Archiv der Kategorie: Bildende Kunst

Kunst aus dem Münsterland in der BIG gallery

n den Räumlichkeiten der BIG gallery in Dortmund (Westentor) ist vom 24.07.2022 bis zum 02.09.2022 die aktuelle Sommer-Ausstellung des Bundersverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Westfalen e.V. /Bezirk Münsterland zu sehen.

Es ist ein Querschnitt der vielfältigen Kunst von 15 professionellen Kunstschaffenden (8 Frauen, 7 Männer) aus dem Münsterland mit insgesamt 39 Werken zu bewundern und erkunden. Jeder der Künstler*innen hat 2-3 Werke zur Ausstellung beigetragen. Das Spektrum reicht von Malerei, Objekte, Radierung, Aquarell, Zeichnung, Skulptur und Video.

Geschäftsführer Christoph Mandera und Brigitte Bailer (1. Vorsitzende) vom BBK Westfalen präsentieren Kunstschaffende aus dem Münsterland.
Geschäftsführer Christoph Mandera und Brigitte Bailer (1. Vorsitzende) vom BBK Westfalen präsentieren Kunstschaffende aus dem Münsterland.

Ausgestellt sind miniaturisierte keramische Arbeiten von Karin Hansmann, expressive Bilder (Acryl auf Leinwand) von Ursula Hierholzers, klassische Stilleben-Acrylmalerei auf Leinwand mit üppiger Früchtepracht von Mechthild Komeske.

Die an die expressionistischen Werke der Künstler der „Brücke“ erinnernden Arbeiten (Mischtechnik auf Leinwand) von Marc- Gustav Lindemann sind ebenfalls zu sehen wie die interessanten Radierungen von Martina Lückener und filigranen Handzeichnungen von Michel M., die viel Raum für Fantasie lassen.

Nadias Pereira Benavente zeigt surreale Keramikobjekte, leuchtend intensiv-farbige Arbeiten (Ölfarben auf Leinwand) von Eddy Pinkes mit ihren assoziativen organischen Formen haben ebenfalls ihren Platz wie die den aufstrebenden Menschen repräsentierenden, nach oben weisenden Skulpturen (Holz, Leinen, Ultramarin) von Norbert L. Rumpke.

Wasser-Stillleben mit glitzernden Oberflächen und Camouflage-Muster präsentiert Beate Schlör, scheinbare „Leibspeisen-Malerei“ (Ölfarben auf Sperrholz) in Folie verpackt von Elke Seppmann werfen einen kritischen Blick auf vermeintliche Frische und verführerische Optik und die Vermüllung unserer Umwelt.

Manfred Talaricos Video-Werk (Marker auf Sperrholzplatte) verknüpft zufällige Ereignisse, Zahlen, historische Daten, biographische Angaben seiner Familie mit denen von Künstlern und berühmten Persönlichkeiten auf atemberaubende Weise. Besucher können sich über den Link oder QR-Code einloggen

Heitere, lebensfrohe Arbeiten (Acryl, Lack auf Leinwand sowie Siebdruck) von Martina Wichmann sind ebenfalls zu sehen wie eine dreiteilige Beton-Eisen-Skulptur von Dirk Zache, angelehnt an Dantes göttlicher Komödie (Hölleneintritt). Beton, Eisen als Werkzeuge der „Hölle“. Gezeigt wird auch Aquarell-Öl-Malerei von Igor Zhuk, mit zarten Frauengestalten, die mit ihrer Umgebung scheinbar verschmelzen.

Die Ausstellung „Münsterland“ wird am Sonntag, den 24.07.2022 in der BIG gallery , Rheinische Straße 1, 44137 Dortmund eröffnet.

doing photography – Schwerpunkt Fotografie im Museum Ostwall

Fotografische Arbeiten aus der eigenen Sammlung zeigt das Museum Ostwall im Schaufenster. Die Fotografien aus den 60iger bis 80iger Jahren zeigen die Bandbreite des Genres auf.

Die Fotografie begleitet uns durch das tägliche Leben, hilft Sachverhalte einzuordnen, dokumentiert, interpretiert, zeigt persönliche Befindlichkeiten. Sie ist ein Experimentierfeld um unsere Welt durch innerliche oder äußerliche Betrachtung besser zu verstehen und bestenfalls einen Diskurs auszulösen.

„doing photography“ verbindet künstlerische Positionen in einem Querschnitt durch Zeit, Raum und Medium. Porträts, Dokumentationsbilder und mediale Experimente werden zu Schnittstellen zwischen Kunst und Alltag.


