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Spielzeiteröffnung des KJT auf der Kokerei Hansa

„Nachdem der Himmel glühte“

Rund ums Wasser dreht sich alles bei einem performativen Spaziergang über das Gelände der Kokerei Hansa in Huckarde. In Kooperation mit dem Künstlerkollektiv pulk fiktion und der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur startet das Kinder-und Jugendtheater seine neue Spielzeit mit einer Uraufführung in aufregendem Ambiente.

Die letzten Sommer waren warm, trocken, oft zu heiß, es gab Sonne satt. Doch wohin geht das Wasser, wenn es nicht regnet? Geht es verloren, sammelt es sich irgendwo? In diesem Jahr dann das krasse Gegenteil mit häufigen Starkregen bis zur Hochwasserkatastrophe in der Eifel. Ob Wasserknappheit oder Überschwemmungen, anhand des Beispiels Wasser lässt sich der Klimawandel anschaulich verdeutlichen. pulk fiktion nimmt die Zuschauenden mit ins Gelände der Kokerei. Sie erkunden den Ort, folgen dem Verlauf des Wassers, verlieren dessen Fährte, begegnen Regenmacher*innen, kämpfen sich durch eine Dürre und suchen nach Lösungen.

Beim Pressetermin am Donnerstag betonte Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung, wie wichtig Ihnen eine regelmäßige Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler*innen sei: „Wir laden gerne Menschen ein, um sich mit diesem Ort zu beschäftigen, damit er nicht als Industriedenkmal nur nackte Kulisse ist, sondern ein lebendiger Ort mit einer inhaltlichen Brücke von heute zur Geschichte.“ Über den spannenden Ort sagte KJT-Intendant Andreas Gruhn: „Was ich so an der Kokerei Hansa liebe, ist, dass man alles sieht, was hier in der Vergangenheit passiert ist, aber gleichzeitig auch, wie sich die Natur wieder alles zurückerobert.“ Diese Mischung sei auch für den Abend „Nachdem der Himmel glühte“ wichtig, die Wahrnehmung des Geländes mische sich mit der Geschichte, die reale Welt mit der virtuellen.


Unser Foto vor dem alten Löschturm zeigt v.li. Matthias Schlensker, Unterstützer des Projektes, Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Norman Grotegut von pulk fiktion, Milena Kowalski, Intendant KJT, Andreas Gruhn, Leiter KJT und Amelie Barth ebenfalls pulk fiktion. (Foto: © Anja Cord)

Unser Foto vor dem alten Löschturm zeigt v.li. Matthias Schlensker, Unterstützer des Projektes, Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Norman Grotegut von pulk fiktion, Milena Kowalski, Intendant KJT, Andreas Gruhn, Leiter KJT und Amelie Barth ebenfalls pulk fiktion. (Foto: © Anja Cord)

Die Zuschauenden spazieren, teilweise auch mit Tablets und Videosequenzen, zu verschiedenen Stationen auf dem Gelände, wo sie auf die Schauspieler*innen des KJT-Ensembles treffen. „Es ist eine Reise in eine phantastische Welt, die wieder zurückgeführt wird zur Realität, wo es dann auch sehr konkret wird. Der Bezug zum Kernthema „Wasser“ ist zum Beispiel durch den Opa eines Guides gegeben, der Löschwagenfahrer war“, erzählt Norman Grotegut von pulk fiktion. Das Publikum werde interaktiv eingebunden und sollte festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung tragen, denn gespielt wird auch bei Regen. Der anderthalbstündige Spaziergang sei durchaus körperlich aktiv und es gehe auch auf den Kühlturm rauf.

Wer neugierig geworden ist und gerne mit dabei sein möchte am 22. August gibt es vier Vorstellungen á 90 Minuten, die erste beginnt um 18h, die folgenden Uhrzeiten sind 18.45h, 19.45h, 20.30h.

Theaterstück über ein starkes Mädchen

„Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ ist die nächste Premiere im Kinder- und Jungendtheater. Das Stück ab 10 Jahren basiert auf die Buch-Trilogie von Finn-Ole Heinrich. Premiere ist am 14. Februar 2020 um 19 Uhr.

