Junger Blick auf 50 Jahre Städtepartnerschaft Dortmund-Leeds
Von Februar bis September 2019 haben in Dortmund und in Leeds jeweils
eine Schülergruppe fotografisch das Bild ihrer Stadt erarbeitet.
Jede Gruppe hat 25 Bilder ausgewählt und an die andere geschickt, so
dass eine identische Ausstellung mit 50 Fotografien im 50. Jahr der
Städtepartnerschaft in beiden Städten zeitgleich gezeigt wird. In
Dortmund werden die Bilder in der „Produzenten-Galerie 42“ vom 4.
– 28. Oktober 2019 gezeigt
In Dortmund sind es
Schüler des Westfalen-Kollegs in Kooperation mit der UZWEI im
Dortmunder U, betreut durch die Fotodesignerin Etta Gerdes und den
Künstler Klaus Pfeiffer. In Leeds besuchen die Schüler das Leeds
City College und werden von Geoff Gillingwater und Titus Carey
betreut. Während der Arbeitsphase wurden Bilder digital
ausgetauscht, bevor es jetzt zur Abschlusspräsentation kommt.
Dieser junge Blick auf ihre Stadt macht die Ausstellung so spannend. Dabei sind sehr viele eindrucksvolle Bilder entstanden. Sie ist der „Bierkutscher“ auf Fotos aus Leeds und Dortmund zu entdecken. Auch der Vergleich der Hafenanlagen beider Städte ist sehr interessant.
Da die Galerie vom Platz her etwas beengt ist, werden alle Fotos auf der UZWEI in einem Screening bis zum 31.12.2019 gezeigt.
Produzenten-Galerie
42
Arneckestraße 42
44139 Dortmund
Öffnungszeiten Do
– Sa 16 – 19 Uhr und So 15 – 18 Uhr.
1. Philharmonische Konzert – Musik aus der neuen Welt
Mit einem Konzert, dessen Schwerpunkt auf „New York“ lag,
begannen die Dortmunder Philharmoniker ihre Spielzeit. Samuel Barber,
Bernd Franke, Leonard Bernstein und Antonín Dvořak
hießen die Komponisten in dem abwechslungsreichen Programm. Gespielt
wurde am 01. und 02. Oktober im Konzerthaus.
Das
„Adagio
for Strings“ wurde 2004
von Hörern der BBC zum „traurigsten klassischen Stück“ gewählt.
Darüber kann man geteilter Meinung sein. Vor allem, nach welchen
Maßstäben misst man das? Jedenfalls wurde es auf Beerdigungen
verschiedener berühmter Persönlichkeiten gespielt und zum Gedenken
an die Opfer der Terroranschläge von 2001. Selbstverständlich
untermalte es besonders traurige Filmsequenzen. Der Nachteil war,
dass Samuel Barber (1910-1981)
auf das eine Stück
reduziert wurde. In der Popmusik würde man von einem
„One-Hit-Wonder“ sprechen, was dem Komponisten aber nicht gerecht
würde.
Der
Schlüssel zur emotionalen Wirkung des Adagios liegt in seiner
harmonischen Spannung. Die brachten die Dortmunder Philharmoniker,
unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz gut zu
Gehör.
Danach
wurde es modern. Bernd Franke (*1959) ist zwar kein Amerikaner, doch
sein Stück „open doors“ für Bandoneon und Orchester wurde von
New York inspiriert. Genauer gesagt von der dortigen U-Bahn. So waren
zunächst Audioaufnahmen von einfahrenden Zügen von der Empore
abgespielt und dann ging die Fahrt los. Musikalische Einsprengsel,
in der Pop-Musik würde man Loops dazu sagen, unterstützen den
Dialog zwischen Bandoneon, gespielt von Per Arne Glorvigen, und dem
Orchester. Das Bandoneon hat wie das Akkordeon den Ruf als reines
Tangoinstrument zu dienen. Glorvigen zeigte in der Komposition, dass
das Instrument zu weiteren Klangfarben fähig sein kann. So spielte
er in einer Zugabe zusammen mit der Cellistin Franziska Batzdorf das
Prélude aus der Cello Suite Nr. 1 von Bach. Aber als
Bandoneonspieler kann man wohl nicht anders, als zweite Zugabe
erklang ein Tango.
