Streichergruppe im Mittelpunkt des 3. Kammerkonzerts

Eine Gruppe von sechs Streicher*innen der Dortmunder Philharmoniker lud am 27.01.2020 unter dem Motto „Wiener Nächte“ zum 3. Kammerkonzert in das Orchesterzentrum NRW.

Mit dabei waren Joowon Park und Oleguer Beltran Pallarés an der Violine, Hindenburg Leka und Mingwan Kim an der Viola sowie Franziska Batzdorf und Andrei Simion am Violoncello.

Die auf dem Programm stehenden „Verklärte Nacht“ op. 4 von Arnold Schönberg (1874 – 1951) und nach der Pause das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert (1797 – 1928) boten den Musiker*innen viel Gelegenheit, dem Publikum ihr virtuoses Können und das Facettenreichtum ihrer Streichinstrumente zu Gehör zu bringen.

Die Streicher standen beim 3. Kammerkonzert im Mittelpunkt. (Foto: © katermikesch auf Pixabay)
Die Streicher standen beim 3. Kammerkonzert im Mittelpunkt. (Foto: © katermikesch auf Pixabay)

Der eigentlich als „Erfinder“ der Zwölftontechnik bekannte Arnold Schönberg war jedoch auch von der Romantik, speziell von Richard Strauss und Gustav Mahler beeinflusst. Inspiriert von einem Gedicht von Richard Dehmel (1863 – 1920) entstand seine „Verklärte Nacht“ für Streichsextett. Es beschreibt einen Spaziergang eines paares im Mondschein. Die Frau ist von einem fremden Mann schwanger, ihr Partner steht jedoch zu ihr und dem Kind. Die ganze Dramatik und die Gefühlsschwankungen spiegeln sich in dem einsätzigen Musikwerk wieder. Es besteht aus fünf pausenlos ineinander übergehenden Teilen, die den wechselnden Stimmungen der Gedichtstrophen folgen. Mal dramatisch aufwühlend, dann wieder ruhiger und voll heiterer Hoffnung.

Das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert nach der Pause, bot in seinen fünf Sätzen ebenfalls einige dramatische Stimmungswechsel sowie abrupte Modulationen und Themen, die oft wie Überleitungen wirkten. Tonarten werden von Schubert in neue Zusammenhänge gestellt.

Ungewöhnlich der Einsatz eines zweiten Violoncello anstelle einer zweiten Bratsche (Viola). So wurde Schuberts Musikwerk ohne Mingwan Kim (Viola) gespielt.

Es ist immer wieder interessant und spannend, die Musiker*innen der Dortmunder Philharmoniker in kleineren Zusammenhängen mit ihrem speziellen Instrumenten erleben zu dürfen.




Wiener Abend beim Philharmonischen Konzert

Im Städteprogramm des Konzerthauses entführten die Dortmunder Philharmoniker im 4. Philharmonisches Konzert ihr Publikum nach Wien. Aus dem vielfältigen Repertoire der mit Wien verbundenen Komponisten fiel die Wahl auf Werke von Johann Strauß (Sohn), Joseph Haydn und Johannes Brahms. Ars tremonia besuchte das Philharmonische Konzert am 22. Januar 2020.

Naheliegend für Musik der Donaumetropole eröffneten die Musiker den Abend mit den „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Johann Strauß (Sohn). Der Konzertwalzer, bestehend aus fünf Walzerstücken, nahm das Publikum mit in das vom Tanzen beseelte Wien des 19. Jahrhunderts. Verstärkt wurde diese fröhlich, beschwingte, zeitweilig melancholische Stimmung durch das überzeugende Zithersolo von Wolfgang Hubert.

Für das Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur Hob. VIIb:1 von Joseph Haydn verkleinerte sich das Ensemble auf 26 Musiker. Als Solistin des teilweise Barock angelegten Konzertes brillierte die junge niederländische Cellistin Harriet Krijgh.

Die 29-jährige Musikerin ist eine der vielversprechendsten jungen Cellistinnen der Gegenwart. Sie spielte auf einem Violoncello von Giovanni Paolo Maggini aus dem Jahre 1620, das ihr von einem privaten Sammler zur Verfügung gestellt wird.

