Die Offenen Ateliers bleiben ohne Sponsorennamen

Zunächst war es ein positives Signal für die Dortmunder Szene der bildenden Künstler: Die „Offenen Ateliers“ sollen auch 2014 stattfinden. (https://ars-tremonia.de/offene-ateliers-stehen-in-den-startloechern/) Für Irritationen unter den den Dortmunder Künstlerinnen und Künstler sorgte die Ankündigung der Organisatoren der „Offenen Ateliers“, dass die Veranstaltung künftig nach dem Hauptsponsor „audalis offene Ateliers 2014“ heißen sollen. Doch gegen diese – für manche zu starke – Kommerzialisierung, regte sich Widerstand. Die Künstlerin Karin Jessen veröffentlichte dazu einen Offenen Brief. Die neueste Entwicklung: Jetzt hat sich audalis bereiterklärt, auf die Namensnennung zu verzichten, bleibt aber der Veranstaltung als Sponsor erhalten. Nun sind die Künstlerinnen und Künstler am Zug, die Anmeldefrist wurde bis zum 25. März verlängert. Ars tremonia sprach mit Karin Jessen und dem Organisator Axel Schöber.

 

„Sind wir, als Künstler/innen, jetzt von der Wirtschaft eingekauft worden“, fragte Karin Jessen am 14. März in ihrem Offenen Brief. Sie habe sehr viel positive Resonanz erhalten, „einen Strom von Zustimmung“ von Künstlerseite, die unter diesen Umständen der Veranstaltung fern bleiben wollen. „Die Künstler ziehen den Werbekarren“, bemängelte Jessen. audalis bekäme für ihren finanziellen Einsatz verhältnismäßig viel Werbeaufmerksamkeit, allein dadurch, dass sie im Titel der Veranstaltung auftauchen. Die teilnehmenden Künstler müssten an den zwei Tagen die ganze Arbeit machen.

Ein weitere Kritikpunkt ist der fehlende Katalog. Vor zwei Jahren wurde zur Veranstaltung ein Katalog mit allen teilnehmenden Künstlern produziert, dieses Mal nur eine 16-seitige Zeitung.

Weitere Kritikpunkte sind die fehlende Transparenz und die mangelhafte Kommunikation. Für die Künstler musste es so erscheinen, dass die Veranstaltung „offene Ateliers“ plötzlich von der Wirtschaft „gekapert“ wurde. Es wurde im Vorfeld nicht ausreichend dargelegt, warum und wieso plötzlich ein Sponsor aus der Wirtschaft sich so massiv in eine Veranstaltung einkauft.

Auch einer der Termine geriet in die Diskussion: Am Sonntag, dem 25. Mai 2014 ist in Dortmund auch Kommunal- und Europawahl. Ist das eher abträglich oder machen die Leute, wenn sie zum Wählen gehen, dann auch einen Abstecher in die Ateliers der Künstler?

 

„Für mich war es eine Katastrophe, als ich davon erfahren habe“, so Galerist und Organisator Axel Schöber. „Da ich während dieser Zeit auf einer Messe war, haben wir dadurch Zeit verloren.“ Doch danach arbeitete das Team um Schöber daran, die Veranstaltung zu retten. Zunächst gab es eine Diskussionsrunde mit Teilnehmern vom Depot, dem Künstlerhaus, der BBK und Rita-Maria Schwalgin, die vor zwei Jahren im Organisationsteam der „offenen Ateliers“ war. Die Empfehlung war, an den „offenen Ateliers 2014“ teilzunehmen. Der Hauptsponsor audalis zieht sich aus dem Namenssponsoring zurück, also heißt die Veranstaltung „offene Ateliers 2014“. Die Anmeldefrist wird bis zum 25. März verlängert, die Teilnahmegebühr bleibt trotz des finanziellen Verlustes gleich. Zum fehlenden Katalog äußerte sich Schöber: „Der damalige Katalog ließ sich nur dadurch realisieren, weil die Bezirksregierung einen großen Geldbetrag zur Verfügung gestellt haben. Unser Antrag auf erneute Förderung wurde abgelehnt. Trotzdem ist ein 12-seitiges Magazin immer noch wesentlich mehr Information als ein gefaltetes Plakat in Düsseldorf (Kunstpunkte).“
Den Vorwurf der fehlenden Kommunikation wies Schöber ebenfalls zurück:  „Wir haben sowohl den Termin schon Monate im Voraus mitgeteilt als auch durchblicken lassen, dass eine erneute Förderung nicht selbstverständlich ist. Auf Grund der Förderrichtlinien durften wir im Vorfeld nicht öffentlich über das Sponsoringvorhaben berichten, unser Antrag auf vorzeitigen Projektbeginn wurde von der Bezirksregierung abgelehnt, der Bescheid erfolgte erst in der dritten Februarwoche. Insgesamt müsste man aber erwarten können, dass Frau Jessen vor Veröffentlichung des Briefes bei uns Rückfrage hält – dies ist leider nicht geschehen.“

 

Die „Offenen Ateliers“ waren vor zwei Jahren eine wundervolle Veranstaltung für all diejenigen, die mal hinter die Kulissen eines Künstlers schauen wollten. Weil man normalerweise nicht dorthin darf oder es gibt Schwellenängste.

 

Ich kann beide Seiten sehr gut verstehen. Die eine sagt, „wir Künstler haben die ganze Arbeit und ein Sponsor aus der Wirtschaft bekommt viel Werbung für wenig Geld“, die andere sagt „um so eine Veranstaltung zu organisieren, brauchen wir Geld von Sponsoren“. Ich finde es eine positives Zeichen, dass die Organisatoren und auch der Hauptsponsor die Bedenken ernst genommen haben und darauf reagiert haben. Vielleicht hätte eine schnellere und direktere Kommunikation manches Unbehagen beseitigt.

 

Jetzt liegt es an den Künstlerinnen und Künstlern, durch ihre Anmeldung (http://www.offene-ateliers-dortmund.de) zu entscheiden, ob die „Offenen Ateliers 2014“ am 24. und 25. Mai 2014 stattfinden. Wenn es klappt, würde ich mich – ehrlich gesagt – sehr freuen. Darüber hinaus finde ich es generell wichtig, dass die Diskussion um „Kunst contra Kommerz“ geführt wurde und hoffentlich noch weiter geführt wird.

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