Wenn nach einem amerikanischen Komponisten gefragt wird, wird vermutlich nach Gershwin Leonard Bernstein genannt. Aus seinem ersten Musical „On the Town“ wurden drei kleine Stücke gespielt, die das nervöse Stadtleben New York musikalisch untermalten. Wie bei Franke spielt die U-bahn eine wichtige Rolle. Die drei Stücke sind sehr unterschiedlich, vor allem das zweite „Lonely Town“ ist ein langsamer, träumerische Pas de deux, das zärtlich vom Orchester interpretiert wurde.
Nach
der Pause war Antonín Dvořak
an der Reihe: Seine 9. Sinfonie ist eine der am häufigsten
gespielten Sinfonien und wer diese Melodien schon einmal gehört hat,
der weiß, warum. Dvořak
wollte einer Art „amerikanischen Musik“ den Weg weisen und
versuchte, die Musik der negro spirituals und der Indianer in seine
Sinfonie aufzunehmen. Ob ihm das gelungen ist, ist nicht so sicher,
wahrscheinlich steckt auch viel Böhmisches in dem Werk, aber es ist
ihm gelungen, seine Empfindungen der „neuen Welt“ in Musik
umzusetzen. Und manchmal malt Dvořak
auf dem Notenblatt monumentale Landschaftsbilder, die sicher spätere
Filmkomponisten inspiriert haben. Berühmt geworden ist das
Dreiklangs-Hornthema. Es erscheint als Leitmotiv in allen vier
Sätzen. Egal, ob böhmisch oder amerikanisch: Die gesamte Sinfonie
ist ein gelungenes Meisterwerk, das von den Dortmunder Philharmoniker
mit großen Engagement dargebracht wurde.
Der Kampf um einen neuen Vertrag
Schauspieler und Profifußballer haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben
nur befristete Verträge und irgendwann stehen Vertragsverlängerungen
an oder der Trainer resp. Intendant wechselt. Es bleibt die bange
Frage: Was wird aus mir? Werde ich übernommen oder muss ich mir ein
neues Theater oder einen neuen Verein suchen? Tatsächlich steht ja
dem Schauspielhaus Dortmund mit der Spielzeit 20/21 ein Wechsel der
Intendanz bevor. Daher hat die Komödie „Das Reich der Tiere“
durchaus eine aktuelle Komponente. Die Premiere im Schauspielhaus ist
am 05. Oktober 2019 um 19:30 Uhr.
Zum Stück: Fünf
Schauspielerinnen und Schauspieler führen seit sechs Jahren ein
Tier-Musical auf. Als Löwe, Zebra oder Antilope erzählen sie vom
Reich der Tiere. Hier regiert zunächst das Zebra, bis ihm der Löwe
die Herrscherposition streitig macht. Trotz aller Zwistigkeiten: Das
Zebra rettet den Löwen über den Fluss und der Löwe erschlägt das
tödliche Krokodil.
Doch nun soll das
Stück abgesetzt werden und etwas Neues soll her. Unsicherheit macht
sich unter den Fünfen breit. Wer wird übernommen, wer muss gehen?
Niemand weiß etwas genaues über den Nachfolger „Im Garten der
Dinge“ und die neue Regisseurin. Sind eigene Projekte vielleicht
die Rettung?
Im zweiten Akt
verwandelt sich das Stück in eine Boulevardkomödie, denn dem Zebra
ist es gelungen, die Regisseurin in seine Wohnung zu locken, um
Informationen zum neuen Stück zu bekommen. Doch das geht schief.
Der dritte Akt zeigt
Proben zum „Garten der Dinge“ bei der die Schauspielerinnen und
Schauspieler nur Gegenstände wie beispielsweise einen Toaster in
einem surrealen Stück zu spielen haben. Dennoch machen alle wieder
mit.
Regisseur Thorsten
Bihegue dazu: „Das Stück ist eine Analogie zu einer Arbeitswelt,
in der jeder gegen jeden kämpft.“ Es herrschen Neid und Missgunst,
aber die schlechten Arbeitsbedingungen werden letztlich doch
akzeptiert werden. Obwohl das Stück „Der Garten der Dinge“ der
gemeinsame Feind ist.
Schlimm wird es
dadurch, dass die Schauspieler in ihrem Musical komplett in ihren
Kostümen sind. Das heißt, niemand weiß, wer sie in Wirklichkeit
sind und wie sie aussehen. Sie sind als Darstellerproletariat quasi
unsichtbar.
Mit dabei sind zwei
Live-Musiker: Manuel Loos am Schlagzeug und Serge Corteyn an der
Gitarre und Bass. Sie sind quasi die Show-band des Tier-Musicals. Es
spielen Ekkehard Freye, Christian Freund, Frank Genser, Marlena Keil,
Bettina Lieder und Alexandra Sinelnikova.