Zeigte ihr Können beim Konzert für Violoncello und Orchester in C-Dur von Haydn: Harriet Krijgh (Foto: © Marco Borggreve)
Zeigte ihr Können beim Konzert für Violoncello und Orchester in C-Dur von Haydn: Harriet Krijgh (Foto: © Marco Borggreve)

Die einleitende Melodie des ersten Satzes spielte das Orchester mit großer Klarheit, bevor Harriet Krijgh die Melodie aufnimmt. Alle drei Sätze des Werkes kennzeichnete der stetige Wechsel zwischen Soli und Tutti. Die Übergänge gelangen hier fließend. Die schnellen und hoch gespielten Läufe besonders im 2. Satz stellten höchste Ansprüche an die Virtuosität der Solistin, die sie brillant meisterte. Nach anhaltendem Applaus des begeisterten Publikum spielte sie am Mittwoch als Zugabe eine Sarabande von Bach.

Das Klavierquartett g-moll op. 25 von Brahms spielte das Orchester, hier wieder in voller Besetzung, nach einer Orchesterfassung von Arnold Schönberg. Dem wuchtigen Hauptthema des ersten Satzes, folgte ein sanfter, träumerischer zweiter Satz, getragen von Flöten und Oboenklängen. Nach einem etwas getragenen dritten Satz, der zwischenzeitlich durch donnernde Paukenschläge und einem marschähnlichen Rhythmus etwas martialisch daher kam, folgte ein rasanter vierter Satz. Das wild wirbelnde Rondo alla Zingarese verlangte den Musikern und auch dem Dirigenten höchste Aufmerksamkeit und Präzision ab. Das „Presto“ gespielte Stück war ein leidenschaftliches Bekenntnis Johannes Brahms’ zu seiner Begeisterung für ungarische Zigeunermusik und den Cardaskapellen. Durch die hohe Kennerschaft des Werkes von Brahms ist es Schönberg gelungen, aus einem Kammermusikstück ein berauschendes und doch in Teilen auch zartes Orchesterwerk zu schaffen.

Mit Bravour meisterte Dirigent Motonori Kobayashi die Herausforderung seine Musiker durch die so unterschiedlich gearteten Kompositionen zu führen. Im 5. Philharmonischen Konzert am 11. und 12. Februar 2020, geben die Philharmoniker die Messa da Requiem von Guiseppe Verdi.




Musikalisch schwungvoller Start in das Jahr 2020

Traditionell luden die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor wieder mit einer Nachmittags- und einer Abendvorstellung zu einem festlichen Neujahrskonzert. In diesem Jahr erstmals als Kooperation in das Dortmunder Konzerthaus. Dies ist ja auch ihr eigentlicher „Heimatort“. Ars tremonia war beim Abendkonzert mit dabei.

Mit einem orchestrales Feuerwerk ging es schwungvoll mit der brillanten Musik von George Gershwin, Maurice Ravel und Leonard Bernstein in das neue Jahrzehnt. Die Komponisten sind auf die eine oder andere Weise miteinander künstlerisch durchaus verbunden. Spuren davon führen vom Kaleidoskop Amerika über Frankreich (Europa) und wieder zurück.

Temperamentvoll, karibisch anmutend ging es mit der „Cuban Overture“(1932) von George Gershwin sofort sehr dynamisch los.

Nicht nur die Dortmunder Philharmoniker , auch ars tremonia wünscht ein frohes neues Jahr 2020. (Foto: © Samkh/pixabay)
Nicht nur die Dortmunder Philharmoniker , auch ars tremonia wünscht ein frohes neues Jahr 2020. (Foto: © Samkh/pixabay)

Für die 1924 entstandene bekannte „Rhapsody in Blue“ (George Gershwin) konnte die in Frankreich lebende „junge Wilde“ Pianistin Lise de la Salle (*1988) gewonnen werden. Sie konnte im feinen Zusammenspiel mit der Dortmunder Philharmoniker ihr ganzes Können zeigen. Die Herausforderung der rasanten Passagen meisterte sie mit musikalischen Virtuosität, während die ruhigeren Abschnitt von ihr gefühlvoll vermittelt wurden.

