Ode an die Südtribüne

War es nun ein unglücklicher Zeitpunkt als die Autorennationalmannschaft den BVB in der Saison 14/15 bei den Heimspielen begleitete oder ein guter? Denn es gab eine katastrophale Hinrunde mit Tabellenplatz 18, eine enorme Aufholjagd in der Rückrunde, ein DFB-Pokalendspiel und ein Abschied von Erfolgstrainer Jürgen Klopp. Was aber an den Geschichten von Moritz Rinke und seinen Mitautoren auffällt, ist die Bewunderung für die Südtribüne. „Man muss ein Spiel auch Lesen können“ präsentiert die Geschichten, die in Zusammenarbeit mit dem BVB-Hauptsponsor Evonik zustande kamen.

Die Idee war einfach: Man schickt zu jedem Heimspiel von Borussia Dortmund und zu den wichtigen Pokalspielen einen Autoren der Autorennationalmannschaft und schaut, was dabei herauskommt. Trotz der sehr schwachen Hinrunde war in den Kurzgeschichten keine Häme zu lesen. Was fast überall auftaucht ist die Faszination für die Südtribüne oder die Dortmunder Stadionbesucher generell. „Es gibt Stadien da wird ein Spiel beobachtet. In Dortmund dagegen wird es gelebt“, schreibt Benedict Wells, seines Zeichens Bayern-Fan, in seiner Geschichte „Das Experiment“. Lucas Vogelsang widmet ihr sogar ein eigenes Gedicht in „In der Wand“. „Die Wand ist ein Klangmonster, wenn sie freudvoll Ballett tanzt, wankt das Stadion“, beschreibt Frank Willmann das Phänomen beim 1-0 Sieg gegen Hoffenheim in „Feldforschungen im Kloppland“.

Doch es gibt auch andere Geschichten. Berührende Liebesgeschichten wie bei Gregor Sander „Echte Liebe“ oder einen kleinen Trivialroman von Andreas Merkel unter dem Titel „Die Geschichte der Null“. Und was noch? Joachim Król erinnert sich mit „Schönis Geschichte“ an den DFB-Pokalsieg von 1989. Dazu haben Sebastian Kehl und Oliver Kirch Gastbeiträge geliefert. Doch zu den Höhepunkten gehört sicher das Interview von Rinke mit Jürgen Klopp. Nicht zu vergessen sind die wirklich schönen Illustrationen von Tim Dinter, die beispielsweise entscheidende Szenen der Spielzeit zeigen, wie den verschossenen Elfmeter von Mario Götze im Halbfinale des DFB-Pokal gegen Bayern. Das besagte Elfmeterschießen, bei dem vier Bayernspieler den Ball nicht in Tor versenken konnten, ist mittlerweile eine Legende.

Gut, wer sich jetzt nicht für Borussia Dortmund, die Südtribüne und das ganze Drumherum interessiert, gehört sicherlich nicht zur Zielgruppe dieses Buches. Der Rest wird viel Spaß beim Lesen haben und sich nochmals an eine sehr emotionale Saison mit vielen Achterbahnfahrten zurück erinnern. Das Buch eine runde Sache.

Man muss ein Spiel auch Lesen können

Moritz Rinke (Hrsg.)

Illustriert von Tim Dinter
Gebunden, 240 Seiten
Blumenbar, 14,95 €
978-3-351-05025-2

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