Micro!Festival mit Blick in die Welt

Wenn die Sommerferien sich dem Ende entgegen neigen, dann ist es
wieder Zeit für das Micro!Festival. Vom 23. bis zum 25. August steht
der Friedensplatz im Zeichen von Straßentheater und Weltmusik. Die
26. Ausgabe präsentiert wieder internationale Künstler aus 13
Nationen sowie ein multikulturelles Programm mit Souvenirständen und
internationale Küche.

Dortmund als Zentrum
für Weltmusik

Musikalisch können
sich die Weltmusik-Fans wieder auf eine interessante Auswahl freuen.
Einer der Finalisten des Global Music Contest „creole“ ist beim
Micro!Festival mit dabei: Das Kioomars Musayyebi Quartett, das
besonders durch die Verknüpfung von Musikstilen unterschiedlichster

Alles bereit für das Micro!Festival 2019: (v.l.n.r.) Claudia Kokoschka (Leiterin Kulturbüro), Annika Bender (Praktikantin), Sophia Schmidt (Praktikantin), Katrin gellermann (Festivalleitung) und Ilka Seuken (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
Alles bereit für das Micro!Festival 2019: (v.l.n.r.) Claudia Kokoschka (Leiterin Kulturbüro), Annika Bender (Praktikantin), Sophia Schmidt (Praktikantin), Katrin gellermann (Festivalleitung) und Ilka Seuken (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Kulturen überrascht.
Weitere musikalische Highlights sind die vier Berliner Jungs von „Il
Civetto“ sowie extreme Frauenpower aus St.Petersburg mit Iva Nova.
Kraftvoll und mit neapolitanischem Temperament singt die italienische
Sängerin Flo Cangiano auf dem Micro!Festival 2019.

Straßentheater im
aktuellen Bezügen

Die diesjährigen
Straßentheater-Künstler des Micro!Festivals beschäftigen sich vor
allem mit den existenziellen Problemen der Menschheit: Peter Trabner
(bekannt u.a. aus dem Tatort Dresden) verknüpft in einem
temporeichen und absurden Sprechtheater die Themen Artenvielfalt,
Ressourcen-Verbrauch, Plastikflut, Vermüllung und die
Selbstzerstörung der Menschheit. Und auch die zwölf jungen Menschen
vom AlarmTheater fragen nicht nur danach, wofür es sich lohnt zu
kämpfen, sondern auch, wie dieser Kampf aussehen kann. Darüber
hinaus präsentieren sich beim Micro!Festival 2019 etliche clowneske
Unterhalter sowie Akrobatikkünstler: „La Trócola Circ“ aus
Spanien, „Sitting Duck“ aus Belgien und Natalie Reckert, die
deutsche Handstandartistin, die während ihrer Performance humorvolle
Einblicke in das Leben einer Artistin und die unglaubliche
Belastbarkeit des Körpers gibt.

Kinderprogramm beim
Micro!Festival

Am extra für sie
reservierten Sonntag startet die Kinderband Lauschelieder auf eine
kurzweilige musikalische Reise, und die Kinderkulturkarawane entführt
mit der Nablus Circus School in ein

Land der
Kreativität. Beim Kinderschminken zaubert der PIDO Club außerdem
bunte Highlights in die Gesichter.

Weitere Informationen und das Programmheft als PDF sind zu finden unter www.microfestival.dortmund.de und erhältlich bei DortmundTourismus sowie an vielen öffentlichen Stellen. Auf der Facebook-Seite und dem Instagram-Account (kulturbuero.dortmund) des Festivals bekommt man außerdem bereits einen kleinen Vorgeschmack auf einige der Festival-Acts.




Große Pläne für die Pop School der Musikschule Dortmund

Zusammen mit dem neuen Leiter der Pop School, Martin Peitz, und
kompetenten Lehrkräften geht die Musikschule Dortmund nach der
Sommerpause engagiert daran, ihr Angebot weiter auszubauen und
Zukunft orientierte Akzente zu setzten.

Zur Förderung der Popkultur in Dortmund wurde 2009 eine Kooperation der Musikschule, dem Jugendamt und Kulturbüro unserer Stadt ins Leben gerufen. Seitdem finden vor allem in den Räumen des Fritz-Henßler-Hauses Instrumental- und Gesangsunterricht sowie diverse Workshops oder Konzerte statt. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit soll auch weiterhin, so Volker Gerland, der Leiter der Musikschule Dortmund, weiter fortgesetzt werden.