Die hiesigen Philharmoniker unter der temperamentvollen Leitung von Gabriel Feltz gelang es dann, die entfesselnde Energie der „Rhapsody Espagnole“ (1908) von Maurice Ravel für das Publikum spürbar zu machen.

Ein Höhepunkt des Konzerts war sicherlich der legendäre „Boléro“ von Ravel(1928). Das fast meditative musikalische Grundthema, nur ab und zu variiert, entfaltete seine grandiose Wirkung. Begleitet von der „kleinen Trommel“, spielen zunächst verschiedene einzelne Blasinstrumente das musikalische Thema, wobei das Tempo stetig aber langsam erhöht wird. Später kommt die Streicherfraktion hinzu, bis das Ganze in einem fulminantem Showdown des gesamten Orchesters gipfelt.

Es zeigt sich hier besonders, wie wichtig das exakte Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente ist.

Das könnte man erfolgreich auf das gesellschaftliche Zusammenleben übertragen. Mehr ist im Zusammenspiel und -halt zu erreichen!

Zum Abschluss stand dann noch Leonard Bernsteins „Ouvertüre zu „Candide“ (1956) als schwungvolle Ergänzung auf dem Programm.

Diese verquere Ouvertüre mit seien wechselnden Taktarten und übereinanderliegenden Metren war ein anspruchsvolles musikalisches Stück, dass den Beteiligten noch einmal alles abverlangte.




Klangvokal – Weihnachtskonzert mit barockem Flair

Mit einem Weihnachtskonzert am 22. Dezember 2019 um 17 Uhr im Reinoldisaal unter dem Titel „Von Engeln und Hirten“ präsentierte das Festival Klangvokal nochmals seine Kompetenz in Sachen Alte Musik. Tenor Daniel Behle, zur Zeit aktiv im Dortmunder „Lohengrin“, sang zusammen mit der Berliner Lautten Compagney von Wolfgang Katschner Weihnachtslieder aus verschiedenen Ländern.

Bei diesen Weihnachtsliedern waren keine bekannten „Mitsinglieder“ dabei wie „Oh du fröhliche“, sondern traditionelle Weisen aus Spanien, Frankreich oder England, deren Tradition teilweise bis in die Barockzeit zurückreicht. So stammt „Lieb Nachtigall wach auf“ aus dem Jahre 1670 und das französische „Entre le bœuf et l’âne gris“ („Zwischen Ochs und grauem Esel“) stammt aus dem 18. Jahrhundert, ebenso wie „Adeste fidelis“. Kamen die Weihnachtslieder vor der Pause eher aus dem spanischsprachigen Raum, ging es nach der Pause mit deutschen und englischen Liedern weiter.

Daniel Behle (in der Mittel) und Ensemblemitglieder der Lautten Compagney Berlin brachten weihnachtliche Stimmung in den Reinoldisaal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Daniel Behle (in der Mittel) und Ensemblemitglieder der Lautten Compagney Berlin brachten weihnachtliche Stimmung in den Reinoldisaal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Zwischen den gesungenen Liedern spielte die Lautten Compagney kleine Stücke aus der Renaissance- und Barockzeit. Von Michael Praetorius (1571-1621) über Andrea Falconierei (1585-1656) bis hin zu Henry Purcell (1659-1695) reichte das Programm an diesem Nachmittag.

Alle Beteiligten hatten sichtlich viel Spaß an dem Konzert. Daniel Behle führte auch durch das Konzert und erklärte, worum es in diesen Liedern ging. Die Musiker der Lautten Compagney waren ebenso engagiert bei der Sache. Einen Sonderapplaus bekam Percussionist Peter Bauer bei seinem Maultrommel-Solo.

Für Freundinnen und Freude alter Musik wird das Festival Klangvokal auch im kommenden Jahr 2020 wieder einige Highlights bieten.




Akustisch-visuelle Reise in das unendliche Universum

Im Dortmunder Konzerthaus fand im Rahmen des 1. Konzert für junge Leute „Poetry Slam Concert: Endlich Unendlich“ ein akustisch sowie visuelles Fest der Sinne statt. Beteiligt waren mehrere Akteure. Zunächst einmal die starke Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung vom 1. Kapellmeister Motonori Kobayashi, die den musikalischen Hintergrund boten.

