Im Dunkeln entzündet sich ein Licht. Klein. Zunächst. Es wird heller und heller. Zwei Personen auf der Bühne. Sound kommt dazu. Sie reißen die Münder weit auf. Was sehen sie?
Das Publikum muss glauben, dass sie etwas Besonderes sehen. Schauen sie auf etwas Gutes oder Schreckliches? Auf ein Wunder gar? „Wenn es dich berührt, ist es echt.“
Im Alltag wundert man sich über vieles und empfindet manches kleine Ereignis als Wunder. „Auch Ameisen sind wundervoll.“
„Wunder! Wunder! Wunder!“ Überall. Auch im Kleinen. Bei genauer Betrachtung.
In der Welt der Gläubigen, insbesondere in der katholischen Kirche braucht es mehr. Braucht es größere Wunder, um zum Heiligen erklärt zu werden. Die Gruppe „äöü“ hat sich viel mit diesen Wundern beschäftigt, ist in verschiedene Wallfahrtsorte gepilgert, um sich den Umgang mit den Wundern vor Ort anzuschauen. „You can touch, you can kiss, but no photos.“

Auf der Bühne spielt sich das Geschehen in einem Kreis ab, der nicht eingezeichnet ist, den aber die Orgel markiert, die immer wieder vorgerückt wird. Im Kreis verändern sich die kreierten Bilder. Das künstliche Plastik spielt eine Rolle. Zum Beispiel zu beeindruckenden Priesterornaten geschneidert. (Kostüme: Sylvia Straub, Bühne: Sofia Falsone)
„Ein Heiliger ist im selben Jahr geboren wie ich.“ Ist das nicht schon ein Wunder? Es geht um den ersten Heiligen des Generation Y, den „Influencer Gottes“. „You can touch, you can kiss, but no photos.“
Patricia Bechtold und Johannes Karl zelebrieren auf der Bühne statistisch unwahrscheinliche Ereignisse, schaffen eindrückliche Bilder u. a. mit Nebel, der auch Weihrauch sein kann, jedenfalls schwenkt die Nebelmaschine wie ein Weihrauchfass über die Bühne. Die Effekte sind gut durchdacht und man schaut nimmermüde fasziniert zu, wie sich schlichtes Plastik erhebt und über die Bühne wirbelt.
Insgesamt eine stimmige Inszenierung, in der die beiden DarstellerInnen die „Landschaft hinter dem Wissen“ zugänglich machen und auch in gewisser Weise abheben, die Erdanziehungskraft „wirkt heute ganz schlecht“.
Die Bilder hängen noch lange nach, auch in der Besprechung nach zum Teil stehendem Applaus in dieser zweiten Aufführung (Premiere war einen Tag zuvor), beschreibt eine Zuschauerin die „Intensität dieser Fülle“, viele sind ganz beseelt von der Einfachheit der Requisiten, die einen Zauber auf die Bühne gebracht haben. Aber nicht nur die Bilder, auch die zum Teil selbst erstellten Texte von äöü und Texte der Autorin Sina Ahlers finden viel Anklang.
Äöü ist ein Theater- und Performance-Kollektiv aus dem Ruhrgebiet, die Produktion „Das Loch in der Oberfläche“, das unter anderem auf einen Ameisenhügel anspielt, wurde mit verschiedenen Partnern realisiert (z. B. Theater im Depot, Ringlokschuppen) und von mehreren Städten gefördert. U. a. Dortmund, Bochum, Frankfurt. Sowie von unterschiedlichen weiteren Fördergebern, Stiftungen, Land und Bund. Dementsprechend sind die nächsten Aufführungen in Bochum, Frankfurt, München und erst im November mit Herne wieder im Ruhrgebiet. Mehr unter www.aeoeue.de
Erst diese Kooperationen und Förderungen machen so manche Produktionen erst möglich, auch wenn man sich wünschen möge, das Stück noch öfter in Dortmund zu sehen. Die Inszenierung prägt jedenfalls beim Publikum ein und bringt vielleicht das ein oder andere Licht in den Alltag.
Ein weiteres Stück „Wenn die Tauben singen“, eine musikalische Performance über Mensch und Taube, ist zeitnah in den Flottmannhallen Herne am 29.05.2026 zu sehen.
