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20 Jahre Konzerthaus Dortmund – Symbol des Wandels

Am 08.09.2002 fand im Dortmunder Konzerthaus der „Tag der offenen Tür“, rund 40.000 Besucher*innen wollen das neue Haus in der Brückstraße kennenlernen. In den 20 Jahren hat das Konzerthaus es geschafft, in die Champions League der europäischen Konzerthäuser zu gelangen und Künstler*innen von Weltformat zu engagieren. Das alles ist ein Verdienst der drei Intendanten Ulrich Andreas Vogt, Benedikt Stampa und Raphael von Hoensbroech.

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Die unglaubliche Mirga

Eine exzellente Wahl traf Intendant Raphael von Hoensbroech mit der nächsten Exklusivkünstlerin, der Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla. Ab Herbst 2019 tritt sie im Konzerthaus die Nachfolge von Andris Nelson, dem jetzigen Künstler an. Für drei Spielzeiten wird sie mit ihrem Orchester, dem City of Birmingham Symphony Orchestra die Konzerthausbesucher begeistern. Seit 2016 ist sie Chefdirigentin dieses renommierten britischen Klangkörpers. Damit folgte sie berühmten Vorgängern wie Edward Elgar, Simon Rattle, Sakari Oramo und Andris Nelson.

Die temperamentvolle litauische Musikerin stammt aus einer musikbegeisterten Familie. Ihr Vater ist Chordirigent, die Mutter und eine Schwester sind Pianistinnen, die Großmutter war Geigerin.

Mirga Gražinytė-Tyla studierte zunächst Chor- und Orchesterdirigieren an der Grazer Universität, wechselte dann an das Konservatorium nach Bologna, besuchte die Musikhochschule Leipzig und die Züricher Hochschule der Künste. 2009 wurde sie in das Dirigentenforum des Deutschen Musikrates aufgenommen. Das Forum ist ein bundesweites Förderprogramm des Deutschen Musikrates für den dirigentischen Spitzennachwuchs, in den Sparten Orchesterdirigieren und Chordirigieren. Sie ist Trägerin des „Salzburg Festival Young Conductors Award“ und hat in den letzten Jahren Einladungen zahlreicher Orchester und Opernhäuser angenommen.

Die 32-jährige Musikerin gilt als Shootingstar unter den jungen Dirigenten und als eine der wenigen Frauen, die sich bis jetzt das Dirigentenpult erobern konnten. Als erste Dirigentin unterschrieb Mirga Gražinytė-Tyla einen Exklusivvertrag der Deutschen Grammophon.

Die neue Exklusivkünstlerin des Konzerthauses Mirga Gražinytė-Tyla. (Foto: © Ben Ealogeva).
Die neue Exklusivkünstlerin des Konzerthauses Mirga Gražinytė-Tyla. (Foto: © Ben Ealogeva).

Als ihre bekanntesten Vorreiterinnen in der Männerdomäne gelten die Amerikanerin Marin Alsop und die Australierin Simone Young. Young war von 2005 bis 2015 Generalmusikdirektorin und Intendantin an der Staatsoper in Hamburg. Marin Alsop leitet seit 2007 das Baltimore Symphony Orchestra und wird zur nächsten Saison Chefin beim ORF-Radiosinfonieorchester.

Als Ausblick auf ihre Zeit in Dortmund möchte die Dirigentin Musik unterschiedlichster Komponisten vorstellen, aus Litauen und auch britische Musik. Gerade in der heutigen Zeit ist es ihr wichtig Brücken zu bauen. Es ist ihr „eine Freude und Ehre als Exklusivkünstlerin in Dortmund tätig zu sein.“

Fünfmal wird Mirga Gražinytė-Tyla während ihrer ersten Saison in Dortmund auf der Bühne stehen. Die Chordirigentin bringt ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts zur Aufführung. „A child of our time“, ein Oratorium von Michael Tippett. In zwei weiteren großformatigen Konzerten sind mit Piotr Anderszewski und Gabriela Montero ihre musikalischen Partner.