Zu sehen ist eine Auswahl aus der Sammlung des MO mit Arbeiten u.a. von Andreas Langfeld, Adrian Paci, Beate Passow, Martin Brand, Dieter Roth oder Timm Ullrichs, die sich in ihren medialen Formen unterscheiden: Diarahmen auf Leuchttischen, Bildschirme, Fotopapiere, Zeitungspapier und C-Prints.

Die Kuratorinnen Dr. Elvira Neuendank (TU Dortmund), im Foto links und Dr. Sarah Hübscher (PH Karlsruhe) warfen einen frischen Blick auf die eigene fotografische Sammlung des Museums. (Foto: © Anja Cord)
Die Kuratorinnen Dr. Elvira Neuendank (TU Dortmund), im Foto links und Dr. Sarah Hübscher (PH Karlsruhe) warfen einen frischen Blick auf die eigene fotografische Sammlung des Museums. (Foto: © Anja Cord)

Bewusst haben die beiden Kuratorinnen Dr. Elvira Neuendank und Dr. Sarah Hübscher die Bildlegenden an den Wänden weggelassen. Den Besuchern und Besucherinnen möchten sie so die Möglichkeit der unbefangenen, nicht geleiteten Betrachtung der Fotos ermöglichen. In einem Booklet sind jedoch zur Vertiefung Informationen zu allen Fotografen und ihren Arbeiten beschrieben.

Fotobuchprojekte von regionalen Künstlern bereichern die Ausstellung durch ihren aktuellen Zeitbezug.

doing photography“ feiert das Fotobuch zusätzlich mit einem Festival. Am Donnerstag, 4. August steht das Museum Ostwall von 14 bis 20 Uhr im Zeichen der Fotografie. Einige Fotografen und Fotografinnen der ausgelegten Fotobücher erzählen über die Motivation und die Entstehung ihrer Arbeiten. Gesprächsrunden, eine Photobookfair auf der Ebene 4 und ein Vortrag des künstlerischen Leiters vom Kettler Verlag lassen einen anregenden Nachmittag erwarten.

Die Ausstellung ist ein kollaboratives Projekt von TU Dortmund, der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, der FH Dortmund und dem Frappanz_Kollektiv kultureller Freiheiten e.V. Es wird gefördert vom Freunde des Museums Ostwall e. V.

Bis zum 28. August kann die Ausstellung besichtigt werden.

Kultur und Krieg – aktuelles Thema im Atelierhaus Westfalenhütte

Vom 17. Juli bis zum 21. August 2002 zeigt das Atelierhaus Westfalenhütte eine Ausstellung mit einem – leider – sehr aktuellem Thema „Kultur und Krieg“. 23 KünstlerInnen zeigen ihre Positionen.

Sind Kultur und Krieg nicht Gegensätze? So wie Feuer und Wasser? Da, wo Krieg herrscht, muss die Kultur weichen. Doch Krieg ist ein zu emotionales Themenfeld, dass eine Künstlerin oder einen Künstler nicht kalt lassen kann. Lassen wir mal die propagandistischen Werke beiseite, die vor allem während der Ersten und Zweiten Weltkrieg entstanden, die direkten und indirekten Folgen des Krieges wurden schon immer thematisiert. Denken wir an „Guernica“ von Picasso oder an die Arbeiten von Käthe Kollwitz.

Ein Teil der KünstlerInnen präsentieren sich vor dem Atelierhaus.
Ein Teil der KünstlerInnen präsentieren sich vor dem Atelierhaus.

In dieser Ausstellung findet sich die ganze Bandbreite möglicher Interpretationen wieder: Hier einerseits Werke aus langjährigen Zyklen, gemischt mit politischen Erfahrungen, andererseits der exakt terminierbare Impuls (Golf-, Kosovo- oder Ukrainekrieg). Dort die fast trotzige Hoffnung, der Optimismus und feste Glauben an den Frieden und das Gute im Menschen.

Konkrete Kriegsbezüge zeigen zwei Fotografien: eine aus 2002 von Eva-Maria Horstick, entstanden im Kosovo, kurz nach dem Krieg. Ein Fenster spiegelt sich in einem TV-Beitrag. „Kultur ist für mich auch die Flucht weg von den Nachrichten,“ so ihre Aussage.

