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Die Bürgschaft – Kurz-Oper in der DASA

Friedrich Schillers Ballade um Treue und Freundschaft „Die Bürgschaft“ war das zentrale Element des neuen Bürgeroper-Projektes We DO Opera. Der Ort der Premiere war ein sehr ungewöhnlicher: Die DASA in Dorstfeld. Ein Premierenbericht vom 21. November 2021.

Der Ort der Premiere war ein großer Raum, voll mit Relikten aus der Stahlzeit von Dortmund. Währenddessen führt uns der Text von Schiller in die Antike. Denn Schillers Gedicht beruht auf eine Erzählung aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und spielt in Syrakus.

Dave Ivanov (Tyrann), Anna Schmalenbach (Damon), Ensemble (Foto: © Björn Hickmann, Stage Picture)
Dave Ivanov (Tyrann), Anna Schmalenbach (Damon), Ensemble (Foto: © Björn Hickmann, Stage Picture)

Damit jeder Besuchende auf dem Stand ist, wurde die Ballade zu Beginn von verschiedenen Sprechern vorgelesen. Dann erst traten die Mitwirkenden auf. Die meisten trugen graue Kleidung, was das ganze etwas dystopisch wirken ließ Kostüme von Anna Hörling). Nur der Tyrann war anders gekleidet. Um Damon (so der Held bei Schiller) und seinen Freund erkennbar zu machen, hatten sie sich rote Schals um den Arm gewickelt. Als möglicher Kreuzigungsort wurde ein großer Kasten benutzt. Zusätzlich wurden per Projektion antike Stadtmauen, ein Wald (wegen der Räuberszene) oder eine Wüste (wegen Durst).

In der etwa 45 Minuten Oper wurde die Ballade – vertont von Thierry Tidrow – in verschiedenen Szenen aufgeführt. Die Musik war zeitgenössisch modern, das Orchester besaß aber eine Santur-Gruppe sowie eine Bağlama-Gruppe, sodass die Musik einen orientalischen Touch bekam.

Gesungen wurde natürlich auch, natürlich keine komplizierten Arien, aber sowohl der Tyrann, als auch Damon machten ihre Sache sehr gut, das Gleiche gilt für die Mitglieder, die im Chor sangen und die Szenen nachstellten.

Ein guter Weg, Menschen in die Oper zu locken, die vielleicht von der Länge einer Oper eher zurückschrecken. Die Länge entsprach einer Folge einer Netflix-Serie und ist daher für Generation Streaming sehr gut geeignet.

Mehr Informationen unter www.theaterdo.de

Bürgeroper feiert erste Premiere mit Hej Stadt

Spannung liegt in der Luft als sich der Vorhang zum ersten Bühnenstück der neuen Bürgeroper hebt. Offene hölzerne Kuben, mit Stühlen und anderen Sitzmöglichkeiten bestückt, sind locker im Bühnenraum verteilt. Diese flexible Stadtkulisse lässt die Illusion des städtischen Raumes entstehen, ermöglicht aber auch Einblicke in das Innere der Wohnungen.

Zum ersten Mal präsentiert sich die neugegründete Bürgeroper We DO Opera! dem Publikum. Mit dem Stück „Hej Stadt!“ stellen sich musikbegeisterte Laien dem Dortmunder Publikum vor. Unter der Projektleitung von Günfer Cölgecen und dem Komponisten Enver Yalcin erarbeiteten die Laiensänger und Laienschauspieler ein

50-minütiges Stück über die Dortmunder Stadtgesellschaft.

Seit November beschäftigten sie sich mit der Inszenierung, Gesangseinlagen und der thematischen Ausrichtung der Aufführung. In einer Schreibwerkstatt wurden die Themen ausgewählt und Texte geschrieben, auch die Liedtexte mussten neu entstehen.

In verschiedenen Workshops erarbeiteten sich das interkulturelle Ensemble die nötigen Fähigkeiten, um das ambitionierte Projekt zu stemmen.

Herausgekommen ist eine moderne Aufführung, eine Mischung aus gesprochenen Sequenzen, Tanz und Gesang. Chorgesang und kurze Solostücke sind von Enver Yalcin in der Anmutung der klassischen Oper komponiert. Erfolgreich reizt er die stimmlichen Möglichkeiten seiner Sängerinnen aus, ohne sie zu überfordern.

Alle Beteiligten waren mit viel Leidenschaft bei der Sache. (Foto: © Anja Cord)
Alle Beteiligten waren mit viel Leidenschaft bei der Sache. (Foto: © Anja Cord)

Die Stadt wird als wandelbar, mal anziehend, mal abstoßend gezeigt. „Jeder ist anders“ heißt es in einer Liedzeile. Das Chaos und die Hektik einer Großstadt in der die Bürger ständig unterwegs sind, wird mit einer kakophonischen Musik untermalt. Sie erinnert ein wenig an Gershwins „Amerikaner in Paris“. Als Gegensatz gibt es auch sehr stille Momente in denen sowohl Einsamkeit, aber auch Zufriedenheit ihren Platz haben.

Der Chor singt in „Hej Stadt“: „Wir sind hier, ich lebe in dir“ ein Bekenntnis zu seiner Stadt mit ihren Stärken und Schwächen.

Intendant Heribert Germeshausen bedankte sich nach der Premiere aus dem Parkett heraus bei den fast 100 Akteuren für ihr Engagement und die große Spielfreude.

Mit anhaltendem Applaus belohnten die Zuschauer Schauspieler, Musiker und die ganze Mannschaft für ihre beeindruckende Leistung.

Im September startet die Bürgeroper mit einem neuen Projekt. Das gesamte Konzept ist auf 4 Jahre Laufzeit ausgelegt.

Die Dortmunder Bürgeroper WE DO Oprea! Ist in die Projektstelle 360 Grad der Bundeskulturstiftung eingebunden und wird von dieser gefördert.