Was macht den Menschen aus? Sein Kontostand? Sein Status? Was
passiert, wenn plötzlich durch einen Hacker-Angriff sämtliche Daten
gelöscht werden? Im Stück „Identität“ von Sir Gabriel Trafique
wird sich genau diese Frage gestellt. Doch keine Angst. Es wird nicht
ganz Bierernst. Auch (oder vor allem) im Chaos darf gelacht werden.
Die Dortmund-Premiere ist am 05. Oktober 2019 im Theater im Depot.
Nach Stücken, die eine Literaturvorlage haben wie „Die Räuber“, stehen hier wieder selbstgeschriebene Texte im Mittelpunkt. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Eine TV-Produktionsfirma will eine „geile Show“ machen und setzt durch einen Cyberangriff alles außer Kraft. Es gibt keine Banken, keine Identitäten. Dann wird dem Hackerkollektiv der Prozess gemacht. Die vier Schauspieler sind gleichzeitig Ankläger, Zeugen und Täter. Oder ist vielleicht alles nur inszeniert?
Was würde wohl
passieren, wenn durch eine Katastrophe wie einen Hackerangriff oder
ähnliches das gesellschaftliche Leben in ihren Grundfesten
erschüttert würde? Es gäbe sicher wie nach allen Revolutionen
Gewinner und Verlierer. Welche Utopien können sich durchsetzen oder
werden Dystopien zur Wirklichkeit. Gibt es die Möglichkeit eines
Neuanfangs? Die besucher können sich auf 110 interessante Minuten
freuen.
Mit dabei sind: Dominik Hertrich, Anna Marienfeld, Mirka Ritter und Kevin Wilke. Die Videos stammen von Alexander Huegel, Text und Regie hat Björn Gabriel übernommen.
Die Termine sind 05.
Oktober2019 (20 Uhr), 06. Oktober 2019 (18 Uhr) und 16. November (20
Uhr).
Reminiszenz an das Original Jürgen von Manger
Am Sonntag, dem 29.09.2019 wurden im Dortmunder Theater im Depot mit
einem Tegtmeier-Abend unter dem Motto „Dat is vielleicht ein
Dingen“ (Idee von Schauspieler Carsten Bülow & Sven Söhnchen),
viele Erinnerungen an den vor 25 Jahren verstorbenen Schauspieler,
Kabarettisten und Komiker Jürgen von Manger (*6. März 1923 in
Ehrenbreitstein, gestorben 15. März 1994 in Herne) wach gerufen.
Neben Bülow war die Nichte von Jürgen von Manger, Monika von Manger
mit von der Partie.
Die in den 1960iger
Jahren beliebt gewordene Kultfigur des Ruhrgebiets-Kleinbürgers
Kumpel „Adolf Tegtmeier“ (von Jürgen von Manger kreiert) ,
machte den vielseitigen Schauspieler über Bühnenauftritte,
Fernsehen, Radio und Schallplatten in weiten Kreisen bekannt. Uwe
Lyko („Herbert Knebel“), Didi Hallervorden und viele andere sind
von ihm beeinflusst. Mit seinem bewusst abgebrochenen Sätzen,
speziellen Gedankengänge und der eingebauten gehobene
„Popanz-Sprache“ machten die Besonderheit der Figur aus Seine
Kappe reichte als Wiedererkennung, und ansonsten arbeitete von Manger
viel mit Gestik und Mimik.
Den großen Applaus vom Publikum verdienten sich Carsten Bülow und Monika von Manger bei ihrer Hommage an Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier.
Den Duktus von
Tegtmeier hatte Carsten Bülow sehr gut drauf, obwohl der eher
schlaksige Schauspieler äußerlich sonst eher weniger Ähnlichkeit
mit Tegtmeier hat. Eine ganz persönliche Note bekam der Abend durch
die Beteiligte Monika von Manger. Sie verriet im Gespräch mit Bülow
kleine privaten Geschichten von ihrem berühmten Onkel. So erfuhr das
Publikum etwa, dass dieser mittlere von drei Brüdern „Jü“
genannt wurde. Sein Lebensweg wurde mit eingeblendeten Fotos
dokumentiert, und auch die halbseitige Gesichtslähmung, seine
Werbetätigkeit etwa für die Sparkasse, und der Schlaganfall (1985)
wurden angesprochen.