Die Sopranistin Angela Davis sorgte mit ihrer klaren Stimme einfühlsam bei Antonin Dvořáks „Russalka- Das Lied an den Mond“ zusätzlich für Unterstützung.

Moderiert wurde das Konzert wieder einmal von Sebastian23 (Poetry Slam). Ein hochkarätige Poetry Slam Gruppe mit Bas Böttcher, David Friedrich und Jule Weber bereicherten die eindrucksvolle Musik mit witzigen, nachdenklichen, kritischen und gereimten Texten, passend zur jeweiligen Musik.

Als besonderer visueller Genuss verband Live Painter Artur Fast (wie schon beim Peer Gynt Konzert für junge Leute) die Inhalte mit feinen Variationen computerunterstützte Live-Zeichnungen, die auf eine Leinwand im Hintergrund projiziert wurden. Diese wurden den je nach Musik oder Text sensibel verändert.

Motonori Kobayashi führte mit den Dortmunder Philharmonikern durch das musikalische Programm. (Foto: © Anke Sundermeier)
Motonori Kobayashi führte mit den Dortmunder Philharmonikern durch das musikalische Programm. (Foto: © Anke Sundermeier)

Los ging es mit Richard Strauss hymnischen „Also sprach Zarathustra Op.30“. Nun wurde das Publikum musikalisch in das Weltall katapultiert. Als erste begegnete man natürlich dem Mond mit „Das Lied an den Mond“ (Antonin Dvořák) und einem feinsinnigen Poetry-Slam Text.

Nach „Spiegel im Spiegel“ (Arvo Pärt) ging die Reise mit Gustav Holst ( Die Planeten – Jupiter) zum größten Planeten des Sonnensystems (fünfter Planet von der Sonne aus gesehen), der im vorgetragenen Text wie auch optisch auf der Leinwand eine eindringliche Wirkung entfaltete.

Als Höhepunkt wurde das zumeist junge Publikum in die unendliche Welten von Star Wars geführt. Live wirkt die Musik von John Williams noch imposanter.

In vier Abschnitten wurde der Bogen vom berühmten Hauptthema (Main Title), über „Princess Leia‘s Theme“, über „The Imperial March (Darth Vader‘s Theme)“ bis zum „Throne Room & End Title“ gespannt.

Während der erfahrene Bas Böttcher sich der ambivalenten Person des Darth Vader in seinem Text zuwandte, berührte David Friedrich zuvor mit seinem Text über seine kleine Nichte Leia (nach der Star Wars-Prinzessin benannt), die er als Hoffnungsträgerin in unserer Zeit mit all seinen Brandherden bezeichnet.

Es trifft sich gut, dass gerade jetzt der neu „Star Wars“-Film anläuft und sich schon eine große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Auf alle Fälle hatten das junge (oder auch nicht mehr so junge) Publikum ein großes Crossover Konzerterlebnis. Hoffentlich wirkt es für das spätere Leben gerade der jüngeren Menschen nach.




Ausflug in die deutsche Romantik beim 3. Philharmonischen Konzert

Am 10. und 11. Dezember 2019 entführten uns die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von John Nelson in die Stadt Leipzig. Klar, dass Richard Wagner ein Heimspiel hat. Doch auch der Rheinländer Robert Schuhmann und der Hamburger Johannes Brahms haben Beziehungen in die sächsische Stadt. Eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind alle Komponisten der Romantik.

Der Beginn machte der „Hausherr“ Wagner. Seine Ouvertüre zu „Rienzi“ klang überhaupt nicht nach seinen Spätwerken wie beispielsweise der „Ring“. Und doch gibt es einzelne Elemente – wie die Doppelschläge bei den Streichern – die unter anderem beim „Tannhäuser“ wiederkehren. Ansonsten ist es eine in der „alten Operntradition“ verhaftete Komposition. Was aber nichts Schlechtes heißen soll, im Gegenteil. Die Dortmunder Symphoniker spielten diesen Part mit virtuosem Flair.