Im „Geheimnis der Liebe“ bringt sie in kleinerem Rahmen „ägyptische Gedichte der Liebe“ zur Aufführung und im Salongespräch mit Intendant Raphael von Hoensbroech begrüßt Mirga Gražinytė-Tyla ihre Familie.

Einige Besucher hatten schon im November 2017 die Möglichkeit Mirga Gražinytė-Tyla in einem beeindruckenden Konzert zu erleben und auch in der laufenden Saison ist die Chefdirigentin und ihr Orchester im Konzerthaus zu Gast. Neben Werken von Mieczyslaw Weinberg und Igor Strawinsky präsentieren sie am 15. Mai gemeinsam mit Starpianistin Yuja Wang das fünfte Klavierkonzert von Sergej Prokofiew.

Neues Konzerthaus-Programm – So klingt nur Dortmund

Benedikt Stampa stellte am 26.04.2018 in seiner vierzehnten und letzten Saison als Geschäftsführer und Intendant des Dortmunder Konzerthauses das Programm für das Jahr 2018/19 unter dem Motto „So klingt nur Dortmund“ vor. Die von ihm voran getriebenen Formate wie Exklusivkünstler, Porträts, der „Zeitinsel“ oder der Konzertanten Opern stehen auch in der nächsten Saison auf dem mit 100 Veranstaltungen umfangreichen und vielseitigen Plan.

Zufrieden konnte das Konzerthaus mit einer Auslastung von 74 % auf die letzte Saison zurück blicken. Wie Stampa betonte, war es immer ein Anliegen, internationale Künstler an das hiesige Konzerthaus zu binden und ihre Entwicklung zu verfolgen.

Da passt es gut, das mit Andris Nelsons ein „alter Weggefährte“ als Exklusivkünstler gleich viermal als Dirigent und neuer Leipziger Gewandhauskapellmeister mit dem Gewandhausorchester nach Dortmund kommt. Mit den Sinfonien Nr. 1 und 5 wird es dabei einen kleinen Mahler-Schwerpunkt geben. Beim Neujahrskonzert kommt dann Beethovens Neunte zur Aufführung. Bei der Gala zum Saisonabschluss gesellen sich ihm Kristine Opolais und Thomas Hampson mit einem italienischen Opernprogramm hinzu.

Der Intendant des Konzerthauses, Benedikt Stampa, wird das Haus mit der kommenden Spielzeit verlassen.
Der Intendant des Konzerthauses, Benedikt Stampa, wird das Haus mit der kommenden Spielzeit verlassen.

Als weiterer Porträtkünstler steht zudem der ebenfalls gefeierte Dirigent Teodor Currentzis auf dem Programm. Mit der von ihm gegründeten Chor und Orchester MusiAeterna wird er Verdis „La traviata“ interpretieren. Als neuer Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters wird Currentzis Schnittke und Tschaikowsky interpretieren und mit dem Mahler Chamber Orchestra Brahms‘ Requiem.

Mit einem Porträt wird auch Stammgast Thomas Hengelbrock mit seinem Balthasar-Neumann-Ensemble gewürdigt. Dabei steht wohl das bekannte Mozart-Requiem im Mittelpunkt. In Dortmund wird er zum ersten Mal das Royal Concertgebouw Orchestra (Amsterdam) zu Werken von Schuhmann und Schubert dirigieren. Als dritte im Bunde gehört die Star-Pianistin Yuja Wang, ehemals eine „Junge Wilde“, zu den Porträtierten.

Auf drei konzertante Opern mit „La traviata“ (Giuseppe Verdi), Richard Strauss „Elektra“ und „The Rake‘s Progress“ (Igor Strawinsky) mit Barbara Hannigan am Pult, kann sich das Publikum freuen. Andrés Orozcon-Estrada und sein hr-Sinfonieorchester können sich ausgiebig bei „Elektra“ austoben und ihr Können zeigen.

