frailer“ ist schmerzvoll und berührend, aber gleichzeitig auch lehrreich, denn er zeigt uns, wie wichtig das Abschied nehmen von einem Menschen sein kann und wie beide, der Sterbende und der Angehörige, voneinander profitieren können.

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