Das Stück ist ein Extrakt aus den drei Büchern, erklärte Andreas Gruhn, Regisseur und Leiter des Kinder- und Jungendtheaters. „Es geht auch um das Thema Sterben”, so Gruhn, aber nicht nur.

Im Mittelpunkt steht Maulina (die eigentlich Paulina heißt). Ihre heile Welt fällt plötzlich in sich zusammen: Zunächst trennen sich ihre Eltern, sie zieht zu ihrer Mutter, die aber an MS erkrankt und später stirbt. Die Wohnung ihrer Mutter nennt sie „Plastikhausen”, da alles behindertengerecht ist. Maulina muss nun mit Wohnortwechsel und Schulwechsel fertig werden.

Das Ensemble (v.l.n.r. Thorsten Schmidt, Ann-Kathrin Hinz, Bianka Lammert, Andreas Ksienzyk, Johanna Weißert, Rainer Kleinespel und Jan Westphal) bei den Proben zu "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt". Premiere ist am 14. Februar im KJT. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble (v.l.n.r. Thorsten Schmidt, Ann-Kathrin Hinz, Bianka Lammert, Andreas Ksienzyk, Johanna Weißert, Rainer Kleinespel und Jan Westphal) bei den Proben zu „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“. Premiere ist am 14. Februar im KJT. (Foto: © Birgit Hupfeld)

In dem Stück gibt es keine Figur, die „böse” ist, sondern alle versuchen, ihr Bestes zu geben. „Es ist sehr viel Liebe im Spiel, trotz der bitteren Erlebnisse, die Maulina ertragen muss“, erklärte Andreas Gruhn. Beste Voraussetzungen, um sich zu einem selbstbewussten Mädchen zu entwickeln. Sein Fazit: „Es ist eine traurige, aber auch komische Geschichte, die keine heile Welt vermittelt.“

In diesem Stück spielt das ganze Ensemble mit und es gibt mit Manuel Loos einen Live-Musiker. Loos war schon in Stücken wie „Am Boden” oder „Das Reich der Tiere” im Schauspielhaus aktiv. Zum ersten Mal ist er im KJT. Die Ausstattung ist von Susanne Ellinghaus.

Das Besondere an der Inszenierung ist, dass die Orte sehr schnell wechseln, es gibt so etwas wie eine Überblendung, so dass die Inszenierung sehr dynamisch wird.

Die Premiere ist ausverkauft, für Montag gibt es noch Restkarten, für Sonntag sind noch Karten erhältlich.

Mehr Informationen unter www.theaterdo.de

Zwerg Nase als Weihnachtsmärchen im Schauspielhaus Dortmund

Es schon eine gute Tradition, dass Andreas Gruhn (Direktor des Kinder und Jugendtheaters Dortmund) mit seinem gesamten KJT-Ensemble im Schauspiel Dortmund ein Weihnachtsmärchen für die ganze Familie inszeniert. In diesem Jahr steht das Märchen „Zwerg Nase“ von Wilhelm Hauff (1802 – 1827) auf dem Programm.

Es ist schon schwierig, nach so vielen Jahren immer noch ein neues Märchen für die Aufführungen im Schauspielhaus auszusuchen. An Hauffs Märchen interessiert Gruhn vor allem das brandaktuelle Thema der Ausgrenzung von „andersartigen“ Menschen sowie die starken Figuren.

Beim Gespräch mit Ars tremonia erklärte der Leiter des KJT, dass die damalige orientalische Gesellschaft (zur Zeit der Märchen von Wilhelm Hauff) eine offene, sinnliche Gesellschaft und reich an Farben und Formen war. Verschiedenste Religionen und Weltanschauungen lebten relativ friedlich zusammen. Außerdem ist Hauff von der revolutionären Aufbruch Stimmung im Vormärz 1848 in Deutschland beeinflusst, wo die Menschen in einem in viele Herzogtümer zersplitterten Gebiet lebten und vom König oder den Fürsten abhängig waren.

Das diesjährige Weihnachtsmärchen ist als Geschichte in der Geschichte konzipiert. Zunächst wird das Publikum in den fernen exotischen Orient in mitten einer Karawane (in Oase) entführt. Dort erzählt ein Schauspieler aus dem Jugendclub die Erzählung stimmungsvoll als Zeichen dafür, dass Fantasie Grenzen überwinden kann.

