Demontage einer Familie

Heile Welt oder Familienhölle?  Zu sehen sind die Schauspieler (v.l.n.r.) Frank Genser, Bettina Lieder, Janine Kreß, Friederike Tiefenbacher und  Merle Wasmuth. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Heile Welt oder Familienhölle? Zu sehen sind die Schauspieler (v.l.n.r.) Frank Genser, Bettina Lieder, Janine Kreß, Friederike Tiefenbacher und
Merle Wasmuth. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit „Eine Familie. August: Osage County“ von Tracy Letts in der Regie von Sascha Hawemann zeigt das Schauspiel Dortmund das Drama um das Zerbrechen einer akademisch-künstlerischen Mittelstandsfamilie. Die Premiere ist am 24. Oktober 2014 um 19:30 Uhr.

Zur Geschichte: Violet und ihr Mann Beverly leben im Nirgendwo der USA. Violet ist unheilbar krebskrank und tablettensüchtig, während Beverly alkoholabhängig ist. Zur Unterstützung engagiert Beverly die südosteuropäische Pflegekraft Johnna, die aber von Violet abgelehnt wird. Dann verschwindet Beverly.

In ihrer Not ruft Violet ihre Töchter Barbara, Ivy und Karen mit deren Familien zu sich, um die Lage zu besprechen. Die wird noch schlimmer, als sich herausstellt, dass Beverly tot ist und vermutlich Selbstmord begangen hat. Die Frage, wer kümmert sich um Mutter, lässt alte Wunden und Verletzungen wieder aufreißen und sorgt für Selbstzerfleischung zwischen den Generationen.

In „Eine Familie“geht es nicht nur um die Diskussion zwischen „Individualität“ und „Familie“, sondern auch um die unterschiedlichen Werte von Generationen. So wirft Violet, jemand aus der 68er Generation, ihren Töchtern „Egoismus“ und „Nihilismus“ vor, während die drei Töchter, die in den 80ern groß geworden sind, kontern, dass es schwer sei in dieser Zeit. „Es gehe nur noch um ein neoliberales Überleben. Der innerste Kern der Gesellschaft, die Familie, funktioniert nicht mehr“, konstatiert Regisseur Hawemann.

In dieser Geschichte gibt es keine Guten und Bösen, alle haben Dreck am Stecken. „Wo keine Liebe war, entsteht auch keine Solidarität“, meint Hawemann. Jeder teilt aus, auch die Krankheit von Violet, der Mundhöhlenkrebs, ist nicht ohne Bedeutung, denn sie ist auch ein „Giftmaul“ und kann austeilen. Sie lebt nach dem Motto „Solange man um sich schlagen kann, lebt man.“ Wer kurz vor dem Sterben ist, dem sind Konventionen egal und muss auf „politische Korrektheit“ kein Wert mehr legen.

Der bulgarische Musiker Alexander Xell Dafov spielt live auf dem Akkordeon und der Gitarre, die Musik geht Richtung Balkan und Rock ’n‘ Roll.

Um allen Charakteren genügend Raum zu geben und sie nicht nur als Stichwortgeber zu benutzen, braucht man Zeit. Daher dauert das Stück drei Stunden.

Für die Premiere gibt es noch Restkarten.

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