Die Zeitinsel beschäftigt sich in der neuen Saison unter dem Titel Klang der Seidenstraße“ mit der klassischen Musik Zentralasiens. Ein interessanter Blick in eine „fremde Musikwelt“.

Nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen musikalischen Bereichen werden sich ein Stelldichein geben. Zu hören sind beispielsweise Cecilia Bartoli mit Arien von Vivaldi, Annette Dasch und nach längerer Zeit Diana Damrau mit Liederabenden.

Das Pop-Abo, die diverse Konzerte der Dortmund Philharmoniker, Musik für Freaks und die „Jungen Wilden“ runden das vielfältige Programm ab.

Bei der Pressekonferenz war auch der designierte Geschäftsführer und Intendant Dr. Raphael von Hoensbroech anwesend. Er hat bereits die neue Staffel mit acht „Jungen Wilden“-Musikern für die kommenden drei Jahre geplant.

Die neuen Programmhefte sind ab sofort im Konzerthaus erhältlich.

Neuer Intendant für das Konzerthaus

[fruitful_alert type=“alert-success“]Der künftgie Leiter des Konzerthauses Raphael von Hoensbroech flankiert von Bürgermeisterin Birigt Jörder und Kulturdezernent Jörg Stüdemann.[/fruitful_alert]

Die Wahl bei der Ratssitzung vom 13. Juli 2017 war einstimmig ausgefallen. Dr. Raphael von Hoensbroech wird zur Spielzeit 2018/2019 neuer Intendant und Geschäftsführer am Konzerthaus Dortmund. Er tritt somit in die großen Fußstapfen von Benedikt Stampa. Heute wurde er im Saal Hanse (Rathaus) in Anwesenheit von Bürgermeisterin Birgit Jörder und Kulturdezernent Jörg Stüdemann der Presse vorgestellt und unterschrieb einen Vertrag über sechs Jahre.

Von Hoensbroech ist derzeit noch Geschäftsführender Direktor am Konzerthaus Berlin, hat aber in seiner Kindheit auch einige Jahre in der Nähe von Dortmund verbracht.

Kulturdezernent Stüdemann begründete die Entscheidung der Wahlkommission für von Hoensbroech mit der gleich doppelten Qualifikation dieses Kandidaten. Einerseits war er früher als Unternehmensberater tätig gewesen und hat kaufmännische Verantwortung getragen, andererseits ist er seit frühester Kindheit mit der Musik verbunden und hat schon mit drei Jahren Geige spielen gelernt. Er wurde von renommierten Lehrern unterrichtet und sich ein großes Musikwissen angeeignet und schließlich promoviert. „Das ist insgesamt eine vorzügliche Kombination,“ so Stüdemann.

Wie von Hoensbroech erklärte, hat er neben einen hohen künstlerischen Anspruch den Wunsch, Konzerte für das Publikum zu einem emotionalen Erlebnis zu machen, das es im Inneren berührt und verändert. Er freut sich auf diese Aufgabe und hofft auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem gesamten Team.

Das Dortmunder Konzerthaus hat sich über die Stadtgrenzen hinweg einen Namen gemacht und sorgt bei seinem Publikum für Begeisterung. Auch für Intendanten ist es wohl verlockend, dort zu arbeiten. In den nächsten Jahren dürfen wir gespannt sein, welche neuen innovativen Formate und Ideen für der neue Intendant dann zusammen mit seinem Team in einem konstruktiven Prozess speziell für die Verhältnisse hier in der Stadt entwickelt.

wird zur Spielzeit 2018/2019 neuer Intendant und Geschäftsführer am Konzerthaus Dortmund. Er tritt somit in die großen Fußstapfen von Benedikt Stampa. Heute wurde er im Saal Hanse (Rathaus) in Anwesenheit von Bürgermeisterin Birgit Jörder und Kulturdezernent Jörg Stüdemann der Presse vorgestellt und unterschrieb einen Vertrag über sechs Jahre.