Probenfoto aus der Produktion "Zwerg Nase", dem Weihnachtsmärchen vom Kinder- und Jugendtheater Dortmund. (Foto: © Edy Szekely)
Probenfoto aus der Produktion „Zwerg Nase“, dem Weihnachtsmärchen vom Kinder- und Jugendtheater Dortmund. (Foto: © Edy Szekely)

Die Geschichte handelt von Jakob, einem freundlichen Jungen von schöner Gestalt, der seinen Eltern von klein auf auf dem Markt am Gemüsestand hilft. Eines Tages ärgert er sich über eine griesgrämige, bucklige alte Frau mit langer spitzer Nase, die sich über die angeblich schlechte Ware am Stand beschwert. Im Gegenzug lästert Jacob über ihre hässlicher Erscheinung. Zur Strafe verwandelt die sich als Kräuterhexe entpuppende Frau ihn in eine Zwerg mit großer Nase. Sie hält ihn gefangen, damit er ihr in der Küche dient. Was dann geschah ist ein Abenteuer, dass er mit Hilfe eines Eichhörnchens und Mimi, die kluge als Gans verwandelte Tochter eines Zauberers, erlebt und das ihn an den Hof des Herzogs von Frankistan bringt. Dort kommt es aber bei einem Staatsbesuch zu Verwicklungen.

Für die atmosphärische Musik sorgt Michael Kessler, und für die flexible Ausstattung (vom Dorf zum Wald, von der Küche zum Schloss) und die Kostüme zeichnet Oliver Kostecka verantwortlich. Neben dem gesamten KJT-Ensemble sind auch Statisten sowie Sadoun Alsinou und Anas Alfakhouri aus dem Jugendclub-Ensemble mit von der Partie.Es wird sicherlich auch wieder ein opulentes Vergnügen für die Augen werden.

Die Premiere des Weihnachtsmärchen „Zwerg Nase“ findet am Donnerstag, den 14.11.2019 um 19:00 Uhr im Schauspiel Dortmund statt,. Dafür gibt es noch Rest-Karten.

Informationen über die vielen anderen Aufführungstermine erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50-27222.

Ab 01. Dezember bis Mitte Januar ist „Zwerg Nase“ dann fast 50 mal auf der Bühne im Schauspielhaus zu sehen.

Übrigens: Für die Nachmittagstermine und um die Weihnachtsfeiertage gibt es noch gute Chancen auf Karten, um die Aufführung zu erleben!

Detektiv-Geschichte um Emil als Solo für Gustav

Im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater hatte am 18.05.2019 „Emil und die Detektive – ein Solo für Gustav“ unter der Regie Bettina Zobel (Ensemble-Mitglied im KJT) seine Premiere.

Die Inszenierung ist in mehrfacher Hinsicht eine besondere. Zum einen wird die Geschichte von „Emil und die Detektive“ (Erich Kästner 1929) aus der Sicht von Gustav mit der Hupe erzählt und dann auch noch auf eine ganz eigene Art und Weise präsentiert, die das Publikum ein Stück weit in die Welt von 1929 in Berlin eintauchen ließ.

Ein besonderes Erlebnis war es aber, Andreas Gruhn, den langjährigen Leiter des KJT, als Schauspieler auf der Bühne zu erleben. Als gebürtiger Berliner war dies eine sogenannte Paraderolle für ihn. Mit viel „Berliner Schnauze“ versprühte er den herben trockenen Charme der Hauptstadt.

Er spielte den Enkel des „Gustav mit der Hupe“, der die Geschichte aus der Sicht seines Großvaters lebendig auf die Bühne brachte. Die spannenden Geschehnisse um Emil, der aus Neustadt mit der Bahn und 140 Mark von seiner Mutter für die Großmutter nach Berlin aufbricht, und vom Fiesling Grundeis im Schlaf bestohlen wird. Mit der Hilfe von Gustav mit der Hupe und seinen Freunden gelingt es ihm mit Mut, Witz sowie Solidarität am Ende, den Dieb und gesuchten Bankräuber zu überführen.