Das zweite Foto thematisiert exakt 20 Jahre später den Krieg auf die Ukraine. Rita-Maria Schwalgin gelang eine ungewöhnliche Aufnahme einer aufsteigenden Taube vor den Fliegenden Bildern mit den Tauben vor wehender ukrainischer Flagge von Adolf Winkelmann.

Zart doch bittersüß einige grafische Arbeiten im Kontrast zu übermalten alten Zeitungen mit Aussagen von Putin 2013 von Jakob Eicher. Oder die Sänger inmitten bombardierter Häuser von Rika Pütthoff-Glinka. Anklagend die Skulpturen von Claudia Quick und der Schattenkopf von Ludger Hinse.

Nicht nur Kriegsschauplätze sondern auch andere Assoziationen spielten bei der Titelvorgabe eine Rolle und lenken den Blick z. B. auf sozial-, umwelt- und gesundheitspolitische „Kriege“. Typisch hier die Skulptur von Karina Cooper „Not Covid“.

Karl-Ulrich Peisker visualisierte Zerrissenheit: Ein Schrei nach Frieden oder der Schrei nach Liebe!?

Und es gibt auch die wichtigen, hoffnungsvoll, zuversichtlich stimmenden Werke. Farbintensive Verläufe von Anette Göke oder das Blütenmeer von Sabine Oecking. Bei Eva Zimnoch spiegelt es sich direkt im Titel: Dem Krieg zum Trotz – despite the war.

Die Ausstellung wird am 17.07.2022 um 11 Uhr im Rahmen des Sommerfestes im Atelierhaus Westfalenhütte (Freizeitstraße 2, 44145 Dortmund)

Die KünstlerInnen:

Karina Cooper . Manja Dessel . Jakob Eicher . Anette Göke . Susanne Grytzka . Ludger Hinse . Eva-Maria Horstick . Sylvia Jäger . Brigitte Koch . Irmhild Koeniger-Rosenlecher . Peter Kosch . Sandra Lamzatis . L’ARS . Renato Liermann . Sabine Oecking . Karl-Ulrich Peisker . Rika Pütthoff-Glinka . Claudia Quick . Rita-Maria Schwalgin . Verena Stanislawski . Egon Stratmann . Alexandra Wagner . Eva Zimnoch

Offene Ateliers 2022 – Kunst in Dortmund

Es hätte so schön sein können. Endlich öffneten die Künstlerateliers und Galerien wieder ihre Türen und das an zwei Wochenenden. Am 11. und 12. Juni 2022 zeigten die Künstlerinnen und Künstler östlich der B54 ihre Arbeiten und am 18. und 19. Juni 2022 waren der Bereich westlich der B54 an der Reihe.

Künstlerinnen und Künstler aus Dortmund öffneten im Juni 2022 ihre Ateliers.
Künstlerinnen und Künstler aus Dortmund öffneten im Juni 2022 ihre Ateliers.

Nachdem ich zumindest den 11. Juni nutzen konnte, um neue und alte Kunst zu entdecken, freute ich mich schon auf das folgende Wochenende, aber leider machte mir Corona einen Strich durch die Rechnung. Glücklicherweise hat unsere Kollegin Anja Cord am 19. Juni einige Ateliers und Künstler*innen westlich der B54 besuchen können.

Daher ist der Bericht, den ich über die Offenen Ateliers schreiben kann, leider nicht so umfangreich, wie ich es erhofft habe.

Los ging es am Samstag, den 11. Juni 2022. Diesmal wollte ich neue Künstlerinnen und Künstler kennenlernen und begann meine Tour in der Ateliergemeinschaft Trappmannpalast in Asseln. Hier sind sieben Künstlerinnen und Künstler aktiv, die alle Interesse an Typographie haben. Claudia Dröge verwandelt Faltschachteln in Kunst oder malt Plakattafeln. Daneben erstellt sie figurative Darstellungen aus Draht, die im Zusammenspiel zwischen Licht und Schatten stehen. Thomas Dröge nimmt Alltagsgegenstände, reist sie aus ihrem gewohnten Zusammenhang und gibt ihnen einen neuen künstlerischen Eindruck. Die Leidenschaft von Kathrin Blanke sind antiquarische Papiere. Auf diese zeichnet sie mit Tusche Motive, die von digitalisierten Fotografien stammen. Es sieht aus wie gedruckt, ist es aber nicht. Bodo Nolte liebt Organigramme und hat diese zu seiner Kunstform bestimmt. Seine seriellen Arbeiten sind sehr klar strukturiert und haben manche Überraschung zu bieten. In einer Serie hat Bodo Nolte die Texte gestickt. Nicole Kötter arbeitet mit Acryl auf Leinwand. Sie plane ihre Bilder nicht, erzählt sie und macht ihre werke im Prozess. Es wird geschichtet, es entstehen Spuren und somit Lebendigkeit. Auch sie arbeitet gerne seriell wie ihre kleine Serie Andreaskreuze veranschaulicht. Frank Damm Arbeiten wirken sehr typografisch. Stempelungen, Collagen aus Zeitschriften und Textfragmente aus Songtexten vereinen sich zu einem Gesamteindruck. Mit der Natur beschäftigt sich Claudia Wenzler. Die meisten ihrer Werke wirken organisch. Das kommt nicht von ungefähr, denn sie sammelt Hölzer, Muscheln oder anderes Material. Neben ihren Naturzeichnungen verwandelt sie ihre Fundstücke auch in kleine kunstvolle Schaukästen.