Danach folge die 4. Sinfonie von Robert Schuhmann. Ein besonderes Werk, denn alle Sätze gehen ineinander über. Das heißt, es gibt kein großes Atemholen, weder für das Publikum, noch für die Musiker. Auch diese Aufgabe bewältigten die Dortmunder Philharmoniker mit Bravour. Komponiert hatte Schuhmann die Sinfonie bereits 1841, veröffentlicht aber erst 1851. Das Stück ist reich an musikalischen Einfällen und Melodien, die in einem Beziehungsgeflecht zueinander stehen und so die Sinfonie zusammenhalten. Noch kommt in dieser Musik die Traurigkeit Schuhmanns nicht ganz zum Tragen, schließlich beendete er die Komposition zum Geburtstag seiner Frau Clara.

Benedetto Lupo zeigte eine tolle Leistung beim 1. Klavierkonzert von Brahms. (Foto: © Musacchio & Ianniello)
Benedetto Lupo zeigte eine tolle Leistung beim 1. Klavierkonzert von Brahms. (Foto: © Musacchio & Ianniello)

Nach der Pause kam die Zeit des Pianisten Benedetto Lupo. Seine kraftvolle Interpretation vom 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms war sicherlich der Höhepunkt des Philharmonischen Konzertes. Besonders beeindruckend war das gute Zusammenspiel sowohl vom Solisten als auch vom Orchester. Von Brahms zu Schuhmann gibt es natürlich eine Verbindung: Clara. Brahms hatte tiefe emotionale Bindungen sowohl zu Robert als auch zu seiner Frau Clara entwickelt. Die durchaus widersprüchlichen Gefühle, die Brahms für Clara empfand, hinterließen eine unerbittliche Spur.

Der erste Satz ist von gewaltigen Ausmaßen. Jeder Zuhörer hat für sich wohl Stellen, die ihm persönlich am besten gefallen. Der unerwartet ruhige Auftritt des Solisten, die Bearbeitung der thematischen Ideen oder das Hornsolo am Ende des Satzes. Das D-Dur-Adagio besticht durch seine meditative Ruhe. Zwischendurch gibt es wunderbare Akzente für das Orchester – beim Einsatz der Holzblasinstrumente oder bei Brahms‘ überraschendem Einsatz der Pauken in den letzten Momenten des zweiten Satzes. Das Finale hat eine schroffe, ja beinahe barocke Dynamik. Gegen Ende beschert uns der Komponist zwei Kadenzen, durch die Brahms den Satz in Richtung Dur steuert und das Konzert zu seinem feurigen Ende kommt.




Abwechslungsreicher Hörnerklang beim 2. Kammerkonzert

Die Kammerkonzerte der Dortmunder Philharmoniker sind immer eine gelungene Möglichkeit, die verschiedenen Instrumentengruppen kennenzulernen. Am 02. Dezember 2019 standen die Hörner im Mittelpunkt des 2. Kammerkonzertes dieser Spielzeit. Das Instrument von sich im Laufe der Zeit entwickelt: Vom Jagdhorn über das Naturhorn bis hin zum modernen Ventilhorn mit seinen Varianten wie der Wagner-Tuba. Die acht Musikerinnen und Musiker präsentierten eine große Bandbreite des Instrumentes.

Zu Beginn hörten wir die „Sonate pian e forte“ des venezianischen Komponisten Giovanni Gabrieli (1557-1612). Er stand zwischen Renaissance und Barock und galt als avantgardistisch. Der Komponist verknüpft die Tradition der Vokalpolyphonie und die venezianische Mehrchörigkeit zu einem bewegenden Klangbild, das die Hornisten in zwei Vierergruppen eindrucksvoll wiedergeben.

Im 2. Kammerkonzert präsentierte die Horngruppe einen sehr abwechslungsreichen Klang ihres Instrumentes. Image by <a href="https://pixabay.com/users/AlLes-2597842/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=2878648">Alexander Lesnitsky</a> from <a href="https://pixabay.com/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=2878648">Pixabay</a>
Im 2. Kammerkonzert präsentierte die Horngruppe einen sehr abwechslungsreichen Klang ihres Instrumentes. (Foto: © Alexander Lesnitsky from Pixabay)

Der Sprung danach führte zu Paul Hindemith (1895-1963). Gespielt wurden zwei Sätze aus der „Sonate für vier Hörner“. Zu Beginn erklang ein ruhiges Fugato, gefolgt von einem lebhaften Satz mit häufigen Taktwechseln. Anspruchsvoll, aber souverän gespielt von der Horngruppe.