Monika von Manger
fungiert als Schirmherrin des jährlichen Wettbewerbs „Tegtmeiers
Erben“ in Herne. Als Überraschung spielte sie an diesem Abend noch
in dem Sketch „Der gestohlene Schlüssel“ als die bestohlene
Staatsanwältin mit.
Im Fernsehen war von
Manger mit der Reihe „Tegtmeiers Reisen“ (1972–1980)
erfolgreich. Mit Ironie Witz und Hintergrundinformation unterhielt
(auch mit Co-Moderator Professor Tegtmeier)
Das Publikum konnte
mit Carsten Bülow als Adolf Tegtmeier die Tücken und besonderen
Erlebnisse einer „Mallorca-Reise“ von Tegtmeier mit seinem
Arbeitskollegen miterleben.
Jürgen von Manger
war neben seinen Schauspielerfahrung in Bochum oder Gelsenkirchen
auch an der deutschen Oper am Rhein als „Frosch“ in der Operette
„Die Fledermaus“ tätig.
In den Jahren 1981
bis 1983 gab es 14 Folgen von „Tegtmeier klärt auf“ mit „Enkelin
Roswitha“.
Auf das Ruhrgebiet zugeschnitten, dem er bis zu seinem Lebensende treu verbunden blieb, textete er bekannte Schlager um. So sorgte Bülow auch gesanglich mit „Dat bisken Frühschicht (1978)“, frei nach „Da bisschen Haushalt „ (Johanna von Koczian), „Bottroper Bier“ nach „Griechischer Wein (Udo Jürgens) oder mit der Ruhrpott-Persiflage auf „Die kleine Kneipe“ (Peter Alexander).
Beeindruckend, wie
lebendig Carsten Bülow das Publikum mit der recht langen „Rede an
den Gesangverein Lyra 07 (Schönheit ist heilbar)“ unterhielt.
Ein unterhaltsamer
Abend mit einem liebevollen Blick voller Respekt auf dieses Original.
Wer den
Tegtmeier-Abend live erleben möchte, hat am 20.10.2019 um 20:00 Uhr
im Theater im Depot (Immermannstr. 29, 44147 Dortmund) noch
Gelegenheit dazu.
Offene Nordstadtateliers – Auf der Reise durch die Kunst
Nein, alle Ateliers zu besuchen, das wäre auch etwas zu viel. Trotz der zwei Tage, an denen die Ateliers Nordstadt ihre Tore öffneten. Daher schon einmal eine kleine Entschuldigung bei denen, die ich nicht besucht habe. Das Wetter spielte leider auch nicht wirklich mit. Dennoch haben wir, denke ich sehr viel unterschiedliche und spannende Einblicke bekommen.
Am 28. und 29.
September fanden also die Offenen Nordstadtateliers statt und ars
tremonia war unterwegs, um die Kreativität des Viertels zu erleben.
War ich am Samstag noch alleine, begleitete mich am Sonntag unsere
Kollegin Anja Cord.
Samstag bei den
offenen Nordstadtateliers
Am Samstag fing ich
im Osten der Nordstadt an. Mein erstes Ziel war das Atelierhaus
Westfalenhütte von Brigitte Bailer. Sie stellte in ihren Räumen
hauptsächlich eigene Kunst aus verschiedenen Zyklen aus. Danach ging
es zum Atelier von Almut Rybarsch-Tarry. Ihre fantasievollen
Skulpturen und Plastiken sind ein Hingucker.
Im Atelier 103 hat der Künstler Davoud Sarfaraz seine Ausstellung. Hierüber haben wir von ars tremonia bereits berichtet.
Kurz darauf warf ich einen Blick in das Atelierhaus Alter Kiosk, in dem verschiedene Künstlerinnen und Künstler ihre Räume haben. Hier arbeiten Kostümdesigner, Grafiker und Maler an ihren Werken. Nicht weit davon entfernt hatte Dieter Meese sein Institut für praktische Irrelevanz. Daneben befanden sich Arbeiten von Kirsten Bergmann, die ihre Holzskulpturen zum Thema „Wut“ ausstellte. Die Künstlerin bearbeitet das Holz mit Kettensäge und Beitel, sodass Figuren mit einer ganz eigenen Individualität entstehen.
Dann führte mich
der Weg in die Nordstadtgalerie an der Bornstrasse. Hier haben
sich Studierende der FH einquartiert, die ein ganz witziges
„Kunstprojekt“ entwickelten. Wer Sperrmüll fand, konnte sie mit
einer Karte zur Kunst erklären. Damit sollte auf das Müllproblem in
der Nordstadt aufmerksam gemacht werden.