Andreas Gruhn schlüpfte in verschiedene Rollen. (Foto: © Edy Szekely)
Andreas Gruhn schlüpfte in verschiedene Rollen. (Foto: © Edy Szekely)

Die Requisiten auf der Bühne, mit einem alten Telefon aus der damaligen Zeit, Schiebermütze und mehr, waren samt der Kostüme mit viel Liebe und Sorgfalt ausgesucht.

Verschiedene Fotografien aus dem Berlin um das Jahr 1929, vergrößert auf Papptafeln gebracht, wurden mithilfe einer Videokamera auf eine Leinwand projiziert und mit ausgeschnitten Personen der Handlung je nach Bedarf bereichert.

Andreas Gruhn konnte nicht nur seine schnelle Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen, sich in die unterschiedlichen Charaktere einfühlen, sondern durfte auch noch zur Freude des Publikums singen und tanzen. Da blieb kein Auge trocken und Langeweile kam nicht auf.

Es war eine gelungene Inszenierung mit einer gelungenen Mischung aus klassischen Theaterspiel mit einfachen Mitteln und den Möglichkeiten der modernen Technik. Sie zeigte dem jungen und älteren Publikum den Wert von Mut, Nicht-Aufgeben und Zusammenhalt und einen kleinen Eindruck vom „alten Berlin“.

Nach der Vorstellung wurde Andreas Gruhn noch für seine zwanzigjährige Tätigkeit als Leiter des KJT und sein Städteübergreifendes Engagement (beispielsweise mit gegenseitigen Besuchen von Theatern in Dortmunder Partnerstädten, seine Weihnachtmärchen-Inszenierungen und vieles mehr) von Bürgermeisterin Jörder und Tobias Ehinger (Geschäftsführender Direktor am Theater Dortmund) geehrt. Er bleibt dem Theater noch weitere Jahre erhalten.

Auch viele ehemalige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter waren zum Jubiläum erschienen und der Abend endete mit einer fröhlichen Überraschungsfeier.

Emil und die Detektive – Kästners Klassiker als Solo

Ein außergewöhnliches Stück feiert am 18. Mai 2019 im Kinder- und Jugendtheater Dortmund (KJT) seine Premiere. Aufgeführt wird „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner, aber es wird nur ein Schauspieler auf der Bühne stehen und der ist niemand anderes als Andreas Gruhn, der Leiter des KJT. Der Enkel von „Gustav mit der Hupe“ erzählt die Gesichte, wie er sie von Opa erzählt bekam. Daher auch der Untertitel „Ein Solo für Gustav“.

Der Roman für Kinder von Kästner aus dem Jahre 1929 ist sicher einer der bekanntesten Detektivgeschichten für Kinder. Zur Handlung: Der 12-jährige Emil Tischbein fährt nach Berlin, um seiner Oma 140 Mark zu übergeben. Während der Fahrt wird ihm das Geld von einem gewissen Herrn Grundeis gestohlen. Emil kann ihn aber vom Bahnhof Zoo verfolgen. Dabei trifft er auf Gustav mit der Hupe mit ihm und seinen Freunden können sie den Mann so lange verfolgen und vor einer Bank stellen und der Polizei übergeben. Die stellt fest, dass der Herr „Grundeis“ verschiedene Namen hat und ein gesuchter Bankräuber ist.

Passend zum Stück wird viel ,Berliner Lokalkolorit zu sehen sein. Andreas Gruhn als "Gustav mit der Hupe". (Foto:© Birgit Hupfeld)
Passend zum Stück wird viel ,Berliner Lokalkolorit zu sehen sein. Andreas Gruhn als „Gustav mit der Hupe“. (Foto:© Birgit Hupfeld)

Kästners „Emil und die Detektive“ ist ein Buch, bei der die Kinder auch einen sehr aktiven Part einnehmen und die Geschichte ohne Lösung der Erwachsenen auskommt. Doch der Roman hat noch einen anderen Aspekt, denn es ist auch ein Zeitdokument. Es spielt im Berlin der ausgehenden 20er Jahre und beinhaltet sehr viel Lokalkolorit. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn Gruhn sagt, dass „Berlin die zweite Hauptrolle spielt“, schließlich ist er ja auch in der Gegend aufgewachsen, in der „Emil und die Detektive“ spielt.