Zurück in die Zeit Mozarts brachte der „Grand Sextuor op. 10“ von Louis-François Dauprat (1781-1868), der auch Professor für Horn am Conservatoire de Paris war. Daher erforschte Dauprat neue Ausdrucksregister und Klangfacetten des Instrumentes. Einiges war davon im „Großen Sextett“ zu hören. Von leisen melancholischen Klängen im „Adagio“ bis zu wilden Klängen im „Finale“ – alles war dabei.

Vor der Pause ging es nach Russland oder besser in die Sowjetunion. Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) schrieb mit dem „Walzer Nr.2“ ein Stück für die Ewigkeit. Den Walzer von Hörnern geblasen zu bekommen, war sicherlich eine neue Erfahrung für viele Besucher.

Nach der Pause kam die geballte Kraft der Romantik. Erst ein paar Tage vorher spielten die Hornisten zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen die Oper „Lohengrin“. Die „Lohengrin-Fantasie“ von Richard Wagner (1813-1883) brachte ein „Best-of“ der schönsten Melodien aus „Lohengrin“. Bei Wagner ist Anton Bruckner (1824-1896) nicht weit weg. Sein kurzes „Andante in Des-Dur“ gehört eigentlich zu einem von drei Chorälen. Sehr besinnlich war auch die Musik. Danach gab es wieder ein „Best of“, diesmal erklangen M+-elodien aus „Carmen“ von Georges Bizet (1828-1875).

Insgesamt war es ein schönes Konzert, das den Zuhörern die Horngruppe der Dortmunder Philharmoniker nahebrachte. An den Instrumenten wareN Monika Lorenzen, Shukuko Okamoto-Farges, Gregor Fas, Ferenc Pal, Arnd Schmitt, Florian Winkelmann, Yukako Golebiowski und Jan Golebiowski.




PeterLicht mit poetischem Programm im Schauspielhaus

Poetisch, melancholisch, ironisch, subversiv, kreativ; Vokabeln, die die Show des Künstlers PeterLicht nur annähernd beschreiben. Gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten Benedikt Fillebröck zelebrierte er ein Gesamtkunstwerk auf der Basis seines letzten Albums „Wenn wir alle anders sind“. Das Titelbild des Covers diente im Schauspielhaus auch als Bühnenbild. Es zeigte eine abstrahierte Stadtlandschaft, mit angedeuteten Hochhäusern und fraktalen Strukturen. In grellen Farben führt eine Autobahn durch die rechte Bildhälfte und zwischen allem schweben blaue Quallen sanft durch das Motiv.

Zum Einstieg startete PeterLicht etwas schwermütig mit „Die Nacht“ und besang danach „Das absolute Glück“, in dem der allerletzte Mensch mit den Füßen über den Rand der Erde baumelnd ein Glücksgefühl erlebt. Der Song stammt vom Album „Lieder vom Ende des Kapitalismus“.

Der Musiker spielt mit den Genres, legt sich nicht fest. PeterLicht wechselt von Elektro-Pop, zu Bossa Nova, über Reggae zur chilligen Fahrstuhlmusik. Die Texte erinnern in kurzen Passagen an die Nonsenssongs von Helge Schneider.

PeterLicht (Foto) gab ein Konzert mit dem Multiinstrumentalisten Benedikt Fillebröck. (Foto: Christian Knieps)
PeterLicht (Foto) gab ein Konzert mit dem Multiinstrumentalisten Benedikt Fillebröck. (Foto: Christian Knieps)

Dann wird die Rhythmusmaschine angeworfen und mit piepsiger Mickeymouse-Stimme, durch Autotune verfremdet, erklingt das „Umentscheidungslied“. Es könnte ein Ausdruck der Variationsbreite der menschlichen Natur sein. „Du hast dich vertätowiert, Ich habe mich verfönt, Sie hat sich veroperiert, Er hat sich vertippt.“ So viele Entscheidungsmöglichkeiten, man muss sich umentscheiden, um dennoch vielleicht wieder einen Fehler zu begehen. Dazu tanzt er in einer groß gepunkteten Jogginghose mit einem Burberrykäppi auf dem Kopf in ekstatischen Verrenkungen. Das Publikum kann sich vor Lachen kaum halten.

