Politisch, aber mit Ästhetik – das Theaterfestival Favoriten 2018

18 Produktionen präsentiert das Theaterfestival Favoriten 2018 vom 06. bis 16. September 2018. Das künstlerische Zentrum ist das Theater im Depot, doch auch weitere Orte in der Nordstadt werden bespielt. So etwa das Dietrich-Keuning-Haus oder der Rekorder in der Gneisenaustraße. Auch im Union Gewerbehof, der Alten Schmiede in Huckarde oder in der Zeche Friedlicher Nachbar in Bochum gibt es Aufführungen.

Beim Festival der freien Szene geht es nicht nur um das Theater, sondern es werden die Künste Tanz, Performance oder Musik integriert. Das Motto der künstlerischen Leitung lautet: Wie kann Kunst politisch agieren, aber ästhetisch. Die Besucherinnen und Besucher haben in den nächsten Tagen die Gelegenheit, diesen Anspruch unter die Lupe zu nehmen.

Wenn es ein Genre gibt, das Theater, Musik, Tanz und Performance vereinen kann, dann ist es die Oper. Erstaunlicherweise kommt man der Oper bei manchen Produktionen entgegen, aber nicht in der klassischen Form. Den Anfang macht „Ingolf wohnt“ von Daniel Kötter und Hannes Seidl in der Mittelhalle des Depots. Hier wird die Oper ins Alltägliche verortet. Eine interessante Kombination zwischen Film und begehbaren Objekt (die Wohnung von Hobby-Bastler Ingolf Haedicke im Zustand von ca. 1985).

Manche kennen das Pauschenpferd noch vom Turnunterricht, in der Produktion „Surround“ in der Alten Schmiede in Huckarde am 07.09.18 steht so ein Turngerät im Mittelpunkt des Geschehens. Hier verbinden sich Tanz und Elemente aus dem Zirkus zu einer ästhetischen Diskussion um Demokratie. Wen schließt die Demokratie ein und wen aus? Wer hängt an der Macht?

Szenenbild aus "Sourround" von Tim Behren. Zu sehen in der Alten Schmiede am 07.09. um 19 Uhr. (Foto: © Ingo Solms)
Szenenbild aus „Sourround“ von Tim Behren. Zu sehen in der Alten Schmiede am 07.09. um 19 Uhr. (Foto: © Ingo Solms)

Um das große Thema Kommunikation drehen sich drei Produktionen. „Unlikely creatures (II) – we dance for you“ von Verena Billinger und Sebastian Schulz beschäftigen sich um Gesellschaft und Öffentlichkeit. Popmusik, Satzfetzen aus Talkshows und Textfragmente prasseln auf die Zuschauer und Tänzer ein, die sehr gut die Überforderung des Einzelnen im immer mehr anschwellenden Informationsflut darlegt. So sehen am 08.09. um 21 Uhr in der Mittelhalle des Depots.

Um private Kommunikation geht es in „Wir fangen nochmal an“ von Anna-Lena Klapdor am 15.09. um 19 Uhr im Theater im Depot. Hier werden Feldpostbriefe und zeitgenössische SMS-Nachrichten miteinander verknüpft, in Dauerschleife gesetzt und in Dauerschleife von einem Chor rezitiert.

Wer am 08.09. schon im Depot ist, kann sich bereits um 19 Uhr die Produktion „Sonderbare Irre“ von SE Struck und Alexandra Knieps anschauen.Hier geht es um die neuen Medien, vor allem um die sozialen Medien, die den Typus des Selbstdarstellers befördert hat. Hier werden Posen von Instagram in tänzerisches Material umgewandelt. Das Smartphone kann als virtuelles Opernglas benutzt werden.

Auf Konzerte der besonderen Art können sich die Besucher ebenfalls freuen. Beispielsweise bei „Within“ von Tarek Atoui. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie hören eigentlich gehörlose Menschen Musik? Herbert Grönemeyer hat zwar schon eine Antwort: „Sie hört Musik nur wenn sie laut ist“, aber bei „Within“ am 16.09.18 werden wir um 17 Uhr in der Mittelhalle des Depots Musik mit allen Sinnen genießen können. Dabei wird extra ein für Dortmund entwickeltes Instrument ertönen.

Mit „Poems of the daily madness“ kommen wir in die Nachbarstadt Bochum. Claudia Bosse präsentiert am 13.09. um 21 Uhr in der Zeche Friedlicher Nachbar eine begehbare Oper. Es treten die allegorischen Figuren Poems, Hate crime, Madness und Terror auf. Die Frage, die im Raum steht, lautet angesichts der Schreckensmeldungen in den Nachrichten: Bewegen wir uns oder werden wir bewegt?

Wenn es eine Künstlerin im arabischen Raum gab, deren Ruhm einer Callas vergleichbar war, dann war es die ägyptische Sängerin Oum Kaltoum. Ihr wird beim Konzert am 12.09. um 20 Uhr im Theater im Depot gedacht. Interpretiert werden ihre Lieder von der Opernsängerin Ruth Rosenfeld , dem Gastsänger Abdulrahman Afar und dem NRWedding Orchestra for Middle Eastern Music unter der Leitung von Ariel Efraim Ashbel.

Das gesamte Programm und weitere Information zu Karten und Preise finden Sie unter: http://favoriten-festival.de/

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