Ein Lächeln und vielleicht eine Träne

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Charlie Chaplin „The Kid“, Stummfilm mit Musik

„A picture with a smile and perhaps a tear“. Der Stummfilm-Klassiker „The Kid“ von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1921 erlebte am Dienstag mit Livemusik der Dortmunder Philharmoniker eine gelungene Aufführung.

Die Gesichter bei der Entlassung aus dem Krankenhaus sprechen die Missbilligung gegenüber einer alleinstehenden Mutter deutlich aus. Die verzweifelte Mutter setzt ihr gerade geborenes Kind nach einiger Überlegung in einem Auto aus, das vor einer großzügigen Villa steht.

Doch leider wird das Auto gestohlen. Und als die Diebe das Kind bemerken, setzen sie es in einem heruntergekommenen Viertel aus. Hier findet es der Tramp, Charlie Chaplin in seinem bekannten Outfit mit Melone, Stock und zerlumpten Handschuhen. Einmal das Kind auf den Arm genommen, wird er es nicht mehr los. Begegnungen, Tricks, Slapstick. Der Saal amüsiert sich. Schließlich nimmt er das Baby mit zu sich in seine Kammer. Erfindungsreich die kleinen Details wie die Trinkflasche aus einer Kaffeekanne, die er bastelt.

Leinwandfoto vom Stummfilmkonzert "The Kid" (Foto: (c) Martina Bracke)
Leinwandfoto vom Stummfilmkonzert „The Kid“ (Foto: (c) Martina Bracke)

Parallel dazu wird auch die Mutter gezeigt, wie sie ihr Kind zurückholen will. Immer wieder erfährt das Publikum zwischendurch auch etwas von ihrem Leben.

Dazu spielen die Philharmonikerinnen und Philharmoniker unter der Leitung von Carlos Vázquez die Musik, die Charlie Chaplin 1971, also fünfzig Jahre später, selbst dazu komponierte. Sie war nicht für die Live-Aufführung gedacht, aber natürlich ist es beeindruckend, das Orchester vor Ort auf der Bühne musizieren zu sehen und zu hören. Es liefert die Grundstimmungen der Szenen mit Walzern und Märschen, mit Klavier und Harfe und ganz zarten Glockenklängen neben den gewohnten Streich- und Blasinstrumenten.

Und im Film geht es auf und ab. Im Hauptteil steht das Kind seinem Ziehvater in nichts nach. Wirklich grandios der kleine Jackie Coogan, damals wie die Filmfigur ebenfalls fünf Jahre alt (der Film wurde bereits 1919 gedreht). Und es war nicht sein erster Film. Er avancierte aber insbesondere nach „The Kid“ zum Kinderstar der Stummfilmära.

The Kid und der Tramp sind ein eingespieltes Team – beim Backen und Verzehren von Pancakes oder beim Ausnehmen der Nachbarschaft. Der Kleine wirft die Scheiben ein, der Vater bietet die Reparatur an. Wenn nur nicht immer dieser eine Polizist durchs Viertel zöge …

Das Orchester spielt sich gekonnt durch Chaplins Welt, begleitet souverän Box- und Traumsequenzen, das Publikum genießt die Darbietung in vollen Zügen.

Aber natürlich kommt es auf der Leinwand, wie es kommen muss, Mutter und Kind treffen aufeinander und nach und nach wird alles aufgedeckt. Das Kind wird dem Tramp weggenommen. Tränen fließen – jedenfalls auf der Leinwand, aber das Publikum im Saal ist auf jeden Fall auch mitgenommen, die Flöten blasen Trauer. Die Wendung am Ende des Films kommt ein wenig schnell und kurz, den Rest muss man sich denken.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer honorieren einen gelungenen Abend mit viel Applaus. Sie haben gelacht, mitgelitten und ein gut aufgelegtes Ensemble auf der Bühne erlebt, das dem Film mit seiner musikalischen Begleitung eine besondere Tiefe gegeben hat.

Im Foyer bewundert man noch die vielfältigen Talente von Chaplin, der den Film schrieb, inszenierte, spielte und auch noch die Filmmusik dazu komponierte. In der Tat eine anerkennenswerte Leistung. Dann zieht man sich die Jacke an und geht hoffentlich von einem Lächeln beseelt nach Hause.

Mehr zum Philharmonischen Orchester unter www.theaterdo.de