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Witzig-opulentes Weihnachtsmärchen im Schauspiel Dortmund

Es ist eine schöne Tradition, dass der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters Dortmund (KJT) Andreas Gruhn, jedes Jahr ein neues Weihnachtsmärchen auf die Bühne bringt. Nach einer Zwangspause (Renovierungsarbeiten im Schauspielhaus) freute sich das gesamte Ensemble darauf, das neue Weihnachtsmärchen „Cinderella“ nach Charles Perrault (also eine weniger blutige Version von Aschenputtel) mit der Premiere am 15.11.2018 endlich präsentieren zu können.

Neben dem gesamten KJT-Ensembles konnte man für die Rollen des Vaters von Cinderella (Bertrand) witzig und umtriebigen Hofherrn Comte de Charny den Schauspieler Harald Schwaiger als Gast gewinnen, der diesen Part mit viel Vergnügen und Spaß ausfüllte, Ein ehemaliges Ensemble-Mitglied des KJT, Talisa Lara, schlüpfte ebenfalls in zwei Rollen. Einmal spielte sie Solange, die hochmütige Tochter der Stiefmutter von Ella (Cinderella) und zum anderen in die von der Prinzessin Claribella (die den Prinzen Albert als mögliche Heiratskandidatin vorgestellt wird).

Daneben kamen insgesamt sechs StatistInnen zum Einsatz.

Die bekannte Handlung wird durch die moderne Aufführung etwas emanzipatorisch verändert. Cinderella ist nicht mehr nur das passive „Aschenputtel“,das auf den „Traumprinzen“ wartet, der sie rettet. Sie ist nicht nur wild und weiß was sie will, sondern ist eine junge Frau, die ihr Schicksal selbstbewusst (wenn auch mit etwas Unterstützung) aktiv in die Hand nimmt, quasi eine Mischung zwischen „Pippi Langstrumpf“und „Merida“.

Nanu, schon vor der Ehe wird gefochten? Cinderella ist nicht so langweilig, wie die anderen Hofschranzen. Zu sehen ist das Ensemble sowie Jan Westphal und Ann-Kathrin Hinz (im Vordergrund)
Foto: ©Birgit Hupfeld
Nanu, schon vor der Ehe wird gefochten? Cinderella ist nicht so langweilig, wie die anderen Hofschranzen. Zu sehen ist das Ensemble sowie Jan Westphal und Ann-Kathrin Hinz (im Vordergrund)
Foto: ©Birgit Hupfeld

Ihre jugendliche Frische und Selbstbewusstsein wird von der Schauspielerin Ann-Kathrin Hinz stark ausgefüllt. Der Prinz Albert, auch eigenwillig, wird eher als Tunichtgut porträtiert, der die Unterstützung seines Cousins Antoine benötigt. Nicht nur beim Fechten und Reimen waren Jan Westphal (neu im Ensemble des KJT) als Prinz Albert und Thorsten Schmidt als Cousin (abgesehen von dem Liebespaar Cinderella undAlbert) ein kongeniales Paar.

Auf der anderen Seite standen die Stiefmutter und ihre Töchter: Hochmütig und auf eine reiche Partie aus. Diese Charaktere wurden von Johanna Weißert, unter anderem als Stiefmutter Mathilde Corbel, und von ihren Töchtern Constanze (Bianka Lammert) und solange (Talisa Lara) wunderbar auf die Bühne gebracht.

Eine interessante Idee war es, dass Geschehen wie einen Film von seinem Ende, dem rauschenden Hochzeitsfest von Cinderella und Prinz Albert aufzurollen.

Durch die Handlung führte französisch charmant Bettina Zobel, die auf der Bühne sowohl die Funktion als Tante Seraphine wie auch die der Fee innehatte.

Alle beteiligten SchauspielerInnen war die Spielfreude und die Lust an der Darstellung der unterschiedlichen Charaktere anzusehen und hören. Im Publikum wurde mehrfach herzlich gelacht.

Die Aufführung lebte von seinen ironischen Brechungen und oft nur kleinen Anspielungen. So hielt der Pfarrer nach der Beerdigung der ersten Frau von Philippe Bertand symbolhaft die Hand kurz in Erwartung einer„Spende“ auf. Der „liebeskranke Prinz“ wurde in kurzer Zeit sichtlich schwächer und schwächer, und musste in einem Krankenrollstuhl zunächst von einer, später sogar von drei Krankenschwestern betreut werden. Es gab viele dieser komischen Momente.