Nun geht man aber
noch einen Schritt weiter. In der Dortmunder Nordstadt hat man sich
in der Braunschweiger Straße ein Hausobjekt ausgeguckt, wo Kinder,
Jugendliche, Studenten und andere unter optimalen Bedingungen eine
professionelle, musikalische und pädagogische Betreuung erhalten
können. Sie sollen nicht nur ein Instrument lernen, sondern auch
sofort Band-Erfahrungen machen. Alle Kräfte sollen gebündelt
werden, und die Unterrichtskonzepte für Pop, Rock, Jazz,
Singer/Songwriter, World Music, elektronische Musik, Hip Hop,
Einbeziehung neuer Medien zusammengefasst, erweitert und
perspektivisch modernisiert werden. Dort soll ein „House of Popular
Music“ entstehen, das die jungen Menschen anzieht und beste
Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

„Im Moment gibt es
noch Diskussionen wegen Brandschutz oder etwa dem Schallschutz“,
verriet Gerland. Er hofft, noch im Jahr 2020 dort starten zu können.

Vielleicht gibt es neben der "Hamburger Schule" bald auch eine "Dortmunder Schule", was den Pop- und Rockbereich angeht. Dafür wollen der Leiter der Pop-School Martin Peitz (an den Drums) und der Leiter der Musikschule Volker Gerland arbeiten.
Vielleicht gibt es neben der „Hamburger Schule“ bald auch eine „Dortmunder Schule“, was den Pop- und Rockbereich angeht. Dafür wollen der Leiter der Pop-School Martin Peitz (an den Drums) und der Leiter der Musikschule Volker Gerland arbeiten.

Peitz bringt praktische Banderfahrungen an der E-Gitarre sowie als Musikpädagoge und Musik-Manager mit. Seine Dozenten, wie zum Beispiel ein Mitglied der Band von Sasha, bringen genug professionelles Know-how mit. Einen Eindruck von dem modernen Angebot gibt das neue Programm der Pop School Workshops, die ab dem 28.09.2019 im Fritz-Henßler-Haus.

Am Samstag, den
28.09.2019 geht es um 11:00 Uhr mit REMIX.ruhr (Dozent: Peter
Musebrink) los. Hier können den Tonspuren eines bekannten Musikers
mit einem Remix ein neues Gesicht gegeben werden. Teilnahmegebühr: 5

Am 18.10.2019 geht
es ab 18:00 Uhr um „Musik mit iPad und iPhone“ (Dozent:
Horst Rapp) Teilnahmegebühr: 5 €

Am Dienstag, den
22.10.2019 steht um 18:00 Uhr „Beatbox Basics“ (Dozent:
Kevin O‘ Neal) auf dem Programm. Beatboxing ist Kunst, mit dem Mund
Schlagzeug- und andere Percussions-Instrumente nur mit Hilfe eines
Mikrofons zu imitieren. Teilnahmegebühr. 5 €

Am Freitag, den
25.10.2019 um 18:00 Uhr oder Samstag, 26.10.2019 um 11.00 Uhr geht es
dann um „Akustisches Selfie“ . (Dozent Peter Musebrink).

Der erste Schritt
für die Ausbildung Pop School Advanced und Pop School Reduced Class
ist allerdings eine Aufnahmeprüfung mit zwei Song entweder mit
anwesender Begleitband oder Solo vor einer Prüfungskommission aus
Dozenten der Pop School. Es ist egal, ob es sich bei den Songs um
Pop, Rock, Jazzstandards, Singer/Songwriter oder auch Heavy Metal
handelt. Im Anschluss wird über die Aufnahme des Prüflings
entschieden. Anmeldeschluss: 30.10.2019

Termine für die
Aufnahmeprüfungen: 25. /26. 11.2019 Ausbildungsbeginn: 06.01.2010.
(Preis: pop School Advanced mit Aufnahmeprüfung und
Abschlusszeugnis: 161 €

Die Pop School
Basics kosten zwischen 37,00 € und 93,00 € und die Pop School
Reduced Class und die Pop School Masterclass 91,00 €.

Anmeldeformulare
gibt es bei der Musikschule oder auch auch online auf deren
Internetseite.

Beratung und weitere
Informationen erhalten sie unter:

Martin Peitz Tel.
(0231) 50-2 59 34 oder E-Mail: mpeitz@stadtdo.de

sowie Musikschule
Dortmund, Steinstr. 35 44147 D

Tel. (0231) 50- 2 77
12 oder musikschule@dortmund.de




Abschieds-Sinfonie von Gustav Mahler zum Spielzeitende

Wie schon im vergangenem Jahr beendeten die Dortmunder Philharmoniker
unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz die
Spielzeit 2018/2019 mit einem großen Werk eines bedeutenden
Komponisten.

Auf dem Programm mit
dem Titel „Ewige Heimkehr“ stand die 9. Sinfonie D-Dur von Gustav
Mahler (1860-1911). Eine musikalisch wegweisende Sinfonie von großer
emotionaler Kraft. Das Werk ist streng genommen eigentlich keine
Sinfonie in D-Dur, denn im vierten und letzten Satz findet ein
Wechsel nach Des-Dur und somit eine bewusste musikalische
Abwärtsbewegung zum Ende hin statt.