Von Hoensbroech ist derzeit noch Geschäftsführender Direktor am Konzerthaus Berlin, hat aber in seiner Kindheit auch einige Jahre in der Nähe von Dortmund verbracht.

Kulturdezernent Stüdemann begründete die Entscheidung der Wahlkommission für von Hoensbroech mit der gleich doppelten Qualifikation dieses Kandidaten. Einerseits war er früher als Unternehmensberater tätig gewesen und hat kaufmännische Verantwortung getragen, andererseits ist er seit frühester Kindheit mit der Musik verbunden und hat schon mit drei Jahren Geige spielen gelernt. Er wurde von renommierten Lehrern unterrichtet und sich ein großes Musikwissen angeeignet und schließlich promoviert. „Das ist insgesamt eine vorzügliche Kombination,“ so Stüdemann.

Wie von Hoensbroech erklärte, hat er neben einen hohen künstlerischen Anspruch den Wunsch, Konzerte für das Publikum zu einem emotionalen Erlebnis zu machen, das es im Inneren berührt und verändert. Er freut sich auf diese Aufgabe und hofft auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem gesamten Team.

Das Dortmunder Konzerthaus hat sich über die Stadtgrenzen hinweg einen Namen gemacht und sorgt bei seinem Publikum für Begeisterung. Auch für Intendanten ist es wohl verlockend, dort zu arbeiten. In den nächsten Jahren dürfen wir gespannt sein, welche neuen innovativen Formate und Ideen für der neue Intendant dann zusammen mit seinem Team in einem konstruktiven Prozess speziell für die Verhältnisse hier in der Stadt entwickelt.

Zeitinsel Labèque – Die Suche nach den Wurzeln

Die Begeisterung von Ravel zur spanischen Musik kommt nicht von ungefähr, denn seine Mutter war Baskin. Was lag also näher, als die bekanntesten Stücke von Maurice Ravel mit traditioneller baskischer Musik zu kombinieren. So begannen die beiden Schwestern Katia und Marielle Labèque ihre Zeitinsel im Konzerthaus Dortmund am 25. November mit einer Mischung aus Klassik und Weltmusik und einer Spurensuche nach den baskischen Wurzeln ins Ravels Musik.

Märchenhaft und beinahe zärtlich ging es los. „Ma mére l’oye“ (Mutter Gans) von Ravel ist ein feines Stück für Klavier zu vier Händen. In der sanften Interpretation von Katia und Marielle wird deutlich, warum das Stück bei Pianisten so beliebt ist. Scheinbar einfach in seinen Strukturen, entwickelt die Musik eine beinahe hypnotische Kraft.

Neben dem berühmten Bolero wird die Begeisterung von Ravel für das Spanische in seiner „Rhapsodie Espagole“ deutlich. An zwei Klavieren spielten die beiden Schwestern das Stück mit immer stärker werdender Intensität, vor allem im vierten Satz, der „Feria“, in der alle Emotionen kumuliert werden und zum Ausbruch kommen.

Nach der Pause kam ein frischer Hauch Weltmusik in den Konzertsaal. Thierry Biscary, Jamixel Bereau und Xan Errotabehere bilden das Trio Kalakan. Traditionelle baskische Musik, teilweise nur a capella dargeboten oder durch Percussioninstrumente betont, verzauberten das Publikum im Nu und brachte es zum Mitsummen und Mitklatschen.

Danach war wieder Ravel mit seinem wohl bekanntesten Stück „Bolero“ an der Reihe. Die Version, die Katia und Marielle Labèque zusammen mit Kalakan auf die Bühne zauberte, verblüffte durch ihre musikalische Klarheit. Kein großes Orchester, keine Streicher, keine Bläser. Zwei Klaviere und Percussion, mehr brauchte es nicht, um einen umwerfenden Bolero zu spielen, der von der Leidenschaft der beiden Schwestern geprägt war.