Die Monologfassung hat Bettina Zobel, Ensemblemitglied im KJT verfasst, es ist zwar nicht ihr erstes selbst verfasstes Stück, aber das erste für ihren „Chef“, der nach zwanzig Jahren wieder auf der Bühne steht. Der besondere Kniff von Zobels Fassung ist, dass die Geschichte aus Sicht von Gustav mit der Hupe erzählt wird oder besser gesagt, was der Opa Gustav seinem Enkel Gustav über die spannende Detektivgeschichte erzählt hat. Gruhn wird in der Fassung mehrere Rollen interpretieren, schließlich macht ja die große Gruppe Kinder den Räuber nervös.

Das Stück wird in dieser Spielzeit noch zehnmal aufgeführt, es wird aber auch in der nächsten Spielzeit fortgesetzt.

Termine und Infos finden Sie unter www.theaterdo.de

Der Sandmann – Stoff zwischen Realität und Fiktion

In der nächsten Zeit ist der Schauerroman „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann (1778 – 1822) als Stoff für die Abiturklassen vorgesehen.

Da passt es gut, dass der Direktor des Kinder- und Jugendtheaters in Dortmund, Andreas Gruhn, in der ersten Premiere im Jahr 2019 diese Erzählung in der Tradition der „Schwarzen Romantik“ mit seinem Ensemble im KJT inszeniert. Die sogenannte „Schwarze Romantik“ entstand als Gegenbewegung der auf Vernunft und Verstand gerichteten Aufklärung.

Der Schriftsteller E:T:A. Hoffmann hatte schon hundert Jahre vor Sigmund Freud die Entwicklung von Psychosen in allen Stadien beschrieben, so Gruhn.

Der hochdramatische Stoff um einen traumatisierten jungen Mann ist ein drastisches Schauerstück und für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet.Wie der Regisseur erklärte, dass sich Inszenierung in seiner Bearbeitung nah an der geschriebenen Vorlage hält..

Nathanael (Thorsten Schmidt) führt Olympia (Birgit Lammert) aus. Doch ahnt er ihre Besonderheit? Oder passiert das nur in seiner Phantasie? (Foto: © Birgit Hupfeld)
Nathanael (Thorsten Schmidt) führt Olympia (Birgit Lammert) aus. Doch ahnt er ihre Besonderheit? Oder passiert das nur in seiner Phantasie? (Foto: © Birgit Hupfeld)

Es wird ein interessanter Wechsel der Perspektiven stattfinden. Zunächst erlebt das Publikum die Erzählung aus der den Augen und Briefen des jungen Protagonisten Nathanael (Thorsten Schmidt), später aus der Sicht der anderen Personen. Wie Andreas Gruhn beim Pressegespräch betonte, schreit das Stück gerade zu nach starken Bildern. Atmosphärisch passend begleitet wird die Inszenierung mit Musik, Videos und Puppenspiel. Es geht ja auch um „künstliche Menschen“ (Olympia, die Tochter des Dozenten Spalanzani ist eigentlich eine automatisierte Holzpuppe). Das Publikum wird in eine Welt versetzt, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.

Eine Frage von großer Aktualität stellt sich uns in dem Stück. Wie verändert sich die Wahrnehmung in einer zunehmend digitalisierten und medialen Welt, und was hat das für Auswirkungen auf uns, vor allem aber gerade junge Menschen.

Dramaturgin Lioba Sombetzki erklärte, dass das Spannende am „Sandmann“ sich aus verschiedene Arten lesen und verstehen lässt. Es besteht die Möglichkeit, die Handlung als wahr zu betrachten und so ein unheimliches Nachtstück vorzufinden, in dem sich sich die unmittelbare Umwelt gegen Nathanael verschworen hat, bis es am Ende zu seinem Tod kommt. Auf der anderen Seite bleibt die Ungewissheit über den unheimlichen Sandmann tatsächlichen Geisteszustand des Protagonisten. Der Blick durch das Perspektiv, dem Instrument zur Vergrößerung der Sehkraft (deren Verlust eng mit dem Kindheitstrauma von Nathanael verbunden ist), soll eigentlich Sicherheit schaffen, zwischen Realität und Fiktion unterscheiden zu können. Aber gerade die wird ihm dadurch geraubt und ist keine Hilfe.