Mit einem Stapel kopierter Zettel quetschte sich PeterLicht durch die Stuhlreihen und verteilte den Liedtext „Die Emotionale“, zu singen auf die Melodie „Die Internationale“. Der Text ist ein Aufruf zum letzten Widerstand, witzig und trotzig zugleich. Das Publikum singt aus voller Kehle zum Beispiel: „Ungerechte und Gerechte! Es ist nicht auszuhalten! Haltet aus! Es geht nicht immer gradeaus, im Kreisverkehr geht es immer rund!“ Ein Volltreffer ist auch sein erster Hit „Sonnendeck“. Er spielt ihn schneller und druckvoller als das Original und kommt damit gut an.

Das begeisterte Publikum applaudierte nach dem 90 Minütigen Programm ausgiebig, bis das gut eingespielte Duo Licht und Fillebröck noch vier Lieder als Zugabe brachte.




The Silly Siblings werfen die Zeitmaschine an

Die Theaterband „The Silly Siblings“
entführte das Publikum im Fletch Bizzel in die 20er und 30er Jahre
des letzten Jahrhunderts. Unter dem Titel “Wermut, Schwermut und
Chansons“ warfen die Mitglieder der Kulturbrigaden einen
liebevollen, aber auch sehr kritischen Blick auf die ereignisreiche
und politisch brisante Zeit zwischen zwei Weltkriegen.

Die
zeitliche Einordnung der Revue lieferte zu Beginn ein Journalist. An
seiner Schreibmaschine sitzend hämmerte er eine Reportage über die
letzten Tage des ersten Weltkrieges in die Tasten. Eine Stimme aus
dem OFF lässt das Publikum an dem zu schreibenden Text teilhaben.
Der Kaiser dankt ab und geht ins Exil, der Krieg endet am 9. November
1918. Dies ist der Ausgangspunkt für die Erzählung des Abends, die
am Ende den nächsten Krieg am Horizont aufflackern sieht.

Kraftvoll und kämpferisch gesungen das Arbeiterlied „Brüder zur Sonne zur Freiheit“, frivol „die fesche Lola“ von Marlene Dietrich, verbittert ein Lied der Mütter, die ihre Söhne nicht im Krieg verheizen lassen wollten. Wunderbar zart und sehnsuchtsvoll rezitierte Anna Marienfeld Kurt Schwitters Gedicht „An Anna Blume“. Einzelne Gassenhauer wie „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“, fehlten nicht. In der dazugehörigen Szene wurde neben der schwarzen Kohle zugleich auch weißes Pulver mitgeliefert. Große Lacher erzeugte eine Schwarzmarktszene in der der Händler sich nach Art des Schlemils aus der Sesamstraße an potenzielle Käufer heranmachte.

Entführten die Zuschauer in die wilden Zwanziger und Dreißiger: The Silly Siblings (v.l.n.r.) Christiane Wilke, Anna Marienfeld, Rada Radojcic, Dixon Ra und Lennart Rybica. (Foto: © Anja Cord)
Entführten die Zuschauer in die wilden Zwanziger und Dreißiger: The Silly Siblings (v.l.n.r.) Christiane Wilke, Anna Marienfeld, Rada Radojcic, Dixon Ra und Lennart Rybica. (Foto: © Anja Cord)

Überzeugend schlüpften Regisseurin Rada Radojcic, Anna Marienfeld und Christiane Wilke in die Rollen der unterschiedlichsten Protagonisten. Schriftsteller, Arbeiter, Unternehmer, Hure, Tänzerin, Mutter oder Schwarzhändler. Stimmlich sehr überzeugend interpretierten sie die unterschiedlichsten Musikstücke mal ironisch, witzig oder auch mit großer Verve. Perfekt unterstützt durch die Musiker Dixon Ra & Lennart Rybica an Schlagzeug und Keyboard entrollten die Schauspielerinnen ein rauschhaftes Bild von Schmerz, Trauer, Lebensfreude, Liebe und Absinth- und Drogenexzessen. Geschickt sind die Übergänge und Kostümwechsel der einzelnen Szenen miteinander verwoben.