Abschied spielt
allen vier Sätzen eine entscheidende Rolle

Das Besondere dieser
9. und letzten vollendeten Sinfonie ist aber die parallelen Krisen im
Privatleben des Komponisten und die gesellschaftlichen Umbrüche
wenige Jahre vor dem drohenden Ersten Weltkrieg (1914 -1918). In
seinem persönlichen Schicksalsjahr 1907 verstarb Mahlers Tochter
Maria Anna mit nur vier Jahren an einer
Scharlach-Diphterie-Erkrankung und seine Ehe ging nach und nach in
die Brüche. Als ein Arzt bei dem Komponisten auch noch einen
schweren Herzklappenfehler diagnostiziert wird klar, dass ihm nicht
mehr viel Lebens- und Schaffenszeit bleibt. Hin und her gerissen
zwischen Depression und Phasen voll Lebenshunger und Freude,
komponierte er rastlos.

In seiner 9.
Sinfonie spiegelt sich der wehmütige Blick auf eine vergangene
Epoche und das Wissen um die Endlichkeit einerseits, und das
musikalische, fast trotzige Aufbäumen auf der anderen Seite.
Entgegen der Tradition sind bei dieser Sinfonie der Anfang und
Endsatz langsam angesetzt, während die beiden Mittelsätze im
schnellen Tempo komponiert. Mahler verfolgt auch hier sein Motto, mit
allen vorhandenen technischen Mitteln musikalische eine Welt
aufzubauen.

Gabriel Feltz dirigierte die Dortmunder Philharmoniker gewohnt energiegeladen durch Mahlers 9. Sinfonie. (Foto: © Anneliese Schürer)
Gabriel Feltz dirigierte die Dortmunder Philharmoniker gewohnt energiegeladen durch Mahlers 9. Sinfonie. (Foto: © Anneliese Schürer)

Schon der erste Satz
lebt von seinen krassen dynamischen Gegensätzen. Nach einem leisen
Anfang fast aus dem Nichts, kommt es nach einer längeren
Piano-Passage gleich zweimal zu einem großen und wütenden
Orchester-Ausbruch. Die kurzen Passagen mit Abbrüchen und
Dissonanzen, dem Auf-und Ab, sind Sinnbildhaft für den sehnsüchtigen
Blick auf das bisherige Leben und Natur und das verzweifelte
Aufbäumen gegen dessen Vergänglichkeit und dem Ende.

Lebendige
Mittelsätze

Es folgen zwei
furiose und lebendige Mittelsätze, wobei der zweite Satz als ein
Tanzsatz „Im Tempo eines gemächlichen Ländlers“ zunächst
unbeschwert konzipiert wurde. Besonders die zweite Geige strahlte
behagliche Gemütlichkeit aus, um dann mit einem zweiten wilderen
Tanz in den dritten Satz über zu leiten, bei der zu Beginn die Oboe
für idyllische Gelassenheit sorgt. Doch nur für kurze Zeit, um sich
dann allmählich furioser und doppelbödiger zu entwickeln. Der
dritte Satz folgt als eine trotzige Rondo-Burleske, um in rasant
wechselnden Besetzungen voran zu preschen. Nach einem nur vorläufigen
elegischem Mittelteil kehrt die Musik zu einer beinah grimmigen und
verbissenen Rekapitulation des Anfangs zurück.

4. Satz –
Sehnsuchtsvoller Rückblick

Der vierte Satz ist
ein sehnsuchtsvoller Rückblick durch eine elegische weit gestreckte
Melodie der Streicher eingeführt. Mit dem Wechsel zu Des-Dur findet
nicht nur eine Stimmungsänderung mit der Halbton-Vertiefung im
Gegensatz zum Anfang statt, sondern auch eine bemerkenswerte
musikalische Abwärtsbewegung. Üblicherweise findet in der
Musikgeschichte am Ende einer Sinfonie eine Aufhellung statt. Doch
bei Mahler stirbt die Musik nach einem letzten Tutti-Ausbruch ganz
langsam wie das Leben.

Die Dortmunder
Philharmoniker meisterte die große Herausforderung dieser Sinfonie
zusammen mit ihrem Dirigenten mit Bravur und viel Sensibilität und
Temperament.

Abschied nehmen hieß
es auch von dem langjährigen ersten Bratschisten Roman Nowicki als
wichtigen Bestandteil der hiesigen Philharmoniker.




Spanisches Flair bei der Operngala oder ein Abend mit Andrea Shin

Die erste Spielzeit von Heribert Germeshausen als Opernintendant neigt sich dem Ende entgegen und wie könnte man es besser feiern als mit einer Operngala? Am 30. Juni 2019 entführte uns die Oper Dortmund unter dem Titel Granada@Dortmund nach Spanien. Die Dortmunder Philharmoniker, Irina Simmes, Anna Sohn, Hyona Kim und Mandla Mndebele sowie der Gasttenor Andrea Shin (sang den „Calaf“ in Turandot) präsentierten einen bunten Strauß bekannter Opernmelodien.