Der Kunstraum im Langen August beherbergt aktuell eine Ausstellung mit Arbeiten von Brigitte Bailer. Auch hier haben wir im Vorfeld berichtet.
Die Lortzingstrasse
hat sich ebenfalls zu einem künstlerischen Hotspot entwickelt. Das Atelier 1 an der Nummer 26 beherbergt drei junge Künstler mit
ihren Arbeiten, während ein Haus weiter, Dietrich Lacker sein
Atelier hat. Lacker macht im wahrsten Sinne des Wortes
Kunst-Werk-Zeug und haucht den Werkzeugen ein neues Leben als
Tanzpaar oder Segelboot ein.
Eines der „Wut-Skulpturen“ von Kirsten Bergmann.
Brigitte Bailer zeigte ihre Kunst aus verschiedenen Zyklen.
Bunt und fantasievoll sind die meisten Arbeiten von Almut Rybarsch-Tarry.
Im Atelierhaus Alter Kiosk ist diese wildromantische Ecke zu entdecken.
Aus Sperrmüll mach Kunst: Die Aktion der Nordstadtgalerie soll auf die Problematik der wilden Müllkippen aufmerksam machen.
Sonntag bei den
offenen Nordstadtateliers
Der Sonntag begann mit einer Fahrt nach Lindenhorst. Hier im Atelier Werkstattarbeit haben Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen die Möglichkeit, sich ihrer Kunst zu widmen. Wichtig ist auch, dass es einen regelmäßigen Kontakt mit anderen Künstlerinnen und Künstlern gibt, sodass spannende gemeinsame Projekte entstehen.
Danach führte uns der Weg ins Depot. Hier sitzen viele unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler, die auch die Möglichkeit haben, in der Galerie eine Ausstellung zu machen. Momentan zeigt dort noch Michael Jaspert seine Arbeiten. Daneben konnten wir eine Vielzahl an Künstlerinnen und Künstlern entdecken. An dem 10. Oktober 2019 zeigen die Künstlerinnen und Künstler des BBK Ruhrgebietes ihre Werke in einer Gemeinschaftsausstellung.
Nach dem Depot ging
es in den Hafen. Das 3rd Floor Studio und das Atelier Amore
sind beide in der Speicherstraße 100. Sie präsentieren neue und
frische Kunst von jungen aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern
in einer ungewöhnlichen, aber aufregenden Location.
Einen ähnlichen Charme hat der Projektspeicher an der Speicherstraße 33. Hier haben die Organisatoren verschiedene Künstler eingeladen, damit sie hier sie ihre Kunst ausstellen können. Auch hier ist der Charme des nahen Hafens präsent.
Dann ging es weiter in die Scharnhorststraße in den Rekorder II. Hier hatten WAM-Studierende der Fachrichtung Illustration die Gelegenheit, ihre Kunst zur Schau zu stellen. Zu sehen waren neben Malerei auch Skulpturen. Ein paar Meter weiter hatte die Künstlerin Ingrid Rigot ihre Türen geöffnet und als kleine Überraschung ihre Schwester Reinhild Rigot-Dégardin aus Saarbrücken mitgebracht. Zu sehen waren Aquarelle, Gouachen und Pastelle. Etwas weiter unten befand sich Müllers Kabinett, das dem Fotografen Hendrik Müller gehörte. Er zeigte eine Fotoserie, die er in Lauscha gemacht hatte, und den Verfall der Stadt zeigt. Von ehemals 10.000 Einwohnern sind nur noch 3.500 übrig geblieben. Die Bilder könnten gut aus einem apokalyptischen Film stammen. Daneben konnte man „Fluchtbilder“ von sich machen lassen. Schöne Idee!
Den Abschluss machten wir in der Galerie der kunstbetrieb, die Arbeiten von verschiedenen Dortmunder Künstlerinnen und Künstlern zeigt und besuchten das Atelier von Anke Droste.
Es waren zwei sehr spannende und aufregende Touren, die uns gezeigt haben, wie abwechslungsreich doch Kunst in Dortmund vertreten ist. Uns hat die Reise von junger Kunst, die noch ihren Weg sucht, über erfahrende Künstler, von den unterschiedlichen Genres bis zu verschiedensten Orten in der Nordstadt geführt.
Unter dem Motto „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ kamen die
Freunde der Operette am 28.09.2019 in der Oper Dortmund auf ihre
Kosten.