Die
Zuschauer honorierten die Darsteller immer wieder mit Szenenapplaus
und nach der Vorführung mit Standing Ovations.

Wer
sich auch in diese faszinierende Zeit entführen lassen möchte, kann
dies das nächste Mal am
31. Dezember
um 21
Uhr zur
Silvester-Sondervorstellung im
Theater im
Depot machen. Weitere Termine sind am 31.01.2020 um 20 Uhr und am
22.02.2020 um 20 Uhr (im Fletch Bizzel).




Gemeinsam Beethovens Neunte erarbeiten

Seit dieser Saison startet das neue Projekt des Konzerthauses
Dortmund: Die BE:Community. In Workshops und bei Veranstaltungen soll
gemeinsam musiziert werden. Der Kickoff war am 23. November 2019 im
Studio B der Stadt- und Landesbibliothek mit dem Berliner
Stegreif.orchester.

Mit diesem Projekt
wird Beethovens 9. Sinfonie mit ihrer Botschaft für Frieden und
Brüderlichkeit in neuem Zusammenhang auf die Konzerthaus-Bühne
gebracht: Das Berliner Stegreif.orchester erarbeitet in den nächsten
sechs Monaten gemeinsam mit Dortmunder Bürgerinnen und Bürgern eine
eigene Komposition, die Beethovens Vision in Beziehung zu anderen,
auch in unserer Stadt gepflegten Musiktraditionen und -sprachen
setzt. Das junge Ensemble ist bekannt dafür, dass es stets ohne
Dirigenten auftritt, sich frei im Konzertsaal bewegt, auswendig
spielt und genreübergreifend improvisiert. So wird auch die
gemeinsame Aufführung mit allen Projektteilnehmern am 14. Mai 2020
im Konzerthaus Dortmund ein spannendes Konzertexperiment, das
Beethovens berühmte Neunte zu neuem Leben erweckt.

Der Leiter des Community Music Bereichs,Matthew Robinson (1.v.l.), Community Composer Pete Moser (4.v.l.) und das stegreif.orchester beim Kickoff.
Der Leiter des Community Music Bereichs,Matthew Robinson (1.v.l.), Community Composer Pete Moser (4.v.l.) und das stegreif.orchester beim Kickoff.

Teil des
BE:Community-Orchesters kann jeder werden, der ein Instrument spielt
oder bereits Erfahrungen als Sänger gesammelt hat. Ars tremonia war
beim Kickoff dabei. Hier wurden den Besuchern nicht nur spielerisch
verschiedene Rhythmen aus Beethovens Neunten beigebracht, sondern es
wurde auch gemeinsam gesungen und Singspiele veranstaltet. Den
Teilnehmern hat es sichtlich Spaß gemacht und so bleibt zu hoffen,
dass die Freude beim Mitmachen weiterhin groß bleibt.

Mit der Community
Music möchte der Intendant des Konzerthauses, Dr. Raphael von
Hoensbroech, Barrieren abbauen. Denn er hat erkannt, dass „die
Menschen aus der Brückstraße nicht ins Konzerthaus gehen und die
anderen gehen nicht in die Brückstraße“. „Musik überwindet
Grenzen“, so die Hoffnung des Intendanten.

Die weiteren Termine
der BE:Community sind:

14.12.2019 12-18 Uhr

15.12.2019 10-14 Uhr
jeweils im Orchesterzentrum NRW

28.03.2020 10-18 Uhr

29.03.2020 10-14 Uhr
im Konzerthaus Dortmund

12.05.2020 17-20 Uhr

13.05.2020 17-20 Uhr
Proben im Konzerthaus Dortmund

14.05.2020 13-19 Uhr
Proben im Konzerthaus Dortmund

14.05.2020 20 Uhr
BE:Community Konzert im Konzerthaus Dortmund

Zusätzliche
wöchentliche Workshops im Konzerthaus Dortmund finden ab dem 30.11.
2019 jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr statt.

Weitere Infos unter
www.konzerthaus-dortmund.de/communitymusic