Das Programm hatte
zwei Schwerpunkte. Vor der Pause drehte sich fast alles um Georges
Bizet und danach um Guiseppe Verdi. Ein Franzose und ein Italiener,
die uns zumindest in ihren Opern Spanien näherbrachten. Ein wenig
Schade ist es schon, dass es kein spanischer Komponist auf die Liste
geschafft hat. Schließlich hatten die Spanier mit ihrer „Zarzuela“
eine eigene Opernkultur. Auch das titel gebende, bekannte Stück
„Granada“ von Agustín Lara stammt nicht von einem Spanier, denn
Lara stammte aus Mexiko.

Den Beginn machte –
natürlich – Carmen. Die glückliche Verbindung eines französischen
Komponisten mit der ewig jungen Geschichte um eine Dreiecksbeziehung
einer Frau zu zwei Männern. Die tragisch endet. Mandla Mndebele
überzeugte bei „Votre toast“ als Stierkämpfer mit solch einer
imposanten Wucht, das jeder Stier vor Angst gleich im Stall bleiben
würde. Sehr emotional sang Andrea Shin wie Blumenarie. Hier geht es
um Liebe auf den ersten Blick, aber man ahnt schon, das geht nicht
gut aus.

Nicht in Spanien,
sondern in Rom spielt Donizettis „Don Pasquale“. Anna Sohn sang
die Arie der opera buffa „Quel guardo il cavaliere“ mit kokettem
Habitus. Frech und frivol wurde es bei Lehárs „Meine Lippen, sie
küssen so heiß“, gesungen von Irina Simmes. Kaum wegzudenken aus
einer Operngala ist das „Blumenduett“ aus der Oper Lakmé von Léo
Delibes. Hier sangen Anna Sohn und Hyona Kim gemeinsam.

Für den Endspurt vor der Pause waren zwei Franzosen zuständig: Bizet und Camille Saint-Säens. Kim sang die Arie „Mon cœur s‘ouvre à ta voix“ dramatisch betont. Wer das diesjährige Festival Klangvokal begleitet hat, konnte sich auf das Duett „Au fond du temple saint“ aus „Les pécheurs de perles“ (Die Perlenfischer) freuen, denn die Oper von Bizet wurde im Konzerthaus konzertant aufgeführt. Mit Andrea Shin und Mandla Mndebele sangen zwei Könner dieses Duett.

Andrea Shin (im Vordergrund) als Calaf in der Oper "Turandot". (Foto: © Björn Hickmann)
Andrea Shin (im Vordergrund) als Calaf in der Oper „Turandot“. (Foto: © Björn Hickmann)

Nach der Pause wurde
es Zeit für Verdi. Nach der Ouvertüre aus „Les vépres
siciliennes“ sang Shin den absoluten Klassiker „La donna è
mobile“ aus Rigoletto, gefolgt vom Quartett „Bella figlia
dell’amore“ mit Unterstützung von Mndebele, Sohn und Kim. Mit „È
strano…Sempere libera“ aus „La traviata“, gesungen von Shin
und Simmes“ ging es zum titel gebenden Stück „Granada“ des
mexikanischen Komponisten Agustín Lara.

Die Zugabe begann
mit dem Gassenhauer „O sole mio“, der aus keiner Oper stammt,
sondern 1898 von Eduardo Di Capua komponiert wurde. Shin sang sogar
in der zweiten Strophe den deutschen Text. Den Abschluss machten alle
Sängerinnen und Sänger gemeinsam mit dem Brindisi „Libiamo
ne’ lieti caliciaus „La Traviata“.

So ging die
Operngala „Granada“ zu Ende. Die Dortmunder Philharmoniker und
Sängerinnen und Sänger machten einen tollen Job. Die Philharmoniker
spielten diesen Abend sogar unter fünf Dirigenten: Satomi Nishi,
Motonori Kobayashi,Philipp Armbruster, Christoph Müller und
Sebastian Engel, der sein Debut gab.




Soundtrack Krieg

3. Konzert für junge Leute und jung gebliebene Klassikfans im Konzerthaus

Krieg
und Frieden sind seit jeher Zustände, zwischen denen sich
unterschiedlichste Länder befinden. Zustände die einmal, wie der
Frieden, als selbstverständlich und unverrücklich hingenommen und
erwartet werden. Dem steht der Krieg mit all seinen Schrecken und das
Leben verneinende entgegen. Der Krieg aber wird heroisiert. Der Mord
am Gegenüber gesellschaftlich sanktioniert, geduldet oder erwartet.
Krieg? Heroisch? Nein! Eine humane Katastrophe, die die Menschheit
immer wieder in den Abgrund schauen lässt.

Genau
in dem Spannungsfeld von Frieden und Krieg liegt das 3. Konzert für
junge Leute in der Philharmonie Dortmund. Einerseits dem Hin und Her
der Politiker, Vertragsbrüchigen Falken, in ihren eigenen Standpunkt
nationalistisch verliebte Herren(menschen) ohne
Verantwortungsbewusstsein, dem Kräftefeld der eigenen und alleinig
„selig machenden“ eigenen Meinung und der anderen
„verdammenswerten“ Meinung, Ansicht oder Glauben. Andererseits
sind die „Weicheier“, die Angsthasen, die „Gutmenschen“, die
um die Katastrophe wissen und sie mit allen Mitteln zu verhindern
suchen.