Die Zugaben waren eine kleine Vorausschau auf die nächsten Tage der Zeitinsel. Katia und Marielle Labèque spielen ein kleines Stück von Philip Glas als Vorgeschmack auf das „Minimalist Dream House“ am Samstag und Kalakan gaben eine Ahnung, was die Konzertbesucher am Donnerstag erwarten würde.

Erlebnis für Auge und Ohr

Der Begeisterung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz für Filmmusik haben es die Dortmunder wohl zu verdanken, dass sie am Montag, den 31. März im Konzerthaus in den Genuss eines besonderen Ereignisses kamen: Ein Stummfilm, der simultan von einem Live-Orchester begleitet wird. Und welcher Film passt besser als Start einer möglichen Reihe? Natürlich „Nosferatu“ von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1921. Den er trägt den schönen Untertitel „Eine Symphonie des Grauens“.

 

Eigentlich haben wir sehr viel Glück, diesen Film überhaupt zu sehen, denn nach einem Gerichtsbeschluss hätten alle Filmkopien vernichtet werden müssen. Denn „Nosferatu“ lehnt sich stark an das Buch „Dracula“ von Bram Stoker an. Und auch schon damals gab es Klagen gegen Urheberrechtsverletzungen. Gut, dass der Film überlebt hat. Ein Klassiker der Filmgeschichte, allein das Spiel von Max Schreck als Graf Orlok ist bemerkenswert. Und es gibt natürlich einige Unterschiede in der Handlung. Während beim Original „Dracula“ der Vampir durch die Hauptperson Harker getötet wird, trägt das Ende bei „Nosferatu“ fast wagnerianische Züge. Denn ähnlich wie beim „Fliegenden Holländer“ opfert sich eine Frau (Ellen), um den Vampir zu erlösen und die Stadt von der Pest zu befreien.

Die riesige Leinwand im Dortmunder Konzerthaus bot einen beeindruckenden Rahmen für den Stummfilm mit der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz.

 

Die Musik ist nicht die Originalmusik von Hans Erdmann, gespielt wurde der Soundtrack, den James Barnard fast 75 Jahre nach der Entstehung von „Nosferatu“ komponiert hatte. Bernard komponierte in den 50er- und 60er Jahren Filmmusik für die Horror- und Science-Fiction-Filme der Hammer Studios, die durch die „Dracula“ Verfilmungen mit Christopher Lee bekannt geworden sind. Bernards Musik ist sehr bildreich. Er arbeitet sehr leitmotivisch, das heißt, es gibt für jeden Charakter oder Stimmung eine bestimmte Melodie.

 

Es machte sich bezahlt, dass der GMD wie er verriet, den Film wohl schon um die zwanzig mal gesehen hat. Er leitete das gut aufgelegte Orchester punktgenau durch die unterschiedlichsten Gefühlswelten des Stummfilmes. Manchmal leicht beschwingt, dramatisch wenn Gefahr droht, oder auch sehnsuchtsvoll, als Ellen am Strand auf Nachrichten von ihren geliebten Mann wartet. Bei gefährlichen, bedrohlichen Situationen konnten die Musiker das Tempo exzessiv steigern.

 

Es bleibt zu hoffen, dass die Kombination vom Stummfilm mit Livemusik nicht nur ein einmaliges Erlebnis bleibt, sondern weitergeführt wird. Das Publikum war jedenfalls am Montag begeistert.

Hier noch ein kurzer Film von den Proben mit einem Interview mit Gabriel Feltz: [vsw id=“4pBHJOR03t8 “ source=“youtube“ width=“425″ height=“344″ autoplay=“no“]

Wiener Klassik beflügelt Fantasie

Im Mittelpunkt des 2. Wiener Klassik Konzertes standen am 24. März 2014 im Dortmunder Konzerthaus die Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ op.27 (1828) von Felix Mendelsohn Bartholdy (1809 – 1847). die Sinfonia concertante für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester Es-Dur KV 297b (1778) und die „Italienische“ Sinfonie Nr.4 A-Dur op.90 (1833).