Danach ging es Richtung Hörde zu Amarok Art. Martin Schipper macht überwiegend Kunst mit Airbrush. Seine fotorealistischen Arbeiten nennt er „expressive Ausdruckskunst“. Es ist faszinierend, was der Künstler mit der Sprühpistole hinbekommt. Ob nun Auftragsarbeiten („Customizing“) oder eigene Ideen, die gerne mit dem Fantasy-Sujet spielen.

Durch den Garten kommt der Besucher zu einer anderen Künstlerin: Susanne M. Weiß. Sie ist sehr vielseitig: Sie malt mit Acryl, macht Spachtelarbeiten, bemalt Teebeutel oder arbeitet mit Ytong-Beton. Zwar malt sie auch abstrakt, aber ihre Lieber gehört Dortmunder Motiven. Darüber hinaus malt sie Bilder mit einer speziellen Farbe, die dafür sorgt, dass die Bilder im Dunkeln leuchten.

Weiter ging es zum Atelier Dreisam. Hier arbeiten Michael Schulz-Runge und Peter Kröker. Kröker hat zum fünften mal an der Ausstellung zum Kalender „Grafik aus Dortmund“ teilgenommen und Schulz-Runge hat mit Farbexperimenten und Bunsenbrenner experimentiert. Zum Hörder „Sehfest“ hoffen die beiden Künstler mehr Neues präsentieren zu können.

Wolfgang Niehoff hat sein Atelier „ARTdOrt“ in der Kaiserstraße und stellt dort seine Arbeiten aus. Er beschäftigt sich mit der Kombination der Gegensatze von organischem Materialien wie Holz und Metall. Die Kombination von Zufall (Fundstücken) und gekauftem Material machen den Reiz der Werke aus, die bis 25 Jahre alt sind.

In einem Dachgeschoss hat Jakob Eicher sein Atelier. Seine bisweilen großformatigen Bilder sind sehr farbintensiv. Zunächst zeichnet der Künstler seine Arbeiten, um sie dann in Variationen immer weiter zu abstrahieren. Ein Thema was Eicher immer wieder beschäftigt ist der „Totentanz“. Dieses Thema beschäftigt Künstler vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Eine weitere Serie sind „Zeitungszeugen“, bei der Eicher Zeitungsartikel thematisch in Collagen verwandelt.

Das Atelier Gold beherbergt zwei Künstlerinnen und Künstler: Stefanie Kamrath und Bertrand Otto. Während die abstrakten Arbeiten von Kamrath von Bewegungen geprägt sind, gehört die Liebe von Otto den Trinkhallen im Revier, die er zu Papier bringt.

Im Projektraum Fotografie stellten drei Künstler*innen aus. Tina Dunkel präsentierte ihre seriellen Arbeiten unter dem Titel „Schwarzes Loch“. Eveline Kulik arbeitet an der prozesshaften Entwicklung von Fotogrammen, während Gerhard Kurtz natürliche Gärten poetisch erscheinen lässt.

Im Atelier für plastische Kunst ist Babette Martini zu Hause. Sie beschäftigt sich aktuell sehr stark mit Linolfarben. Thematisch beschäftigt sie sich mit Wales und dem Ruhrgebiet. Beide haben eine große Bergbautradition.

