Alice – ein kraftvolles und poetisches Ballett

Der italienische Star-Choreograf Mauro Bigonzetti hat sich für seine neue Ballett-Inszenierung mit dem hiesigen Corps de Ballet (inklusive NRW Juniorballett) den bekannten fantastischen Stoff von Lewis Carrols „Alice im Wunderland“ vorgenommen. Am Samstag, den 10.02.2018 war die Premiere um 19:30 Uhr im Dortmunder Opernhaus.

Über das „besondere Verhältnis“ von Carroll zu kleine adretten Mädchen aus feinem Hause wurde schon viel geschrieben. Sicherlich war der unter seinem Stottern leidende kluge Mathematiker mit religiösem Hintergrund anfällig für „Fluchten“ in fantasievolle Welten. So entstand auch die Geschichte von der kleinen Alice, die müde einschläft und mit einem sprechenden weißen Kaninchen in eine seltsame „Anders-Welt“ gerät. Dort werden die Regel aus der Realität auf den Kopf gestellt und außer Kraft gesetzt. Es begegnen ihr seltsame Gestalten wie etwa eine Wasserpfeife rauchende Raupe, die gute Ratschläge gibt oder eine Grinsekatze, die ebenso unerwartet auftaucht und dann wieder verschwindet. Ein verrückter Hutmacher, bei dem immerzu Teestunde ist, oder eine cholerische Herzkönigin, vor deren „Kopf ab“-Rufen der Hofstaat der Spielkartenleute erzittert, kreuzen ebenfalls ihren Weg.

Alice wird als zwei Persönlichkeiten dargestellt, mal klein und naiv, dann wieder groß und „vernünftig“. Schließlich erwacht Alice aus ihrem Traum.

Auch die Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“ wurde mit in diesen Ballett-Abend eingebaut. Wie sieht die Welt auf der anderen Seite des Spiegels aus? Alice lernt hier ein Land kennen, in der Spiegel, Uhren und Schachfiguren lebendig sind und ein imaginäres Schachbrett eine Rolle spielt. Alice trifft wieder auf skurrile Gestalten wie die herrische schwarze und die verwirrte weiße Schachkönigin. In einen Streit gerät sie mit einem Zwillingspaar über Traum und Wirklichkeit. Auch dieser abenteuerliche Traum endet mit dem Erwachen.

Bigonzetti erschuf eine fantasievolle Welt mit verschiedenen Mitteln. Er liebt Kontraste und hat dem Gefüge auf der Bühne die musikalische und gesangliche Begleitung durch Antongiulio Galeandro, ASSURD (Cristina Vetrone, Lorella Monti, Enza Prestia) und Enza Pagliara hinzugefügt. Diese sind Vertreter der ursprünglichen Volksmusik aus Apulien und spielen auf verschiedenen traditionellen Instrumenten. Neben dem Ballett-Ensemble waren die Musiker ein atmosphärisch integraler Bestandteil der Inszenierung. Sie setzten die Instrumente, von einer Spieluhr bis zum Akkordeon effektvoll ein.

Die große (Anna Süheyla Harms) und die kleine Alice (Ida Kallanvaara)im Banne der Königin (Foto: Sae Tamura). (Foto: © Ballett Dortmund)
Die große (Anna Süheyla Harms) und die kleine Alice (Ida Kallanvaara)im Banne der Königin (Foto: Sae Tamura). (Foto: © Ballett Dortmund)

Die fantastischen Kostüme von Helena de Medeiros waren eine weiter bedeutende Zutat für das Gesamtbild.

Als Bühnenbild fungierten veränderbare Projektionen an drei Leinwänden. Sie machte besondere Effekt möglich. Es konnte eine umgekehrte Welt abgebildet werden. So sah man schon mal eine Kaffeetasse von oben aus der Projektionsfläche während der „Tea-Time“ nach unten „fliegen“.

Dem Ballett-Ensemble wurde viel abverlangt. Moderner Ausdruckstanz mit fantasievollen Ideen und Bewegungsabläufen, sowie auch die Unterstreichung ihrer Charaktere durch Gestik und Gesichtsausdruck waren eine Herausforderung, die sie glänzend meisterten.

Ein Ballett-Erlebnis, dass sein Publikum in eine fantasievolle Welt hinein zog, und mi mit dem Wechsel von poetischen Momenten und kraftvoller archaischer Körpersprache spielte.

Wer sich diese Abenteuer nicht entgehen lassen möchte, hat die Gelegenheit, sich über weiter Aufführungsterminen unter www.theaterdo.de zu informieren.

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