Fülle im Supermarkt

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Super – der Markt für alle im Kinder- und Jugendtheater Dortmund

Die Bühne ist voll. Regale mit Verpackungen, eine Auslage für Gemüse, Supermarktkasse, Pfandautomat und das ganze Equipment der Live-Band füllen den Raum. Alles ist am Anfang aber nur diffus zu erkennen, denn noch hat der Markt der Möglichkeiten nicht geöffnet.

Aus dem Off begleitet das Publikum die Stimme von Sina (gespielt von Sar Adina Scheer), die sich beeilen muss, an ihrem ersten Arbeitstag nicht zu spät zu kommen. Sie springt in die volle U- oder Straßenbahn auf der Bühne, die das Ensemble mit wenig Aufwand entstehen lässt. Alles ist unterwegs an diesem Morgen in der Großstadt. Und das erste Lied ist bereits gesungen, denn das Stück ist als Musical angekündigt.

Im Supermarkt geht es direkt in die Vollen, für die Neue bleibt kaum Zeit zum Atmen, alles muss schnell gehen, doch ein zartes Interesse bei einem Kollegen ist geweckt. Wird sich da etwas entwickeln?

Die erste Kundschaft ist da. Ein schlecht gelaunter BVB-Fan auf der Suche nach dem Super-Knüller-Hammer-Sonderangebot. Die gestresste Mutter auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Später kommen noch ein Fitnesstrainer, ein erfolgreicher Banker, der Flaschensammler, der gut situierte Privatier, die Rollstuhlfahrerin in den Markt.

Man erfährt ein wenig über die strenge Marktleiterin, ihren Konkurrenten und andere, und man amüsiert sich über die kleinen Finessen wie das „Tüdelit“ der Kassiererin (Bianka Lammert), die ihr eigener Scanner ist. Und die auch ganz wunderbar als Cheerleaderin mit zwei Staubwedeln im Hintergrund agiert.

v.l.n.r.: Bianka Lammert und Jan Westphal. © Lena Liedmann
v.l.n.r.: Bianka Lammert und Jan Westphal. © Lena Liedmann

Für die Choreographien wird der Raum gut genutzt, manchmal ist es ein wenig eng. Aber die Songs machen gute Laune. Und es treten nicht nur die Figuren auf, die im Supermarkt arbeiten oder einkaufen, nein, auch das Gemüse wird lebendig. Wenn der Brokkoli, der Spinat und die Tomate ihre Vorzüge darstellen, macht das Spaß, wobei die Tomatenqueen gewinnt. Sehr kraftvoll hier Anna Reizbikh.

In solchen Szenen kommt die Botschaft vom gesunden Essen locker an, doch manchmal tritt der erhobene Zeigefinger auch arg zutage. Selbst Sina, die ihren Aushilfsjob antritt, stellt sich im Verlauf als Ökotrophologin, als Expertin für Ernährung und Haushaltswissenschaften, vor. Am stärksten zeigt sich dies jedoch in einem kurzen Block zum Fleischkonsum, der auch direkt als Infoteil angekündigt wird. Zwar werden unter anderem ein paar Quizfragen gestellt, die auflockern sollen, aber die Sequenz stört den Fluss des Stückes und wird durchaus drastisch geschildert. Die Botschaft ließe sich sicherlich auch anders vermitteln.

Wohingegen zur Raucherpause keine Stellung genommen wird. Da gehörte noch eine kritische Anmerkung hin, wenn man nicht sogar lieber eine Frühstückspause daraus machen sollte. So kommt das Rauchen reichlich positiv herüber.

Musik (Michael Kessler) und Choreographien (Joeri Burger) machen unter der Regie von Andreas Gruhn Freude. Insgesamt muss man feststellen, dass nicht nur die Bühne voll ist, auch in das Stück wurde relativ viel hineingepackt. Eine Fülle an Ideen, Figuren und Botschaften in einer Aneinanderreihung von Monologen, durch die geeilt wird, statt der Erzählung einer Geschichte, der man mehr Raum wünschen würde. Auch der kleine rote Faden der sich andeutenden Liebesgeschichte wird nur sporadisch aufgegriffen und erfährt erst zum Ende hin eine größere Bedeutung. Hier ganz zauberhaft der Tanz mit dem Wischmopp des leidenden jungen Liebenden, gespielt von David Smith.

Weitere Termine im KJT unter www.theaterdo.de