Die Bühne strahlte
mit einem festlichen Kronleuchter, eine größere barocke
Putten-Figur stand je im Hintergrund der Bühne und an der Seite im
vorderen Bereich. Zwei überdimensionale künstliche Rosen fanden
später ihren Einsatz zum Lied „Schenkt man sich Rosen in Tirol“
(Carl Zeller1842–1898) aus „Der Vogelhändler“.
Die Dortmunder
Philharmoniker im hinteren Bühnenbereich bewies wieder einmal, dass
sie in allen Genre zuhause ist und zeigte erneut ihr Können. Mit
Christoph JK Müller und Sebastian Engel zwei Dirigenten wechselten
sich an diesen Abend ab. Mit Temperament, Einfühlungsvermögen und
Humor übernahmen sie die musikalische Leitung.
Durch den Abend
führte galant und informativ der Opernintendant Heribert
Germeshausen. So erfuhr das Publikum auch etwas über die Ursprünge
des Genre Operette (Singspiel) als eigenständige Kunstform um 1848
in Paris entstand ( Beispiel: Jacques Offenbach). Die weiteren
Hotspots der Operette waren Wien und Berlin, die
bürgerlich-volkstümlich geprägt waren. Man spricht von der
„Goldenen Operettenära“ (z.B. Johannn Strauss jun.), dieser
Zeitabschnitt der Wiener Operette etwa von 1860 bis 1900, und der
Silbernen Operettenära z.B. Franz Lehár
(1900-1940). Viele Beispiel aus diesen Zeitabschnitten konnte
das Publikum hören.
Die südkoreanische
Sopranistin Anna Sohn begeistert zur Zeit ja schon als „Madama
Butterfly“. Die filigrane Sängerin überzeugte auch hier mit ihrer
starken Stimme und Sensibilität und einer Portion Humor bei „Schenkt
man sich Rosen in Tirol“. Schwierigkeiten mit den Partien auch über
mehrere Oktaven hatte auch die Koloratursopranistin Elena Fink nicht.
Ihr komödiantisches Talent konnte sie vor allem mit ihrem Kollegen,
dem Österreicher Fritz Steinbacher ausleben. Der ist für die
humorvoll-komödiantischen Rollen wie prädestiniert.
Der in Dortmund
aufgewachsene Tenor Mirko Roschkowski bewies seine enormen Stimmkraft
schon bei seinem ersten Auftritt mit „Freunde, das Leben ist
lebenswert“ (aus Franz Lehárs
„Giuditta“) und dann berührend mit dem „Wolgalied des
Zarewitsch“ („Der
Zarewitsch“). Man
darf sich auf seine weiteren Auftritte, etwa als Masaniello in der
Oper „Die Stumme von Portici“ freuen.
Sein
komödiantische Ader zeigte sich bei einer humorvollen Version von
„Lippen schweigen“ (Lustige Witwe) zusammen mit dem Opernchor
Theater Dortmund (Leitung: Fabio Mancini). Tatkräftig
und humorvoll unterstützte der Chor die Solisten während
des Abends.
Einen
Ausblick auf die Premiere
von „Im weißen Rössl“ (Ralph Benatzky 1884-1957, Arr. Matthias
Grimminger) in einer
Fassung, die auf einer
Version aus dem Jahr 1930
beruht, brachte einen
kleinen Vorgeschmack auf die Premiere am 18.01.2020. Im Gegensatz zu
den üblichen
Inszenierungen, die sich
auf die (eher biederen) Version aus dem Jahr 1950 Bezug nehmen, wird
diese Inszenierung in Teilen frivoler und die
Musik jazzige Elemente
enthalten. Das verriet Grimminger in einem kleinen Gespräch mit
Germeshausen.
Am
Sonntag, den 13.10.2019 und am 17.05.2020 ist noch Gelegenheit, diese
Gala zu erleben.
Wie
Intendant Heribert Germeshausen verriet, gibt es nur noch wenige
Karten für diese Aufführungen.
Informationen
erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de
oder Tel.: 0231/ 50 27 222
Mit Space-Jazz in die Umlaufbahn
Einen ungewöhnlichen Abend erlebten die Besucher beim Konzert von
„About Aphrodite“ im domicil am 27. September 2019. Eine Mixtur
aus Jazz, Elektronik, Ambient und Techno, Grooves und Loops erfüllte
den ehrwürdigen Jazzclub. „About Aphrodite“ sind Gilda Razani
(Theremin/Sopransaxophon/Elektronische Instrumente), Hans Wanning
(Piano/Synthesizer/Elektronische Instrumente) und Jaime Moraga
Vasquez (Percussion/Drums). Unterstützung holten sie sich beim
Streichquartett der Duisburger Philharmoniker: Teruko Habu (Violine),
Peter Bonk (Violine), Kasumi Matsuyama (Viola), Friedmann Dreßler
(Violoncello).