Der Stoff ist sicherlich eine große Herausforderung für die SchauspielerInnen, vor allem aber für den KJT-Schauspieler Thorsten Schmidt in der Rolle des Nathanael.

Die Premiere am 22.02.2019 um 19:00 Uhr im Kinder-und Jugendtheater ist schon ausverkauft. (Es lohnt sich aber immer , nachzufragen, ob Karten frei geworden sind).

Informationen über weitere Aufführungen gibt es unter www.theaterdo.de

Weihnachtsmärchen 2018: Cinderella als wildes Mädchen

Am 15. November 2018 feiert das Weihnachtsmärchen der Spielzeit 18/19 seine Premiere: Cinderella. Vielen bekannt durch den Zeichentrickfilm von Walt Disney aus dem Jahre 1950, aber hierzulande kennen es die meisten unter dem Namen „Aschenputtel“ der Gebrüder Grimm. Auch wenn das Märchen uralt und in vielen Gegenden der Welt in der einen oder anderen Variante bekannt ist: Die Basis des Stückes ist die Version von Charles Perrault aus dem Jahre 1697.

Zurück in der alten Heimat. Nach zwei Jahren, in denen das Weihnachtsmärchen des Kinder- und Jugendtheaters (KJT) – wegen der Renovierung des Schauspielhauses – im eigenen Haus aufgeführt werden musste, sind alle Beteiligten froh, wieder zurück zu kommen. „Es war für uns schon sehr anstrengend“, erzählte Andreas Gruhn, der Leiter des KJT, denn das Ensemble musste wegen der geringeren Zuschauerplätze die Stücke häufiger aufführen.

Die Geschichte von Aschenputtel ist hinlänglich bekannt. Neben dem bekannten Märchen der Gebrüder Grimm und dem erwähnten Zeichentrickfilm von Disney gab es noch in den 70er Jahren die tschechische Version „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Hier agiert Aschenbrödel/Cinderella schon etwas selbstbewusster. Auch in der Bearbeitung von Gruhn sind die beiden Hauptfiguren Cinderella und der Prinz moderner gezeichnet. Cinderella ist ein „typisches junges Mädchen“ und der Prinz hat auch mit inneren Konflikten zu kämpfen.

Das Ensemble von "Cinderella". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble von „Cinderella“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Gruhn hat sich bewusst gegen die deutsche, durchaus brutale Version entschieden. Es gibt also keine abgehakten Füße oder ähnliches. Es wird die leichte französische Version aufgeführt mit viel Musik und Choreografien. Die Kleidung lässt auf die Barockzeit (Anfang des 18. Jahrhunderts) schließen. Die Musik orientiert sich an höfischen Tänzen und französischen Volksliedern.

Neun Schauspielerinnen und Schauspieler bevölkern die Bühne, darunter zwei Gäste Talisa Lara, die zwei Jahre lang Ensemblemitglied im KJT war. Hinzu kommt Harald Schwaiger, ehemaliges Ensemblemitglied des Schauspielhauses unter Michael Gruner. Dazu stehen noch drei Statisten auf der Bühne.

Am 13.11.2018 gibt es von 15 bis 18 Uhr eine Lehrerfortbildung mit anschließendem Besuch der Hauptprobe. Die Teilnahme an der Lehrerfortbildung ist kostenlos. Erforderlich ist aber eine Anmeldung an die Theaterpädagogin Erika Schmidt-Sulaimon: eschmidt@theaterdo.de

Von den 23.000 zur Verfügung stehenden Karten sind schon über 19.500 verkauft. Es gibt noch Karten für den:

15.11. um 19 Uhr

02.12. um 15 und 17 Uhr

06.12. um 17 Uhr

11.12. um 15 Uhr

16.12. um 15 und 17 Uhr

18.12. um 17 Uhr

23.12. um 11 Uhr

25.12. um 15 Uhr

16.12. um 11 Uhr

Spielzeitvorstellung Theater Dortmund – gute Zahlen und ein neues Gesicht

Am 25. April präsentierte das Theater Dortmund das neue Spielzeitheft. Der kommissarische Direktor Tobias Ehinger konnte mit den Zahlen zufrieden sein. Die Auslastung in der vergangenen Spielzeit betrug 81 Prozent gegenüber den 76,2 Prozent davor. Die Spartenleiter präsentierten das Programm für die Spielzeit 18/19. den Beginn machte ein neues Gesicht: Heribert Germeshausen, designierter Opernintendant und Nachfolger von Jens-Daniel Herzog.