Zwischen
dem „Damals“ und „Heute“, was war, und was kommen könnte,
wie es vielleicht besser bleiben sollte, ist das Spannungsfeld des 3.
Konzertes für junge Leute angesiedelt. Die Dortmunder Philharmoniker
haben es sich mit der Auswahl der Musik nicht leicht gemacht.

Mit
„Slava! A Political Overture“ von Leonard Bernstein beginnt der
Abend. Die Komposition von Bernstein ist sehr amerikanisch und
Hollywood-esque. Sie ist eindringlich, fast heiter und glänzend von
den Philharmoikern interpretiert. Fast möchte man mitgehen.

Wer
die „West Side Story“ kennt, ahnt was als nächstes kommen
könnte, schaut man in das Programm des Abends – es ist der
„Prologue“ … Das Stück kennend oder nicht, kündigt sich der
Streit, dann Kampf der Jets gegen die Sharks an und die „Romeo und
Julia“ Liebe erscheint irgendwo im Hinterkopf.

Ein eindrucksvolles Programm bot das 3. Konzert für junge Leute im Dortmunder Konzerthaus. (Foto: © Anneliese Schürer)
Ein eindrucksvolles Programm bot das 3. Konzert für junge Leute im Dortmunder Konzerthaus. (Foto: © Anneliese Schürer)

Die
Textpassagen aus „Die Nashörner“, von Eugène Ionesco bringen
mit Worten und Darstellung das Auditorium sichtbar zum Nachdenken.
Menschen hinter Gittern, denen die Freiheit versprochen wird, wenn …
ja wenn sie Nashörner würden. Ausgerechnet Nashörner! Das geliebte
Maskottchen der Dortmunder. Aber diese sich vermehrenden Nashörner,
in die sich die Gefangenen verwandeln, machen sie wirklich frei? Der
klassisch Interessierte könnte sich in diesem Moment den Chor der
Gefangenen aus Nabucco vorstellen … Aber die Nashörner, die
uniformierten, im Gleichschritt durch das Auditorium, seltsam
rhythmisch humpelnd, lassen keinen Raum. Humpeln sie, weil ihnen die
Individualität genommen und nur eine vermeintliche Freiheit gegeben
wurde? Die der „blauen“ Propheten? Weil die Ideologie des
Gleichschritts in sich hinkt?

Das
Humpeln der Nashörner, was zeigt es uns? Im Gleichschritt in der
vermeintlichen Freiheit fehlt es an der realen Freiheit des
Einzelnen. Und wie diese Nashörner im „Humpel-Gleichschritt“
durch den Raum „reisen“ ahnt man, das was kommen muss – die
Katastrophe. Die unwiederbringlich aus Geichklang im Zwang folgen
wird. Poetry Slammer Sebastian 23 macht die Einführung zum kommenden
Stück. Die „Leningrader“, die 7. Symphonie von Dimitri
Schostakovitsch. Schostakovitsch begann die Arbeit an diesem Stück
noch während der Belagerung von Leningrad (heute wieder Sankt
Petersburg). Er wurde ausgeflogen, auch um die Symphonie zu Ende zu
komponieren, und Stalin ließ sie zu Propagandazwecken über
Lautsprecher über die Truppen der Belagerer schallen.

Die
„Leningrader“. Aufwühlend, erschreckend und die Sinnlosigkeit
von Krieg musikalisch darstellend, ergreift sie jeden im Auditorium
der Philharmonie. Motonori Kobayashi dirigiert das Stakkato der
Dystopie perfekt, irgendwie als sei er der Herr des Chaos. Man muss
nicht die Filmdokumente des Grauens und kalkulierten Todes kennen,
gesehen haben, um nicht das Entsetzen, das Grauen, den Hunger, das
Verhungern und Erfrieren der Menschen und dennoch ihren verzweifelten
Überlebenswillen im Todeskampf zu spüren. Dachte Stalin nur an die
Propaganda, so erkannte er nicht auch die Anklage gegen ihn, wegen
des von ihm kaltblütig kalkulierten Opfertodes von über einer
Millionen Leningrader und der Zerstörung der Stadt.

Wie
findet man nach diesem dystopischen Element des Abends wieder in die
Normalität des Friedens zurück – nur sehr schwer. Vielleicht mit
dem Vorspiel zur Apokalypse des Grauens … Die Ausschnitte aus dem
1. Satz der Leningrader könnte vielleicht helfen, zurückführen aus
dem Irrsinn menschlichen Wahnsinns. Bernstein, mit seinem
unnachahmlichen und für die Staaten typischen Pragmatismus könnte
das Auditorium aus dem Entsetzen wieder in unsere bedrohte, aber
friedliche, zufriedene (selbstzufriedene?) Welt zurückbringen.