Die Musiker
verteilten sich nicht auf der Bühne, sondern spielten mitten im
Publikum. Das wiederum saß drum herum. So wurde die Band Teil des
Publikums und umgekehrt.
Die Musik von „About
Aphrodite“ ist schwer zu beschrieben, denn sie widersetzt sich
jeglichen versuchen, in eine Schublade zu passen. Es sind starke
Jazzelemente zu hören, daneben forderte die elektronische Musik wie
Techno oder Ambient ihr Recht und Schlagzeuger Vasquez pumpte
ordentliche Grooves in den Saal, wenn er nicht gerade den Sound durch
verschiedenste Percussioninstrumente unterstützte.
Es war ein Sound,
der Landschaftsbilder entstehen lässt oder vielleicht auch für das
schwerelose Schweben im All beim Passieren von Jupiter geschrieben
wurden. Titel wie „Seclude“, „Reflector“ oder „Artificial
Unintelligence“ erschaffen den Soundtrack für den eigenen Film
beim Besucher.
Es war eine gute
Idee der Band, den überwiegend elektronischen Sound mit dem analogen
Klang der Streichinstrumente zu kombinieren. Daraus ergab sich eine
weitere Öffnung des Klangbildes.
Der überwiegende
Teil des Programms bestand aus Songs, die für das kommende Album
geplant sind. Das Stück „Syria“ von der CD „Memebran
Music-Polaris“ hatte dagegen fast schon einen klassischen Charakter
und wirkte durch das Spiel von Wanning wie aus der Spätromantik
entlehnt. Wanning war in der Band, die ja viel mit Improvisation
arbeitet, so etwas wie der Taktgeber, der zu den einzelnen Teilen
überleitete. Deneben sorgt er mit seinem Synthesizerspiel für das
solide Fundament, auf dem die Reise in ferne (oder nahe) Welten
losgehen kann.
Gilda Razani,
manchen bekannt als Saxophonistin der „Geierabend“-Band, spielte
neben Saxophon auch ihr Theremin und „The flute“ von Soma
laboratories. „The flute“ ist ein interessantes Instrument, das
die menschliche Stimme so moduliert, dass sich spannende Klangeffekte
ergeben. Zusammen mit dem Theremin, aus dem Razani auch wunderbare
Melodiestimmen zauberte, fungierte sie quasi als Sängerin, die aber
keinen Ton sang.
Mit einer Zugabe
ging das spannende Konzert zu Ende. Man kann sich auf die kommende CD
nur freuen.
Verrückt nach Liebe
Intensives Solostück mit Sandra Schmitz im Fletch Bizzel
Diese Frau hat einiges durchgemacht. Paula Spencer war schon mit zwölf für alle die Schlampe. Jetzt ist sie 39, fünffache Mutter, vom Leben gezeichnet durch die Übergriffe des Vaters, abgestumpfte Lehrer, verrohte Mitschüler, ein Prügel-Opfer der verkorksten Verhältnisse und ihres brutalen Ehemanns Charlo. Paula ist „Die Frau, die gegen Türen rannte“, ihre Geschichte ist ausführlich nachzulesen in einem Roman des irischen Booker-Preisträgers Roddy Doyle. Der brisante Stoff wurde von Oliver Reese für die Bühne bearbeitet, der packende Monolog wurde seitdem von zahlreichen Bühnen sehr erfolgreich nachgespielt. Ab dem 4. Oktober ist das Stück in Dortmund im Theater Fletch Bizzel zu sehen. In einer Inszenierung von Hans-Peter Krüger spielt Sandra Schmitz die Paula Spencer als innerlich zerrissene Frau, die dennoch nie aufgibt und sich am Ende als bärenstarke Kämpferin in Stellung bringt.