Dirigiert wurde die Dortmunder Philharmoniker von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz.

 

Mendelsohn Bartholdy wurde bei seiner Ouvertüre stark von Goethes Gedichtpaar „Meeresstille und glückliche Fahrt“ beeinflusst. Der Sonatensatz beginnt zunächst langsam und still wie das Meer an einem nebeligen, trüben Morgen. Dies Gefühl wird durch gedämpfte Akkorde und einzelne Bläserfloskeln verstärkt. Dann kündigen Flötentriolen den leisen Wind an und die Tempi ziehen an. Feltz und die Philharmoniker inszenieren die Ouvertüre temperamentvoll mit einem Wechsel von Hauptthema und Seitenthema und leiten dann wieder hin zum Wellenmotiv. Beeindruckend, wie gegen Ende die Trompeten die glückliche Ankunft des Schiffes ankündigen und drei Orchester-Akkorde leise die Ouvertüre beenden. Das Publikum konnte sich gut in die Meeresreise hinein träumen und ihren eigenen Fantasien freien lauf lassen.

 

Ein besonderes Erlebnis bot Mozarts „Sinfonia concertante für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester Es-Dur KV 297b. Sie wurde erst 77 Jahre nach Mozarts Tod in der Berliner Hofbibliothek entdeckt und es gab einige die daran zweifelten, dass das Werk, zwischen Konzert und Sinfonie angesiedelt, vom Meister stammt. Die vier Sätze waren alle, für Mozart unüblich, in der Tonart Es-Dur komponiert.

Allerdings spricht wirklich sehr vieles für die Echtheit des Werkes und Mozarts Urheberschaft.

Er hatte gegen Ende des 18. Jahrhunderts diese Gattung auf seinen Reisen, vor allem nach Paris, kennengelernt und damit experimentiert. Die Solopartien sind zudem meisterhaft vollendet und virtuos komponiert.

Gleich vier Solisten der Dortmunder Philharmoniker konnten mit oder ohne die unterstützende Begleitung der Philharmoniker hier gleichzeitig ihr Können zeigen und ausleben. Die Solisten an diesem Abend waren der Solo-Oboist Volkmar Schöller, die stellvertretende Solo-Klarinettistin Frauke Hansen, die Solo-Hornistin Monika Lorenz sowie die Solo-Fagottistin Minori Tsuchiyama.

Besonders das Allegro, hatte mit seiner Verspieltheit, Feierlichkeit und punktierten Rhythmen viel von typisch „Mozartischem“. Seinen Stil konnte das Publikum auch beim Andante mit seinen eleganten und schönen Klängen erkennen.

Einen grandiosen Abschluss bildete das Adantino mit zehn Variationen eines Themas. Die vier Bläser trieben sich hier gegenseitig zu Höchstleistungen. Mal als Soloinstrumente einzeln im Vordergrund, um sich dann wieder gemeinsam verbindend zueinander zu finden.

 

Nach der Pause ging es mit Mendelsohn Bartholdys durch seine zweijährige Italienreise um 1830 inspirierten „Italienischen Sinfonie Nr.4 A-Dur op.90“ weiter. Es sei „ das lustigste Stück“, was er je gemacht habe. Erstaunlich ist dabei, dass eigentlich nur die Ecksätze einen leichten südländischen, die beiden Mittelsätze aber eher einen nordisch-melancholischen Charakter aufweisen.

Das bekannt spritzige Hauptthema in A-Dur im Allegro vivace wird von diesem fast durchgehend geprägt. Mit Hörnerklang weckt das E-Dur Trio des Menuetts dann aber auch durchaus Assoziationen an (deutsche) Waldromantik.

Im zweiten Satz Andante con moto in d-Moll eher melancholisch und wohl durch die Nachricht vom Tod von Goethes mit beeinflusst. Es schließt sich dann ein ruhiger dritter Menuettsatz in A-Dur an.