Marika Bergmann arbeitet im Keller des St. John’s Hotel. Dort präsentierte sie sogenannte Gespinstbilder, die sie mit Stoffarbeiten herstellt. Darüber hinaus zeigte sie Acryl- und Ölbilder. I

Auch einen ungewöhnlichen Ort hat das Atelier Schreinerei, dort war wohl die Schreinerei der Sicherheitsfirma Pinger. Jetzt arbeiten verschiedene Künstler*innen auf unterschiedliche Art und Weise: Isa (Acryl), Christoph (Graffiti, Skulpturen, Malerei), Jenny (Illustrationen), André (abstrakte Ölbilder), Selen (Öl und Acryl) und Andi (Papier, Körper und Geschichter)

Im Salon Atelier im Unionsviertel war ein ehemaliger Friseursalon. Anstatt Dauerwellen werden jetzt gemeinsame Kunstprojekte realisiert, die zwischen bildender und darstellender Kunst angesiedelt sind. Zusehen sind: Katja Mudraya, Jamin Pamin Astrid Wilk (links), Nico Jarmuth, Fabian Nehm, Matthias Plenkmann.

Die Natur kommt ins Torhaus

Vom 26. Juni bis zum 17. Juli zeigt die Galerie Torhaus Rombergpark die Ausstellung „Verpflanzungen“ der Künstlerinnen Sabine Held, Anne Jannick und Claudia Terlunen. Die drei Künstlerinnen treten dabei mit der Pflanzenwelt in Dialog.

Bringen die Natur ins Torhaus (v.l.n.r.) Sabine Held, Claudia Terlunen und Anne Jannick.
Bringen die Natur ins Torhaus (v.l.n.r.) Sabine Held, Claudia Terlunen und Anne Jannick.

„Eigentlich ist das eine Art Fortsetzung der Ausstellung ‚Verpflanzungen‘ vom vergangenen Jahr“, erklärte Sabine Held. Damals hatten die Künstlerinnen die Kunst in die Natur, d.h. in den Rombergpark gebracht. Leider wurden einige Objekte gestohlen.

Jetzt bringen die Künstlerinnen die Natur ins Torhaus. Organische Formen und die Garbe Grün dominieren den Ausstellungsraum. Auf vielen Bildern blüht und grünt es, aber es existieren auch andere, düstere Arbeiten. Pollen und andere fremdartig bekannt wirkende Lebensformen sind ebenfalls zu finden.

Die malerischen Arbeiten reichen von gegenständlich bis abstrakt, unterschiedliche Formate bieten den Besuchern Abwechslung. 57 Werke sind zu bestaunen. Jedes Gewächs erzählt quasi seine eigene spannende Geschichte von Anpassungsfähigkeit und Evolution.

Galerie im Depot als Ort für eine spartenübergreifende Installation

In Anlehnung an das Gedicht „Auf einen Garten“ des arabischen Lyrikers Achmed Ben Mohammed Mokri haben die vier Künstler*innen Bärbel Thier-Jaspert, Michael Jaspert, Marc Bühren und Bettina Köppeler mit dem Wunsch nach einem künstlerischen Austausch ein besonders Projekt entwickelt.

Das Ergebnis kann von Besucherinnen und Besuchern vom 24.06.2022 bis zum 17.07.2022 in der Galerie im Depot in Dortmund mit allen Sinnen erkundet werden.

Wandeln auf grünen Rasen in der Galerie im Depot: (v.l.n.r.) Michael Jaspert, Bärbel Thier-Jaspert, Marc Bühren und Bettina Köppeler)
Wandeln auf grünen Rasen in der Galerie im Depot: (v.l.n.r.) Michael Jaspert, Bärbel Thier-Jaspert, Marc Bühren und Bettina Köppeler)

Die Künstler*innen haben ihre ganz persönlichen Zugänge zu den Versen in jeweils unterschiedlichen Arbeits- und Ausdrucksformen umgesetzt. Die fünf Strophen erzählen von der grünen Architektur, von Menschen, die sich dort begegnen, sowie der Vielfalt, die man im Garten (noch) vorfinden kann.

Der Galerieraum wurde ausgehend von der ersten Zeile des Gedichts „Mit einem Mantel dichten Grünes/ bist du o Garten, ganz bedeckt“ mit einer Roll-Rasenfläche ausgelegt, den man auch barfuß betreten kann. Der Geruch von Erde und eingespielte Naturgeräusche schaffen eine ganz besondere Atmosphäre der Ruhe und Inspiration. Auf dem authentischen grünen Rasen entspinnt sich im gemeinsamen Zusammenspiel von Kunst und Natur eine ganz besondere Melange aus Bildern, Zeichnungen, Versen, Fotografien, dreidimensionalen Objekten und Audiofragmenten.