Auf
verstörende Weise ist Paula fasziniert, von dem Mann, der sie grün
und blau prügelt. Im Krankenhaus erklärt sie ihre Verletzungen
stets damit, sie sei gegen eine Tür gelaufen. Nun ist Charlo tot,
ein Opfer seiner kriminellen Seitensprünge, und seine Witwe beginnt
zu sprechen. Auf der Probe geht es mitunter
laut zu, weil DJ Joey Porner das dramatische Geschehen mit Pop-Songs
von den Rubettes bis Rammstein mit einem musikalischen Soundteppich
unterlegt, den er je nach der Situation durch verschiedene Effekte
verfremdet. Dabei agiert er mit seinen Geräten live auf offener
Bühne und ist auf diese Weise ein sprachloser und doch nicht stummer
Dialogpartner von Paula Spencer. Zwischendurch wird er deshalb von
ihr auch schon mal angeschnauzt, muss Requisiten anreichen und dient
ihr so des Öfteren als kongenialer Punching-Ball. „Ich habe nicht
geheiratet, um meinem Vater eins auszuwischen. Und ich war auch nicht
schwanger. Es war Liebe“ , schreit Paula im Stück, „wir liebten
uns. Ich war verrückt nach ihm, er war verrückt nach mir!“ Und
der Sound korrespondiert mit diesem Wutausbruch, indem er der Frau
auf irritierende Weise einen Loop des Rubettes-Hits „Sugar baby
love“ immer wieder auf die Ohren knallt. So wird das
Geschehen eben nicht nur untermalt, sondern geradezu kommentiert,
wodurch, so die Idee des Regisseurs, eine zweite spannende
Erzähl-Ebene entsteht.
Der
Text ist pures Schauspielerfutter, er lotet alle emotionalen Höhen
und Tiefen einer Frau wie Paula Spencer aus, einer Alkoholikerin, die
inmitten der Trümmer ihres Lebens aufbegehrt und sich verrückt nach
Liebe ihre Qual von der schwer verletzten Seele redet.
Name: Sophie Scholl – Wir sind selbst unser Gegner!
In dem Solostück „Name: Sophie Scholl“ beleuchtet Regisseurin
Annette Müller die Folgen des immer Stärker werdenden
Leistungsdrucks in der Gesellschaft. Was ist die Protagonisten bereit
dafür zu tun, und hat ihre berühmte Namensvetterin vielleicht doch
einen Einfluss auf ihre Entscheidung? Die Premiere des Stückes
findet am 26. September 2019 um 19 Uhr im intimen Raum des Sckelly
statt.
Annette Müller
präsentiert uns eine Sophie Scholl, die durch die ständigen
Vergleiche mit der historischen Sophie Scholl ziemlich neurotisch
geworden ist. Zumal sie nur durch die erneute Heirat ihrer Mutter dem
Namen trägt. „Das werde ich sowieso nicht erreichen“, ist ihre
Konsequenz aus den ständigen Vergleichen.
In dem Stück hat
Sophie (Ann-Kathrin Hinz) ein Problem: Sie muss als Zeugin aussagen.
Was sie aussagt, hat Konsequenzen. Entweder wird eine Unschuldige
wegen Betruges verurteilt oder der wahre Täter wird ihre Karriere
als angehende Juristin zerstören. Eine schwere Entscheidung, denn
der Preis der Wahrheit ist hoch. Hier verknüpft sich wieder die
Frage, vor der auch die historische Sophie Scholl stand: Schweigen
oder Reden.
Natürlich sind die
Konsequenzen, die die historische Sophie Scholz zu spüren bekam,
nicht annähernd so gravierend wie der modernen. Dennoch mussten sich
beide den Fragen nach Loyalität und Korrumpierbarkeit stellen. Wie
weit bin ich bereit zu gehen und wann ist die rote Linie
überschritten. Kam der Druck in der NS-Zeit noch von außen, sind
wir in unserer heutigen Zeit selbst der Gegner. Wenn du scheiterst,
ist es deine eigene Schuld. Selbstoptimierung ist die neue Religion
geworden.
Regisseurin Annette
Müller ist gelernte Schauspielerin und hat lange in Wiesbaden und
Marburg gearbeitet. In den letzten Jahren inszenierte sie
Tanztheater, wodurch auch diese Inszenierung sehr körperlich sein
wird. So wird Ann-Kathrin Hinz sehr aktiv agieren. Für Müller ist
dies Stück ein „ästhetischer Geschichtsunterricht“.
Auf der Bühne
werden „beschriebene Wände“ zu sehen sein, da die historische
Sophie Scholl an die „Macht des Wortes glaubte, denn sie war sehr
gebildet und belesen“, so Annette Müller. Ebenso wird die Musik
uns in die Zeit der historischen Sophie Scholl zurückführen.