Bitte anschnallen: Deep Dive – Eintauchen in Mozarts vierzigste Sinfonie

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„Fasten your seatbelt“ und „setzen Sie die Taucherbrille auf“! Mit den Dortmunder Philharmonikerinnen und Philharmonikern geht es wieder tief hinab in ein musikalisches Werk. Dieses Mal stürzt der Kapitän Jordan de Souza das Publikum mit rasanter Fahrt in Mozarts g-Moll-Sinfonie.

Die Stimmung ist gut, an manchen Stellen ausgelassen, de Souza überzeugt einmal mehr mit seiner lockeren und begeisternden Art. Das Publikum muss, nein, darf mitmachen. Es wird ein- und ausgeatmet – der Stress mit einem Seufzer herausgelassen. „OK, war eine schwierige Woche“, meint der Chef am Dirigentenpult. Dabei ist Montag. Kein klassischer Kulturabend. Dennoch ist das Konzerthaus gut gefüllt. So eine kleine Sinfonie zum Feierabend …

(Foto: (c) Martina Bracke)
Statt Mozartkugeln gab es einen tiefen Einblick in die 40. Sinfonie des Komponisten. (Foto: (c) Martina Bracke)

Aber vorher auch Takte zählen. Es wird sichtbar gezählt, denn einige nutzen dafür ihre Finger. Dann Klatschalarm. Das Publikum klatscht gleichzeitig zwei verschiedene Rhythmen, linke Hälfte gegen rechte Hälfte. Den Maestro freut’s und nach getaner Arbeit gibt es eine wohlverdiente Pause.

Auf dem Gang stöhnt der eine, das sei ja wie in der Schule, während die andere strahlend zustimmt, ja, sie hatte Musik im Abitur.

Nun ja. Es gibt keine Noten, also Schulnoten natürlich. Und dann ist es doch ganz schön, sich auf ein Musikstück so intensiv einzulassen und der Begeisterung der Musikerinnen und Musiker zu folgen. Obwohl – nach de Souza wird diese eine Stelle „die Kontrabässe auch in zweihundertfünfzig Jahren noch um den Schlaf bringen“.

Nach der Pause braucht das Publikum nur noch zu lauschen und sich von der Musik umhüllen zu lassen, tief einzutauchen in Mozarts kleines Meisterwerk, das irgendwie jede und jeder kennt. De Souza meint, es sei der meistgenutzte Handyklingelton der frühen 2000er Jahre. Da ist es doch nicht schlecht, das ganze Werk einmal zu hören.

Und mit dem Kennen ist es so eine Sache. Hinten stöhnt jemand herzzerreißend „Nein, nein, nein!“ Offenbar ein Kenner. Zumindest der Gepflogenheiten bei Konzertwerken mit mehreren Sätzen. Es wird nicht nach jedem Satz geklatscht!

Nun, heute schon, offenbar ist nicht das ganze Publikum so versiert. Aber das macht auch nichts. Die Philharmonikerinnen und Philharmoniker nehmen es gelassen, es ist doch schön, wenn die Menschen mitgehen. Und sie haben zwar an dem Punkt die Etikette nicht gelernt, dafür aber vieles andere an dem Abend mitgenommen. Vor allem eine Musik, die berührt, Musikerinnen und Musiker, die begeistern, den „atemlosen, nervösen Herzschlag der Bratschen“ vernommen und dabei selbst ein wenig von ihrem Alltagsstress losgelassen.

Damit tauchen sie wieder auf in die Wirklichkeit des Abends und gehen dennoch beschwingt und manche auch beseelt nach Hause.

In dieser Spielzeit gibt es kein weiteres Deep-Dive-Konzert mehr, aber vielleicht lieben Sie Brahms? Oder möchten ihn kennenlernen? Dann ist am 28. und 29. April die Gelegenheit.

Mehr Infos unter www.theaterdo.de