Die
Ausschnitte aus der „Candide Suite“ – „We build our own garden“
könnte helfen … Das Auditorium zeigte seine Begeisterung über die
Darbietung der Philharmonie lange applaudierend … Kann man eine
Verlängerung des musikalischen Abends erwarten, eine Zugabe geben?
Welche? Was würde passen? Wohl nichts … so gab es auch keine
Zugabe, auch wenn nicht wenige der Zuhörer sich das gewünscht haben
mögen. Aber ist der Abschluss nicht auch wieder ein Anklage gegen
die eigene Bequemlichkeit, die Selbstzufriedenheit? Der kritische
Gast des Abends kann sich diesem Gedanken nicht wirklich entziehen.

Das
Konzert für junge Leute wollte bewusst darstellen, wie falsch es ist
einfach nur dem zu folgen, was alle anderen tun. Jeder muss mit
seiner eigenen Individualität seinen Weg, immer wieder sich selbst
reflektierend – das schwerste Unterfangen im Leben überhaupt –
hinterfragend finden. Es ist gelungen! Sowohl in Noten, als auch in
und mit der Darstellung durch die Theaterpartisanen und
Studi-Improgruppe. Die Moderation von Sebastian 23 tat ihr übriges
zur Intensivierung des erlebten an diesem Abend. Kobayashi, der
Dirigent nahm den Applaus mit einer Dankbarkeit und Gelassenheit
entgegen, wie sie nur einem Japaner eigen sein kann.




Ensemble ArtCollage präsentiert Liebesreigen

Kurz vor dem kalendarischen Sommerbeginn luden die Musiker des Ensemble „ArtCollage“ am 17.06.2019 zum 5. Kammerkonzert unter dem Motto „Irrwege der Liebe“ in das Dortmunder Orchesterzentrum. Es ging um die Irrungen und Wirrungen dieser großen Emotion.

Die Mitglieder in
diesem auserwählten „Musiker-Pool“ haben sich im Laufe der Jahre
durch Kammer- und Orchestertätigkeit in NRW kennen und schätzen
gelernt. Darunter sind auch Mitglieder der Dortmunder Philharmoniker.
Dabei standen an diesem Abend die Blasinstrumente, unterstützt vom
Kontrabass (Asako Tedoriya) im Mittelpunkt.

Auf der Bühne
agierten neben Asako Tedoriya Bettina Geiger (Flöte), Anke Eilhardt
und Christiane Dimigen (Oboe), Fabian Hauser und Alexander Schwlab
(Klarinette), Minori Tsuchiyama und Bernhard Wesenick (Fagott) sowie
Stefan Fellhauer und Ferenc Pal (Horn).

Harmoniemusik zu
„Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 –
1847) und Sergej Prokofjew (1833 -1897) standen auf dem Programm.
Beide in Bearbeitung von Andreas N. Tarkmann. Grundlage für beide
musikalische Werke waren die Klassiker „Ein Sommernachtstraum“
und „Rome und Julia“ aus dem 16. Jahrhundert von William
Shakespeare.

Das Ensemble ArtCollage verband in seinem Konzert Musik und Literatur (John Wesley Zielmann am Lesetisch). (Foto: © Anneliese Schürer)
Das Ensemble ArtCollage verband in seinem Konzert Musik und Literatur (John Wesley Zielmann am Lesetisch). (Foto: © Anneliese Schürer)

Als zusätzliche
Ebene wurde der Schauspieler John Wesley Zielmann als Sprecher
eingesetzt, der sehr lebendig und bildhaft die entsprechende Texte zu
den Dramen vortrug.

Sprecher und Musiker
wechselten sich jeweils. Nicht nur um sich zu ergänzen, sondern die
Ausdruckskraft der Werke im Zusammenhang mit der expressiven und
sensiblen Klangfarben der Instrumente noch zu verstärken.

Nebenbei konnte das
Publikum die Instrumente einzeln und im Zusammenspiel in all seien
Besonderheiten und allen Schattierungen erleben.

Egal ob als
melancholischer Trauermarsch, verspielter Rüpel – oder
Elfenmarsch, oder bei dem bekannten feierlichen Hochzeitsmarsch beim
„Sommernachtstraum“ zeigten schon ihr Können.

Nach der Pause
interpretierten sie die romantisch-dramatische Musik von Prokofjewmit
viel Feingefühl und Temperament.

Ein „ganzheitliches“
besonderes Erlebnis für die Zuhörerinnen und Zuhörer an diesem
warmen Frühsommer-Abend.




Klangvokal 2019 – Tiefbewegende Chormusik

Einen großen Bogen von zeitgenössischer Chormusik bis hin zur Musik
der russischen Romantik präsentierte der Chor des Lettischen
Rundfunks unter der Leitung von Sigvards Kļava
zum Abschluss des Klangvokal Festivals am 16. Juni 2019 in der
Reinoldikirche.