Das Ganze fügt sich zu einem imaginären Garten als Erlebnis, Erfahrungsort und Ort der Ruhe, Erholung und Inspiration. Es ist eine Ausstellung im Spannungsfeld von Zivilisation und bedrohter Natur.

Die bunten Makrofotografien gefährdeter Insekten stellt Michael Jaspert die Fotografie eines Plastikbechers im Garten gegenüber. Bärbel Thier-Jaspert zeigt auf der einen Seite Schwarz-weiß Fotografien von Insekten, denen sie filigrane Zeichnungen (Fotos) nach dem Vorbild alter Meister gegenüber stellt.

Bettina Köppeler hat in einem großflächigen Ölgemälde in eine schön Pastellfarben erscheinende Naturlandschaft kleine Zeichen der Zivilisation (etwa Blumentopf) gesetzt. Der Mensch ist nicht mehr vorzufinden.

In seinen dystopischen Arbeiten befasst sich auch Marc Bühren mit einer Welt, in der Menschen nicht mehr existieren. Der durch seine Werke mit manuellem und digitalen 3D-Druck und Temperamalerei bekannte Künstler stößt Fragen nach unseren Umgang mit Ressourcen an.

Das Ausstellungsprojekt wird vom Dortmunder Kulturbüro gefördert.

Am Sonntag, den 26.06.2022 wird von 14:00 bis 18:00 Uhr vor Ort ein Künstlergespräch mit den vier Künstler*innen mit mit Besucherinnen und -besuchern angeboten.

Es gibt noch einige interessante Veranstaltungsangebote während der Ausstellungsdauer statt.

Informationen erhalten Sie unter www.depotdortmund.de

Öffnungszeiten: Do: 16:00 – 20.00 Uhr So: 14:00 – 18.00 Uhr Eintritt ist frei

Eine Retrospektive für Bernd Figgemeier

Bis zum 17. Juli 2022 zeigt die BBK Westfalen in der BIG GALLERY die Ausstellung „Bernd Figgemeier – ein Lebenswerk“. Der Künstlerbund präsentiert einen umfangreichen Querschnitt der Arbeiten von Figgemeier von 1950 bis 2020.

Bernd Figgemeier mit seinen Bleiblecharbeiten „Wasserfall“ und „Welle“. (Foto: © Rita-Maria Schwalgin)
Bernd Figgemeier mit seinen Bleiblecharbeiten „Wasserfall“ und „Welle“. (Foto: © Rita-Maria Schwalgin)

Es lohnt sich, die Ausstellung chronologisch anzugehen. Figgemeiers Arbeiten der 50er Jahre atmen die farbliche Ästhetik und die Geometrieformen dieser Zeit. In den 70er Jahren arbeitet der Künstler mit der Differenzierung Hell/Dunkel und Strukturen in der Fläche. Gut zu sehen in den Arbeiten „Erg“ oder „Hammada“, die die Wüstenlandschaft auch plastisch erlebbar machen.

In den 80er Jahren entwickelt Figgemeier diesen Stil weiter. Der Bildaufbau ist sehr streng. Die Flächen wirken wie ein Layout, klar unterteilt. Die Farbgebung ist fast monochrom, durch lasierenden Auftrag wird das Reliefbild lebendig. In dieser Zeit beginnt der Mensch eine Rolle in den Arbeiten Figgemeiers zu spielen. Der „Verkünder“ wird mit feinem, aber präzisen Pinselstrich in Aquarell gemalt und bekommt wieder durch die hell/dunkel Kombination seine Plastizität.

Der Mensch als Motiv taucht bei Figgemeier immer prominenter in den Arbeiten auf. Sein vierteiliges Werk „Mensch bilden Brücken“ von 1992 zeigt wieder seine Relieftechnik, die auch in den Arbeiten „up and down“ von 1999 gut zu sehen ist. Für den Künstler ist das lineare der Ausdrucksträger.

In den 2000er Jahren wird der Stil von Figgemeier gegenständlicher. Seine Sportler aus dem Jahre 2002 haben aber immer den klaren Bildaufbau. Sein Interesse an Archäologie zeigt sich in den zwei gezeigten Arbeiten „Sichtbar machen“ aus dem Jahre 2005. Hier wird das Thema Ausgrabung, Zeitbestimmung, mit Öl/Grafit plastisch sichtbar gemacht. Daneben bleibt er seinen monochromen Reliefbildern treu. Der „Verkünder“ wird 2007 zum „Rhetor“.

