Ars tremonia

Schmeckt die Freiheit nach Erdbeeren?

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Freiräume – Tanztheater mit zwei Gruppen und einem Thema

Zuerst kommt der Nebel, dann folgen die jungen Darstellerinnen aus dem Kulturrucksackprojekt für 10- bis 14-Jährige. Ihre Requisiten symbolisieren den Wald. Wo finde ich Freiräume? Was ist für mich Freiheit? Ganz verschiedene Antworten gibt bereits die erste Szene. Und ganz selbstbewusst heißt es: „Sei du selbst, alle anderen gibt’s schon.“

Schon im alljährlichen Osterprojekt von vier.D haben sich die Mädchen Gedanken über die Freiheit gemacht und daraus erste (Tanz-)Szenen entwickelt. Ganz konkret wird zum Beispiel die Klassensprecher:innen-Wahl aufgegriffen, bei der ganz unterschiedliche Versprechungen locken. Zählen Visionen? Ein Chill-Tag? Oder Mitspracherecht? Oder ziehen doch eher die Aussicht auf Geschenke wie Süßigkeiten und Pizza? Muss ich in der Gruppe mitlaufen, um anerkannt zu sein? Oder suche ich mir meinen eigenen Weg?

Sprech- und Tanzszenen wechseln sich ab, die Mädchen sind ein eingespieltes Team und machen dem Publikum viel Freude.

Nach der Pause erobern die Älteren die Bühne. Fünfzehn Jugendliche der Jungen Tanzwerkstatt 15+ von vier.D und des Jugendclubs 16Plus des Schauspielhauses Dortmund haben ihre Koffer gepackt und nehmen Kissen und Schlafmaske mit auf die Bühne, Inhaliergerät und Tagebuch, aber auch ihre gute Laune, Unsicherheit und Erinnerungen.

Die Koffer werden im Lauf des Spiels einzeln geöffnet und bieten Anlass genug für Szenen, schön genutzt wird jeweils ein Licht im Koffer, das die Personen von unten beleuchtet. Ein sehr kreativer Einsatz der Requisiten insgesamt.

Nebeliger Beginn von "Freiräume". (Foto: (c) Martina Bracke)
Nebeliger Beginn von „Freiräume“. (Foto: (c) Martina Bracke)

Das Publikum erfährt von Träumen und Erfahrungen und nimmt live teil an einer Wahl zum Jugendwort des Jahres. Die agilen Moderator:Innen der Show interviewen auf der Bühne einige Jugendliche, denen sie allerdings schon beim ersten Ton das Wort abschneiden, aber dennoch ihre Beiträge loben. Vorschläge für Jugendwörter kommen aus dem Publikum, werden aufgegriffen und zur Abstimmung gebracht. Denn – das erfährt man nebenbei – die offizielle Jury, die jedes Jahr das Jugendwort des Jahres wählt, besteht zu mehr als fünfzig Prozent aus – ACHTUNG –  Erwachsenen. Ob sich da die Jugendlichen wiederfinden? Am heutigen Abend fällt die Wahl jedenfalls auf das Wort „Sechssieben“. Da das Publikum per Applaus abgestimmt hat, könnte es sein, dass wieder mehr als fünfzig Prozent Erwachsene entschieden haben. Aber egal, in der nächsten Vorstellung läuft es sicherlich anders, denn dann werden mehrere Schulklassen im Fritz-Henßler-Haus sein.

Für Lacher sorgen noch die beiden weißen Pferde auf der Bühne, die gekonnt eintänzeln. Natürlich keine echten. Im Schlepptau die klischeehaften Prinzen. Aber wer braucht schon schmierige Prinzen auf weißen Pferden?

Jede:r braucht Raum für Wünsche, Träume und Zukunft. Zukunft, die von den Erwachsenen mitgedacht werden muss, für die man aber auch die Jugendlichen selbst einbeziehen sollte. Und jede:r braucht Freiraum, so zu sein, wie man ist.

Schmeckt die Freiheit nach Erdbeeren? Manchmal schmeckt sie auch nach Zimt. Individuell eben. Auf jeden Fall schmeckt sie gut.

Ein kurzweiliger Abend mit einigen Botschaften, die man hören sollte, den das Team von vier.D und dem Schauspielhaus Dortmund unter der Anleitung von Laura Gebauer, Birgit Götz, Helen Greve-Groß, Sarah Jasinszczak & Johanna Menke mit den Jugendlichen auf die Bühne gebracht hat. Verdienter, langanhaltender Applaus belohnt die Mitwirkenden, zum Abschluss gibt es noch eine kleine filmische Zugabe vom Probenwochenende. Dann kann gefeiert werden.

Neben der Schulvorstellung im Fritz-Henßler-Haus gibt es noch eine Aufführung im Studio des Schauspielhauses, die Jugendlichen sind flexibel.

 

Mehr unter:

www.vierD.info

www.theaterdo.de

https://kulturrucksack-dortmund.de