Germeshausen möchte die Oper weiter in die Stadtgesellschaft tragen. Dazu beitragen soll das Stück „MusiCircus“ nach John Cage, bei der Dortmunder Bürger aktiv mitmachen werden. Dazu wird im Herbst 2018 das Projekt „Bürgeroper Dortmund“ starten.

Ein besonderes Highlight ist „Fin de Partie“, dessen Premiere am 18.04. 2019 sein wird. Sie ist die erste Neuinszenierung nach der Urauführung in der Mailänder Scala.

Erfreuliches für Wagner-Fans: Ein neuer „Ring“ ist in Dortmund geplant.

Die „Junge Oper“ feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Am 10.11.2018 gibt es eine Geburtstagsfeier. Gleichzeitig ist die Premiere von „Romeo & Zeliha“.

Ballettdirektor Xin Peng Wang beginnt mit einem Projekt, das ihn über mehrere Spielzeiten begleiten wird: „Die göttliche Komödie“ von Dante. In der kommenden Spielzeit beginnt er mit dem „Inferno“. Als weitere Premiere ist „Visionen“ geplant mit Choreografien von Douglas Lee, Jacopo Godani und Wubkje Kuindersma.

Für Freunde des klassischen Balletts: „Schwanensee“ steht in der kommenden Spielzeit wieder auf dem Programm.

Gute Zahlen machen die Spartenleiter und den kommissarischen Leiter zufrieden. (v.l.n.r.) Kay Voges (Schauspiel), Xin Peng Wang (Ballett), Tobias Ehinger (kommisarische Direktor), Andreas Gruhn (KJT) und Herbert Germeshausen (Oper).
Gute Zahlen machen die Spartenleiter und den kommissarischen Leiter zufrieden. (v.l.n.r.) Kay Voges (Schauspiel), Xin Peng Wang (Ballett), Tobias Ehinger (kommisarische Direktor), Andreas Gruhn (KJT) und Herbert Germeshausen (Oper).

Eine Welturaufführung steht beim Schauspiel ins Haus. Mit „Die Parallelwelt“ wird zum ersten Mal ein Stück gleichzeitig in Berlin und in Dortmund aufgeführt. Die Besucher dürfen gespannt sein. Die Premiere ist am 15.09. 2018. Ein Wiedersehen gibt es mit einem alten Bekannten: Jörg Buttgereit wird wieder ein Stück in Dortmund produzieren. Mit „Im Studio hört dich niemand schreien“ wird dank eines Geräuschemachers der Horror wieder in unseren Köpfen aktiv.

Vom norwegischen Schriftsteller Henrik Ibsen wird nach einigen Jahren Abstinenz mit „Hedda Gabler“ wieder ein Stück präsentiert.

Der Liedermacher, Schauspieler und Kabarettist Rainald Grebe war schon in Dortmunder Schauspielhaus mit seinem Soloprogramm, aber in der kommenden Spielzeit wird er das Stück „Dieser Titel ist in Ihrem Land derzeit nicht verfügbar“ inszenieren.

Der Sprechchor darf natürlich nicht fehlen. Er wird sich dem Thema „Fußball und Homosexualität“ widmen mit dem Stück „Echte Liebe“.

Last but not least: Mit Anke Zillich ist eine neue Kollegin aus Bochum nach Dortmund gewechselt.

Das Kinder- und Jugendtheater pflegt stärker die internationalen Kontakte. So wird aus „Pottfiction“ jetzt „Eurofiction“ und das KJT bekommt einen Partner aus Paris.

Der Leiter des KJT, Andreas Gruhn, stellte den Spielplan kurz vor. „Fast Faust“ dreht sich um Goethes gleichnamiges Mammutwerk, „Emil und die Detektive“ von Kästner wird als Monolog aufgeführt. Das kommende Weihnachtsmärchen heißt „Cinderella“, wobei sich Gruhn eher an die französische als an die durchaus brutale deutsche Fassung halten wird.