Ein Weihnachtsmärchen soll natürlich auch optisch vieles für die Augen des Publikums bieten. Das Bühnenbild wechselte als Drehbühne konzipiert von dem Haushalt des reichen Monsieur Bertrand nach dem Königspalast. Eine prachtvolle nach zwei Seiten führende golden scheinende Treppe und ein festlicher Kronleuchter enttäuschten das Publikum nicht. Die Umgebung konnte aber auch durch eine von oben herabgelassen Konstruktion zu einem Pferdestall für Cinderella umfunktioniert werden.

Die Kostüme waren fantasievoll und an verschiedene Epochen angelehnt. So gab es neben barocken Hochperücken und Kostümen andere, die etwa beim König (Andreas Ksienzyk) an den Bayern-König Ludwig erinnerten.

Ein großes Kompliment für die tollen vielseitigen Choreografien geht an Joeri Burger (bekannt als Pinocchio aus einem Weihnachtsmärchen vor fünf Jahren). Ob höfische Tänze, moderne Abwandlungen, die rasanten Fechtszenen, alles wurde geboten.

Die Musik zur Handlung gab es passend von Michael Kessler.

Zu erwähnen ist,das von Ann-Kathrin Hinz als traurige Cinderella, die nicht weiß, was alle gegen sie haben, ein Song anrührend live gesungen wurde.

Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Telefon:0231/50 27 222

Weihnachtsmärchen 2018: Cinderella als wildes Mädchen

Am 15. November 2018 feiert das Weihnachtsmärchen der Spielzeit 18/19 seine Premiere: Cinderella. Vielen bekannt durch den Zeichentrickfilm von Walt Disney aus dem Jahre 1950, aber hierzulande kennen es die meisten unter dem Namen „Aschenputtel“ der Gebrüder Grimm. Auch wenn das Märchen uralt und in vielen Gegenden der Welt in der einen oder anderen Variante bekannt ist: Die Basis des Stückes ist die Version von Charles Perrault aus dem Jahre 1697.

Zurück in der alten Heimat. Nach zwei Jahren, in denen das Weihnachtsmärchen des Kinder- und Jugendtheaters (KJT) – wegen der Renovierung des Schauspielhauses – im eigenen Haus aufgeführt werden musste, sind alle Beteiligten froh, wieder zurück zu kommen. „Es war für uns schon sehr anstrengend“, erzählte Andreas Gruhn, der Leiter des KJT, denn das Ensemble musste wegen der geringeren Zuschauerplätze die Stücke häufiger aufführen.

Die Geschichte von Aschenputtel ist hinlänglich bekannt. Neben dem bekannten Märchen der Gebrüder Grimm und dem erwähnten Zeichentrickfilm von Disney gab es noch in den 70er Jahren die tschechische Version „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Hier agiert Aschenbrödel/Cinderella schon etwas selbstbewusster. Auch in der Bearbeitung von Gruhn sind die beiden Hauptfiguren Cinderella und der Prinz moderner gezeichnet. Cinderella ist ein „typisches junges Mädchen“ und der Prinz hat auch mit inneren Konflikten zu kämpfen.

Das Ensemble von "Cinderella". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble von „Cinderella“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Gruhn hat sich bewusst gegen die deutsche, durchaus brutale Version entschieden. Es gibt also keine abgehakten Füße oder ähnliches. Es wird die leichte französische Version aufgeführt mit viel Musik und Choreografien. Die Kleidung lässt auf die Barockzeit (Anfang des 18. Jahrhunderts) schließen. Die Musik orientiert sich an höfischen Tänzen und französischen Volksliedern.

Neun Schauspielerinnen und Schauspieler bevölkern die Bühne, darunter zwei Gäste Talisa Lara, die zwei Jahre lang Ensemblemitglied im KJT war. Hinzu kommt Harald Schwaiger, ehemaliges Ensemblemitglied des Schauspielhauses unter Michael Gruner. Dazu stehen noch drei Statisten auf der Bühne.

Am 13.11.2018 gibt es von 15 bis 18 Uhr eine Lehrerfortbildung mit anschließendem Besuch der Hauptprobe. Die Teilnahme an der Lehrerfortbildung ist kostenlos. Erforderlich ist aber eine Anmeldung an die Theaterpädagogin Erika Schmidt-Sulaimon: eschmidt@theaterdo.de

Von den 23.000 zur Verfügung stehenden Karten sind schon über 19.500 verkauft. Es gibt noch Karten für den:

15.11. um 19 Uhr

02.12. um 15 und 17 Uhr

06.12. um 17 Uhr

11.12. um 15 Uhr

16.12. um 15 und 17 Uhr

18.12. um 17 Uhr

23.12. um 11 Uhr

25.12. um 15 Uhr

16.12. um 11 Uhr