Das 8. Philharmonische Konzert am 09. und 10.06.2026 im Dortmunder Konzerthaus war ganz von Fantasie und musikalischen Märchenwelten geprägt. Im 19. Jahrhundert rückte die Kindheit zunehmend als bedeutsame Entwicklungsphase in den Mittelpunkt des Interesses. Die Dortmunder Philharmoniker unter der feinfühligen Leitung von Nodoka Okisawa (geb. 1987) entführten das Publikum mit Werken von Ravel, Yoshimatsu und Mozart in eine ganz besondere Klangwelt.
Maurice Ravel (1875–1937) war eine führende Stimme der damaligen jungen Generation. Mit seiner Suite „Ma mère l’oye“ („Meine Mutter Gans“) entwarf er eine stilisierte Welt der Kindheit. Die ersten beiden der fünf Sätze basieren auf den Märchen „Dornröschen“ und „Der kleine Däumling“, während der dritte Satz das fantasievolle Bild einer badenden chinesischen Herrscherin zeichnet, die von winzigen Dienern umgeben ist. Ravels Musik besticht dabei durch reizvolle Harmonien und einen enormen Reichtum an Klangfarben.
Das anschließende zeitgenössische Fagottkonzert „Unicorn Circuit op. 36“ des japanischen Komponisten Takashi Yoshimatsu (geb. 1953) ist zwischen Lyrik und Mythologie angesiedelt. In drei Sätzen führt die Fantasiereise stimmungsvoll durch die Jahreszeiten Herbst, Winter und Frühling. Dabei ist die Musik von einem steten Wechsel zwischen traditioneller Tonalität mit ruhigen, meditativen Elementen und avantgardistisch-dissonanten Abschnitten geprägt. Die 1991 in Frankreich geborene Fagottistin Sophie Dervaux stellte hier eindrucksvoll ihr außergewöhnliches Können und ihre Virtuosität unter Beweis.

Nach der Pause setzte die Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 („Jupiter-Sinfonie“) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) einen glanzvollen Schlusspunkt. Mit ihrer Klarheit, Präzision, kontrastreichen Themenführung und scheinbaren Leichtigkeit gilt sie als absoluter Höhepunkt der Schaffenskraft des Komponisten – und das in einer Zeit schwerer psychischer und finanzieller Belastungen. Das Werk bildet eine geniale Verbindung aus kontrapunktischer Fuge und klassischer Sinfonie, getragen von einer gelungenen Balance zwischen festen Strukturen und beweglichen Formgliedern. Das volkstümlich-barocke Leichte verschmilzt hier perfekt mit dem kompositorisch Schweren. Eine ganz besondere Ausdruckskraft entfaltet schließlich das grandiose Finale im vierten Satz, dessen ausgedehnte Fuge die Krone aufsetzt.