Der Generalmusikdirektor Gabriel Feltz freute sich über 80% Auslastung bei den Konzerten. Er war wegen einer Verpflichtung im Ausland nur per Videobotschaft zu sehen. Das Thema der kommenden Spielzeit lautet „Krieg und Frieden“, passend zu den Ereignissen vor hundert Jahren. Bei der Wiener Klassik dreht sich alles um die drei Städte Berlin, Wien und Paris. Auch sie sehr stark von den Einwirkungen des Ersten Weltkrieges geprägt.

Das Spielzeitheft ist im Theater Dortmund kostenlos zu bekommen.

GUT – Kooperation zwischen Gymnasien und Theater

Nach den erfolgreichen Kooperationen des Theater Dortmund mit Realschulen und Gesamtschulen im Umfeld unserer Stadt, ist am 17.11.2017 der Startschuss für „GUT“ (Zusammenarbeit von Gymnasien und Theater) gegeben worden.

Dieses Projekt möchte Schülerinnen und Schüler Einblicke und einen Überblick in die unterschiedlichsten Berufe und Sparten des Theaters geben sowie ihr Interesse für Kultur wecken. Interessant ist da natürlich die Altersgruppe um die neunte Klasse, bei der die berufliche Orientierungsphase konkreter beginnt.

Freuen sich über die Kooperation: (v.l.n.r.) Svenja Richmann (Theaterpädagogin und Koordinatorin), Sonja Leukefeld (Schulleiterin Theodor-Heuss Gymnasium Waltrop), Sven Krey (Lehrer Theodor-Heuss Gymnasium Waltrop) und Alexandra Reiners (Lehrerin Theodor-Heuss Gymnasium Waltrop).
Freuen sich über die Kooperation: (v.l.n.r.) Svenja Richmann (Theaterpädagogin und Koordinatorin), Sonja Leukefeld (Schulleiterin Theodor-Heuss Gymnasium Waltrop), Sven Krey (Lehrer Theodor-Heuss Gymnasium Waltrop) und Alexandra Reiners (Lehrerin Theodor-Heuss Gymnasium Waltrop).

Anwesend bei der Eröffnungsveranstaltung in gemütlicher Runde im Opernfoyer waren neben Schulleitern und Lehrern einiger der beteiligten Gymnasien für das Theater: Tobias Ehinger (Geschäftsführer Theater Dortmund), Andreas Gruhn (Leiter KJT), Georg Holzer (Chefdramaturg Oper) sowie Svenja Riechmann (Koordinatorin Theaterpädagogik), Sarah Jasinszczak (Theaterpädagogin Schauspiel) und Erika Schmidt-Sulaimon (Theaterpädagogin KJT).

Tobias Ehinger betonte zunächst die Bedeutung von Kultur und Bildung als wichtige Basis und Säulen der Gesellschaft. Er sieht in der Kooperation mit den Gymnasien ein großes Entwicklungspotenzial. Andreas Gruhn fügte hinzu, dass es für die SchülerInnen durch das Theater die Möglichkeit gibt, tiefer in ein Thema einzutauchen. Er möchte sie zu mehr Experimentierfreude ermutigen. Es gebe viel zu entdecken. Kooperation sei aber keine Einbahnschiene und benötige eine wechselseitige Kommunikation.

Die Schulleiter und Lehrer erhoffen sich durch die Wiedereinführung von G9 mehr Luft für die SchülerInnen, um sich in ihrer Zeit am kulturellen Leben beteiligen zu können.

Die Theaterpädagoginnen stellten dann die bisherigen Angebote wie Workshops, Schnuppertage und Kurse, Praktika und sonstige spezielle Angebote vor.

Anschließend folgte die feierliche Unterzeichnung der Kooperationsverträge durch die anwesenden Vertreter des Käthe-Kollwitz-Gymnasium (Dortmund), Helmholtz-Gymnasium (Dortmund) und Theodor-Heuss-Gymnasium (Waltrop).

Solche Projekte sind nicht nur „gut“, sondern haben auch viel kreatives Potenzial. Alle Seiten sind bereit.