Eine Retrospektive für Bernd Figgemeier

Bis zum 17. Juli 2022 zeigt die BBK Westfalen in der BIG GALLERY die Ausstellung „Bernd Figgemeier – ein Lebenswerk“. Der Künstlerbund präsentiert einen umfangreichen Querschnitt der Arbeiten von Figgemeier von 1950 bis 2020.

Bernd Figgemeier mit seinen Bleiblecharbeiten „Wasserfall“ und „Welle“. (Foto: © Rita-Maria Schwalgin)
Bernd Figgemeier mit seinen Bleiblecharbeiten „Wasserfall“ und „Welle“. (Foto: © Rita-Maria Schwalgin)

Es lohnt sich, die Ausstellung chronologisch anzugehen. Figgemeiers Arbeiten der 50er Jahre atmen die farbliche Ästhetik und die Geometrieformen dieser Zeit. In den 70er Jahren arbeitet der Künstler mit der Differenzierung Hell/Dunkel und Strukturen in der Fläche. Gut zu sehen in den Arbeiten „Erg“ oder „Hammada“, die die Wüstenlandschaft auch plastisch erlebbar machen.

In den 80er Jahren entwickelt Figgemeier diesen Stil weiter. Der Bildaufbau ist sehr streng. Die Flächen wirken wie ein Layout, klar unterteilt. Die Farbgebung ist fast monochrom, durch lasierenden Auftrag wird das Reliefbild lebendig. In dieser Zeit beginnt der Mensch eine Rolle in den Arbeiten Figgemeiers zu spielen. Der „Verkünder“ wird mit feinem, aber präzisen Pinselstrich in Aquarell gemalt und bekommt wieder durch die hell/dunkel Kombination seine Plastizität.

Der Mensch als Motiv taucht bei Figgemeier immer prominenter in den Arbeiten auf. Sein vierteiliges Werk „Mensch bilden Brücken“ von 1992 zeigt wieder seine Relieftechnik, die auch in den Arbeiten „up and down“ von 1999 gut zu sehen ist. Für den Künstler ist das lineare der Ausdrucksträger.

In den 2000er Jahren wird der Stil von Figgemeier gegenständlicher. Seine Sportler aus dem Jahre 2002 haben aber immer den klaren Bildaufbau. Sein Interesse an Archäologie zeigt sich in den zwei gezeigten Arbeiten „Sichtbar machen“ aus dem Jahre 2005. Hier wird das Thema Ausgrabung, Zeitbestimmung, mit Öl/Grafit plastisch sichtbar gemacht. Daneben bleibt er seinen monochromen Reliefbildern treu. Der „Verkünder“ wird 2007 zum „Rhetor“.

Darüber hinaus beginnt er plastisch zu arbeiten. Er erschafft Werke aus Bleiblech, die er wieder zu Figuren formt, die seinen Reliefbildern ähneln. Hier schafft die Oxidation den bekannten Hell/Dunkel-Effekt. Figgemeier ist kein Bildhauer, seine Skulpturen sind – wie bei einem Bild – nur von einer Seite zu betrachten.

Ab 2010 beschäftigt sich der Künstler mit dem Thema Wasser. In seinen Bildern steht die kristalline Form im Vordergrund („kristalline Struktur II“, 2010 oder „Packeis“, 2016), während bei den Bleiblecharbeiten die flüssige Form („Welle“, 2020 oder „Wasserfall“, 2020) im Vordergrund steht.

Ich möchte mich bei Karl-Ulrich Peisker bedanken, der sich die Zeit nahm, mit mir durch die Ausstellung zu gehen.

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