Darüber hinaus beginnt er plastisch zu arbeiten. Er erschafft Werke aus Bleiblech, die er wieder zu Figuren formt, die seinen Reliefbildern ähneln. Hier schafft die Oxidation den bekannten Hell/Dunkel-Effekt. Figgemeier ist kein Bildhauer, seine Skulpturen sind – wie bei einem Bild – nur von einer Seite zu betrachten.

Ab 2010 beschäftigt sich der Künstler mit dem Thema Wasser. In seinen Bildern steht die kristalline Form im Vordergrund („kristalline Struktur II“, 2010 oder „Packeis“, 2016), während bei den Bleiblecharbeiten die flüssige Form („Welle“, 2020 oder „Wasserfall“, 2020) im Vordergrund steht.

Ich möchte mich bei Karl-Ulrich Peisker bedanken, der sich die Zeit nahm, mit mir durch die Ausstellung zu gehen.

Wie lassen wir uns täuschen? – TÄUSCHEND ECHT:ECHT TÄUSCHEND

Was ist echt und was ist nur vorgespielt? In der virtuellen Welt treffen wir auf Personen, von denen wir nicht wissen, ob sie das sind, was sie behaupten zu sein. Das Künstler:innen-Kollektiv Mia ter Horst, Joshua Martin und Tim Semrau hat sich in seinen Fotografien und Filmen mit der Fragilität der Wahrnehmung beschäftigt. Am 18. Juni 2022 ist die Finissage seiner Ausstellung in .dott.werk, Düsseldorfer Straße 18, ein. Zu sehen sind Film- und Fotoinstallationen.

Bild vom Kollektiv Mia ter Horst, Joshua Martin und Tim Semrau für die Ausstellung "Täuschend Echt:Echt Täuschend.
Bild vom Kollektiv Mia ter Horst, Joshua Martin und Tim Semrau für die Ausstellung „Täuschend Echt:Echt Täuschend.

Die gezeigten Bilder sind spannend aufgebaut. Die haben eine sehr starke architektonische oder zumindest geometrische Komponente. Dann ist oft eine Person in einer ungewöhnlichen Perspektive zu sehen. „Das ist sicher gephotoshopped“ werden manche Besucher*innen denken, dennoch bleibt es unklar. Ist es die ungewöhnliche Perspektive, die die Bildkomposition unwirklich erscheinen lässt? Das Multi-Media-Projekt „TÄUSCHEND ECHT:ECHT TÄUSCHEND“ zeigt unter Berücksichtigung dieser Fragen „Fotocollagen“ aus der realen Welt. Welche der Fotografien sind digital zusammengesetzt? Welche Motive bilden tatsächlich 1:1 das ab, was den Künstler:innen vor die Linse kam?

Am Samstag noch von 12 bis 20 Uhr im .dott.werk, Düsseldorfer Straße 18, 44143 Dortmund zu sehen.

Parkstreifzüge und Gedankengänge als Collage

Die Städtische Galerie Torhaus Rombergpark in Dortmund lädt Besucherinnen und Besucher vom 29.05.2022 bis 19.06.2022 zu der sehr persönlichen Ausstellung „Me And My Park“ der hiesigen Künstlerin Silvia Liebig (Jahrgang 1966) ein. Der schöne naturbelassene Rombergpark hat ja schon vielen Generationen zum Flanieren sowie dem Bewundern und Beobachten der Pflanzen- und Tierwelt inspiriert.

"Selphywand" von Silvia Liebig. Zu sehen in der Galerie Torhaus Rombergpark.
„Selphywand“ von Silvia Liebig. Zu sehen in der Galerie Torhaus Rombergpark.

Mit ihren Foto- und Bildcollagen, Tiermasken, Skizzen auf Papier (Liebespaare und mehr) stellt die Künstlerin den persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen der Betrachtenden ihr Narrativ zur Seite.

Neben all den schönen Erlebnissen in „ihrem Park“ (etwa mit dem Vater) stellt sie musterhafte Strukturen infrage und es kommt auch Bedrohliches (zum Beispiel für Frauen) vor oder es befindet sich eine Menschengruppe von Strafgefangenen im Zweiten Weltkrieg im Hintergrund. Es geht auch um die Beziehung von Mensch und Natur. Warum füttern zum Beispiel Menschen so gerne Tiere im Park? Was ist wichtig in unserem Leben? Der Rombergpark steht dabei stellvertretend für Parks dieser Art.