Den Abschluss bildet ein siebenteiliges Rondo in a-Moll, das mit Saltarello (italienischer Springtanz) überschrieben ist und im schnellen Sechsachtel-Takt endet.

Ein gelungener Konzertabend und am 19. Mai 2014 gibt es um 19.00 Uhr das 3. Konzert Wiener Klassik im Konzerthaus mit der Sinfonie Nr.82 C-Dur, Der Bär“ (1786) von Joseph Haydn, dem Konzert für Flöte, H arfe und Orchester C-Dur KV 299 (778) und der Sinfonie Nr.104 D-Dur „Salomon“ (1795).

Abschied ist ein scharfes Schwert

Das 7. Philharmonische Konzert am Dienstag und Mittwoch im Konzerthaus Dortmund stand unter dem Oberbegriff „Abschiednehmen“. In seiner 7. Sinfonie nahm Anton Bruckner Abschied von Richard Wagner, Sergej Rachmaninow überarbeitete sein erstes Klavierkonzert 1917, als er Russland verließ. Geschrieben hat er es schon einige Jahre vorher als Abschlussprüfung. Pianist Joseph Moog spielte den Solopart.

 

Das Konzert für Klavier und Orchester Nr.1 in fis-Moll ist Rachmaninows Frühwerk. Das hört man. Einerseits ist die russische Musik in fast jeder Note vorhanden, Erinnerungen an Tschaikowsky kommen auf, aber man spürt die Eloquenz, die der damals 17-jährige an den Tag legte. Dazu kam mit Joseph Moog ein Interpret, der seine Virtuosität in jedem Tastenschlag unter Beweis stellte. Sein Klavierspiel passte ideal zu dem spätromantischen Werk, im dem Rachmaninow sich ja nicht nur als Komponist, sondern auch als Pianist verewigte. Das Spiel der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz ergänzte sich vortrefflich mit dem Klavierspiel von Moog. Eine Zugabe gab es natürlich auch: Moog spielte eine der Nocturnes von Chopin.

 

Nach der Pause wurde es monumental. Bruckners 7. Sinfonie in E-Dur stand auf dem Programm. In dieser Sinfonie ist alles enthalten, was man an Bruckner mag oder hasst. Der Reichtum an musikalischen Erfindungen und die thematische Eloquenz auf der einen und der Hang zum Maßlosen, zum blendenden Prunk auf der anderen Seite. „Mit Kleinigkeiten hat sich Bruckner nie abgegeben“, stand in einem Nachruf auf den Komponisten aus der „Arbeiter-Zeitung“. Dem kann man vorbehaltlos zustimmen, wenn man die 7. Sinfonie gehört hat. Und so setzte Gabriel Feltz mit seinen Philharmonikern die Segel und fuhr durch das große, weite Bruckner-Meer.

Das Adagio, der zweite Satz, hatte etwas besonderes zu bieten: Wagner-Tuben. Trotz des Namens sind die „Tuben“ eigentlich Hörner und so klingen sie auch. In diesem Satz verarbeitet Bruckner musikalisch die Nachricht vom Tode Wagners. So besitzt dieses langsame, getragene Stück eine deutliche elegische Form. Doch die Wagner Verehrung Bruckners lässt sich in seiner 7. Sinfonie öfters heraushören. Nur kommen in Wagners Musikdramen noch Gesang und das Geschehen auf der Bühne hinzu. Zudem besitzt Wagner trotz seiner tiefen und ernsten Musik immer noch einen kleinen Funken Humor, den er bei seinen Werken einarbeitet.

Feltz und seine Musiker verrichten Höchstarbeit auf hohem Niveau. Am Ende sind nicht nur die Musiker ermattet, sondern auch das Publikum. Nach der Urfassung der 1. Sinfonie in der vergangenen Spielzeit und die Erfahrung von Dienstag, muss ich sagen: Bruckner und ich werden wohl keine Freunde, dabei ist und bleibt das musikalische Genie des Österreichers unbestritten.