Schon 2017 gab der Chor ein großes Konzert mit Rachmaninows „Abend- und Morgenlob“, 2019 präsentierte er wieder russische geistliche Musik kombiniert mit Stücken von Arvo Pärt, Ēriks Ešenwalds, Gustav Mahler und Peter Tschaikowsky.

Den Beginn machte
Ešenwalds‘
Arbeit „A drop in the ocean“ von 2006. Moderne Chormusik vom
feinsten. Man spürte beinahe den Wind rauschen und die sanfte
spirituelle Arbeit des Komponisten wurde durch den Chor wunderbar
umgesetzt.

Danach
war es Zeit für die minimalistischen Klänge des Arvo Pärt. Seine
“Sieben Magnifikat-Antiphonen“ wecken Erinnerungen an die
gregorianische oder mittelalterliche Musik, werden aber durch die
minimalistischen Strukturen zu einem gesanglichen Gesamtkunstwerk
verwoben.

Präsentierte geistliche Musik der Sonderklasse: Der Chor des Lettischen Rundfunks. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Präsentierte geistliche Musik der Sonderklasse: Der Chor des Lettischen Rundfunks. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Zum
Adagietto der 5. Sinfonie von Gustav Mahler gibt es auch Fassungen
für Chor. Dieser Satz
ist berühmt geworden durch den Film „Tod in Venedig“. Der
Chor des Lettischen Rundfunks sang ein Arrangement von Gérard
Pession mit dem Titel
„Kein deutscher
Himmel“.

Nach
der Pause wurde es Zeit für den liturgischen Teil. Schließlich
waren wir ja in einer Kirche, wenn auch nicht in einer
russisch-orthodoxen. Doch das Gefühl stellte sich bereits bei den
ersten gesungenen Worten der „Liturgie des Heiligen Chrysostomos“
von Peter Tschaikowsky ein. Tschaikowsky setzt hier ganz auf den
Klang der orthodoxen Liturgie. Wie schon vor zwei Jahren überzeugt
der Chor bei diesem Stück vollkommen.




Klangvokal 2019 – A capella zum mitmachen

Einen Glückgriff machte das Festival Klangvokal mit der Kölner
Formation „Room One“. Das Konzert am 16. Juni 2019 im domicil in
Zusammenarbeit mit SOUNDZZ war ein gelungenes Erlebnis für Jung und
Alt.

Mit zwei neuen
Leuten, viel Musik und noch mehr Spaß machte die A capella Band
„Room One“ das ehrwürdige domicil zu einem Mitmachclub. Sie
schafften es, alle Menschen zum Tanzen und Mitsingen zu animieren,
selbst wenn der Text in der südafrikanischen Sprache Zulu ist.

Pop und Soul waren
in dem einstündigen Konzert zu hören, dazu Jazz-Standards. Alles
oft mit einer witzigen Choreografie verbunden. Doch es wurde nicht
nur gesungen, es gab auch Beatboxing, so dass der Schlagzeugsound
nicht fehlen musste. Natürlich musste ein Lied dabei sein, bei dem
sich die Sängerinnen und Sänger verkleideten, schließlich kamen
sie ja aus Köln.

Room One zeigte auch Mut zu Verkleidungen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Eine witzige Aktion
war es, dass alle sechs Mitglieder für einen Song von Kindern je
nach Berührung „ein- und ausgeschaltet“ werden konnten. Zwei
Kinder konnten es live ausprobieren und man spürte, dass es allen
Beteiligten großen Spaß machte.

Nach zwei Zugaben
war dann Schluss. Der große Applaus war nicht nur ein Verdienst der
Künstlerinnen und Künstler, sondern belohnte auch deren offene Art.




Klangvokal 2019 – Georg Friedrich Händels starke „Heroinen“

Die imposante Maschinenhalle im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in
Bövinghausen bildete einen würdigen Rahmen für „Händels
Heroinen“ am 14.06.2019 im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals
2019.

„The King‘s
Consort“ als erstklassiges britisches Ensemble unter der Leitung
von Robert King, der auch am Cembalo spielte sowie die englische
Sopranistin und Spezialistin auf dem Gebiet der Barockmusik Carolyn
Sampson zogen das Publikum in die faszinierende Welt der Oratorien
und Opernmusik von Georg Friedrich Händel ( (1685 – 1759).

Die Musik des Komponisten war von Frauen, darunter auch seiner Mutter, inspiriert. Egal ob als Königinnen, Prophetinnen, Zauberinnen, Dienerinnen oder rachsüchtige Intrigantinnen – Frauen spielten sie in seinem Vokalschaffen eine gewichtige Rolle mit starker Präsenz.

Los ging es mit den
wunderbaren „Wassermusik“ und der Sarabande aus der Oper „Almira,
Königin von Castilien“). Schon hier konnte sich der Solo-Trompeter
Neil Brough in dem Ensemble-Gefüge auszeichnen.