Die Besucher*innen der Ausstellung haben Gelegenheit, ein Selfie vor einer Leinwand mit den meisten Sehenswürdigkeiten des Parks zu machen. Das kann mit vielen Menschen im Netz geteilt werden.

Obwohl es keine offizielle Eröffnung der Ausstellung gibt, lädt eine Aktion am Sonntag, dem 29.05.2022 zwischen 11 und 16 Uhr ein, gemeinsam mit anderen Zufallsgästen zu essen und plauschen.

Auf der linken Seite des Raums im Torhaus ist ein langer Tisch mit Stühlen für bis zu zwölf Personen gedeckt, die dort zeitgleich Platz finden können. Das Porzellan-Geschirr stammt aus verschiedenen Haushalten. Jedes einzelne Teil hat seine ganz eigene Geschichte. Essen und Trinken bringt jede und jeder dazu selbst mit.

Genug Gesprächsstoff und zu entdecken gibt es auf alle Fälle.

Blade Memory II – Kooperative Ausstellung in neuen Räumlichkeiten

In den ehemaligen Büroräumen einer Versicherung (direkt gegenüber der Big Gallery , Park der Partnerstädte 2) hat der Dortmunder Kunstverein seine neue Heimat gefunden. Auf zwei Ebenen bieten sich jetzt neue künstlerische Darstellungsmöglichkeiten. Mit „Blade Memory II“, eine Kooperation mit dem Center for Contemporary Art (CCA) Tel Aviv-Yafo, wird dort vom 21.05.2022 bis zum 30. Juli 2022 erstmals eine Ausstellung gezeigt. Den ersten Teil von „Blade Memory“ konnte das Publikum in Tel Aviv (Israel) erleben.

Lee Nevo, Dis-play (for the sexual and social anthology of the ejections seat), 2021
Lee Nevo, Dis-play (for the sexual and social anthology of the ejections seat), 2021

Kuratiert wird die „Blade Memory II“ von Naama Arad, I.S. Kalter und Eran Nave. Beteiligt sind zwölf Künstler*innen aus Israel, drei aus Deutschland und eine aus Belgien. Durch Corona-Pandemie oder diverse kriegerische Auseinandersetzungen gerade in den letzten Jahren wurden die Künstler*innen in ihrer Außenwirkung beeinträchtigt. Zudem bietet sich ihnen in einer immer schnelllebigeren (digitalen) Welt und sich ständig verdichteten Innenstädten immer weniger Raum für individuellen Ausdruck. Moderne zeitgenössische Kunst aus Israel und europäische aus dem 20. Jahrhundert werden in einen besonderen Kontext gebracht.

Blade Memory beschwört eine schmerzhafte Erinnerung wie von einer Klinge oder einem Dolch. Es wird die Rolle von Künstler*innen, die von einer enttäuschenden Gegenwart geprägt sind, befragt. Mit einfachen Mitteln und Werkstoffen setzten sich die Beteiligten mit (oft männlich geprägten) Machtstrukturen künstlerisch auseinander und suchen Freiräume.

Schon im Eingangsbereich wird man von einem älteren Bürotisch mit der Spitze nach Vorne empfangen. In einem riesigen Holzregal auf der linken Seite (Bread Library, Uri Ara, 2020/2022) hat sich eine Bäckerei die „Freiheit genommen“, Brot nach den Buchstaben des Alphabets zu formen.

Viele Werke haben eine eigene Symbolkraft. So etwa die viel zu große Besenbürste für einem winzige Kehrblech (Marianne Berenhaut, 2019) in einem Hausmeisterraum auf der Ebene 2. Sie kann den vielen „Schmutz, Unrat“ nicht aufnehmen.

Ein sehr deutlicher Hinweis auf Machtstrukturen ist der lange, an den „Putin-Tisch“ erinnernde Tisch mit einer die Hände ausbreitenden Bronzestatue von Max Ernst (1961).

Eine spezielle Leihgabe mit Heimatbezug ist auf der unteren Ebene zu sehen. Es ist ein Bild ( Bleistift auf Papier) ohne Titel des leider früh verstorbenen Dortmunder Künstlers Martin Kippenberger (1953 – 1997). Es gibt einiges zu Entdecken und viel Raum für Assoziationen.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Samstag, den 21.05.2022 (16 – 20 Uhr) statt.

Begrüßung: Dr. Matthias Wiese (stellv. Vorstand)

Einführung : Rebekka Seubert Künstlerische Leitung)

Informationen über das umfangreiche Begleitprogramm finden sie unter www.kunstverein-dortmund.de