Carolyn Sampson und "The Kings' Consort" präsentierten starke Frauen aus Händels Opern- und Oratorienschaffen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Carolyn Sampson und „The Kings‘ Consort“ präsentierten starke Frauen aus Händels Opern- und Oratorienschaffen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Im Folgenden
wechselten sich instrumentale Passagen mit den von der Sopranistin
Sampson mit klarer Stimme sensibel gesungenen Arien ab. Am Anfang lag
der Schwerpunkt bei den Oratorien wie „Sememe“, „Theodora“
oder „Deborah“, später standen dann die Opernarien wie die der
Cleopatra (Oper Giulio Cesare), die Arie der Teofane (Oper „Ottone,
Re di Germania“). Die Arie der Ginevra (Oper „Ariodante“) oder
etwa die der Melissa (Oper „Amadigi di Gaula“) im Mittelpunkt.

Die verschiedensten
Emotionen, von traurig-melancholisch, rachsüchtig-temperamentvoll
bis liebes- freudig wurden von der Sängerin in allen Schattierungen
gekonnt dargebracht. Die oft feierlich bewegende Musik Händels kam
in der Maschinenhalle gut zur Geltung. Als Zugabe gab es ein Stück
aus dem dritten Akt des Oratoriums „Samson“.

Für alle Freunde
des Komponisten und der Barockmusik ein großartiges Erlebnis.




Klangvokal 2019 – Mit dem Sollazzo Ensemble im musikalischen Liebesfieber

Das sechsköpfige Sollazzo Ensemble (Basel) unter der Leitung von
Anna Danilevskaia existiert seit 2014 und gilt als Shootingstars im
Bereich Alte Musik des Mittelalters und der Frührenaissance. Im
Rahmen des Klangvokal Musikfestivals konnte es nun sein Können am
12.06.2019 in der Dortmunder St. Marienkirche unter dem Titel „Tag
und Nacht – oder: Von der Liebestollheit in der Ars Nova“ unter
Beweis stellen. Die „Ars Nova“ besingt mit einer expressivem
Klangfarbe alle Schattierungen zwischen Liebesfreud und Liebesleid.

Mit dabei waren
Perrine Devillers mit ihrem klaren Sopran, Vivien Simon als sensibler
Tenor, und an den alten eindrucksvollen Instrumenten Franziska
Fleischanderl (Psalter: mittelalterlicher Zither ohne Griffbrett),
Sophia Danilevskaia (Fidel), Anna Danilevskaia (Fidel und Christoph
Sommer (Laute).

Um (Liebes-) Gefühle
in weltliche Gesangsformen zu transformieren, bildeten Balladen oder
sogenannte „“Virelai“ (ein mittelalterliches Tanz- und
Liebeslied) gerade in Frankreich und Italien die Grundlage.

Als ein Beispiel sei
hier das von einem gewissen französischen Komponisten „Borlet“
(Trebol?) Anfang des 14. Jahrhunderts entstandene „ Hé,
tres doulz roussignol joly“ genannt. Es gehört zu den musikalisch
verspielten Virelais mit geschickt eingebauten Vogelimitationen. Man
muss wissen, das Vögel, besonders die Schwalben als „Liebesboten“
galten.

Das Sollazzo Ensemble präsentierte Liebeslieder der Renaissance in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Das Sollazzo Ensemble präsentierte Liebeslieder der Renaissance in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Mit
Madrigalen (Singgedichte,
bei dem der
Text nicht nur wiedergegeben, sondern durch Gesang wie
Instrumentierung mit gedehnten lautmalerischen Effekten gestaltet)
wie etwa
„Quel sole che
nutric‘al gentil fiore“, wird
die Schönheit der Frauen und der Natur mit Tiefe und Intensität
besungen.

Devillers
und Simon beeindruckten vor allem durch ihre Harmonie, wenn sie
zusammen sangen.

Das
wunderbare Zusammenspiel der Instrumente sorgte zwischendurch immer
wieder für atmosphärische Tiefe.

Im
ersten Teil
des Abends standen in
französischer oder italienischer Sprache gesungenen Texten das
Liebesleid, in der
zweiten Hälfte schon mehr die Liebesfreude und Liebeslust im
Zentrum.

Gespielt und gesungen wurde Lieder von Borlet, Vincenzo da Rimini (ca. 1350-1400), Bartolino da Padova (1365-1405), Niccolò da Perugia (, Matteo da Perugia , Jacob de Senlèche (ca. 1382-1395) oder Francesco Landini (ca. 1335-1397).

Das
Abschlusslied des Programms „Or sus, vous dormés trop“ stammt
von einem anonymen Komponisten und seine Noten
finden sich im „Codex Ivrea“, der Bibliothek
der piemontesischen Stadt Ivrea. Hier
wird eine schöne Dame ausgelassen gefeiert, die zu lange schläft.
Stattdessen soll sie lieber der Lerche, Amsel, Drossel oder dem
Zeisig, aber nicht zuletzt dem Verehrer ihr Ohr und Herz schenken.